mini|Johanna Gastdorf (2012) Johanna Gastdorf (* 17. März 1959 in Hamburg) ist eine deutsche Schauspielerin. Ihren Durchbruch hatte sie 2003 in Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern. Seitdem spielte sie in über 160 Film- und Fernsehproduktionen.

Leben Ausbildung und Theater Johanna Gastdorf, die ursprünglich Ballett-Tänzerin werden wollte, wuchs in Hamburg-Tonndorf auf und wirkte ab ihrem neunten Lebensjahr bei Ballettaufführungen mit. Später spielte sie auch in der schuleigenen Theater-AG mit.Hier und Heute. WDR-Interview. Abgerufen am 2. Januar 2021.Johanna Gastdorf bei Zimmer frei!. Sendung vom 17. Januar 2010. Abgerufen am 2. Januar 2021. Gastdorf studierte ab 1978 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Gleich nach ihrem Abschluss wurde sie 1982 an das Staatstheater Hannover engagiert, wo sie unter anderem die Eve Rull in Kleists Der zerbrochne Krug, die Helena in der Shakespeare-Komödie Ein Sommernachtstraum und die Titelrolle in Lessings Minna von Barnhelm spielte. Ihr Theaterdebüt gab sie mit der Rolle der Selma Knobbe in Die Ratten. 1993 ging sie ans Bayerische Staatsschauspiel in München, wo sie unter anderem die Hauptrollen der Katharina in Der Widerspenstigen Zähmung und der Prinzessin Eboli in Schillers Don Carlos übernahm. Von 2000 bis 2005 hatte sie ein Engagement am Schauspielhaus Bochum. Dort trat sie unter anderem als Portia in Der Kaufmann von Venedig auf. Bis 2003 war Gastdorf vorrangig am Theater tätig.Leverkusen: Im Garten von Johanna Gastdorf. RP online vom 10. September 2016. Abgerufen am 27. Oktober 2016.

Film und Fernsehen Anfangsjahre Erste Film- und Fernsehrollen übernahm Gastdorf bereits in den 1990er Jahren, als sie noch hauptsächlich am Theater arbeitete. August/September 1994 folgte ihr Leinwanddebüt mit der Rolle einer Regisseurin in Maris Pfeiffers Komödie Küß mich! (Kinostart: Juli 1995). Weitere Film- und Fernsehaufgaben folgten wie Lars Beckers Bunte Hunde (1995; als Staatsanwältin) und Ulrich Starks Diamanten küßt man nicht (TV; 1997). Sie arbeitete in der Zeit danach mit renommierten Regisseuren wie Matthias Hartmann, Leander Haußmann, Dieter Giesing und Sönke Wortmann zusammen. Mittlerweile stand Gastdorf in über 160 Film- und Fernsehrollen vor der Kamera.

Kino Ab der Jahrtausendwende war Gastdorf immer wieder in größeren und kleineren Kinorollen zu sehen. Häufig wurde sie dabei in Mütterrollen besetzt. In Sönke Wortmanns Kinoerfolg Das Wunder von Bern (2003), mit der ihr der Durchbruch als Kinoschauspielerin gelang, spielte sie die Mutterrolle der Christa Lubanski, einer klassischen „Trümmerfrau“, die sich mit ihrer kleinen Kneipe nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam eine neue Existenz aufgebaut hat. In Sophie Scholl – Die letzten Tage (2005) verkörperte Gastdorf die Widerstandskämpferin Else Gebel, die während der Zeit der gemeinsamen Inhaftierung mit Sophie Scholl in der Gestapo-Leitstelle im Wittelsbacher Palais mit ihr Freundschaft schließt. In Neandertal (2006) spielte Gastdorf eine Mutter, deren Sohn an Neurodermitis leidet.Neandertal. Filmstarts.de. Abgerufen am 15. Dezember 2017. In Die Welle (2008) war sie die Mutter des Schülers Tim Stoltefuss (Frederick Lau). In Hilde (2009) stellte sie Frieda Knef, die Mutter der von Heike Makatsch gespielten Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef dar. In der Filmkomödie Eine Insel namens Udo (2011) spielte sie an der Seite ihres Ehemanns Jan-Gregor Kremp den weiblichen Part eines Ehepaars. In dem Episodenfilm Ruhm (2012) war sie die Frau des Elektroingenieurs Joachim Ebling (Justus von Dohnányi). In dem Kinofilm Fritz Lang – Der andere in uns (2016) spielte sie die Schauspielerin, Schriftstellerin und Drehbuchautorin Thea von Harbou, die Ehefrau des Regisseurs Fritz Lang. In dem Kinofilm 24 Wochen, der im Februar 2016 im Rahmen der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) als einziger deutscher Beitrag uraufgeführt wurde und im September 2016 in den deutschen Kinos anlief, spielte Gastdorf die Großmutter in der Familie.

Tatort-Auftritte Gastdorf wirkte bisher (Stand: 2016) in Haupt- und Nebenrollen in insgesamt elf Fernsehfilmen der Krimireihe Tatort mit.Die bestgebuchten Nebendarsteller: Diese Schauspieler kennen Sie alle aus dem „Tatort“. In: Der Spiegel vom 17. November 2014. Abgerufen am 27. Oktober 2016 Ihr Tatort-Debüt hatte sie 1996 im Tatort: Perfect Mind – Im Labyrinth (1996) in einer kleineren ungenannten Rolle. Im Tatort: Sonne und Sturm (2003) war sie Sonja Praetorius, die Frau des Heilpraktikers Praetorius (Harald Schrott), die die Scheidung von ihrem Mann will. Im Tatort: Tempelräuber (2009) spielte sie Karin Ellinghaus, die Mutter eines musikalisch begabten Jungen, die eine Stelle als Haushälterin sucht, vorübergehend bei Professor Boerne (Jan Josef Liefers) angestellt ist, und seit vielen Jahren ein heimliches Verhältnis mit einem katholischen Priester (Ulrich Noethen) hat. Im Tatort: Heimwärts (2010) war sie, an der Seite von Karl Kranzkowski, als Marie Holst zu sehen, die versucht, gemeinsam mit ihrem Mann, den seit vielen Generationen im Familienbesitz befindlichen, überschuldeten Hof zu retten, und die, von der Pflege ihres demenzkranken Schwiegervaters und der familiären Situation überfordert, zur Täterin wird. Motivisch ähnlich gelagert war auch ihre Rolle als psychisch und physisch schwer angeschlagene Karin Lasinger im Tatort: Gestern war kein Tag (2011), wo sie die von ihrem Ehemann getrennt lebende, mit der Pflege überforderte, Schwiegertochter des an Demenz erkrankten Glasermeisters Max Lasinger (Günther Maria Halmer) spielte.

In Nebenrollen war sie im Tatort: Pauline (2006) als Dorfpolizistin Katharina Lichtblau, im Tatort: Der frühe Abschied (2008) als Filmmutter der weiblichen Hauptfigur Tamara und im Tatort: Schweinegeld (2009) als Sekretärin des Münchner „Schnitzelkönigs“ Merklinger zu sehen.

Ihren bisher letzten Auftritt in der Tatort-Krimireihe hatte sie im Tatort: Borowski und der brennende Mann (2013) als ohne festen Wohnsitz lebende Anja Jürgensen, eine Jugendfreundin von Borowskis Vorgesetzten Kriminalrat Schladitz, die als Kind mitansehen musste, wie ein Haus pommerscher Flüchtlinge in Brand gesteckt wurde, und die, seitdem an einem Trauma leidend, von Alpträumen und psychischen Problemen geplagt wird.

Mitwirkung in Krimireihen Gastdorf wirkte in Haupt- und Nebenrollen in zahlreichen Krimiserien und Krimireihen mit. Durchgehende Serienrollen hatte sie als Wichtrud Schaller, die Sekretärin der Mordkommission Eins in der satirischen Krimiserie Adelheid und ihre Mörder (2005–2007) und in der ZDF-Serie KDD – Kriminaldauerdienst (2007–2010) als Ehefrau Sabine des von dem Schauspieler Götz Schubert dargestellten Kriminalhauptkommissars Helmut Enders.

Im Polizeiruf 110: Kleine Frau (2006) spielte sie Lisa Schneider, eine Schulfreundin von Kriminalhauptkommissarin Herz (Imogen Kogge), eine unscheinbare Frau, die völlig verstört und blutüberströmt gesteht, ihren Söhn getötet zu haben, und schließlich Selbstmord begeht. Für diese Rolle erhielt Gastdorf 2006 den Adolf-Grimme-Preis.Keine kleine Stille. In: Kölner Stadt-Anzeiger vom 31. März 2006. Abgerufen am 27. Oktober 2016 In der ZDF-Krimireihe Kommissarin Lucas war sie in dem Film Vergessen und Vergeben (2009) die Ärztin Ursel Feyninger, die als Opfer einer Geiselnahme gezwungen wird, dem Kidnapper, der bereits für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist, in ihrem Haus ärztliche Hilfe zuteilwerden zu lassen und ihm eine Kugel herauszuoperieren. . TV-Kritik. In: Ruhr Nachrichten vom 15. Mai 2009. Abgerufen am 27. Oktober 2016.

Im Wilsberg-Krimi Halbstark (2012) war sie die Deutschlehrerin Frau Brügge, die, von ihren Schülern belästigt, erniedrigt und sexuell gedemütigt, zum Gewaltopfer wird.. Fernsehkritik. In: Heilbronner Stimme vom 7. April 2012. Abgerufen am 27. Oktober 2016 In der ZDF-Krimireihe Marie Brand war sie in Marie Brand und das Lied von Tod und Liebe (2012) als Belinda Zeiss zu sehen. Sie spielte die Ehefrau eines evangelischen Pfarrers, die als Mitglied eines „Clubs der betrogenen Ehefrauen“ (mit Katja Flint und Laura Tonke als weiteren Komplizinnen) ihrem Ehemann Björn einen Denkzettel verpassen will und dabei fast zur Mörderin wird. In der ZDF-Krimireihe Unter anderen Umständen war sie in dem Krimi Der Mörder unter uns (2013) die Ehefrau und überforderte Mutter Helene Seidel, deren tatverdächtiger Sohn am Asperger-Syndrom leidet und sich in psychiatrischer Behandlung befindet. In dem Fernsehfilm Kommissarin Heller: Tod am Weiher (2014), der ersten Folge der ZDF-Krimireihe Kommissarin Heller, wirkte Gastdorf in einer Nebenrolle als Hannah Bender mit; sie war die Mutter eines vor vielen Jahren verschwundenen Mädchens, die immer noch an die Rückkehr ihrer Tochter glaubt.

In der ZDF-Krimireihe Ein starkes Team spielte Gastdorf in dem Krimi Geplatzte Träume (2016), dem letzten Film mit Maja Maranow als Kommissarin Verena Berthold, die Rolle der an Krebs erkrankten Johanna Harbach, die gemeinsam mit ihrer Tochter (Isabell Gerschke), einer Schulfreundin der Kommissarin, und ihrem Schwiegersohn (Matthias Koeberlin) in einem Rohbau am Stadtrand Berlins „haust“ und versucht, das Haus in Eigenregie fertigzustellen und schließlich Rache an dem bankrotten Bauunternehmer nimmt, der ihre Familie in den finanziellen Ruin getrieben hat. Die Frankfurter Neue Presse bezeichnete Gastdorfs Darstellung in einer TV-Kritik als aus dem Schauspielerensemble „herausragend“.TV-Kritik Geplatzte Träume: Maranows starker Abschied. In: Frankfurter Neue Presse vom 10. Januar 2016. Abgerufen am 27. Oktober 2016.

In der ZDF-Krimireihe Taunuskrimi war sie in dem zweiteiligen Film Die Lebenden und die Toten (2017) in einer Nebenrolle als Inhaberin eines örtlichen Blumenladens, deren Mutter auf mysteriöse Weise im Wald erschossen wird, zu sehen. In der ZDF-Krimireihe Neben der Spur war sie in dem Film Dein Wille geschehe (2017) in einer Nebenrolle als Ehefrau und Mutter zu sehen.

In der ZDF-Krimireihe Friesland übernahm Gastdorf im Fernsehfilm Schmutzige Deals (2018) eine Nebenrolle als ehemalige Mitinhaberin eines landwirtschaftlichen Großbetriebs und Mutter des in Gülle ertränkten Mordopfers.Die Kritiker: «Friesland: Schmutzige Deals». Fernsehkritik bei Quotenmeter.de. Abgerufen am 11. Februar 2018.

Im 4. Film der ARD-Fernsehreihe Wolfsland (2018) spielte sie die Köchin Gesine Schwenk, die Schwägerin des Mordopfers und „gute Seele“ einer schlecht gehenden Gastwirtschaft, die am Ende als Doppelmörderin überführt wird.Neue „Wolfsland“-Folge mutet dem Zuschauer zu viel zu. Fernsehkritik. In: Neue Ruhr Zeitung vom 31. Mai 2018. Abgerufen am 9. Juni 2018.

Im 79. Film der Fernsehreihe Ein starkes Team: Tödliche Seilschaften (2019) verkörperte Gastdorf die Frau des Berliner Bausenators, die belastendes Material gesammelt hat und den Mord an ihrem Sohn rächen will.Ein starkes Team: Tödliche Seilschaften. Handlung und Besetzung. Offizielle Internetpräsenz des ZDF. 19. Oktober 2019.Tilmann P. Gangloff: TV-Tipp: „Ein starkes Team: Tödliche Seilschaften“. TV-Kritik. Abgerufen am 20. Oktober 2019. Im vierten Film der ZDF-Fernsehreihe Solo für Weiss, Für immer Schweigen (2019), verkörperte Gastdorf die Witwe Karin Brendner, die einem kürzlich ermordeten Arzt die Schuld am Tod ihres Sohnes gibt.Für immer Schweigen. Handlung und Besetzung. Offizielle Internetpräsenz des ZDF. Abgerufen am 25. November 2019. Im zweiten Film der ZDF-Krimireihe Das Quartett mit dem Titel Das Mörderhaus, der im Dezember 2020 erstausgestrahlt wurde, verkörperte Gastdorf die homosexuelle Lehrerin Heidi Drechsler.ZDF-Samstagskrimi: Das Quartett – Das Mörderhaus. ZDF Presseportal | Pressemitteilungen. Abgerufen am 2. Januar 2021.

Seit Oktober 2021 ist sie neben Katharina Nesytowa und Joscha Kiefer in der Hauptrolle der Revierleiterin Dorothea Danzeisen im ZDF-Krimiformat Breisgau zu sehen.

Weitere Fernsehauftritte