Die 72. Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren (offiziell: 2008 IIHF World Championship Canada) fand vom 2. bis zum 18. Mai 2008 statt. Es war die erste A-Weltmeisterschaft in Kanada, dem „Mutterland“ des Eishockeysports, und zudem das erste Turnier dieser Art in Nordamerika seit der Weltmeisterschaft 1962. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass der Eishockeyverband IIHF im Jahr 2008 sein 100-jähriges Bestehen feierte.
Kanada hatte auf der Jahrestagung des Eishockey-Weltverbandes in Prag im Mai 2004 den Zuschlag für die Ausrichtung erhalten. Deutschland und Schweden hatten kurz vor der Abstimmung ihre Kandidaturen zurückgezogen, so dass Kanada letztlich der einzige Bewerber war.
Weltmeister wurde Russland.
+ Übersicht Herren-Weltmeisterschaften Turnier Ort Datum Teil-nehmer Zuschauerinsgesamt Spiele ø Top-Division HalifaxQuébec City 2. Mai 2008 – 18. Mai 2008 16 477.040 54 8.834 Division I A Innsbruck 13. April 2008 – 19. April 2008 6 32.477 15 2.165 Division I B Sapporo 13. April 2008 – 19. April 2008 6 14.513 15 968 Division II A Miercurea Ciuc 7. April 2008 – 13. April 2008 6 3.750 15 250 Division II B Newcastle 7. April 2008 – 13. April 2008 6 5.373 15 384 Division III Kockelscheuer 31. März 2008 – 6. April 2008 6 4.397 15 293 Division III Quali Sarajevo 15. Februar 2008 – 17. Februar 2008 3 3.400 3 1.133
Teilnehmer, Austragungsorte und -zeiträume Top-Division: 2. bis 18. Mai 2008 in Halifax, Nova Scotia und Québec City, Québec, Kanada Teilnehmer: , , , , (Aufsteiger), , (Titelverteidiger), , , , , , , (Aufsteiger), , Division I Gruppe A: 13. bis 19. April 2008 in Innsbruck, Österreich Teilnehmer: , , , (Absteiger), , (Aufsteiger) Gruppe B: 13. bis 19. April 2008 in Sapporo, Japan Teilnehmer: , , (Aufsteiger), , , (Absteiger) Division II Gruppe A: 7. bis 13. April 2008 in Miercurea Ciuc, Rumänien Teilnehmer: , , (Aufsteiger), , (Absteiger), Gruppe B: 7. bis 13. April 2008 in Newcastle, Australien Teilnehmer: , (Absteiger), , , (Aufsteiger), Division III 31. März bis 6. April 2008 in Kockelscheuer, Luxemburg Teilnehmer: (Qualifikant), , , , , (Absteiger) Qualifikation zur Division III 15. bis 17. Februar 2008 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina Teilnehmer: (erste Teilnahme seit 2006), (Neuling), (erste Teilnahme seit 1999)
Top-Division WM 2008 der Herren zentriert|125px|Logo der Weltmeisterschaft der Herren Anzahl Nationen 16 Weltmeister Silber Bronze Absteiger Austragungsort(e) Halifax, Nova Scotia & Québec City, Québec, Kanada Eröffnung 2. Mai 2008 Endspiel 18. Mai 2008 Zuschauer 477.040 (8.834 pro Spiel) Tore 357 (6,61 pro Spiel) Bester Torhüter Jewgeni Nabokow Bester Verteidiger Brent Burns Bester Stürmer Dany Heatley MVP Dany Heatley Topscorer Dany Heatley (20 Punkte)
Die Weltmeisterschaft der Top-Division wurde vom 2. bis 18. Mai 2008 in den kanadischen Städten Halifax in der Provinz Nova Scotia sowie in Québec City in der franko-kanadischen Provinz Québec ausgetragen. Die Spielorte waren das Halifax Metro Centre mit 10.595 Plätzen in Halifax sowie das Colisée Pepsi (15.399 Plätze) in Québec City, welche 2008 ihr 400-jähriges Stadtjubiläum feierte.
Austragungsorte Halifax, Nova Scotia Québec City, Québec Halifax Metro Centre Kapazität: 10.595 Colisée Pepsi Kapazität: 15.399 mini|zentriert|x140px| mini|zentriert|x140px|
Teilnehmer Am Turnier nahmen die besten 14 Mannschaften der Vorjahres-Weltmeisterschaft sowie die Sieger der beiden Turniere der Division I des Vorjahres teil:
14 aus Europa Belarus Dänemark Deutschland Finnland Frankreich(Aufsteiger aus Division I) Italien Lettland Norwegen Russland Schweden Schweiz Slowakei Slowenien(Aufsteiger aus Division I) Tschechien 2 aus Nordamerika Kanada(Titelverteidiger, Gastgeber) USA
Gruppeneinteilung Die Gruppeneinteilung der Vorrunde wurde auf Basis der nach Abschluss der Weltmeisterschaft 2007 aktuellen IIHF-Weltrangliste festgelegt:
Gruppe A(Québec City) Gruppe B(Halifax) Gruppe C(Halifax) Gruppe D(Québec City) (1) (2) (3) (4) (8) (7) (6) (5) (9) (10) (11) (12) (19) (18) (14) (13) * In Klammern ist der jeweilige Weltranglistenplatz angegeben.
Modusänderungen
Bei der Weltmeisterschaft 2008 gab es im Vergleich zu den vorangegangenen Turnieren vier wesentliche Veränderungen:
ein veränderter Modus im Viertelfinale, bei dem innerhalb der Zwischenrundengruppen gespielt wurde; das hieß, der Erstplatzierte traf auf den Viertplatzierten und der Zweit- auf den Drittplatzierten derselben Gruppe. die Relegation wurde erstmals im Modus „Best-of-three“ ausgetragen, wobei die Gruppenletzten der Gruppen A und D sowie die Letzten der Gruppen B und C aufeinander trafen. es wurde zum ersten Mal seit 1962 wieder auf den vier Meter schmaleren NHL-Spielfeldern gespielt (60×26 m statt 60×30 m). das Vier-Schiedsrichter-System mit zwei Hauptschiedsrichtern und zwei Linienrichtern wurde eingeführt.
Vorrunde Gruppe A
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Schweiz 3 3 0 0 0 10:4 9 2. Schweden 3 2 0 0 1 17:9 6 3. Belarus 3 1 0 0 2 9:9 3 4. Frankreich 3 0 0 0 3 2:16 0 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen: ,
Gruppe B
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Kanada 3 3 0 0 0 17:5 9 2. USA 3 2 0 0 1 13:6 6 3. Lettland 3 1 0 0 2 3:11 3 4. Slowenien 3 0 0 0 3 2:13 0 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen: ,
Gruppe C
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Finnland 3 2 1 0 0 11:5 8 2. Norwegen 3 1 0 1 1 6:10 4 3. Deutschland 3 1 0 0 2 7:10 3 4. Slowakei 3 1 0 0 2 9:8 3 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen: ,
Im Spiel Deutschland gegen die Slowakei, welches Deutschland mit 4:2 gewann, wurde auf deutscher Seite der gebürtige Kanadier Jason Holland eingesetzt, der den Regularien nach nicht hätte spielen dürfen. Im Jahr 1996 spielte er während der Junioren-Weltmeisterschaft für Kanada. Danach hätte er mindestens vier Jahre in Deutschland spielen müssen. Sein Vertrag in Ingolstadt bestand zu diesem Zeitpunkt aber erst seit drei Jahren. Das Spiel hätte im Nachhinein am „Grünen Tisch“ mit 5:0 für die Slowakei gewertet werden müssen. Die IIHF entschied anders und begründete das Beibehalten des erspielten deutschen Sieges, mit einer ansonsten unfairen Beeinflussung des weiteren Turnierverlaufes.
Gruppe D
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Russland 3 2 1 0 0 16:6 8 2. Tschechien 3 2 0 1 0 16:9 7 3. Dänemark 3 1 0 0 2 9:11 3 4. Italien 3 0 0 0 3 5:20 0 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen: ,
Zwischenrunde Gruppe E
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Russland 5 3 2 0 0 21:13 13 2. Tschechien 5 2 1 1 1 20:14 9 3. Schweden 5 3 0 0 2 23:16 9 4. Schweiz 5 3 0 0 2 16:15 9 5. Belarus 5 0 0 3 2 13:18 3 6. Dänemark 5 0 1 0 4 9:26 2 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen:
Gruppe F
Pl. Sp S OTS OTN N Tore Punkte 1. Kanada 5 5 0 0 0 30:9 15 2. Finnland 5 3 1 0 1 16:12 11 3. USA 5 3 0 0 2 25:13 9 4. Norwegen 5 1 0 1 3 8:20 4 5. Deutschland 5 1 0 0 4 13:27 3 6. Lettland 5 1 0 0 4 8:19 3 Abkürzungen: Pl. = Platz, Sp = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung (Overtime) oder Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, N = Niederlagen Erläuterungen:
Die Partie zwischen den USA und Finnland wurde durch eine Fehlentscheidung eines Videoschiedsrichters beeinflusst. Kurz nach Beginn des letzten Drittels lag das Team der USA 2:0 in Führung, als der Finne Ville Koistinen während einer Überzahlsituation mit einem Schlagschuss auf 1:2 verkürzen konnte. Der Treffer wurde per Videobeweis auf Korrektheit überprüft und als gültig befunden. Jedoch war aus den Aufnahmen der über dem Tor positionierten Kamera deutlich die Irregularität des Treffers ersichtlich, da der Puck von der Seite – durch ein Loch im Netz neben dem Pfosten – seinen Weg ins Tor gefunden hatte. Die Internationale Eishockey-Föderation IIHF bestätigte nach Spielende die Fehlentscheidung, betonte aber, dass es bei der Wertung des Spiels, das Finnland am Ende mit 3:2 gewann, bliebe, da es sich um eine Tatsachenentscheidung gehandelt habe. Der beteiligte Videoschiedsrichter wurde jedoch vom weiteren Turnierverlauf freigestellt.
Abstiegsrunde Gruppe G Die Relegationsrunde wurde erstmals im Modus „Best-of-Three“ ausgetragen, um den Mannschaften Reisestrapazen zu ersparen. Hierbei trafen der Viertplatzierte der Gruppe A und der Vierte der Gruppe D sowie die beiden Letztplatzierten der Gruppen B und C aufeinander. Die Mannschaften, die von maximal drei Spielen zuerst zwei für sich entscheiden konnten, verblieben in der WM-Gruppe, die beiden Verlierer stiegen in die Division I ab.
Serie G1
Serie G2
Finalrunde
Viertelfinale
Die Viertelfinalpaarungen zeigten die teilweise großen Defizite der „kleinen“ Eishockeynationen gegenüber den Favoriten auf den Turniersieg auf. Während die Partien zwischen Tschechien und Schweden sowie den Vereinigten Staaten und Finnland erst in der Verlängerung zu Gunsten der beiden skandinavischen Länder entschieden wurden, hatten die Kanadier und Russen mit ihren Gegnern aus der Schweiz und Norwegen leichtes Spiel.
Im ersten Viertelfinale setzte sich der amtierende Olympiasieger Schweden in der Verlängerung gegen Tschechien durch. Für den entscheidenden Treffer zum 3:2-Sieg sorgte Schwedens Topscorer Mattias Weinhandl in der vierten Minute der Verlängerung, nachdem sein Teamkollege Marcus Nilson die Partie erst knapp vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit ausgeglichen hatte. Das Aufeinandertreffen zwischen Turnierfavorit Kanada und Außenseiter Norwegen war lediglich bis zur Spielhälfte ausgeglichen, da die Norweger bis dahin ein 2:2-Unentschieden halten konnten. Mit nachlassenden Kräften konnten sie sich jedoch im weiteren Spielverlauf nicht mehr der Übermacht der Kanadier erwehren und verloren schließlich mit 2:8. Ebenso deutlich fiel der Sieg von Russland gegen die Schweiz aus. Die schweizerische Mannschaft ging zwar mit der Empfehlung eines Sieges gegen Schweden in die Partie, aber bereits nach sieben Spielminuten lag Russland mit drei Toren in Führung. Im Laufe des zweiten Drittels baute das russische Team den Vorsprung kontinuierlich auf den Endstand von 6:0 aus. Dabei unterlief dem Schweizer Philippe Furrer ein kurioses Eigentor. Im letzten Viertelfinale schaffte Finnland mit einem 3:2-Sieg über die Vereinigten Staaten als letztes Team den Einzug ins Halbfinale. Dabei hatten die Finnen bis vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit mit zwei Toren Vorsprung in Führung gelegen. Den Amerikanern gelang jedoch mit einem Doppelschlag binnen 37 Sekunden noch der Ausgleich. Schließlich traf Sami Lepistö in der 4. Minute der Verlängerung zum Sieg für Finnland.
Halbfinale
In den beiden Halbfinalpartien setzten sich die beiden im Turnierverlauf noch unbesiegten Mannschaften durch. Während Russland mit 4:0 gegen Finnland siegte, tat sich der amtierende Weltmeister Kanada im Duell gegen den amtierenden Olympiasieger Schweden schwer. Dabei gerieten sie nach der 2:1-Führung der Schweden in der 23. Spielminute erstmals im Turnier in Rückstand. Vier Treffer im Mittelabschnitt sicherten schließlich den Finaleinzug, obwohl Schweden kurz vor Schluss noch einmal auf 4:5 verkürzen konnte.
Spiel um Platz 3