Die Baltimore-Klasse war eine Klasse Schwerer Kreuzer der United States Navy aus den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Ende des Krieges wurden die Kreuzer größtenteils in die Reserveflotte verlegt, aber während des Koreakriegs reaktiviert. Bis 1971 waren alle Schiffe des ursprünglichen Entwurfs außer Dienst gestellt.

Vier Einheiten der Klasse wurden allerdings bereits während der 1950er-Jahre zu den ersten Lenkwaffenkreuzern der Welt umgebaut und bildeten die Boston-Klasse und die Albany-Klasse. Diese blieben teilweise bis 1980 in Dienst.

Geschichte Planung und Bau links|mini|Die Bremerton im Trockendock Direkt nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa im September 1939 wurden in der US Navy Studien über den Bau einer neuen Klasse von Schweren Kreuzern angestoßen, die letztlich zum Bau der Baltimore-Klasse führten. Mit dem Krieg wurden auch die ohnehin eher großzügig ausgelegten Beschränkungen der Zweiten Londoner Flottenkonferenz obsolet – diese hatte den Bau Schwerer Kreuzer völlig untersagt. Die Baltimore-Klasse wurde dann einerseits an die Wichita angelehnt, einen Schweren Kreuzer von 1937, der den Übergang vom Zwischenkriegs- zum Weltkriegsdesign darstellte, und andererseits an die zu der Zeit im Bau befindliche Cleveland-Klasse.

Der Bau der ersten vier Schiffe der Baltimore-Klasse wurde am 1. Juli 1940 in Auftrag gegeben, vier weitere wurden im Laufe des Jahres bestellt. Ein zweites Paket, das sechzehn zusätzliche Einheiten umfasste, wurde am 7. August 1942 bewilligt. Die Fertigstellung der Einheiten verzögerte sich jedoch, da die Navy dem Bau der Leichten Kreuzer der Cleveland-Klasse den Vorzug gab. Von diesen konnten in kürzerer Zeit mehr Einheiten für die Verwendung in Flugzeugträgerkampfgruppen gebaut werden. Als der Bau der ersten acht Baltimores aus diesem Grund recht schleppend lief, nutzte man in der Navy die Gelegenheit, den ersten Entwurf noch einmal zu überdenken und zu verbessern. Auch dieser neue, modifizierte Entwurf zögerte sich jedoch hinaus, so dass weitere sieben Einheiten nach ursprünglichem Design auf Kiel gelegt und fertiggestellt wurden. So wurden zwischen 1943 und 1946 vierzehn Einheiten der Baltimore-Klasse in den Dienst der US Navy gestellt, der Bau eines fünfzehnten Kreuzers der Klasse, der den Namen Norfolk tragen sollte, wurde zu Ende des Zweiten Weltkrieges nach acht Monaten Bauzeit gestoppt und der halb fertige Rumpf wieder verschrottet. Weitere neun Bestellungen wurden zu einem modifizierten Entwurf umgewandelt.

Größter Auftragnehmer für den Bau der Klasse war Bethlehem Steel, die auf dem Fore River Shipyard in Quincy, Massachusetts acht Einheiten fertigte. New York Shipbuilding in Camden, New Jersey baute vier Schiffe und die Philadelphia Naval Shipyard in Philadelphia, Pennsylvania stellte eine Einheit fertig, die zweite wurde nicht vollendet. Die Einheiten wurden nach Städten der Vereinigten Staaten benannt, einzige Ausnahme bildete die Canberra, die zu Ehren der versenkten HMAS Canberra nach der australischen Hauptstadt benannt wurde. Die Klassifikation lautete CA, eine Bezeichnung, die ursprünglich für armoured cruiser (Panzerkreuzer) stand, aber später auch für die heavy cruiser, also die Schweren Kreuzer, verwendet wurde.

Modifikationen Weiterentwicklungen Der Rumpf der Baltimore-Klasse wurde für die Entwicklung mehrerer anderer Klassen verwendet. Die Kreuzer der Oregon-City-Klasse unterschieden sich nur unwesentlich von den Baltimores. Diese bestand aus den ursprünglich als Einheiten der Baltimore-Klasse geplanten, dann aber als modifizierter Entwurf auf Kiel gelegten Kreuzern. Von den neun geplanten Einheiten wurden allerdings nur drei fertiggestellt. Der Rumpf der Oregon-City-Klasse war mit dem der Baltimores praktisch identisch. Die Hauptunterschiede der beiden Schiffsklassen waren die Reduzierung auf nur einen Schornstein und eine Veränderung der Aufbauten, vorwiegend um die Topplastigkeit zu verringern. Einen nochmals vergrößerten Entwurf stellte die Des-Moines-Klasse dar. Während das grundsätzliche Deckslayout nicht verändert wurde, trugen die drei Kreuzer dieser Klasse die ersten vollautomatischen Großkalibergeschütze auf Kriegsschiffen überhaupt. Keines dieser Schiffe kam aber rechtzeitig zur Flotte, um noch in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen.

Aus dem Entwurf des Baltimore-Rumpfes wurde außerdem das Design für den Bau der beiden Leichten Flugzeugträger der Saipan-Klasse entwickelt. So wurde zum Beispiel die Anordnung der Maschinen übernommen. Allerdings waren diese Rümpfe gegenüber denen der Baltimore-Klasse verbreitert worden. Diese Schiffe wurden 1947/48 fertiggestellt. Da sie aber bereits Mitte der 1950er-Jahre für die Flugzeuge des Jet-Zeitalters zu klein waren, wurden sie für andere Aufgaben umgebaut und als Nachrichtenverbindungsschiff bzw. Hauptquartiersschiff verwendet.

Umbauten (Boston- und Albany-Klasse) mini|Die Boston als Typschiff der Umbauten der Boston-Klasse Bereits Ende der 1940er-Jahre plante die Navy, Kriegsschiffe mit Raketen auszustatten. 1946 wurde das ehemalige Schlachtschiff Mississippi und 1948 der ehemalige Seeflugzeugtender Norton Sound zu Versuchsschiffen für diesen Zweck umgerüstet. Beide erhielten unter anderem die RIM-2 Terrier, wie sie ab 1952 beim Umbau erster Serienschiffe verwendet wurde. Hierfür wurden zwei Baltimore-Kreuzer (Boston und Canberra) umgerüstet. Diese Schiffe waren somit die weltweit ersten Lenkwaffenkreuzer. Die beiden Schiffe der neuen Boston-Klasse wurden 1955 respektive 1956 wieder in Dienst gestellt und als CAG klassifiziert. Das in der Bezeichnung neu hinzugekommene G stand für guided missile oder Lenkflugkörper, die Beibehaltung des A kennzeichnete die Tatsache, dass die Kreuzer ihre schweren Buggeschütze behielten.

mini|links|Die Chicago, umgebaut zur Albany-Klasse In den folgenden Jahren wurden noch sechs Leichte Kreuzer der Cleveland-Klasse mit Lenkwaffen ausgerüstet. Mit der Long Beach wurde 1957 dann der erste Lenkwaffenkreuzer-Neubau auf Kiel gelegt. Trotzdem wurden weitere Schiffe konvertiert, so ab 1958 zwei Baltimore-Kreuzer (Columbus und Chicago) sowie eine Einheit der Oregon-City-Klasse (Albany), die zur neuen Albany-Klasse von Lenkwaffenkreuzern zusammengefasst wurden. Diese kamen 1962 bis 1964 zur Flotte. Zwei weitere (Rochester der Oregon-City-Klasse und Bremerton der Baltimore-Klasse) Umbauten sollten folgen, jedoch wurde die Konvertierung aus finanziellen Gründen nicht mehr durchgeführt. Im Gegensatz zu den Kreuzern der Boston-Klasse wurde bei der Albany-Klasse ein Totalumbau vorgenommen; das heißt, es wurden sowohl sämtliche Waffensysteme als auch die kompletten Aufbauten entfernt und durch neue ersetzt. Dies erklärt auch die hohen Umbau-Kosten von 175 Mio. US-Dollar pro Einheit. (engl.) Da hier keine großkalibrigen Waffen an Bord blieben, wurde als Klassifizierung CG genutzt.

Dienstzeit mini|Die Baltimore während ihrer Reaktivierung, 1951 Von den vierzehn fertiggestellten Einheiten kamen zwölf noch vor Japans Kapitulation am 2. September 1945 zur Flotte. Allerdings nahmen nur sieben Schiffe dieser Klasse an Schlachten des Pazifikkrieges teil, die Quincy fuhr als einziger Baltimore-Kreuzer auch in europäischen Gewässern. Die restlichen Einheiten absolvierten während der letzten Tage des Krieges noch Erprobungsfahrten. Bis 1947 waren zehn Einheiten außer Dienst gestellt und der Reserveflotte zugeteilt worden, vier blieben über das Ende des Krieges hinaus in Dienst. Anfang der 1950er-Jahre jedoch wurden sechs Einheiten reaktiviert. Damit blieben vier Einheiten außer Dienst: Die Fall River wurde nie wieder aktiviert, die Boston und die Canberra wurden umgebaut und als Boston-Klasse weitergeführt. Die Chicago wurde erst 1958 anlässlich des Umbaus zum Albany-Kreuzer reaktiviert. Damit waren während des Koreakriegs zehn Baltimores einsatzbereit. Sechs dieser Schiffe führten dort Geleitschutzoperationen und Küstenbeschießungen durch, die anderen verstärkten die Flotte, unter anderem in europäischen Gewässern.

Nach dem Koreakrieg wurden ab 1954 die restlichen unmodifizierten Kreuzer endgültig außer Dienst gestellt. 1963 befand sich nur noch die Saint Paul in Dienst, die als einzige der nicht umgebauten Einheiten noch im Vietnamkrieg zum Einsatz kam und erst 1971 deaktiviert wurde.

Boston und Canberra nahmen am Vietnamkrieg teil und wurden 1970 außer Dienst gestellt. Da ihre Lenkwaffen zu diesem Zeitpunkt schon veraltet waren, fuhren beide bereits seit 1968 wieder als CA. Die Lenkwaffen waren entfernt und die Starter der Raketen damit ohne Funktion. Von der Albany-Klasse fuhr nur die Chicago vor Vietnam, die anderen beiden Einheiten waren im Atlantik stationiert. Albany und Chicago blieben bis 1980 aktiv, Columbus bis 1975.

Alle vierzehn Einheiten der Baltimore-Klasse wurden nach ihrer Außerdienststellung an Abwrackunternehmen verkauft und abgewrackt, die Chicago als letzte im Jahr 1991.

Einheiten Kennnummer Name In Dienst Außer Dienst Verbleib/Schicksal CA-68 Baltimore15. April 194331. Mai 1956verschrottetCA-69/CAG-1 Boston30. Juni 19435. Mai 1970verschrottet CA-70/CAG-2 Canberra14. Oktober 194316. Februar 1970verschrottetCA-71 Quincy15. Dezember 19432. Juli 1954verschrottetCA-72 Pittsburgh10. Oktober 194428. August 1958verschrottetCA-73 Saint Paul17. Februar 19455. Mai 1971verschrottetCA-74/CG-12 Columbus8. Juni 194531. Januar 1975verschrottetCA-75 Helena4. September 194529. Juni 1963verschrottetCA-130 Bremerton29. April 194529. Juli 1960verschrottetCA-131 Fall River1. Juli 194531. Oktober 1947verschrottetCA-132 Macon26. August 194510. März 1961verschrottetCA-133 Toledo27. Oktober 194621. Mai 1960verschrottetCA-135 Los Angeles22. Juli 194515. November 1963verschrottetCA-136/CG-11 Chicago10. Januar 19451. März 1980verschrottet

Beschädigungen mini|Die Pittsburgh mit abgerissenem Bug Im Weltkrieg wurde lediglich die Canberra durch Feindfeuer beschädigt, am 13. Oktober 1944 musste sie einen Lufttorpedotreffer hinnehmen, der im Maschinenraum 23 Menschen das Leben kostete. Ein Jahr später wurde die Reparatur in der Boston Naval Shipyard beendet und das Schiff der Atlantikflotte zugeteilt. Der Pittsburgh wurde im Juni 1945 in einem Taifun ihre gesamte Bugpartie weggerissen, Opfer waren nicht zu beklagen. Nachdem sich das Schiff durch 70-Knoten-Winde nach Guam gekämpft hatte und dort notdürftig repariert werden konnte, wurde schließlich in der Puget Sound Naval Shipyard eine vollständige Wiederherstellung vorgenommen.

Im Koreakrieg kostete ein Feuer im vorderen Geschützturm am 12. April 1952 30 Männer der Saint Paul das Leben. 1953 wurde dasselbe Schiff durch eine Küstenbatterie getroffen, aber niemand verletzt. Ebenso erging es der Helena 1951 und der Los Angeles 1953.

Die Boston wurde im Juni 1968 Opfer von friendly fire, als sie und ihre Begleitung, der australische Zerstörer HMAS Hobart, von Flugzeugen der United States Air Force für feindliche Ziele gehalten und mit AIM-7 Sparrows angegriffen wurden. Nur die Hobart wurde aber ernsthaft beschädigt – der Gefechtskopf einer Rakete, welche die Boston getroffen hatte, detonierte nicht.

Technik Schiffsmaße mini|Seitliche Ansicht der Los Angeles (Baltimore-Klasse) mini|Im Gegensatz dazu hier gut zu erkennen die hohe Brücke der Columbus (Albany-Klasse) Die Schiffe hatten eine Gesamtlänge von 205 m eine Kielwasserlinie von 202 m und eine Breite von 21 m.Durch die Modifikationen differieren sämtliche weitere Werte je nach Schiff. Die Schiffe hatten einen Tiefgang von 7,30 und die Verdrängung lag zwischen 14.472 tn.l. und 17.000 tn.l.