Die Rugby-Union-Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten () ist die Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen („die Adler“), nach dem Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), dem Nationalvogel des nordamerikanischen Landes. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1975 gegründete Verband USA Rugby (USAR). Die USA werden vom Weltverband World Rugby in die zweite Stärkeklasse (second tier) eingeteilt und gelten als die zweitbeste Nationalmannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent (nach Argentinien). Bisher wurde ein amerikanischer Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Das erste Test Match fand 1912 gegen Australien statt. Ihre größten Erfolge feierten die Amerikaner vor fast einem Jahrhundert, als sie 1920 und 1924 Olympiasieger wurden. Die USA qualifizierten sich für acht der bisher zehn ausgetragenen Weltmeisterschaften und verpasste nur die Turniere 1995 und 2023. Von 2003 bis 2011 nahm die Mannschaft am Churchill Cup teil, seither beteiligte sie sich mehrmals am Pacific Nations Cup, wo es gegen Fidschi, Japan, Kanada, Samoa und Tonga antritt. Seit 2016 nehmen die USA an der jährlichen Americas Rugby Championship teil, zusammen mit der zweiten Mannschaft Argentiniens, Brasilien, Chile, Kanada und Uruguay. Die Vereinigten Staaten spielen traditionell in weißen Trikots mit blauen und roten Farbakzenten, weißen Hosen mit blauen Streifen und weißen Socken – also in den Farben der Flagge der Vereinigten Staaten.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in den Vereinigten Staaten ist USA Rugby (USAR). Der Verband wurde 1975 unter dem Namen United States of America Rugby Football Union (USARFU) gegründet und 1987, kurz vor der ersten Weltmeisterschaft, Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). USA Rugby ist außerdem Gründungsmitglied der North America and West Indies Rugby Association (NAWIRA; heute Rugby Americas North, RAN), die 2001 entstand, als die USA und Kanada der West Indies Rugby Association (WIRA) beitraten.
Die professionelle Major League Rugby, an der im Jahr 2026 sechs Mannschaften teilnehmen, ist die höchste Rugbyliga in den USA und wurde 2017 zur Entwicklung des Rugbysports gegründet. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich seitdem aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in Australien und England als Profisportler tätig.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft USA Rugby weitere Auswahlmannschaften zusammen. USA Selects bilden die zweite Mannschaft der USA und nahmen bis 2016 an der Americas Rugby Championship teil, bevor man zur World Rugby Americas Pacific Challenge wechselte. Wie andere Rugbynationen verfügen die USA über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommen die USA Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Auch an Colleges und Universitäten wird der Rugbysport immer beliebter und als Alternative zum American Football angeboten.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby mini|Rugbyspiel zwischen Harvard und McGill, 1874 mini|Das amerikanische Team, das 1912 gegen die Wallabies im California Field bei deren Nordamerikatour antrat
William Strachey, ein in Jamestown (Virginia) lebender englischer Kolonist, berichtete 1610 von einem Ballspiel der Lenni Lenape namens Pahsaheman. Damit verwandte Ballspiele, die alle eine gewisse Ähnlichkeit mit dem heutigen Rugby aufwiesen, sind auch von anderen indigenen Völkern entlang der Ostküste Nordamerikas überliefert, beispielsweise bei den Massachusett, Mi’kmaq, Narraganset und Powhatan. Die Kolonisten ihrerseits brachten fußballähnliche Spiele aus Großbritannien mit, deren Gemeinsamkeit darin bestand, kein festes Regelwerk zu besitzen, eine Vielzahl von Beteiligten miteinzubeziehen und mitunter gewalttätig zu sein. Frühformen des Rugby, die damals alle unter dem Namen football liefen, wurden bereits in den 1840er Jahren an den Universitäten von Harvard, Yale und Princeton gespielt und waren teilweise von Amerikanern eingeführt worden, die an englischen Public Schools ausgebildet worden waren. 1869 sollen Spiele zwischen der Princeton und der Rutgers University stattgefunden haben, dessen Regeln der Etablierung des Rugby-Union-Codes vorausgingen und das Vorwärtspassen untersagten.
Nachdem Rugby zunächst ein reiner Hochschulsport gewesen war, gründeten eingewanderte Briten im Jahr 1872 in der San Francisco Bay Area die ersten Vereine. Das erste überlieferte Rugbyspiel fand am 15. Mai 1874 in Cambridge (Massachusetts) statt, als die Teams der Harvard University und der McGill University aus Montreal aufeinandertrafen. Das Match weckte das Interesse weiterer Hochschulen an der Sportart. 1876 gründeten die Universitäten Yale, Harvard, Princeton und Columbia die Intercollegiate Football Association, deren Mitglieder zunächst die Rugby-Regeln anwendeten, ehe sie sich in späteren Jahren unter dem Einfluss von Walter Camp allmählich dem American Football zuwandten. Währenddessen begann sich Rugby auch an kalifornischen Hochschulen zu verbreiten. Die California Golden Bears der University of California in Berkeley traten am 3. Dezember 1882 erstmals gegen den Einwandererverein Phoenix Club aus San Francisco an. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Rugby hauptsächlich an der Ost- und Westküste gespielt, war aber in den Landesteilen dazwischen wenig verbreitet (mit Ausnahme von Illinois, Texas und Utah).
1906 erlebte der damals als äußerst brutal geltende American Football eine existenzielle Krise, nachdem während einer Saison 18 Spieler gestorben waren. Harvard-Präsident Charles William Eliot drohte mit dem Verbot aller Gridiron-Varianten des College Football und es schien, als ob sich das weniger gefährliche Rugby durchsetzen würde. Unter der Vermittlung von US-Präsident Theodore Roosevelt wurden schließlich neue Regeln beschlossen, welche die Brutalität markant minderten und auch eine deutlichere Trennung zwischen beiden Sportarten bewirkten. Während Football im Osten und im Mittleren Westen daraufhin einen Popularitätsschub erlebte, gab es an der Westküste zunächst eine gegenläufige Entwicklung: Unter dem Eindruck der Europatour der neuseeländischen All Blacks, die auf ihrer Heimreise zwei Spiele in Kalifornien bestritten, bevorzugten die Stanford University, die University of California und andere Colleges den Rugbysport. Ein Team kalifornischer Studenten tourte 1910 durch Australien und Neuseeland. Sie luden ihre Gastgeber ein, selbst in die USA zu kommen. Die australischen Wallabies kamen im Herbst 1912 dieser Einladung nach und unternahmen eine Nordamerikatour. So fand am 16. November auf dem California Field in Berkeley das erste Test Match zwischen den USA und Australien statt, das die Gäste mit 12:8 gewannen.
Der San Francisco Chronicle berichtete überschwänglich: „Amerika ist auf der internationalen Landkarte angekommen und wird in ein paar Jahren auf alle anderen Nationen herabblicken.“ Doch nur ein Jahr später endete der scheinbare Höhenflug jäh, als die All Blacks durch Nordamerika tourten und ihren Konkurrenten haushoch überlegen waren. Am 15. November 1913 mussten über 10.000 Zuschauer mit ansehen, wie das amerikanische Nationalteam regelrecht deklassiert wurde. Die San Francisco Post schrieb dazu: „Die kalifornischen Spieler sind die besten, die wir in sieben Jahren Intercollegiate Rugby entwickelt haben – die allerbesten. Und das Ergebnis gegen sie war 51 zu 3. Die einzige Schlussfolgerung ist, dass wir noch nicht gelernt haben, wie man Rugby spielt. Es ist noch immer ein fremdes Spiel.“ Unter den Studenten der Westküste machte sich ein Gefühl der Unzulänglichkeit breit. Sie kamen zum Schluss, dass sie niemals mithalten könnten und es daher sinnlos sei, es überhaupt zu versuchen. Außerdem herrschte die Meinung vor, es sei erstrebenswerter, sich mit anderen Landesteilen zu messen als mit völlig überlegenen ausländischen Mannschaften. Aus diesem Grund bevorzugte die University of California ab 1915 wieder Football und läutete damit das Ende der Sonderstellung Kaliforniens ein. Die Stanford University blieb dem Rugby nach dem Ersten Weltkrieg noch einige Jahre treu.
Olympiasieger 1920 und 1924 mini|links|Das amerikanische Team, das bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen Gold gewann mini|Das amerikanische Team vor ihrem Test Match im Oktober 1920 gegen Frankreich mini|links|Das amerikanische Team, das bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris Gold gewann mini|Spiel Frankreich–USA bei den Olympischen Spielen 1924
1920 hatte der kalifornische Rugbyverband die Idee, eine Mannschaft an die Olympischen Spiele in Antwerpen zu entsenden. Das United States Olympic Committee (USOC) gab nach einigem Zögern seine Zustimmung. Es war aber nicht bereit, die Kosten zu tragen, denn Kalifornien war mittlerweile der einzige Bundesstaat, in dem Rugby noch einigermaßen verbreitet war. Die dortigen Hochschulen betrieben erfolgreich Fundraising und stellten eine Mannschaft zusammen, die sich fast ausschließlich aus Kaliforniern zusammensetzte. Wenige Wochen vor der Abreise erklärte sich die Amateur Athletic Union dazu bereit, einen Teil der Reisekosten zu übernehmen. Als die Amerikaner in Belgien eintrafen, stellte sich heraus, dass die Tschechoslowakei und Rumänien in der Zwischenzeit ihre Anmeldung zurückgezogen hatten. So verblieben Frankreich und die USA als einzige Teilnehmer des olympischen Rugbyturniers. Es gab nur ein einziges Spiel um die Gold- oder Silbermedaille, das am 5. September bei strömendem Regen stattfand. Die Amerikaner waren weitaus besser auf das schlammige Terrain eingestellt und schlugen die als haushohe Favoriten eingestuften Franzosen überraschend mit 8:0. Die Fédération française de rugby lud die Olympiasieger daraufhin zu einer kurzen Tour durch Frankreich ein; die Gäste gewannen drei von vier Spielen (die einzige Niederlage resultierte in einem Test Match gegen die französische Nationalmannschaft).
Der Olympiasieg fand in den USA bemerkenswert wenig Beachtung und trug nicht dazu bei, das seit einigen Jahren schwindende Interesse am Rugbysport aufzuhalten. 1923 forderten die Franzosen die Kalifornier zur Titelverteidigung bei den in Paris stattfindenden Olympischen Spielen 1924 heraus. Das USOC gab zwar abermals seine Zustimmung zur Entsendung eines Rugbyteams, verweigerte aber erneut jegliche finanzielle Unterstützung. Trotzdem fanden sich sieben Olympiasieger von 1920 zusammen. Sie sammelten 20.000 Dollar ein und fanden 15 weitere Spieler (einschließlich einiger Footballspieler, die noch nie Rugby gespielt hatten). Erneut bestand das amerikanische Team fast ausschließlich aus Kaliforniern. Zur Vorbereitung tourte es im April 1924 durch England, wo es in drei Spielen gegen hoch eingeschätzte Vereine verlor (keiner der britischen Verbände entsandte eine Mannschaft nach Paris, da das organisierende Comité National Olympique et Sportif Français auf ein gesamtbritisches Team bestanden hatte).