mini|Überblick über den Staat Argentinien. Die Weinbaugebiete erstrecken sich vom Norden über nahezu 70 % der Länge des Staates bis zur Provinz Chubut. Die Weinbaugebiete liegen allesamt in den Ausläufern der Anden In Argentinien wird Weinbau seit dem 16. Jahrhundert betrieben. In der letzten Statistik des OIV von 2022 nimmt Argentinien hinter Italien, Frankreich, Spanien, USA, Australien und Chile, den 7. Rang ein. Auf fast 207.000 Hektar Rebfläche werden jährlich 11.500.000 Hektoliter (Jahr 2022) Wein produziert. Diese Menge entspricht in etwa 4,4 % der weltweit produzierten Weinmenge.State of the world Vine and Wine sector in 2022, OIV, April 2023; abgerufen am 6. Januar 2024 Allerdings wird für 2023 aufgrund von klimatischen Faktoren wie Wasserknappheit, steigenden Temperaturen und lokalen dürreähnliche Bedingungen eine Mindermenge von - 23 % erwartet.OIV World Wine Production Outlook 2023 Während die Menge der produzierten Weißweine seit dem Jahr 2000 stagniert, vervielfachte sich bis 2013 die Menge der erzeugten Rotweine von knapp 4 Millionen auf über 15,2 Millionen Hektoliter.Weltweite Weinbaustatistik – Tabelle 5 (PDF; 998 kB) oiv.int; abgerufen am 7. April 2020.

Bis vor 20 Jahren wurden praktisch nur einfache Weine in großer Menge für den lokalen Markt produziert. Seit Anfang der 1990er-Jahre überzeugen auch Qualitätsweine auf dem Exportmarkt. Im Jahr 2004 exportierte der südamerikanische Staat Wein im Wert von 431 Millionen US-Dollar, vor allem die Sorte Malbec.

Die stark zergliederten Rebflächen erstrecken sich in etwa von Salta im Norden bis zur Provinz Chubut im Süden. Sie bilden im Westen des Landes entlang der Ausläufer der Anden einen Streifen in einer Länge von 1750 Kilometer und einer Breite von 100 Kilometer.

Geschichte des Weinbaus in Argentinien Die Wurzeln des Weinbaus in Argentinien liegen in Spanien. Weinbau wird seit der Zeit der spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert betrieben. Nahezu 380 Jahre entwickelte sich die Rebfläche stets positiv, bis sie im Jahr 1977 ihr vorläufiges Maximum erreichte. Motor der Aufwärtsbewegung war lange Jahre die Befriedigung des Inlandskonsums. Die Weinbauern versäumten es in der Folge, auch politisch motiviert, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Als der einheimische Markt aufgrund veränderter Verbrauchergewohnheiten zusammenbrach, musste der argentinische Weinbau grundlegend reformiert werden. In Argentinien beläuft sich die bestockte Rebfläche 2014 auf 228 Tha und ist seit 2012 um 6 000 ha gestiegen.

Die Anfänge mini|250px|Weingärten in Valles Calchaquíes, Cafayate, Salta (Stadt). 250px|mini|Al Este Bodega y Viñedo. Médanos, Buenos Aires Begründet wurde der Weinbau in Argentinien durch die ersten europäischen Siedler, die aus Spanien und Portugal nach Südamerika kamen. Denkbar war er jedoch nur durch die Vorarbeit der Inka. Ihnen ist es zu verdanken, dass in dem semi-ariden Klima der Region um die Provinz Mendoza durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem der Boden des steppenhaften Monte nutzbar gemacht wurde. Zu diesen Zwecken wurden die Wasserläufe der Flüsse Río Mendoza, Río Tunuyán, Río Atuel und Río Diamante (alles Nebenflüsse des Río Desaguadero) in das System eingebunden. Als die ersten europäischen Siedler in die Gegend kamen, wurde das Bewässerungssystem vom indigenen Stamm der Huarpe genutzt.

Der spanische Seefahrer Juan Díaz de Solís erreichte im Jahre 1516 als erster Europäer das heutige Argentinien. Dieses Gebiet wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern aus zwei Richtungen kolonisiert: Von Peru aus nahmen sie die nordwestlichen Teile des Landes in Besitz, während andererseits vom Atlantik aus spanische Niederlassungen am Stromsystem des Río de la Plata gegründet wurden.

Wildreben wie die bekannte Vitis labrusca in Nordamerika fanden die Siedler in Argentinien kaum vor.Pierre Galet: Cépages et Vignobles de France. Tome 1. Les Vignes américaines, S. 36. Die Familie der Vitacae findet man von Norden kommend nur sporadisch bis auf Höhe des Río de la Plata. Argentinien und Chile sind somit praktisch frei von Wildreben Erste Versuche mit dem Weinbau machten die Konquistadoren daher erst ab 1541 in der Nähe der Atlantikküste am Río de la Plata mit importierten Reben aus Europa.

Als erster Winzer gilt der spanische Missionar und Priester Juan Cidrón, der zusammen mit Soldaten vom chilenischen La Serena nach Argentinien kam. Die Bürger der im Norden liegenden Stadt Santiago del Estero, der ältesten durchgängig bewohnten Stadt Argentiniens, benötigten nach dem Bau einer Kirche einen Pfarrer sowie den entsprechenden Messwein. Je nach schriftlicher Quelle legte Juan Cidrón zwischen 1554 und 1556 in der Nähe der Kirche erste Weinanpflanzungen an. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde der Weinberg mit der Rebsorte Criolla grande bestockt, einer Sorte, die vermutlich von der in Chile País und in Kalifornien Mission genannten Rebe abstammt, deren wahrer Ursprung immer noch unbekannt ist.

Einige Jahre später legte Juan Cidrón zusammen mit Juan Jufré einen ersten Weinberg in der 1551 gegründeten Stadt Mendoza an. Im Jahr 1561 gab es offiziell zwei Weinberge in dieser Stadt. In den nächsten 200 Jahren stieg diese Zahl auf mehr als 100 Weinberge. Die Jesuiten und Franziskaner des Landes fanden in den Ausläufern der Anden generell die günstigsten Voraussetzungen für den Weinbau. Zwischen 1569 und 1589 wurden die Grundlagen des gewerblichen Weinbaus in der nördlich von Mendoza gelegenen Provinz San Juan gelegt. Die Gemeinde Jesús María beispielsweise entwickelte sich aus einer Estancia, die ab 1576 in der Gegend eingerichtet wurde und sich vor allem dem Weinbau widmete. Sie gehörte ab 1618 den Jesuiten, bis zu deren Vertreibung 1767. Der lagrimilla, der erste amerikanische Wein, der ins spanische Königshaus gelangte, kam aus dieser Estancia.

Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Wein der Region Mendoza im fast 1000 Kilometer entfernten Buenos Aires gehandelt. In den 1820er-Jahren kam es nach der Gründung einer argentinischen Konföderation zu einer ersten starken Einwanderungswelle, so dass der Inlandsmarkt massiv anwuchs. Doch erst die im Jahr 1885 durch die Briten eingeweihte Eisenbahnlinie zwischen Mendoza und Buenos Aires erleichterte den Transport der Weine zu diesem Absatzmarkt deutlich und sorgte mittelfristig für einen erheblichen Aufschwung im Handel mit Wein.

Einem Dokument aus dem Jahr 1887 ist zu entnehmen, dass die bestockte Rebfläche bei Mendoza zu diesem Zeitpunkt bei beachtlichen 2700 Hektar lag. Eine Folge dieses plötzlichen Aufschwungs war es, dass die Winzer primär um hohe Produktionsmengen bemüht waren, um den boomenden Inlandskonsum zu befriedigen. Quantität ging vor Qualität und es dominierte einfacher Tafelwein, der so ausgebaut wurde, dass er selbst die längsten Transportwege des Landes in genießbarem Zustand überstand.

Die trotz guter Randbedingungen mangelnde Qualität der Weine beklagte bereits Don Eusebio Blanco in seinem 1872 erschienenen Buch Las viñas y los vinos en Mendoza („Weingärten und Weine in Mendoza“). Sein Schwiegersohn und späterer Gouverneur der Provinz Mendoza, Tiburcio Benegas Ortíz (1844–1908), war ebenfalls von dem Qualitätspotential des Standorts Mendoza überzeugt und gründete im Jahr 1883 in San Vicente im Distrikt Godoy Cruz ein 250 Hektar großes Weingut namens El Trapiche. Er gilt als einer der Vorreiter des südamerikanischen Qualitätsweinanbaus. Sein Gut darf nicht mit der heute bekannten Bodega Trapiche verwechselt werden. Diese Bodega kaufte lediglich die Rechte an der Verwendung des Namens und gilt somit als legitimer Nachfolger.

Unabhängigkeitszeit mini|Die Einwanderungspolitik von Nicolás Avellaneda beeinflusste den argentinischen Weinbau maßgeblich Die Jahre von 1880 bis 1912 waren durch die zweite massive Einwanderungswelle vor allem von Italienern und Spaniern gekennzeichnet. Die Einwanderung wurde von einem Gesetz von Nicolás Avellaneda stimuliert, das die Erlangung einer Aufenthaltsgenehmigung stark vereinfachte. Die Wirtschaft war in der Folge stark auf den Export von Rohstoffen und den Import von Industrieprodukten eingestellt. Diese Jahre brachten Argentinien wirtschaftlichen Aufschwung, die Periode endete aber mit der Weltwirtschaftskrise.

Die Regierung von Julio Argentino Roca und die folgenden Regierungen unter Miguel Juárez Celman (1886–1890), Carlos Pellegrini (1890–1892), Luis Sáenz Peña (1892–1895), José Evaristo Uriburu (1895–1898) und wiederum Roca waren oligarchisch ausgerichtet, mit großem Einfluss der Großgrundbesitzer. Mit dieser politischen Grundeinstellung wurden die Weichen der heutigen Struktur des argentinischen Weinbaus gelegt. Etliche der in jener Zeit gegründeten Weinbaubetriebe beherrschen jetzt noch den Markt und gehören zu den größten Betrieben weltweit.

Die Einwanderer siedelten sich in den Städten und in so genannten „Kolonien“ auf dem Land an. Diese Welle verstärkte die Dominanz des Litoral und besonders von Stadt und Provinz Buenos Aires zusätzlich, da sich der Großteil der Einwanderer in dieser Gegend niederließ. Diese Siedler brachten nicht nur Weinbaukenntnisse mit, sondern hatten andere geschmackliche Präferenzen als die bisherige einheimische Bevölkerung. Es dauerte somit nicht lange, bis neue europäische Reben nach Argentinien eingeführt wurden.

Als Pionier dieser Import-Bewegung gilt der Franzose Aimé Pouget, der schon ab dem Jahr 1850 mit der Einfuhr der französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Malbec begann. Ermutigt worden war er zuvor von Domingo Faustino Sarmiento, dem späteren Gouverneur der Region Cuyo (Mendoza – San Juan) und Präsidenten von Argentinien.

Relativ früh ist der Ausbau von Weinen der Rebsorte Spätburgunder (Pinot Noir) belegt. Unterbrochen wurde dieser Import aus Europa jedoch ab 1870 aufgrund der in Europa wütenden Reblausinvasion. Anfang des 20. Jahrhunderts importierte der in Conegliano, Italien, ausgebildete Önologe Leopoldo Suarez rund 600 Rebsorten, nachdem er die wichtigsten Anbaugebiete in Frankreich, Spanien, Griechenland, Algerien, Tunesien, Ägypten und Ungarn besucht hatte.

Juan Perón gewann die Wahlen 1946 und dominierte mit seiner Frau Eva (genannt Evita, † 1952) das politische Leben bis 1955. Bestandteil der peronistischen Politik waren die Nationalisierung wichtiger Industriezweige und die Ausweitung des Importsubstitutions-Modells auf die Konsumgüterindustrie. Vor allem in seiner ersten Regierungszeit erlebte Argentinien die Industrialisierung weiter Teile des zuvor landwirtschaftlich geprägten Landes und eine darauf folgende wirtschaftliche Blütezeit mit einem Wohlstandsniveau, das später nie wieder erreicht wurde. Aus dieser Zeit stammt der Ausspruch Peróns, von dem, was eine argentinische Familie in den Müll wirft, könnten fünf europäische Familien überleben. Von 1920 bis in die 1950er-Jahre war Argentinien tatsächlich weitaus wohlhabender als die unter den Kriegsfolgen leidenden europäischen Länder und stand zeitweise unter den wohlhabendsten Nationen der Welt an achter Stelle.Blanchard, Olivier und Pérez Enrri, Daniel: Macroeconomía. Prentice Hall Iberia, Buenos Aires, 2002. Seiten 479 bis 481. ISBN 987-97892-4-5. Der Inlandskonsum folgte dem Wohlstandsniveau, und die Rebfläche Argentiniens stieg in jener Zeit von knapp 100.000 Hektar auf über 190.000 Hektar. Der daraus resultierende Anstieg der Weinproduktion wurde komplett vom heimischen Markt absorbiert.

Die Nationalisierung eines Teils der Wirtschaft, die Industrialisierung und die Sozialpolitik, die allesamt gleichzeitig vorangetrieben wurden, ließen die Finanzreserven Argentiniens allerdings schnell zusammenschmelzen. Es kam zu hoher Inflation, und viele Argentinier verloren in dieser Zeit ihre Ersparnisse. Die sozialen Maßnahmen führten zu wachsenden Spannungen mit der traditionellen Großgrundbesitzeroligarchie, dem Militär sowie der katholischen Kirche.

Weinbau heute