Friedrich-Wilhelm Freiherr von Sell (* 23. Januar 1926 in Potsdam; † 20. Oktober 2014 in Berlin) war Intendant des WDR und ORB.
Werdegang Friedrich-Wilhelm von Sell war der Sohn des Offiziers Ulrich von Sell und dessen Ehefrau Augusta. Er besuchte zunächst das Arndt-Gymnasium in Berlin-Dahlem und wechselte 1942 an die Schule Schloss Salem, wo er 1944 sein Abitur absolvierte. Am 30. Januar 1944 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 20. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 9.735.531).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/41271225 Sell konnte sich später nicht daran erinnern, einen Antrag gestellt zu haben,Alfred Neven DuMont: Jahrgang 1926/27 - Erinnerungen an die Jahre unter dem Hakenkreuz. Köln 2007. S. 178f allerdings war nach aktuellem Forschungsstand eine Aufnahme ohne eigenes Zutun nicht möglich.Armin Nolzen: „Vom ‚Jugendgenossen‘ zum ‚Parteigenossen‘. Die Aufnahme von Angehörigen der Hitler-Jugend in die NSDAP“, in: Benz, Wolfgang (Hg.): „Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder“, Fischer Verlag 2009, S. 123–150 Danach wurde er zur Wehrmacht eingezogen und befand sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1946 in britischer Kriegsgefangenschaft.
Anschließend studierte er Rechtswissenschaften und Philosophie an der Universität Erlangen und der FU Berlin, seine juristischen Staatsexamen legte er 1950 und 1955 in Berlin ab. Nach seiner Tätigkeit als Verwaltungsdirektor und Justitiar beim Sender Freies Berlin und Deutschlandfunk war er ab August 1960 Prokurist sowie Syndikus der Deutschen Kreditsicherungs-KG und bei der „Treuhandverwaltung für das Deutsch-Niederländische Finanzabkommen GmbH (Tredefina)“. 1971 wurde er Verwaltungs- und Finanzdirektor des Westdeutschen Rundfunks und führte eine Organisations- und Buchhaltungsreform ein, um Sensibilität gegenüber ökonomischen Prinzipien in den Programmdirektionen zu entwickeln. Ab 1976 war er neun Jahre WDR-Intendant, 1978 und 1979 ARD-Vorsitzender. In dieser Zeit war er maßgeblich für die Regionalisierung des WDR und den Aufbau mehrerer Landesstudios des Kölner Senders verantwortlich. Ab 1985 arbeitete er wieder als Rechtsanwalt in Köln und Bonn, 1991 war er Gründungsintendant des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB).
Friedrich-Wilhelm von Sell war mit der Frauenrechtlerin Barbara von Sell geborene Meller (1934–2002) verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder: Die Schauspielerin und Hörspielregisseurin Julia von Sell und den Filmproduzenten Philipp von Sell (zuerst mit Esther Ofarim, später mit Philine von Sell verheiratet).
Ehrungen Friedrich-Wilhelm von Sell wurde am 12. Dezember 1986 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
Schriften Friedrich-Wilhelm von Sell: Mehr Öffentlichkeit! Erinnerungen. Zu Klampen Verlag, Springe 2006, ISBN 3-934920-89-6.
Literatur
Weblinks
Biografie des WDR Erhart Hohenstein: Gründungsvater des ORB: „Mehr Öffentlichkeit“ Friedrich-Wilhelm von Sells Erinnerungen auf http://www.pnn.de/
Einzelnachweise
Kategorie:Intendant des Westdeutschen Rundfunks Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Träger des Verdienstordens der Republik Polen (Ritter) FriedrichWilhelm Kategorie:Deutscher Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann