Electrola ist eines der marktführenden deutschen Musiklabels, das jahrzehntelang seinen Sitz in Köln hatte und im Dezember 1925 seine Lizenz erhielt.

Unternehmensgeschichte mini|Schellackplatte eines der größten Erfolge des Unternehmens: Lili Marleen (1939) mini|Single (1959) in der damals typischen neutralen Electrola-Lochhülle Am 8. Mai 1925 wurde von der britischen Gramophone Company in Nowawes bei Potsdam die Electrola GmbH gegründet und erhielt im Dezember 1925 ihre Schallplattenlizenz. Im März 1931 fusionierte die Electrola GmbH über deren Muttergesellschaft und der Lindström-Muttergesellschaft Columbia Gramophone Company zur EMI und wurde damit Tochter-Verlag von EMI. Rund 300 Veröffentlichungen pro Monat ließen bei Electrola den Gesamtkatalog bis 1934 auf 11.000 Titel anwachsen. Ende 1939 geriet Electrola – wie auch die anderen deutschen Plattenverlage – unter nationalsozialistische Verwaltung. Dadurch kam es nicht mehr zur Veröffentlichung des typischsten US-Jazz-Songs In The Mood – aufgenommen am 1. August 1939, wurde er in den USA im September 1939 veröffentlicht. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen der deutschen Tochterunternehmen zu 80 Prozent zerstört, sodass eine sofortige Wiederaufnahme der Produktion nach dem Krieg unmöglich war. Die Electrola entschloss sich – nicht zuletzt wegen der unsicheren Lage Berlins – komplett nach Köln umzuziehen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Atlantic Gummi-Werke Aloys Weyers KG in Köln-Braunsfeld, Maarweg 149, fand man ausbaufähiges Areal. Hier in Köln wurde das Unternehmen am 13. Februar 1952 ins Handelsregister eingetragen, die offizielle Sitzverlegung nach Köln fand am 8. September 1953 statt. Ein modernes Aufnahmestudio wurde 1956 am Kölner Maarweg – wo auch die Platten gefertigt wurden – mit allen dazugehörigen Technikräumen in Betrieb genommen. In diesen Studios wurden alle Schlager von Fred Bertelmann über Conny Froboess und Gitte Hænning, aber auch die letzten Aufnahmen mit Marlene Dietrich bis in die Ära von Herbert Grönemeyer produziert. Als 1965 die Kompaktkassette als neuer Tonträger auf den Markt kam, entstand 1966 auch eine eigene Musikkassetten-Fertigung. Dies war die letzte Investition der Carl Lindström-Gesellschaft, die am 30. November 1972 in der EMI Electrola GmbH aufging.Martin Fischer: Faszination Schellack, 2006, S. 74.

Nach einer Fusion der EMI Ltd. mit dem britischen Unternehmen Thorn Electrical Industries zu Thorn EMI Ltd. am 3. März 1980 wurde der in über 40 Ländern vertretene Großkonzern im August 1996 in die beiden unabhängig voneinander operierenden Gesellschaften Thorn und EMI Group aufgeteilt und an der Börse eingeführt.

Mit der Einführung der Compact Disc veränderten sich Mitte der 1980er Jahre die Rahmenbedingungen des Geschäfts. Der Geschäftsführer Wilfried Jung bezifferte den Umsatzzuwachs des Unternehmens im Jahr 1985 auf 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verwies zugleich aber auf eine äußerst angespannte Versorgungslage bei CDs. Hohe Fertigungskosten und Ausschussraten schlossen preisgünstige CD-Reihen vorerst aus; für den Backkatalog erwartete er dagegen eine Wiederbelebung, da Käufer von CD-Abspielgeräten ältere Alben ersetzten.

Im Juni 1992 kaufte Thorn EMI das bis dahin unabhängig agierende Tonträgerunternehmen Virgin Records für 957 Millionen US-Dollar und beendete damit einen intensiven Wettbewerb um das Unternehmen, bei der viele der bestverkaufenden Künstler unter Vertrag standen.

Im Januar 1994 kam das ebenfalls unabhängige deutsche Unternehmen Intercord Tonträger dazu, mit der EMI seinen Künstlerstamm weiter ausbauen konnte, 2000 wurde der Standort der Intercord in Stuttgart geschlossen, und das Repertoire ging überwiegend auf die EMI Electrola GmbH & Co. KG über. Im August 2000 zog das Unternehmen vom Maarweg in das Medienzentrum Kölns, den Mediapark; das Rechenzentrum folgte im Dezember 2002. Im Frühjahr 2002 wurde die EMI Electrola in EMI Music Germany GmbH & Co. KG umbenannt. Nach der Schließung des Standorts München im April 2004 wurde das Label Virgin mit den bereits in Berlin ansässigen Labels Mute und Labels zusammengeführt. Seit dieser Zeit operiert das Unternehmen an den beiden Standorten Köln und Berlin. Zunächst war EMI Music Germany an den drei Standorten München (Virgin), Köln (Capitol Music mit Pop und EMI Classics und Blue Note für Jazz) sowie Berlin (Labels Germany und Mute Tonträger) ansässig; Virgin Schallplatten ging 2004 in Labels und Mute auf. Das Zentrum der Schallplattenindustrie war jedoch Hamburg mit den Schallplattenherstellern Polydor Records, Teldec (Telefunken/Decca), Philips und Metronome.

Technische Aspekte mini|Electrola-Markenzeichen auf einem Plattenwechsler, um 1925 Die Firma Electrola leitete sich von dem elektrischen Aufnahmeverfahren ab, das von 1925 an für Schallplatten angewandt wurde, und ist benannt nach einem elektrischen Plattenspieler von RCA Victor.Die erste elektrische Aufnahme stammt von Art Gillham, dessen May Be Lonesome (Columbia 328-D) am 25. Februar 1925 entstand. Am 2. November 1925 wurde die Platte erstmals öffentlich auf einem elektrischen Grammophon abgespielt. Die elektrische Aufnahme bedeutete die Abkehr vom Trichter zum Mikrofon, zur elektrischen Nadelaufzeichnung und der entsprechenden Wiedergabe. Die Vorteile der elektrischen Aufnahme waren höhere Lautstärke, geringeres Rauschen, kein aufnahmeseitiger „Trichterklang“, erweiterter Frequenzgang, weniger bassarm und übermäßig mittenbetont („quäkig“), insgesamt also natürlicher. War zuvor ein Aufnahme-Frequenzumfang von lediglich 600 bis 2000 Hz möglich, betrug er jetzt zwischen 100 und 5000 Hz. Die Umdrehungszahl wurde einheitlich auf 78/min festgelegt. Heute bezeichnet man jene Aufnahmen, die mit dem Trichter gemacht wurden, als „akustische“ Aufnahmen, alles spätere als „elektrische“ Aufnahmen. Die verwendeten Schellackplatten waren zerbrechlich und hatten bei 78/min und 25 cm Durchmesser eine maximale Spieldauer von ca. 3 min je Seite, bei 30 cm 4 min. Hierbei kamen auf 1 mm ca. 4 Rillen mit einer Mindestbreite vom 0,15 mm. Es ergab sich eine regelmäßige Spirale von außen nach innen.

Electrola-Aufnahmen entstanden in der Anfangszeit oft in der Berliner Singakademie. 1927 war die erste elektrische Wiedergabe in Deutschland möglich; die Electrola produzierte jedoch in Großbritannien ab 1925 bereits elektrisch aufgenommene Platten, in Deutschland ab Frühjahr 1926.

Personalia Der energische Wiederaufbau in Köln ist Ladislaus Veder zu verdanken, der bis 1969 als Geschäftsführer fungierte. Der Jazz- und Klassikfan Max Ittenbach wurde 1956 zum Künstlerischen Direktor ernannt. Nils Nobach war ab 1953 bei Electrola als Produzent und Komponist (oft unter dem Pseudonym Peter Ström) tätig, er entwickelte sich zu einem der profiliertesten Schlagerproduzenten der Zeit und produzierte Bibi JohnsBella Bimba, März 1954, wurde Hit des Jahres, Wolfgang SauerGlaube mir, Juni 1954, sein größter Erfolg, der sich 500.000 Mal verkaufte (noch in der Schellackzeit), Fred Bertelmann, Conny (Froboess) (1957), die Nilsen Brothers (1958), Angèle DurandAb 1954 bei Electrola, ab 18. August 1958 seine Ehefrau; Nobach produzierte letztmals für sie im November 1960, danach übernahm Hans Bertram., Gitte Hænning, Rex Gildo (März 1959), Adamo (1964). Im November 1961 verließ Nobach die Electrola, und Heinz Gietz übernahm den Posten des Produktionsleiters Pop.

Dessen Einstand wurde im November 1961 die Hämmerchen-Polka, gesungen von Chris Howland. Unter seiner Regie entstehen 1962 die Superhits Zwei kleine Italiener und Lady Sunshine und Mister Moon mit Conny Froboess, Speedy Gonzales mit Rex Gildo, Motorbiene mit Benny Quick, und eine weitere seiner eigenen Kompositionen, Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett mit Bill Ramsey, waren die Topseller des Jahres. Gietz verließ die Electrola 1965, produziert aber Electrola-Interpreten als freier Produzent weiter (u. a. The Lords). 1968 veröffentlicht das Label Cornet, das Gietz gehört, die erste Schallplatte mit dem Titel Mer schenken dä Ahl e paar Blömscher von Lotti Krekel. 1969/1970 folgte das zweite Lied Ne Besuch em Zoo, gesungen von Horst Muys, das sich in drei Monaten über einhunderttausend Mal verkauft hatte.Es war eine Woche lang im Kölner Stadtanzeiger in der Rubrik „Internationale Hitparade“ auf Platz eins, vor den Rolling Stones. 1971 wurde Heinz Gietz Produzent der ersten Electrola-Hits Drink doch eine met, In unserem Veedel sowie Mer losse d’r Dom en Kölle. 1970 begann die Zusammenarbeit mit Freddy Breck und Cindy & Bert, die in den kommenden Jahren auch die Hits, die nicht von Gietz komponiert wurden, auf seinem Cornet-Label herausbrachten (u. a. Immer wieder Sonntags und Bianca).

Günter Ilgner wurde 1962 kurzzeitig Produktionschef bei Electrola. Hier schlug er den für eine Tournee in Paris weilenden Beatles vor, deutsche Fassungen zu She Loves You und I Want To Hold Your Hand aufzunehmen. Die deutschen Texte wurden von Heinz Hellmer und Camillo Felgen (als „Nicolas“) verfasst, mit Otto Demler einstudiert und am 29. Januar 1964 im Pariser Tonstudio Pathé Marconi über die Original-Musikspuren gelegt. Bereits am 4. Februar 1964 erschienen die Aufnahmen als Komm, gib mir Deine Hand / Sie liebt Dich (Odeon #22671) und erreichten einen fünften bzw. siebten Rang der deutschen Hitparade. Im Jahr 1965 wechselt Ilgner dann jedoch zu Polydor, um 1969 als Programmdirektor zur Electrola zurückzukehren.Ilgner kaufte 1978 die Gerig-Musikverlage, die mit über 30.000 Titeln zu den wenigen großen unabhängigen Musikverlagen gehörten.

Katalog Eine der ersten Veröffentlichungen der Electrola war mit Katalog #EG 111 das A-cappella-Quartett The Revelers, das am 13. Januar 1926 mit dem Titel Dinah / I’m Gonna Charleston Back To Charleston in seiner US-amerikanischen Heimat auf dem Victor-Label erschienen war, mit dem Electrola einen Vertriebsvertrag abgeschlossen hatte.In der Folge brachte Electrola eine Vielzahl von US-Interpreten in Lizenz von Victor auf den deutschen Plattenmarkt und hatte insoweit keinen Produktionsaufwand. Ihr am 4. September 1925 aufgenommenes und im Oktober 1925 in den USA veröffentlichtes Dinah / I’m gonna Charleston back to Charleston ist insofern interessant, als auf dem Electrola-Label der Hinweis „Negergesang“ zu finden ist, obwohl die Mitglieder des Quartetts Weiße waren. Die Gruppe, die auch gerade in den USA mit diesem Song debütiert hatte, wurde zum musikalischen Vorbild der deutschen Comedian Harmonists.