mini|Vicente López y Portaña: Porträt der Königin Maria Josepha Amalia mini|Wappen der Maria Josepha von Sachsen, Königin von Sachsen Prinzessin Maria Josepha Amalia von Sachsen, (spanisch: María Josefa Amalia de Sajonia), (Taufname: Marie Josepha Amalia Beatrix Xaveria Vincentia Aloysia Franziska de Paula Franziska de Chantal Anna Apollonia Johanna Nepomucena Walburga Theresia Ambrosia) (* 6. Dezember 1803 in Dresden; † 17. Mai 1829Todesdatum nach Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 362. in Aranjuez) war durch Geburt eine sächsische Prinzessin und durch ihre Heirat mit Ferdinand VII. von 1819 bis 1829 Königin von Spanien. Sie wuchs in Dresden auf, musste diese Stadt aber während der Napoleonischen Kriege mit ihrer Familie zweimal verlassen. Nach ihrer Heirat mit Ferdinand erlebte sie in Spanien politisch unruhige Zeiten und die damit verbundenen Machtkämpfe. Sie hielt sich aus der Politik völlig heraus und wurde in ihrer neuen Heimat als schüchterne, überfromme und triste Königin wahrgenommen. Wegen ihrer Unfruchtbarkeit konnte sie dem König nicht den gewünschten Nachwuchs gebären.
Leben Abstammung, Kindheit und Jugend Maria Josepha Amalia wurde als vierte und jüngste Tochter von Prinz Maximilian von Sachsen (1759–1838) und dessen erster Gemahlin, Caroline von Bourbon-Parma (1770–1804), einer Tochter von Herzog Ferdinand von Parma, in Dresden geboren. Nur drei Monate nach ihrer Geburt starb ihre Mutter am 1. März 1804. Die Obersthofmeisterin Friederika Louisa Marquise Piatti, geb. von Erdmannsdorf, überwachte die Pflege der Töchter des Prinzen Maximilian und wohnte mit diesen in der dritten Etage des sogenannten Prinzen-Palais auf dem Taschenberg. Auch die Gräfin Carolina von Lamberg hatte Einfluss auf den sorgfältigen Unterricht, den Maria Josepha ebenso wie ihre sechs Geschwister erhielt. Mitunter lebte die junge Prinzessin auch im Schloss Pillnitz. Sie war übermütig, äußerst phantasievoll und nach zeitgenössischen Berichten schwierig zu erziehen.Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 357 (PDF), auf journals.qucosa.de
Eine sehr enge Beziehung hatte Maria Josepha zu ihrem Bruder Johann, nachmaligem König von Sachsen. Sie verfasste schon in jugendlichem Alter in gewandter Sprache Gedichte, u. a. auf Schutzengel sowie anlässlich mehrerer Familienfeiern.Maria Josepha Amalia, Königin von Spanien, in: Neuer Nekrolog der Deutschen, 7. Jahrgang, 1831, S. 435–438. Ihr Vater Maximilian war zwar ein liebevoller Vater, ließ aber keine Kontakte seines Nachwuchses zu anderen Kindern zu. Somit lebten Maria Josepha und ihre Geschwister nur im Familienkreis und hatten als Jugendliche erst zu lernen, mit fremden Personen umzugehen. In der Ära Napoleons musste die kurfürstliche Familie 1806 vor nahenden französischen Truppen nach Frankfurt am Main flüchten sowie im Frühjahr 1813 zunächst in Bayreuth und Regensburg, dann ab Oktober 1813 in Prag Zuflucht suchen, von wo sie im Juni 1815 wieder nach Dresden heimkehrte.Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 357–358.
Heirat mit Ferdinand VII. von Spanien Nachdem ihre ältere Schwester Maria Anna im November 1817 den Großherzog der Toskana Leopold II. geheiratet hatte, erfolgte knapp zwei Jahre später die Hochzeit Maria Josephas mit dem spanischen König Ferdinand VII. Dessen zweite Gattin Maria Isabella von Portugal war im Alter von nur 21 Jahren am 26. Dezember 1818 verstorben und der Monarch suchte zur Sicherung der Thronfolge eine neue Gemahlin. Er war durch seine Mutter Maria Luise von Bourbon-Parma der Cousin ihrer Mutter. Sein Gesandter, der Marqués de Cerralbo, stellte sich im März 1819 am Dresdner Hof vor und suchte unter den unverheirateten Töchtern Maximilians eine Braut für seinen König. Der spanische Diplomat entschied sich für die 15-jährige Maria Josepha und erkundigte sich nach ihrem Gesundheitszustand, woraufhin ihm beschieden wurde, dass die Auserwählte eine robuste Konstitution besäße und somit beste Anlagen habe, dem spanischen König viele Kinder zu gebären.Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 358.
Am 10. Juni 1819 überreichte der Marquis de Cerralbo der jungen Prinzessin ein kostbares Porträt Ferdinands VII. Die Verlobung wurde am 10. August feierlich erklärt. Hierauf erfolgte am 21. August die zeremonielle Vorfahrt des Gesandten und am folgenden Tag die Vermählungsdeklaration. Am 26. August wurde zu Ehren der scheidenden Prinzessin ein Fest veranstaltet und ein Granatbaum gepflanzt. Zwei Tage danach fand die Vermählung durch Prokuration statt, wobei der König von Sachsen, Friedrich August I., als Stellvertreter des Bräutigams fungierte. Am 29. August 1819 hörte sich Maria Josepha in der Dresdner Hofkirche ein Te Deum an und abends im Großen Opernhaus die von Gerhard Heinrich Jacobjan Stöckhardt stammende Kantate Albino und Tajo.
Nach Absolvierung der für sie ausgerichteten Festlichkeiten verließ Maria Josepha mit ihrem Gefolge am 31. August Dresden, durchreiste Chemnitz, Bayreuth, Heidelberg und erreichte in Rastatt die französische Grenze. Ihre weitere Route führte sie über Straßburg, Lyon, Montpellier nach Toulouse. Am 1. Oktober kam sie in Bayonne an. In der spanischen Grenzstadt Irun wurde sie am 3. Oktober einer spanischen Delegation übergeben. Ihr Gefolge machte sich nun auf den Rückweg. Nach dem Willen König Friedrich Augusts I. hatte Maria Josepha nicht einmal einen Beichtvater oder eine vertraute Hofdame mitnehmen dürfen, die ihr die Gewöhnung an ihre neue Heimat erleichtert hätten. Am 20. Oktober 1819 hielt sie ihren feierlichen Einzug in Madrid, und am gleichen Tag feierte sie ihre persönliche Hochzeit mit Ferdinand VII.
Königin Eheliche Beziehung Königin Maria Josepha Amalia, die als schön und sanft beschrieben wird, gewann bald die Neigung des spanischen Königs, wurde aber allgemein auch als sehr ernst beschrieben. Die spanische Sprache hatte sie sich in Dresden in kurzer Zeit vor ihrer Abreise durch den täglichen Unterricht des dortigen Sprachlehrers Fromm angeeignet. Ferdinand VII. war 19 Jahre älter als sie, dicklich und litt öfters unter heftigen Gichtanfällen. Zwar hatte er einen schwierigen Charakter, war aber seinen beiden ersten Gemahlinnen ein zärtlicher Ehemann gewesen. Über die Entwicklung der Beziehung der beiden Ehepartner ist wenig bekannt, da der Großteil der Briefe Maria Josephas an ihre Familie in Dresden verschollen ist. In einigen erhaltenen Schreiben von 1827 nennt sie den spanischen König etwas reserviert „meinen Mann“, hebt jedoch auch ihre gegenseitige Zuneigung und identische politische Ansichten hervor. Indessen ist die von sächsischen Gesandten abgegebene Charakterisierung ihrer Ehe als völlig harmonischer Beziehung unglaubwürdig, da diese Diplomaten nur spärliche Nachrichten von der Königin selbst bekamen.Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Hei-matblätter 4/2019, S. 359.
Wenig förderlich für die Beziehung des Königspaars war der Umstand, dass Maria Josepha keine – von Ferdinand VII. zum Fortbestand seiner Dynastie ersehnten – Kinder bekam. Offenbar war sie vor der Heirat nicht über den Vollzug des Geschlechtsverkehrs aufgeklärt worden. Laut einem hämischen Bericht des französischen Schriftstellers Prosper Mérimée sei die Königin in ihrer Hochzeitsnacht erschrocken, als Ferdinand VII. nackt in ihrem Schlafzimmer erschien und schreiend aus dem Raum gelaufen. Erst nachdem ihre Schwägerin Maria Francisca von Portugal Überzeugungsarbeit leistete, sei Maria Josepha wieder zum König zurückgekehrt, doch sei der Vollzug der Ehe dennoch gescheitert.Emilio la Parra: Fernando VII. Un rey deseado y detestado, Barcelona 2018, S. 395. Danach habe sie sich geweigert, mit dem König zu schlafen, bis ein Brief des Papstes Pius VII. sie überzeugte, dass die sexuelle Beziehung zwischen Eheleuten der katholischen Ethik nicht widerspreche. Da sich weiterhin keine Schwangerschaft bei ihr einstellte, wurden viele Ärzte bemüht, um ihr zur Zeugungsfähigkeit von Kindern zu verhelfen. Sie musste deswegen die Kurorte Sacedón in der Provinz Guadalajara und Solán de Cabras in der Provinz Cuenca aufsuchen, deren Quellen die Eigenschaft zugeschrieben wurde, die menschliche Fruchtbarkeit zu steigern. Trotz aller Anstrengungen blieb auch die dritte Ehe Ferdinands VII. ohne Erben.María del Pilar Queralt del Hierro: María Josefa Amalia de Sajonia, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version In ihren letzten Lebensjahren war Maria Josepha sexuellen Handlungen so sehr abhold, dass der spanische König Papst Leo XII. ersuchte, die Königin zur Einhaltung ihrer Ehepflichten zu drängen.Emilio la Parra: Fernando VII. Un rey deseado y detestado, 2018, S. 397.
Karitative und religiöse Tätigkeiten Maria Amalia widmete sich in Spanien vor allem wohltätigen Werken, unterstützte Kranken-, Armen- und Erziehungshäuser in Madrid, Valencia, Barcelona und anderen Städten und führte ein sehr religiöses Leben, wobei sie häufig betete. Ein von ihr auf Spanisch verfasstes Gebetbuch wurde gedruckt. Allerdings hatte ihre karitative Arbeit einen eher bescheidenen Umfang.Maria José Rubio: Reinas de España. Siglos XVIII-XXI, Madrid 2009, S. 466.
Liberale Ära Bald nach Maria Josephas Ankunft in Madrid brach in Spanien wegen wirtschaftlichen Niedergangs und anderen Ursachen ein von Oberst Rafael del Riego im Januar 1820 entfachter Aufstand gegen die absolutistische Herrschaft des Königs aus, der im März 1820 den Eid auf die liberale Verfassung von Cádiz leisten musste. Damit begann die bis 1823 währende Ära des Trienio Liberal, in der Ferdinand VII. seine absolute Macht verlor und als konstitutioneller Monarch herrschte.Angel Martínez de Velasco: Ferdinand VII., in: Walther L. Bernecker, Carlos Collado Seidel, Paul Hoser (Hrsg.): Die spanischen Könige, C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42782-0, S. 215 ff. Vermutlich war die Revolution für Maria Josepha erschreckend; war sie doch bisher an die vom sächsischen König vertretenen Maximen eines gemäßigten Absolutismus gewöhnt, dagegen nicht mit einem politischen Systemwechsel durch eine Militärrevolte vertraut. Sie empfand die dreijährige von den Liberalen dominierte Epoche als unruhig und belastend. Selbst mischte sie sich in die Politik nicht ein.
Anfang Juli 1822 wurde eine Erhebung königstreuer Garden von der Nationalgarde unterdrückt und im Verlauf dieser Unruhen das königliche Schloss in Madrid belagert. Die Befürchtung der Königin, dass die in den Aufstand verwickelte Königsfamilie entmachtet würde, trat nicht ein. Dennoch belasteten die wiederkehrenden politischen Konfrontationen Maria Josepha und führten im Verbund mit der Enttäuschung über ihre ausbleibenden Schwangerschaften dazu, dass sie im Sommer 1822 eine Nervenkrise durchlebte, in der sie auch Krampfanfälle hatte. Ferner zeigte sie die Veranlagung für bestimmten Phobien; so wollte sie sich nicht durch dichte Menschenmengen drängen.Jörg Ludwig: Die gescheiterte Fürstin: Maria Josepha von Sachsen (1803–1829) als Königin von Spanien, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 360. Nach der auf Wunsch Ferdinands VII. erfolgten französischen Invasion in Spanien im April 1823 wurde die Königsfamilie in Cádiz gefangengesetzt.Angel Martínez de Velasco: Ferdinand VII., in: Walther L. Bernecker, Carlos Collado Seidel, Paul Hoser (Hrsg.): Die spanischen Könige, 1997, S. 218 f. In dieser Situation soll Maria Josepha Amalia große Ruhe gezeigt und dadurch ihren Gatten ermutigt haben. Erst Ende September 1823 wurde Ferdinand VII. mit seinen Angehörigen freigelassen; die liberale Ära in Spanien endete.