Die Wirtschaft Argentiniens ist traditionell vom Agrarsektor und den damit verbundenen Industrien geprägt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich weitere Wirtschaftszweige angesiedelt, so dass heute Industrien aller Arten und ein weitgefächerter Dienstleistungssektor die Ökonomie ergänzen.

Argentinien war bis Anfang der 1950er Jahre eines der reichsten Länder der Erde und hatte ein Wohlstandsniveau vergleichbar mit dem anderer Einwanderungsländer wie Kanada und Australien. Wegen diverser Krisen fiel es jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weit hinter diese Länder zurück. Heute wird Argentinien meist als Schwellenland oder emerging market bezeichnet, da das Niveau der Wirtschaft sowohl vom Bruttosozialprodukt pro Kopf als auch von sozialen Indikatoren wie der Armutsquote oder der Kindersterblichkeit nicht mehr mit Industrieländern vergleichbar ist.

Laut Angaben des globalen Wettbewerbsfähigkeitindex des Weltwirtschaftsforums rangiert Argentinien auf Platz 92 (von 137 Staaten) der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Im Index für wirtschaftliche Freiheit liegt das Land auf Platz 156 von 180 Ländern (2017).

Wirtschaftszweige Der bedeutendste Wirtschaftssektor ist in Argentinien der tertiäre Sektor (Dienstleistungen), der im Jahr 2005 55 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitrug, es folgte der sekundäre Sektor (extraktive und verarbeitende Industrie) mit 35,6 % und der primäre Sektor (Landwirtschaft) mit 9,4 %. der Weltbank Dabei nahm im Vergleich zu 2000 die Bedeutung der Landwirtschaft und der Industrie zu, während der Anteil des Dienstleistungssektors deutlich zurückging.

Landwirtschaft Die Landwirtschaft bestimmte traditionell die Wirtschaft Argentiniens und trägt auch heute noch gemeinsam mit der Produktion von Energieträgern den größten Teil der argentinischen Exporte, trotz der relativ geringen Bedeutung für die Gesamtwirtschaft. Dominierende Sektoren sind Ackerbau und Viehzucht. Die Fischerei und die Forstwirtschaft spielen trotz der langen Küstenlinie und der weiten bewaldeten Gebiete nur eine untergeordnete Rolle.

Das wichtigste Anbaugebiet im Ackerbau ist die feuchte Pampa. Außerdem bedeutend sind der Osten der Gran-Chaco-Region, sowie die Oasen und Flusstäler Westargentiniens (Cuyo) und Patagoniens. Die angebauten Nutzpflanzen unterscheiden sich je nach Klimazone. So ist im subtropischen Norden Tabak, Reis, Zuckerrohr und Baumwolle dominierend, im gemäßigten Zentrum Sojabohnen, Weizen, Mais und Sorghum, in den trockenen Gegenden Westargentiniens und Patagoniens dagegen vor allem Obst (z. B. der Weinbau im Cuyo, Äpfel in den Tälern Nordpatagoniens).

Viehzucht wird praktisch im ganzen Land betrieben, auch hier befinden sich jedoch die bedeutendsten Gebiete in der Pampa-Region. Im Zentrum ist vor allem die Rinderzucht bedeutend, sowohl zur Fleisch- als auch zur Milchproduktion. In den trockeneren Gegenden dominiert die Schafzucht.

Die Fischerei ist nur regional von Bedeutung. Das wichtigste Zentrum ist Mar del Plata. Die Forstwirtschaft ist regional im Chaco, in Misiones sowie in den Südanden bedeutend.

Bergbau und extraktive Industrie Anders als in einigen Nachbarländern spielt der Bergbau in Argentinien nur eine geringe Rolle, wobei nur Nichtmetalle landesweit abgebaut werden. Die einzigen Abbaugebiete für Metalle liegen im Andenraum, in der Provinz Catamarca (Minera Alumbrera) und Jujuy (El Aguilar) sowie Santa Cruz. Insgesamt belief sich der Wert der Extraktion von Metallen 2003 auf 50 Millionen, der von Steinen auf 181,8 Mio. und der von sonstigen Nichtmetallen auf 94,9 Mio. AR$. (MS Excel; 19 kB) des INDEC, 2003

Von großer Bedeutung ist dagegen die Extraktion fossiler Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas, die einen beträchtlichen Teil zum Bruttosozialprodukt beiträgt. Die Vorkommen sind jedoch begrenzt, wenn auch Anstrengungen unternommen werden, neue Vorkommen zu erschließen.

Verarbeitende Industrie Seit der forcierten Industrialisierung nach der Weltwirtschaftskrise um 1930 hat Argentinien eine diversifizierte Industrie entwickelt. Wichtige Sektoren der Industrie sind die Automobilindustrie, die Lebensmittelindustrie (Agrarindustrie), das Baugewerbe, die Metallverarbeitung und die chemische Industrie; daneben ist auch die Textilindustrie regional von Bedeutung.

Die traditionellen industriellen Zentren sind der Ballungsraum Gran Buenos Aires / La Plata, Rosario, Córdoba, Bahía Blanca, Mendoza und San Miguel de Tucumán. Einige Städte in ehemals strukturschwachen Regionen wie Neuquén, San Luis, Río Grande und La Rioja haben seit den 1980er Jahren eine schnelle industrielle Entwicklung erfahren, die zum Teil von der Nähe zu Energie- und Rohstoffvorkommen (im Fall Neuquén), zum Teil aber auch von staatlichen Industrieförderungsprogrammen herrührt. Besonders San Luis und Tierra del Fuego gelten als regionale Steueroasen für Betriebe, dort wurden die Provinzsteuern für neue Unternehmen zum Teil für Jahrzehnte heruntergesetzt oder gar ganz erlassen.

Dienstleistungssektor Der Dienstleistungssektor ist heute der dominierende Sektor der argentinischen Wirtschaft. Ein großer Teil davon entfällt auf den Finanzsektor und den Einzelhandel, der in den Großstädten konzentriert ist.

Die fünf wichtigsten Banken in Argentinien sind nach einer Studie der Asociación de Bancos de la Argentina von September 2006 die staatliche Banco de la Nación Argentina, Banco Francés (Filiale der baskischen BBVA), Banco Río de la Plata (seit 2007 Teil der spanischen Finanzgruppe Grupo Santander), Banco de la Provincia de Buenos Aires und Banco de Galicia (Filiale des Banco Popular Español). Daneben existieren zahlreiche weitere Banken, von denen einige Filialen ausländischer Finanzkonzerne sind (Standard Bank, Citibank, HSBC), und andere teils staatliche, teils private Kreditinstitute, die entweder auf landesweiter oder regionaler Grundlage operieren.

Die Börse mit dem größten Handelsvolumen ist die Bolsa de Comercio de Buenos Aires. Ihr wichtigster Aktienindex ist der MERVAL (Abkürzung für Mercado de Valores). Die einzige weitere Börse von Bedeutung ist die Bolsa de Comercio de Rosario (Rosario). Auch die Derivatebörse Mercado Abierto Electrónico ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Börsen mit geringem, aber vorhandenem Handelsvolumen gibt es außerdem in Córdoba, Santa Fe, Mendoza und La Rioja (zeitweise inaktiv), außerdem wurde 2005 die Bolsa de Comercio de la Patagonia mit Sitz in Ushuaia gegründet. Inaktive Börsen gibt es in Paraná, Bahía Blanca, San Miguel de Tucumán, La Plata und Corrientes.

Der Handel weist ein hohes Entwicklungsniveau auf. Wichtige Handelszentren sind die Hafenstädte Buenos Aires und Rosario (mit Einschränkungen auch Santa Fe und Bahía Blanca), die den Außenhandel dominieren, daneben Córdoba, Mendoza und San Miguel de Tucumán als regionale Handelszentren. Eine Sonderstellung nimmt die Provinz Tierra del Fuego ein, in der ein Zollausschlussgebiet herrscht.

Der Transportsektor ist auf den Straßenverkehr konzentriert, der sowohl im Güter- als auch im Passagiertransport kaum Konkurrenz durch andere Verkehrsformen erfährt. Die Flussschifffahrt spielt nur regional eine Rolle, da abgesehen von Paraná und Río Uruguay nur wenige Flüsse schiffbar sind. Der Schienenverkehr spielte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle, heute sind jedoch zahlreiche Strecken stillgelegt; dabei ist der Güterverkehr wegen des schlechten Zustands weiter Teile des Schienennetzes wegen des geringeren Geschwindigkeitsdrucks deutlich vor dem Passagiertransport (nur regional von Bedeutung) führend. Schuld daran sind fehlende Investitionen vor allem seit der Privatisierung des Schienennetzes im Jahr 1993. Die Regierung Néstor Kirchners hat allerdings ein Reaktivierungsprogramm gestartet, um wichtige Strecken zu rehabilitieren und auch den Passagiertransport wiederzubeleben. Der Luftverkehr hat, abgesehen vom Übersee-Passagiertransport, eine sehr geringe Bedeutung, die besonders nach der Abwertung 2002, die den Sektor in eine tiefe Krise stürzte, noch geringer wurde und sich nur langsam erholt.

Seit der Wirtschaftskrise 2002 wächst die Bedeutung von Dienstleistungen an ausländischen Kunden, wie etwa Call-Centern und Softwareindustrie. Grund ist die hohe Qualität der argentinischen Produkte bei vergleichsweise geringen Lohnkosten.

Siehe auch: Tourismus in Argentinien

Außenhandel mini|Umfang der argentinischen Exporte nach Sektoren, 2019 Die wichtigsten Handelspartner Argentiniens sind die Staaten des Mercosur, gefolgt vom restlichen Lateinamerika (für Exporte) bzw. gefolgt von China, der EU und den USA (für Importe). Hauptexportpartner ist Brasilien (ca. 9 Mrd. US$), gefolgt von China (5 Mrd. US$), Chile und USA (je 4,6 Mrd. US$) (Stand 2023). Importländer sind Brasilien (10 Mrd. US$), China (7,8 Mrd. US$), USA (4,8 Mrd. US$).

Die Exporte lagen in den Jahren 2014 bis 2024 laut nationalem Statistikinstitut (INDEC) bei jährlich circa 55 Milliarden US-Dollar (im Jahr 2020) bis zu knapp 90 Milliarden US-Dollar (2022). Im selben Zeitraum lagen die Importe zwischen 30 Milliarden (2020) und 65 Milliarden US-Dollar (2022). Die wichtigsten Exportgüter sind Agrarprodukte und verarbeitete Lebensmittel (inklusive Tabak); die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Chemieprodukte.

Energieproduktion Extraktion von fossilen Brennstoffen In zahlreichen Gegenden Argentiniens gibt es Lagerstätten von Erdöl und Erdgas, die Kohleextraktion ist dagegen nur wenig bedeutend.

Die traditionellen Lagerstätten für Erdöl und Erdgas liegen einerseits im Nordwesten (Osten von Jujuy, Norden von Salta), östlich des zentralen Andengebiets (Mendoza und Neuquén) sowie an der Atlantikküste Patagoniens (Osten von Chubut und Santa Cruz, Norden von Tierra del Fuego). Weitere, in neuerer Zeit entdeckte Vorkommen liegen im Westen von Formosa, vor der Atlantikküste sowie in Córdoba. Die einzige Steinkohlelagerstätte von Bedeutung liegt bei Río Turbio im Süden der Provinz Santa Cruz. Außerdem gibt es relativ bedeutende Uranreserven in den Provinzen Chubut, Mendoza, San Luis, Córdoba, La Rioja und Salta.

Produziert werden 745.000 Barrel Erdöl am Tag sowie 44,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr 2004. Damit ist Argentinien in der Lage, den Inlandsbedarf zu decken (470.000 Barrel Öl/Tag und 37,85 Mrd. Kubikmeter Gas) sowie einen Teil zu exportieren, vor allem nach Chile. Die geschätzten Reserven belaufen sich auf 2.116 Mrd. Barrel Erdöl und 612,5 Mrd. Kubikmeter Erdgas (2006).

Biokraftstoffe Bereits seit den 1970er Jahren gibt es Versuche mit Biokraftstoffen. Auslöser war die Krise des Zuckerrohranbaus in der Provinz Tucumán wegen fallender Preise dieses Rohstoffs. Der sogenannte Alconafta-Plan sah damals eine Mischung von Benzin und aus Zuckerrohr produziertem Ethanol vor, die an Tankstellen verkauft wurden.

Heute wird wegen der kritischen Energiesituation des Landes ab 2004 wieder verstärkt auf den Anbau energiereicher Pflanzen gesetzt. Besonders bedeutend ist dabei der Anbau von Soja, der allerdings auch zur Lebensmittelproduktion genutzt wird.

Elektrizität mini|Stromerzeugung in Argentinien in Terawattstunden

Die Elektrizitätsproduktion war bis in die 1970er Jahre von thermischen Kraftwerken geprägt. Seitdem wurde sie durch Kernkraft und erneuerbare Energien (insb. Wasserkraft) ergänzt.

Die Stromproduktion im Jahr 2005 verteilt sich auf folgende Arten der Erzeugung: der Secretaría de Energía de la Nación