mini|hochkant=1.5|Der Kailash in Tibet, der „heiligste Berg der Welt“; auch Symbol für den Weltenberg der Schöpfung (im Vordergrund buddhistischer Tempel Chiyu Gompa, im Mittelgrund Pilger)

Als heiliger Berg wird ein Berg bezeichnet, der als Heiligtum besondere religiöse oder kultische Bedeutung hat.

Merkmale mini|Owoo in der Mongolei – schamanisch-buddhistische Kultstätten, oft auf Bergpässen oder in Verbindung mit heiligen Bergen mini|Markante, weithin auffallende Berge – wie etwa der „Frog Mountain“ genannte heilige Berg der Sinixt-Indianer – werden von erdverbundenen Kulturen häufig verehrt.

Die religiöse Verehrung geografischer Orte, die auch von praktischer Relevanz für das Leben der Menschen waren, ist aus verschiedenen Zeiten und Kulturen bekannt. Der Begriff Animismus impliziert den Glauben an die Beseeltheit der Natur und ihrer Erscheinungen, ein häufiges Kennzeichen der als Ethnische Religionen zusammengefassten Vorstellungen. Als Elemente des Volksglaubens findet der Glaube an heilige Orte auch als Pantheismus Eingang in die Traditionen einiger Weltreligionen. Daneben gelten sie für den Menschen als Symbol, Personifikation oder Manifestation der höheren Mächte.

Die Gründe und Formen der Verehrung von Bergen und Hügeln sind vielfältig: Die Erhebungen können als Gottheiten oder häufiger als Wohnort von Göttern, Geistern oder Dämonen betrachtet werden. Unter den als heilig erachteten Bergen finden sich viele Vulkane, von denen besondere Gefahr ausging: Naturgefahren zu personifizieren und zu vergöttlichen (Theismus), und darum auch zu verehren (Theolatrie), findet sich wohl in allen Kulturen (vergl. den Begriff ‚Vulkan‘ selbst, nach dem römischen Gott des Feuers: Einem Gott des Feuers werden als Schmiedegott dann auch Erdbeben zugeschrieben). Andererseits ist vulkanische Asche häufig wichtig für die Fruchtbarkeit ganzer Landstriche. Auch Berge, die wichtige Ressourcen, etwa Bodenschätze oder Wasserreserven, beispielsweise heilige Quellen, bergen, und herausragende Gipfel bzw. Massive, deren klimatische Wirkung (Regenfälle) die Bodenfruchtbarkeit des Landes positiv beeinflussten oder gutes Jagdgebiet darstellen, werden häufig mythifiziert und mystifiziert. Exponierten Wetterbergen, die als Wetterscheiden, Keimzellen für Gewitter, häufige Windrichtung oder Indikatoren für Wetterumschwünge bekannt sind, wurde schicksalhafte Macht zugesprochen: Der Schluss, der Berg „mache“ das Wasser, Wetter und andere Naturereignisse, oder Rohstoffe und Beute, führt in einem animistischen Weltbild zum Versuch, ihn durch Ehrerweisung oder Opfer zu beeinflussen („gnädig zu stimmen“).

Neben besonders hohen beziehungsweise freistehenden Bergen, die Orientierungspunkte (Landmarken) für Territorien oder Reisen darstellen, werden oft Berge mit markanter Form verehrt. Dies gilt etwa für pyramiden- und kegelförmige Berge, Felszinnen oder solche, deren Gestalt an Menschen (Anthropomorphismus) oder Tiere erinnert (Zoolatrie), womit eine besondere Verbindung von Lebewesen und Berg angenommen wird (Totemismus).

Ein anderer Grund für die Verehrung von Bergen kann die Assoziation mit einem besonderen Ereignis, etwa einer göttlichen Offenbarung oder einer heiligen Person sein – etwa am Berg Sinai. Berge können aber auch Wohnorte der Toten darstellen (Ahnenkulte) und als verfluchte Orte, etwa als Tanzplatz von Hexen, gelten (magische Konzepte). In etlichen Kosmogonien wird auch der „Nabel der Welt“ (als Erdmittelpunkt einer flachen Erde, oder Aufhängepunkt einer am Himmelsgewölbe hängenden runden Erde) an einem bestimmten Berg lokalisiert.

Häufig werden heilige Berge markiert oder durch rituelle Zeichen oder Gegenstände, beispielsweise Steinsetzungen (Steinmännchen, Tempelbauten, im christlichen Kulturraum durch Gipfelkreuze) gekennzeichnet. Außerdem gelten bestimmte religiöse Regeln, so kann die Besteigung solcher Berge auf einen bestimmten Personenkreis oder bestimmte Zeiten bzw. Rituale beschränkt, oder überhaupt ein Sakrileg oder Tabu sein. Andererseits kann die Besteigung oder auch Umrundung Ziel von Wallfahrten sein, oder die Gipfelregion – durch ihre Nähe zum Himmel und den höheren Mächten – geeigneter Platz für Meditation, Einsiedelei oder mönchische Gemeinschaften.

Heilige Berge behalten ihren besonderen Status oft über lange Zeit und den Wechsel mehrerer Kulturen und Religionen hinweg. Vorchristliche Kultstätten wurden etwa im Zuge der Christianisierung mit christlichen Wallfahrtsorten überbaut. Bergen zugeschriebene oder assoziierte Gottheiten und Konzepte werden durch die Entsprechungen des eigenen Glaubenssystems übernommen.

Heilige Berge in verschiedenen Regionen Die Sortierung erfolgt nach abnehmender Höhe über dem Meeresspiegel innerhalb der jeweiligen Unterkategorie.

Europa Griechisch/römische Antike mini|Vulkane wie der Ätna wurden seit der Frühzeit mit den Göttern in Verbindung gebracht Dem Ätna als größter Vulkan Europas wurden seit der Antike verschiedene mythologische Bedeutungen zugeschrieben. Unter anderem spielt er eine Rolle in der Artussage. Olymp, Sitz der griechischen Götter der Antike. Parnass und Pindos, beide als Sammlungsstätte der Musen um Apollon gedeutet. Athos, ein Berg auf der griechischen Halbinsel Chalkidikí, der heilige Berg (Άγιον Όρος, Ágion Óros) der orthodoxen Kirche. Attavyros auf Rhodos, heiliger Berg des Zeus mit Tempel am Gipfel. Der Monte Cavo in den Albaner Bergen nahe bei Rom war der heilige Berg der Latiner. In römischer Zeit wurde er als Sitz des Iupiter latiaris verehrt, dem ein Tempel auf dem Gipfel geweiht war. Giouchtas mit Anemospilia, ein Beispiel für die Gipfelheiligtümer der minoischen Kultur.

Weitere ur- oder frühgeschichtliche Bergheiligtümer mini|hochkant=1.3|Der Berg Donon in den Vogesen war dem Keltengott Vosegus geweiht (im Vordergrund Mauerreste, im Hintergrund rekonstruierter Tempel) mini|Ysgyryd Fawr, heiliger Berg von Wales

Mitteleuropa Tempel- und Siedlungsberge der keltisch-eisenzeitlichen Bevölkerung Europas („Keltenberge“), oft mit Kirchen bebaut: Der Arber im Bayerische Wald. Der Goldbichl nahe Innsbruck ist ein strategisch günstig gelegener Hügel, der sowohl in der Bronze- als auch in der Eisenzeit als Brandopferplatz genutzt und teilweise künstlich aufgeschüttet wurde. Magdalensberg in Kärnten. Der Donon, ein heiliger Berg in den Vogesen mit keltischen und römischen Kultanlagen, die dem Gott Vosegus geweiht waren. Am Danielsberg in Kärnten wurde ein eisenzeitliches Heiligtum durch einen römischen Herkulestempel und dieser durch eine Kirche ersetzt. Der Kreuzberg in der Rhön gilt als „Heiliger Berg der Franken“, aber auch der Staffelberg und das Walberla werden so bezeichnet. Der Bussen gilt als der Heilige Berg Oberschwabens. Der Wilzenberg, auch „Heiliger Berg des Sauerlandes“ genannt, war ein wichtiges heidnisches und christliches Heiligtum und ist heute noch Wallfahrtsort. Der Bogenberg mit seiner Wallfahrtskirche wird manchmal als Heiliger Berg Niederbayerns bezeichnet. Am Donnersberg in der Pfalz wurde möglicherweise Donar oder Taranis verehrt. Der Hohenstein im niedersächsischen Süntel war das Hauptheiligtum der Cherusker und späteren Sachsen. Westeuropa (Kelten) Ysgyryd Fawr, der „heilige Berg von Wales“. Cnoc Áine im irischen County Limmerick. Osteuropa (Slawen) Der Kriváň ist der heilige Nationalberg der Slowaken. Altvatergebirge und Riesengebirge, die Namen gehen auf frühe slawische Vorstellungen zurück (Rübezahl, „Herr der Berge“). Der Říp gilt als heiliger Berg der Tschechen.

Vorwiegend christlich geprägte heilige Berge mini|Kloster Säben auf dem Säbener Berg in Südtirol mini|Sacro Monte di Varese, eine der neun Sacri Monti-Bergkapellen in Norditalien Monte Sacro mit der Pilgerstätte Sanctuario della Madonna di Novi Velia auf dem Gipfel, Cilento, Italien. Mount Brandon, mit dem heiligen Brandanus assoziiert. Croagh Patrick in Irland, Fastenstätte des heiligen Patrick. Das Kloster Andechs liegt auf dem Heiligen Berg der Bayern. Kloster Säben auf dem Säbener Berg in Südtirol. Der Hülfensberg, der „heilige Berg des Eichsfeldes“, ist seit dem Spätmittelalter ein Wallfahrtsort in Thüringen.

Die neun Sacri Monti in Norditalien sind weitläufige Kapellenanlagen aus dem späten 16. und 17. Jahrhundert. Sacro Monte di Ossuccio Sacro Monte di Oropa Sacro Monte di Varese Sacro Monte di Belmonte Sacro Monte di Ghiffa Sacro Monte di Varallo Sacro Monte di Crea Sacro Monte di Domodossola Sacro Monte d’Orta

Heilige Berge im Islam Der Elbrus (russischer Kaukasus) galt als heiliger Berg, als Sintflutberg und als Verbannungsort der Diws. Der Tomorr in Südalbanien ist ein heiliger Berg der islamischen Bektaschi. Der Shkëlzen in den albanischen Alpen ist aufgrund eines Grabes auf dem Gipfel für die Gläubigen der Region ein heiliger Berg. Der Iremel ist südlichen Ural ist der heilige Berg der Baschkiren

Kultur der nordeuropäischen Samen mini|Christliche Kirche und heiliger Berg Tromsdalstinden aus der ethnischen Religion der Samen

Der Atoklimpen (südsamisch: Aatoeklibpie) im schwedischen Västerbotten Der Tromsdalstinden südöstlich von Tromsø in Nord-Norwegen Der Haltitunturi an der Nordwestgrenze von Norwegen und Finnland

Namentlich mini|Kloster Swjatohirsk auf dem Swjataja Gora (Heiliger Berg) in der Ukraine Heiliger Berg findet sich im deutschsprachigen Kulturraum … … bei Bärnbach in der Steiermark in Österreich (539 m), … bei Suhl in Thüringen (513 m) … bei Hennersdorf (Kamenz) in Sachsen (354 m) … bei Haselbachtal in Sachsen (354 m) … bei Blumenthal in Holstein, ein 78 m hoher Hügel, der vermutlich eine vorzeitliche Kultstätte war. Helgafell heißt Heiliger Berg auf Isländisch und deutet auf wikingerzeitliche Kultstätten hin Helgafell (Hafnarfjörður), Helgafell (Heimaey), Helgafell (Mosfellsbær), Helgafell. Im slawischen Sprachraum heißt Heiliger Berg etwa: Sveta Gora (Slowenien), Svatá hora (Tschechien), Swjataja Gora (Ukraine), Święta Góra (Polen). Beinn Shiantaidh heißt auf Gälisch ebenfalls Heiliger Berg (Insel Jura in Schottland).

Sonstige Pic du Canigou, zuweilen auch heute noch als heiliger Berg oder „Olymp“ der Katalanen angesehen. Mtazminda (Georgien), Berg in der Hauptstadt Tiflis. Der Montaña de Guaza im Süden von Teneriffa war den vorkolonialen Guanchen heilig.

Asien mini|Auf dem Ararat (heutige Türkei) soll die Arche Noah auf Grund gelaufen sein Naher Osten Der Damāwand spielt eine wichtige Rolle in der iranischen Mythologie und im Zoroastrismus. Er ist Ort vieler Heldensagen und Sitz des Drachen Azhi Dahaka, einer apokalyptischen Figur. nach der Überlieferung ist der Ararat der Berg, auf dem die Arche Noah nach der Sintflut auf Grund lief. Nach altarmenischem Glauben als „Mutter der Welt“ wichtige Rolle bei der Erschaffung der Welt, auch Wohnsitz von Berggeistern. dem Süphan Dağı, Türkei wurden als dem Berg Eidoru von den Urartäern Tieropfer dargebracht. Der Erciyes Dağı gilt als heiliger Berg Kappadokiens. Berg Sinai/Berg Horeb, an dem Mose Gott begegnete und die Zehn Gebote erhielt. Mons Casius/Ḫazzi/Ṣapan war ein heiliger Berg bei den Hethitern, Hurritern, in Ugarit, im Antiken Syrien und er wird auch im Alten Testament genannt. Göbekli Tepe in der Türkei ist mit ca. 11.500 Jahren die älteste derzeit bekannte Tempelanlage der Welt. Sie wurde vermutlich bereits von nomadisch lebenden Jägern und Sammlern auf einem 750 m hohen Berg errichtet und später von anderen Kulturen übernommen. Tempelberg, Stadtberg Jerusalems, zentrale heilige Stätte dreier Weltreligionen, viele Jahrhunderte als Zentrum der Erde betrachtet (siehe TO-Karte); damit verbunden auch Zion, der Thron Gottes. Berg Karmel („Weingarten Gottes“), schon vorisraelitisch verehrt.

Südasien mini|Machapuchare, 6997 m (Sitz des Amitabha, Buddha des grenzenlosen Lichts) Meru, mythologischer Berg, Zentrum des Universums in der hinduistischen und buddhistischen Kosmologie. Er wird mit verschiedenen realen Bergen identifiziert.