Clarence (geschlüpft 1. Juli 1940; † 23. März 1952 oder am 23. August 1952) war ein in Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs berühmter Spatz.

Geschichte Clarence fiel seiner späteren Besitzerin, der Witwe Clare Kipps, vor ihrem Bungalow in London am Abend des 1. Juli 1940 als frisch geschlüpftes Küken vor die Füße. Kipps, eine Hobbyornithologin und Angehörige der Air Raid Precaution, des Zivilschutzes während der deutschen Luftangriffe, zog den Vogel auf und nahm ihn immer auf ihre Dienstgänge mit. Clarence verlor nie die Prägung auf seine Ziehmutter. Die beiden wurden bekannt für die Kunststücke, die der Spatz in den Bunkern Londons vorführte. Neben einigen anderen Tricks war die Luftschutzkellernummer sehr beliebt: Clarence rannte auf den Ruf „Fliegeralarm!“ hin in einen Bunker, den Mrs. Kipps mit ihren Händen bildete, und verharrte dort reglos, bis man „Entwarnung!“ rief. Noch beliebter waren indes seine Hitlerreden: Der Spatz stellte sich auf eine Konservendose, hob den rechten, durch das Jugendunglück leicht lädierten Flügel zum Hitlergruß und begann zunächst leise zu tschilpen. Er steigerte dann seine Lautstärke und Furiosität bis zu einem heftigen Gezeter, verlor dann scheinbar den Halt, ließ sich von der Dose fallen und mimte eine Ohnmacht.

Auch nach dem Krieg lebte der Spatz Clarence weiterhin mit Clare Kipps zusammen, bevor er je nach Quellenlage am 23. März 1952 oder am 23. Augustangelusnews.com: The story of a sparrow, Heather King, 7. April 2019 starb.

Bedeutung Clarence wurde zu einer Symbolfigur der von Hitlers Luftangriffen geplagten Londoner und ihres Durchhaltewillens. Er wurde in Presseberichten gefeiert, und sein Bild zierte Postkarten, die zu Gunsten des Britischen Roten Kreuzes verkauft wurden.

Rezeption Im Jahr 2025 wurde der Regisseur Tobias Eckerlin bei den Student Academy Awards in der Kategorie Animationsfilm mit der Trophäe in Gold für seinen neun-minütigen Film A Sparrow’s Song über Clarence ausgezeichnet, an dem er mit einem Team von zeitweise mehr als 50 Personen über einen Zeitraum von drei Jahren gearbeitet hatte.Westfälische Nachrichten: Studenten-Oscars: Deutscher Regisseur holt Gold – Drei Jahre für neun Minuten, Kultur, New York/Ludwigsburg, dpa, 8. Oktober 2025

Literatur Clare Kipps: Sold For a Farthing. Biography of a Common Sparrow. Vorwort von Julian Huxley. Frederick Muller, London 1953 deutsche Ausgabe: Clarence der Wunderspatz. Übersetzung von Elisabeth Schnack. Nachwort von Adolf Portmann. Arche, Zürich 1956 Clare Kipps: Timmy. The Story of a Sparrow. Vorwort von James Fisher. Arthur Barker, London 1962 deutsche Ausgabe: Noch ein Spatz (Timmy). Übersetzung von Ursula von Wiese. Sanssouci, Zürich 1978 vervollständigte deutsche Neuausgabe beider Titel: Clarence und Timmy. Meine Wunderspatzen. Übersetzung von Elisabeth Schnack und Ursula von Wiese. Vorwort von Adolf Portmann. Lenos, Basel 2023, ISBN 978-3-03925-028-8 Constantine Fitzgibbon: London’s Burning. Ballantine, New York 1970 deutsche Ausgabe: London brennt. Moewig, Rastatt 1982, ISBN 3-8118-4321-4

Weblinks Timmy: The Story of a Sparrow (1962)

Einzelnachweise

Kategorie:Individueller Vogel Kategorie:Geschichte Londons (20. Jahrhundert) Kategorie:Vereinigtes Königreich im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Sperling in der Kultur