Gensungen ist der mit rund 3.000 Einwohnern der bevölkerungsmäßig größte Stadtteil von Felsberg im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.
Geographie Der Ort liegt südöstlich der Kernstadt Felsberg am gegenüberliegenden rechten Ufer der Eder. Die Gemarkung von Gensungen umfasst eine Fläche von 9,98 Quadratkilometern.
Geschichte mini|400px|Gensungen mit der Ederbrücke (ganz rechts), Felsberg (Mitte), Heiligenberg (rechts), Kartause Eppenberg (rechts hinten) – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Gensungen findet sich im um das Jahr 1160 entstandenen Codex Eberhardi unter dem Namen „Gensingen“ und bezieht sich auf den Zeitraum von 802 bis 817 und im Mainzer Urkundenbuch im Jahr 1085.
Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) war Gensungen Verwaltungssitz des Kantons Gensungen.
Ab 1554 wurde nach einer staatlichen Konzession vom damaligen Landgrafen Philipp I. unterhalb des Heiligenbergs Kohlebergbau betrieben, der wesentliche Abbau fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt und endete 1953.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Februar 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Hesserode und Heßlar auf freiwilliger Basis nach Gensungen eingegliedert. Zum 31. Dezember 1971 kamen auch noch Beuern und am 1. April 1972 Melgershausen hinzu. Dazu siehe auch Großgemeinde Gensungen.
Zum 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Gensungen kraft Landesgesetz mit den Gemeinden Brunslar, Helmshausen, Hilgershausen und Rhünda sowie der Stadt Felsberg zur erweiterten Stadt Felsberg zusammengeschlossen. Für alle nach Felsberg eingegliederten ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 in Gensungen 3943 Einwohner. Darunter waren 150 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 450 Einwohner unter 18 Jahren, 1037 zwischen 18 und 49, 648 zwischen 50 und 64 und 711 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1308 Haushalten. Davon waren 384 Singlehaushalte, 429 Paare ohne Kinder und 357 Paare mit Kindern, sowie 108 Alleinerziehende und 30 Wohngemeinschaften. In 357 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 801 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1585: 47 Haushaltungen 1747: 67 Haushaltungen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 477 evangelische (= 94,78 %), ein katholischer (= 0,13 %), 40 jüdische (= 5,10 %) Einwohner • 1961: 2112 evangelische (= 83,58 %), 351 katholische (= 13,89 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Gensungen besteht ein Ortsbezirk (Gebiet der ehemaligen Gemeinde Gensungen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 wurden nur acht Sitze vergeben und die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat betrug 49,91 %. Es erhielten die SPD mit 46,09 % der Stimmen vier Sitze, die FDP mit 14,46 % einen Sitz und die CDU mit 39,45 % drei Sitze. Der Ortsbeirat wählte Heidi Folwerk (SPD) zur Ortsvorsteherin.
Wappen und Flagge Wappen
Nach Kabinettsbeschluss vom 1. Oktober 1947 wurde der Gemeinde vom Hessischen Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.
Flagge
Die Flagge der inzwischen aufgelösten Gemeinde Gensungen wurde am 3. April 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt: „Die von schmalen goldenen Seitenstreifen eingefasste breite rote Mittelbahn der Flagge zeigt im oberen Drittel das Wappen der Gemeinde Gensungen.“
Sehenswürdigkeiten Kartause Eppenberg ist eine Klosterruine; im ehemaligen Torhaus des Klosters befindet sich ein sehenswertes Bienenkundemuseum Weitläufige Ruine der Burg Heiligenburg Gutshof der Domäne Mittelhof Ehrenmal (Basalthügel mit schöner Aussicht) am Ortsrand, unterhalb des Heiligenbergs Himmelskirche Museum Gensungen (Museum für Vor- und Frühgeschichte und Volkskundliche Sammlung im Tagelöhnerhaus) Empfangsgebäude des Bahnhofs Gensungen
Verkehr Gensungen wird durchquert von der Bundesstraße 253 und liegt etwa 2 km westlich der Bundesautobahn A7-Ausfahrt Nummer 82 „Melsungen“.
Der Eisenbahn-Haltepunkt Felsberg-Gensungen liegt an der Main-Weser-Bahn (Kassel–Frankfurt). Das Empfangsgebäude entstand 1849 nach Plänen des Architekten Julius Eugen Ruhl.Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt , S. 346.
Linie Verlauf Takt Betreiber
Söhne des Ortes Walter B. Loewenstein (1926–2018), Physiker, 1938 in die Vereinigten Staaten emigriert Hans Goldschmidt (1930–2004), Fechter, 1938 in die USA emigriert. Als Harold Goldsmith Teilnehmer der US-Olympiamannschaft 1952, 1956, 1960. Burkhart Prinz (1939–2014), Handballspieler und -trainer Joachim Smola (* 1961), Brigadegeneral und Angehöriger des Bundesnachrichtendienstes
Literatur Fröhlich, Rolf und Körner, Heinz: Das alte Gensungen, Häuser erzählen Geschichte, Felsberg 2021, ISBN 978-3-00-068242-1
Körner, Heinz: Heiligenberg und Gensungen, Dokumente zur Heimatkunde, Felsberg 2023, ISBN 978-3-00-076637-4
Weblinks
Stadtteil Gensungen. In: Webauftritt der Stadt Felsberg.
Einzelnachweise Stadt Felsberg (Web archiv 2014) Stadt Felsberg (Web archiv 2014)
Kategorie:Ortsbezirk von Felsberg (Hessen) Kategorie:Ort im Schwalm-Eder-Kreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Schwalm-Eder-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung im 8. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1974