mini|Ernest Shackleton (fotografiert von Nadar, circa 1909)rahmenlos|rechts|Shackletons Signatur

Sir Ernest Henry Shackleton [] CVO, OBE, LL.D,Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, Titelseite. OLH„Ernest Shackleton dies on antarctic trip“, The New York Times vom 30. Januar 1922, S. 4 (abgerufen am 25. Oktober 2011). (* 15. Februar 1874 in Kilkea, County Kildare, Irland; † 5. Januar 1922 in Grytviken, Südgeorgien) war ein britischer Polarforscher irischer Abstammung und eine der herausragenden Persönlichkeiten des sogenannten „Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung“.Tyler-Lewis: The Lost Men. S. 12: Nach Einschätzung von John King Davis, Teilnehmer an Shackletons Nimrod-Expedition und in späteren Jahren einer der bedeutendsten Navigatoren in der Antarktisforschung, handelt es sich bei dieser Epoche angesichts ihrer technischen Unzulänglichkeiten vielmehr um die ; zitiert nach John King Davis, High Latitude. University Press, Melbourne 1962, S. 101. Er nahm an vier Antarktisexpeditionen teil, von denen er bei dreien als Expeditionsleiter tätig war.

Seine ersten antarktischen Erfahrungen machte Shackleton als Dritter Offizier bei der von Robert Falcon Scott geleiteten Discovery-Expedition (1901–1904), von der er wegen einer von ihm bestrittenen gesundheitlichen Dienstuntauglichkeit vom Expeditionsleiter 1903 nach Hause geschickt wurde.

Entschlossen, diesen Makel zu tilgen, kehrte Shackleton 1908 als Leiter der Nimrod-Expedition (1907–1909) in die Antarktis zurück. Im Januar 1909 stellte er zusammen mit drei Begleitern einen neuen Rekord in der größten Annäherung an einen der beiden geographischen Erdpole auf, bevor sie bei 88°23′S und noch 180 km vom Südpol entfernt umkehren mussten. Für diese Leistung wurde Shackleton von König Edward VII. zum Ritter geschlagen.

Nachdem der Norweger Roald Amundsen 1911 den Südpol erreicht hatte, verlagerte Shackleton sein Augenmerk auf die Durchquerung des antarktischen Kontinents von Küste zu Küste über den geographischen Südpol hinweg. Doch auch mit dieser Forschungsreise, die als Endurance-Expedition (1914–1917) bekannt ist, scheiterte er. Das Expeditionsschiff sank 1915 im Weddell-Meer, nachdem es vom Packeis zerdrückt worden war. Durch eine abenteuerliche Rettungsaktion, für die Shackleton weitaus bekannter ist als für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Antarktisforschung, konnte er alle Expeditionsteilnehmer vor dem Tod bewahren.

1921 führte ihn die Quest-Expedition (1921–1922) ein letztes Mal in antarktische Gewässer. Noch vor dem eigentlichen Beginn der Forschungsreise starb Shackleton in Grytviken auf Südgeorgien an einem Herzinfarkt und wurde auf Wunsch seiner Frau auch dort begraben.

Abseits seiner Forschungsreisen war Shackletons Leben rastlos und unerfüllt. Auf der Suche nach Wegen, möglichst rasch zu Ruhm und Reichtum zu gelangen, scheiterte er mit zahlreichen Unternehmungen. Am Ende seines Lebens war Shackleton hoch verschuldet. Obwohl er im Nachruf durch die Presse als Held gefeiert wurde, geriet sein Name im Gegensatz zu dem seines Rivalen Scott bald darauf für lange Zeit in Vergessenheit. Erst zur Jahrtausendwende wurde Shackleton als vorbildliche Führungspersönlichkeit wiederentdeckt, die es in extremen Situationen vermochte, ihre Untergebenen zu außergewöhnlichen Leistungen zu motivieren.

Herkunft mini|hochkant=0.5|Wappen der Familie Shackleton

Ernest Shackleton kam im Kilkea House, (abgerufen am 23. Juni 2010). einem Anwesen in der Nähe der Ortschaft Athy, als zweites von zehn Kindern (Foto von ca. 1890): (v. l. n. r.) Kathleen (1884–1961), Ethel (1878–1935), Clara (1881–1958), Frank (1876–1941), Amy (1875–1953), Ernest, Eleanor (1879–1960), Alice (1872–1938), Gladys (1887–1962) und Helen (1882–1962) (abgerufen am 30. Juli 2010). des Grundbesitzers Henry Shackleton (1847–1920) und dessen Frau Henrietta Letitia Sophia (geborene Gavan, 1845–1929) zur Welt. (abgerufen am 24. Juni 2010). In engstem Zusammenhang mit seinem späteren Leben steht die Tatsache, dass die Challenger am Tag nach seiner Geburt als erstes Schiff mit zusätzlichem maschinellen Antrieb den südlichen Polarkreis überquerte.Riffenburgh: Nimrod. S. 38. Shackletons väterliche Vorfahren, deren Linie sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, waren Quäker aus der nordenglischen Grafschaft Yorkshire, die bereits seit 1720 in Irland lebten.Riffenburgh: Nimrod. S. 36. Zum englischen Seefahrer Martin Frobisher besteht ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 4. Shackletons einziger Bruder Francis (abgerufen am 24. Juni 2010). (genannt Frank, 1876–1941) geriet 1907 in Verdacht, am Raub der irischen Kronjuwelen beteiligt gewesen zu sein.Huntford, Shackleton, S. 227–228.

Der Leitspruch der Familie Shackleton, deren Name sich von demjenigen eines Weilers in der Nähe des Dorfes Heptonstall in Yorkshire ableitet, lautet „Fortitudine Vincimus“ (im Englischen: „by endurance we conquer“, im Deutschen: „Durch Ausdauer zum Sieg“).Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 8. Das etwa seit dem Jahr 1600 existierende Familienwappen trägt drei goldene Spangen auf rotem Grund.

Oftmals wurde versucht, Shackletons Eigenschaften und Charakterzüge von seiner Herkunft abzuleiten, doch nach Meinung seiner Biographen Margery und James Fisher ist dies unzutreffend oder bestenfalls eine verkürzte Darstellung. Fisher: Shackleton. S. 1.

Frühe Lebensjahre Kindheit und Jugend (1874–1890) mini|Der elfjährige Ernest Shackleton

Im Zuge des Land War und des allgemeinen Niedergangs der Landwirtschaft in Irland Ende des 19. Jahrhunderts entschloss sich Shackletons Vater, eine neue berufliche Richtung einzuschlagen. 1880 zog die Familie nach Dublin, wo Henry Shackleton in den nächsten vier Jahren am Trinity College Medizin studierte. Im Dezember 1884 verließ die Familie Irland, und Shackletons Vater eröffnete eine Arztpraxis in Croydon unweit von London. Diese gab er bereits nach sechs Monaten auf, um sich schließlich erfolgreich in Sydenham als Arzt niederzulassen.Huntford, Shackleton, S. 6–9.

Seit frühester Jugend war Ernest Shackleton ein begeisterter Leser. Zugang zu Literatur und Dichtung erhielt er durch seinen Vater. Besonders faszinierten ihn die Abenteuerromane des englischen Romanciers George Alfred Henty und von Jules Verne.Kimmel, Ice Story, S. 4–5. Sein Lieblingsbuch soll Life with the EsquimauxCharles Francis Hall: Life with the Esquimaux. Low, Son & Marston, London 1864, Vol. I und Vol. II (abgerufen am 7. Januar 2010). des Polarforschers Charles Francis Hall gewesen sein.Riffenburgh: Nimrod. S. 44. Über seine besondere Vorliebe für die Suche nach verborgenen Schätzen, seinen schon früh ausgeprägten Drang nach Unabhängigkeit und seine mitreißende Begeisterungsfähigkeit, die ihm auch als Erwachsenem erhalten blieb, sind zahlreiche Anekdoten überliefert. Zu Beginn seiner schulischen Ausbildung wurde Shackleton von einer Hauslehrerin unterrichtet. Seit die Familie in Sydenham wohnte, besuchte er die Fir Lodge Preparatory School. Von seinen Mitschülern wurde der für sein Alter groß und kräftig gebaute Ernest als freundlich und wohlwollend beschrieben.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 23. Durch sein reizbares Temperament scheute er sich dennoch nicht, seine Fäuste zu gebrauchen, wenn jemand etwas Negatives über seine Herkunft oder seinen irischen Akzent sagte.Riffenburgh: Nimrod. S. 37.

Im Sommer 1887 wechselte Shackleton an das angesehene Dulwich College. Den vom Großmachtsanspruch des Empire geprägten Unterricht, zu dessen wichtigsten Bausteinen christlicher Militarismus und militärische Tugenden zählten,Riffenburgh: Nimrod. S. 43. beschrieb Shackleton selbst als langweilig. .Huntford, Shackleton, S. 6. Er war nach Meinung seiner Lehrer kein besonders guter Schüler und ,Riffenburgh: Nimrod. S. 45. Zitiertes Originaldokument: Mrs. J.Q Rowett im Gespräch mit Autor James Fisher (1912–1970), SPRI MS 1456/75. dennoch schloss er 1890 als Fünftbester von 30 Schülern seines Jahrgangs ab.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 24.

Dienst bei der Handelsmarine (1890–1901) mini|Shackleton als Kadett der Handelsmarine auf der Hoghton Tower

Shackletons Vater wollte eigentlich, dass er Medizin studiert. Schließlich gab er jedoch dem Wunsch seines Sohnes nach, in der Seefahrt eine berufliche Karriere zu beginnen. Da er eine Ausbildung auf der Britannia, dem Schulschiff der Royal Navy, finanziell nicht ermöglichen konnte, schickte er den 16-jährigen Ernest zur Handelsmarine.Riffenburgh: Nimrod. S. 46. Shackleton begann im April 1890 in Liverpool als Kadett auf der Hoghton Tower (abgerufen am 23. Juni 2010)., einem Rahsegler der North Western Shipping Company.Huntford, Shackleton, S. 11. In den folgenden vier Jahren erlernte er das Schifffahrtshandwerk von Grund auf, besuchte ferne Länder und hatte Umgang mit Menschen verschiedener Herkunft und Bildungsschichten.Huntford, Shackleton, S. 13–18. Gleich die erste Reise führte ihn mitten im Winter bei schweren Stürmen um Kap Hoorn nach Valparaíso und Iquique, wo das Schiff sechs Wochen lang gelöscht und neue Fracht an Bord genommen wurde. Dabei lernte Shackleton, wie man Fracht mit Hilfe von Booten unbeschädigt zwischen einem Schiff und der Küste hin und her transportiert – Techniken, die sich bei seinen späteren Expeditionsreisen als hilfreich erweisen sollten.Riffenburgh: Nimrod. S. 49. Insgesamt nahm Shackleton an drei Seereisen auf der Hoghton Tower teil, bevor er im Juli 1894 an die Seefahrtschule in London ging und dort am 4. Oktober die Prüfung als Zweiter Offizier bestand.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 43.

Durch Vermittlung eines Schulfreundes vom Dulwich College erhielt Shackleton im November 1894 den Posten des Dritten Offiziers auf dem Trampschiff Monmouthshire mit Kurs Ferner Osten. Eine zweite Reise auf demselben Schiff führte ihn nach China.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 45–48.

Am 24. Januar 1895, als Shackleton im Indischen Ozean weilte, landete Carsten Egeberg Borchgrevink im Rahmen der Antarctic-Expedition am Cape Adare an und nahm für sich in Anspruch, als erster Mensch antarktisches Festland betreten zu haben.Carsten Egeberg Borchgrevink, Informationen auf southpole.com (abgerufen am 13. Januar 2010). Diesen Anspruch konnte Borchgrevink nicht endgültig geltend machen. Vermutlich wurde das antarktische Festland bereits durch John Davis oder Edward Bransfield erstmals betreten. Der Zufall wollte es, dass Shackleton sich späteren Aussagen zufolge genau zu dieser Zeit entschloss, Polarforscher zu werden.Riffenburgh: Nimrod. S. 57.

Als er 1896 von seiner zweiten Reise auf der Monmouthshire zurückkehrte, legte er die Prüfung als Erster Offizier ab. Nach seiner Zeit als Zweiter Offizier auf der Flintshire, einem Dampfschiff der Welsh Shire Line, erhielt er 1898 schließlich in Singapur das Kapitänspatent.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 49–50. Als Angestellter der Union-Castle Line war Shackleton nachfolgend auf dem Linienschiff Tantallon Castle (abgerufen am 23. Juni 2010). im Post- und Passagierverkehr zwischen Southampton und Kapstadt tätig. Ein Schiffskamerad beschrieb ihn als , eigenbrötlerisch, jedoch nicht abweisend, , eine Mischung aus Empfindsamkeit und Aggressivität und dennoch sympathisch.Huntford, Shackleton, S. 20–23. Bei Ausbruch des Buren-Krieges 1899 wurde Shackleton Dritter Offizier auf der Tintagel CastleFoto der Tintagel Castle (abgerufen am 23. Juni 2010). für den Transport von Soldaten in die Kapkolonie. In Kapstadt kam es dabei zur Begegnung mit Rudyard Kipling, den er als namhaften Co-Autor für sein erstes eigenes Buch gewinnen wollte.Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 54. Bei besagtem Buch handelte es sich um das Werk O.H.M.S. An illustrated record of the voyage of S.S. >Tintagel Castle<.