Der Planet Darkover ist Schauplatz von Science-Fiction- beziehungsweise Fantasy-Erzählungen der US-amerikanischen Schriftstellerin Marion Zimmer Bradley. In ihrem fiktiven Darkover-Universum, das als ihre umfangreichste Arbeit und ihr Lebenswerk gilt, sind telepathische und andere sogenannte parapsychologische Phänomene von zentraler Bedeutung. Die erste Darkover-Geschichte war die Erzählung Retter des Planeten (The Planet Savers, 1962). Bis zu ihrem Tod schrieb Bradley 21 Darkover-Romane. Zudem war sie Herausgeberin zahlreicher Anthologien mit Kurzgeschichten von Drittautoren, die im Darkover-Universum angesiedelt sind. Nach eigenem Bekunden nahm sie dabei weniger die Rolle einer Erfinderin als vielmehr die einer Erforscherin des Planeten und seiner Geschichte ein: „Ich habe Darkover nicht erfunden, ich habe es entdeckt.“Catherine Coker: The Contraband Incident: The Strange Case of Marion Zimmer Bradley. In: Transformative Works and Cultures. no. 6, 2011. doi:10.3983/twc.2011.0236. Texas A & M University, College Station, TX
Wichtige Herrscherfamilien auf Darkover Auf Darkover herrscht eine Aristokratie. Es gibt sieben Familien des Hochadels auf Darkover, auch Comyn genannt, welche die Herrscherkaste bilden. Die Comyn verfügen über Laran, PSI-Kräfte, insbesondere Telepathie. Jede Familie besitzt zudem eine besondere PSI-Gabe, die Donas (Gabe) der Familie:
Die Hastur von Elhalyn: Laran vielfältige Zukunftsschau Die Hastur von Hastur: Laran lebende Matrix Die Ardais: Laran Katalysator Die Aillard: Laran unbekannt (vermutet wird die Kreisgabe) Die Alton: Laran erzwungener Rapport und Befehlsstimme Die Ridenow von Serrais: Laran Empathie Die Aldaran: Laran genauere Zukunftsschau
Neben diesem Hochadel gibt es auch niedere Adelsgeschlechter, die meist Vasallen eines der Comyn-Häuser sind. Viele dieser niederen Adelsgeschlechter haben eigene Laran-Gaben:
Die MacAran: Laran Tierkommunikation Die Delleray: Laran Finden von Personen Die Deslucido: Laran Lügen unter dem Wahrheitsbann (ausgestorben) Die Leynier: Laran Gestaltenwandlung Die Lanart Die Castamir Die DiAsturien (auch d'Asturien) Die Hammerfell Die Harksell: Laran Vorausschau Die Rockraven: Laran Wetterbeeinflussung Die Storn: Laran Wetterbeeinflussung Die Syrtis: Laran Empathie/seit Danilo Syrtis auch Katalysator
Geographie und Wetter auf Darkover mini|Darkover und seine vier Monde Darkover hat seinen Namen von seiner roten Sonne, auch die Blutige Sonne genannt, die im Vergleich zu unserer Sonne nur wenig Licht erzeugt. Der Planet hat außerdem vier Monde (Mormallor, Idriel, Liriel und Kyrrdis). Darkover selbst besteht aus vier großen geographischen Bereichen: einer warmen und windigen Wüste, einem ebenen, fast unbewaldeten Flachland, dicht bewaldeten Vor- und Hochgebirgen und Salzwiesen und Sümpfen am Meer. Das Meer selbst ist kalt und wird von den Einwohnern außer zum Fischfang nicht besegelt. Große Entdeckerreisen zu Schiff werden von häufigen Stürmen verhindert. Generell sind die Wetterverhältnisse auf Darkover recht kühl und stürmisch, was, unter anderem, die Landwirtschaft beeinflusst. Edleres Obst und Gemüse wird deshalb für den bevorrechtigten Adel in Gewächshäusern herangezogen. Gerade in den Vorgebirgen zu den Hellers gibt es starke Stürme, so dass die Gebäude von sturmbrechenden Hügeln geschützt werden müssen. Lediglich die Wüste und die Wüstenrandgebiete haben ein relativ warmes Klima. Die langen Kälteperioden und die kurzen Wärmeperioden haben zur Folge, dass die Vegetation auf Darkover schon bei wenigen Plusgraden zu gedeihen beginnt.
Romane (in interner chronologischer Reihenfolge) Die Landung Aus dieser Periode existiert nur eine einzige Erzählung von Marion Zimmer Bradley. Ein terranisches Raumschiff, das Auswanderer vorwiegend spanischer und keltischer Abstammung zu einem zu kolonisierenden Planeten bringen soll, kommt vom Kurs ab und muss auf einem unbekannten Planeten notlanden, der eine rote Sonne umkreist. Es kommt zu Konflikten zwischen den Kolonistengruppen, die alternativ zum ursprünglichen Besiedlungsziel auf dem neuen Planeten eine Gesellschaft aufbauen wollen, und den Mitgliedern der Raumschiffbesatzung, die das Raumschiff wieder in Gang setzen wollen und nach dem Scheitern dieses Versuches alternativ dazu den Computer erhalten wollen, damit auch künftige Generationen von Nachkommen ihn zur Problemlösung heranziehen können.
Der Planet hat ein kaltes Klima und ist arm an Erzen sowie fossilen Brennstoffen, so dass Darkover aus eigener Kraft niemals eine technisierte Gesellschaft aufbauen kann. Um zu verhindern, dass eine Welt von technologiegläubigen Computeranbetern entsteht, die von der Erinnerung an eine glorreiche Vergangenheit bei den Sternen in ihrer eigenen Entwicklung gehindert wird, die mangels Rohstoffen niemals das Level der Vorfahren erreichen wird, zerstört der Kapitän am Ende den Computer selbst und hofft darauf, dass die Nachfahren bei der Besiedlung eine eigene Technologie entwickeln werden, die besser zur neuen Welt passt.
Die im Epilog erstmals erwähnten Matrixkristalle zur Fokussierung telepathischer Kräfte geben einen ersten Hinweis darauf, welche Formen diese Technologie annehmen wird.
Landung auf Darkover, 1973, ISBN 3-426-60958-4, (Darkover Landfall, 1972)
Das Zeitalter des Chaos Das Zeitalter des Chaos bezeichnet eine Periode der Kriege, etwa 1000 Jahre nach der Landung. Die Nachfahren der Kolonisten sind zu einem Volk von Ackerbauern geworden und haben ein feudales patriarchalisches System aufgebaut. Viele Darkovaner haben mentale Kräfte, Laran genannt, entwickelt, die durch bestimmte darkovanische Juwelen, auch Matrix oder Sternenstein genannt, noch verstärkt werden. Durch Zucht und Inzucht wurden bestimmte Gaben bei den herrschenden Familien gezielt herausgebildet. Andere mit starkem Laran bilden die „technologische“ Elite.
Laran wird in dieser Zeit vor allem als Waffe in den furchtbaren Kriegen eingesetzt, die den Planeten verwüsten. Die schlimmsten durch Laran hergestellten Waffen sind das Haftfeuer (engl. Clingfire) (möglicherweise eine Phosphor-Verbindung oder ein Napalm-ähnlicher Stoff) und der Knochenstaub, ein radioaktives Pulver, das ganze Landstriche unbewohnbar macht.
Herrin der Stürme, 1979, ISBN 3-426-62966-6 (Stormqueen! 1978) Herrin der Falken, 1984, ISBN 3-426-62965-8 (Hawkmistress! 1982)
Zuletzt schrieb Marion Zimmer Bradley in Zusammenarbeit mit Deborah J. Ross an der Clingfire Trilogy. Von den drei Bänden blieben der zweite und der dritte nach dem Tod von Marion Zimmer Bradley unvollendet, wurden aber von Deborah J. Ross nach ihren Ideen und Konstrukten fortgeführt und vollendet. Untergang von Neskaya, 2002, ISBN 3-442-24194-4 (The Fall of Neskaya 2001), mit Deborah J. Ross Zandrus Schmiede, 2004, ISBN 3-442-24195-2 (Zandru's Forge 2003), von Deborah J. Ross Die Flamme von Hali, 2006, ISBN 3-442-24196-0 (A Flame in Hali 2006), von Deborah J. Ross Zeitlich gesehen ist der Roman Herrin der Falken in die Handlung von Zandrus Schmiede eingebettet.
Die Zeit der Hundert Königreiche Als Zeit der Hundert Königreiche werden die letzten 100 Jahre des Zeitalters des Chaos bezeichnet. Darkover ist in zahlreiche eigenständige Königreiche zersplittert, die unbarmherzig miteinander Krieg führen. Es zeichnet sich jedoch langsam eine Stabilisierung der Verhältnisse ab. Immer mehr Reiche schließen sich einem Pakt an, der die Anwendung von Laran-Waffen verbietet.
Die Zeit der Hundert Königreiche, 1982, ISBN 3-426-63478-3, (Two To Conquer, 1980) Die Erben von Hammerfell, 1991, ISBN 3-426-60969-X, (The Heirs of Hammerfell, 1989)
Die Wiederentdeckung / Die Zeit der Comyn Etwa 500 Jahre nach der Zeit der Hundert Königreiche wird Darkover von einem terranischen Schiff wiederentdeckt. Die politische Lage ist mittlerweile stabilisiert, die Herrschaft liegt bei sieben Familien, den Comyn.
Die Zeit der Wiederentdeckung ist geprägt von einem Kulturschock bei den Darkovanern einerseits und durch Unverständnis seitens der Terraner andererseits. Darkover bekommt den Status eines geschützten Planeten, der den Technologie-Austausch zwischen beiden Planeten stark einschränkt.
An den Feuern von Hastur, 1994, ISBN 3-426-60970-3, (Rediscovery 1993) – zusammen mit Mercedes Lackey Die zerbrochene Kette, 1978, ISBN 3-426-62554-7, (The Shattered Chain, 1976) Das Zauberschwert, 1976, ISBN 3-426-60959-2, (The Spell Sword, 1974) Der Verbotene Turm, 1981, ISBN 3-426-60962-2, (The Forbidden Tower, 1977) Gildenhaus Thendara, 1986, ISBN 3-426-62555-5, (Thendara House, 1983) Die schwarze Schwesternschaft, 1986, ISBN 3-426-62556-3, (City of Sorcery, 1984) Die Kräfte der Comyn, 1966, ISBN 3-426-60955-X, (Star of Danger, 1965) Die Winde von Darkover, 1971, ISBN 3-426-60956-8, (Winds of Darkover, 1970)
Nach den Comyn Diese Phase der darkovanischen Geschichte beginnt etwa 100 Jahre nach der Wiederentdeckung. Terra unterhält mittlerweile bei Thendara, Darkovers größter Stadt, einen Weltraumbahnhof sowie einen Stützpunkt im Hellers-Gebirge. Durch einen immer stärker werdenden Wissensaustausch zwischen Darkovanern und Terranern verliert die Macht der Comyn immer mehr an Bedeutung. Die Terranische Föderation versucht, Darkover in den Status eines vollwertigen Mitglieds zu zwingen.
Retter des Planeten, 1962, ISBN 3-426-60982-7 (The Planet Savers, 1958), erschienen in Die Welt der Marion Zimmer Bradley Die Blutige Sonne, 1967, ISBN 3-426-60953-3, (The Bloody Sun, 1964) Hasturs Erbe, 1980, ISBN 3-426-60960-6, (The Heritage of Hastur, 1975) Sharras Exil, 1983, ISBN 3-426-60965-7, (Sharra's Exile, 1981) – Neufassung von Das Schwert des Aldones, 1971, ISBN 3-8118-2860-6 (The Sword of Aldones, 1962) Die Weltenzerstörer, 1973, ISBN 3-426-60957-6, (The World Wreckers, 1971) Hastur Lord (Januar 2010) – geschrieben von Deborah J. Ross
Der Marguerida-Alton-Zyklus Die drei Bücher dieses Zyklus sind etwa 20 bis 50 Jahre nach den Weltenzerstörern angesiedelt. Marguerida Alton kehrt im Alter von 28 Jahren auf den Planeten ihrer Geburt zurück, den sie als kleines Mädchen verließ.
Die politische Situation in der terranischen Föderation hat sich mittlerweile stark in Richtung einer Militärdiktatur verändert. Ehrgeizige Militärs versuchen, den Status Darkovers als geschützte Welt zu brechen und dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Allerdings werden sie schließlich von Darkover vertrieben.
Die Reihe wird nun mit „The Alton Gift“ fortgeführt. Dabei geht es vermehrt um die Probleme auf Darkover, welche seit dem Weggang der Terraner auftauchen. Es soll laut Ross auch wieder eine Trilogie werden.
Asharas Rückkehr, 1998, ISBN 3-426-60971-1, (Exile's Song, 1996), zusammen mit Adrienne Martine-Barnes Die Schattenmatrix, 2000, ISBN 3-426-62148-7, (Shadow Matrix, 1998), zusammen mit Adrienne Martine-Barnes Der Sohn des Verräters, 2002, ISBN 3-426-70305-X, (Traitor's Sun, 1999), zusammen mit Adrienne Martine-Barnes The Alton Gift, 2007, geschrieben von Deborah J. Ross
Darkovanisch als Sprache
Die von der Bevölkerung Darkovers gesprochene Sprache (Darkovanisch) kennt je nach Zeit, Gegend und sozialer Gruppe unterschiedliche Varianten (am wichtigsten Casta und Cahuenga, außerdem weitere regionale Dialekte und Sprachen z. B. in den Hellers und den Trockenstädten). Da in den Darkover-Romanen als Einsprengsel in den englischen bzw. übersetzten deutschen Text eine beachtliche Anzahl darkovanischer Passagen vorkommen, lässt sich die Sprache annäherungsweise erfassen und einordnen. Auf darkovanischen Internetseiten sind gar umfassende Wörterbücher erstellt worden, für die man sich um eine möglichst vollständige Verwertung der Texte Marion Zimmer Bradleys bemüht hat.
Darkovanisch lässt sich als konstruierte Sprache charakterisieren.