mini|hochkant|Trümmerfrau-Denkmal in Berlin-Weißensee „Trümmerfrau“-DenkmälerIn der Wikipedia gilt es als unangemessener Stil, durch Anführungszeichen eine Distanzierung von der Wortwahl anzeigen zu wollen. Da jedoch in dem überwiegenden Teil der Forschungsliteratur zum Thema seit 2013 (u. a. Leonie Treber, Clara-Anna Egger, Martin Tschiggerl/Thomas Walach; Näheres hier) eben diese Distanzierung als angemessener Umgang mit dem Begriff gilt und durch Anführungszeichen angezeigt wird, folgt der Artikel der Forschung und verwendet diese typografischen Kennzeichen.Soweit in der Denkmalwidmung Frauen erwähnt sind, haben wir die Denkmäler auch dann in diesen Artikel aufgenommen, wenn zusätzlich weitere Personengruppen aufgeführt sind (z. B. Aufbaugeneration, Männer, Nachkriegsgeneration…). sind meist Statuen, gelegentlich aber auch andere Plastiken. Bei einigen Denkmälern lautet die Bezeichnung „Aufbauhelferin“. Sie wurden ab der Nachkriegszeit in verschiedenen Städten der DDR, der (alten) Bundesrepublik Deutschland und Österreichs errichtet. Gemäß den Widmungstafeln sollen sie an die Rolle von Frauen, den sogenannten „Trümmerfrauen“, bei Trümmerräumung und Wiederaufbau erinnern. Etliche Tafeln sind zusätzlich außerdem Männern oder der Aufbaugeneration insgesamt gewidmet. Die ersten Denkmäler in Dresden (1951) und am Roten Rathaus in Ost-Berlin (1955) stellen den Typus der neuen sozialistischen Frau dar, die mit Tatendrang die Voraussetzungen für ein besseres Leben schafft. Die etwa gleichzeitig aufgestellte Statue im Volkspark Hasenheide in West-Berlin dagegen vermittelt keine Aufbruchstimmung. Auch im 21. Jahrhundert wurden noch Denkmäler oder GedenksteineDie Definition des Begriffs Denkmal ist in den Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Bundesländer unterschiedlich. Nicht alle Gedenksteine und Gedenktafeln erfüllen diese Kriterien, werden aber aus Vereinfachungsgründen hier mit aufgeführt. In Presse und Bevölkerung werden sie ohnehin oft als Denkmäler bezeichnet. errichtet, zum Beispiel 2013 ein Gedenkstein in München. Diese Objekte wurden häufig zum Gegenstand politischer Kontroversen.

Denkmäler bis 1989 Schon Anfang der 1950er Jahre, einige Jahre vor der Bundesrepublik, begann die DDR an zentralen Orten mit der Errichtung von Denkmälern für die „Trümmerfrau“. Diese symbolisierte den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg und stand für die neue sozialistische Frau, die die Voraussetzungen für ein besseres Leben geschaffen hatte.

hochkant|alternativtext=Eine Montage aus zwei Fotos: Das linke Foto zeigt ein Bronzedenkmal eines Mannes in Arbeitskleidung, der in der rechten, gesenkten Hand eine Hacke hält; das rechte Foto zeigt das Denkmal einer jungen Frau in ähnlichem Stil. Sie hat eine Schaufel über die linke Schulter gelegt, die linke Hand hängt lässig über dem Schaufelstiel.|mini|„Aufbauhelfer“ und „Aufbauhelferin“ von Fritz Cremer vor dem Roten Rathaus, Berlin Berlin-Mitte: Das Denkmal Aufbauhelferin und Aufbauhelfer wurde 1954/1955 vom Bildhauer Fritz Cremer unter dem Arbeitstitel Weg mit den Trümmern I und II als Gipsentwurf geschaffen und 1955 in Bronze gegossen. Sie ist jung, hat die Schaufel entspannt auf die Schulter gelegt und schaut optimistisch in eine arbeitsreiche Zukunft. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurden die beiden Figuren zur Würdigung der Leistungen beim Wiederaufbau Ost-Berlins unter der Bezeichnung Aufbauhelfer und Aufbauhelferin etwa 30–40 Meter entfernt voneinander auf dem Vorplatz gegenüber dem Roten Rathaus in Ost-Berlin aufgestellt.

Berlin-Neukölln: Vier Jahre nach dem ersten Denkmal für die „Trümmerfrauen“ in der DDR widmete man ihnen auch in Westdeutschland erstmals eine Skulptur: Im Juni 1954 beschloss das Bezirksamt Neukölln, das gegebene Versprechen für eine Ehrung der Trümmerfrauen umzusetzen. Nur wenige Monate nach der Konzeptualisierung des Denkmals fand am 30. April 1955 die Einweihungsfeier im Volkspark Hasenheide auf der Rixdorfer Höhe in Berlin-Neukölln statt. Die Statue ist ein Werk der Berliner Bildhauerin Katharina Szelinski-Singer. Das Denkmal wurde aus Muschelkalk hergestellt und über Mittel aus dem Notstandsprogramm für West-Berliner Künstler finanziert, das 1950 ins Leben gerufen wurde. Das Denkmal zeichnet „kein heroisches, sondern ein realistisches zartes und nachdenkliches Frauenbild.“ Im Gegensatz zu den „Trümmerfrau“-Denkmälern in Dresden und Ost-Berlin strahlt die müde und abgearbeitet erscheinende Frau keinen Zukunftsoptimismus aus: Die West-Berliner Erinnerung an die „Trümmerfrau“ war in die Vergangenheit gerichtet, was sich auch an der Platzierung erkennen lässt: In der DDR waren die Denkmäler öffentlichkeitswirksam vor den Rathäusern platziert worden. Die Skulptur vermittelt anders als etwa gleichzeitig in der DDR aufgestellte Denkmäler keine Aufbruchstimmung.

Berlin-Pankow: In der Nachkriegszeit entstanden in der DDR weitere Denkmäler, die an die Rolle von Frauen beim Wiederaufbau erinnern sollten. So wurde etwa Im Jahr 1952 an der Ecke Ossietzkystraße/Am Schlosspark in Pankow auf einem Sockel aus Klinkern eine Statue mit der Bezeichnung Aufbauhelferin aufgestellt. Zu sehen ist eine aufrecht stehende Frau aus Bronze, die drei Ziegelsteine in den Händen hält. Gestaltet hat es die Bildhauerin Gertrud Classen.

Berlin/Treptow: Im Jahr 1969 wurde im Bezirk Treptow im Stadtteil Johannisthal am Sterndamm eine Bronze-Skulptur mit dem Titel Aufbauhelferin errichtet. Diese Skulptur ist das Werk des Bildhauers Gerhard Thieme. Die mit etwa 1,80 m lebensgroße Skulptur mit Kopftuch und Schürze bearbeitet mit einem Hammer einen Ziegelstein. Sie steht auf einem 30 cm hohen Sockel im Vorgarten des Wohnblocks Sterndamm 128 in der Nähe eines Supermarktgeländes.

Berlin-Weißensee: Im Jahr 1968 ließ die Bezirksverwaltung von Berlin-Weißensee die vom Bildhauer Eberhard Bachmann geschaffene Skulptur Aufbauhelferin in der Amalienstraße, Ecke Albertinenstraße am Rande des Weißenseer Parks aufstellen. Das Kunstwerk ist aus Bronze gearbeitet und überlebensgroß.

alternativtext=Rechteckige Bronzeplatte mit messingfarbener Aufschrift: Walter Reinhold / Trümmerfrau / 1952 als Eisenguss errichtet / 1967 Neufassung in Bronze / Das Denkmal ist den Frauen Dresdens gewidmet, die in schwerer Zeit mit ihrer Hände Arbeit den Grundstein zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt legten / Restaurierung 2001 / Landeshauptstadt Dresden, Stadtsparkasse Dresden, Daimler Chrysler Niederlassung Dresden, Gudrun Benath und Freunde|mini|Bronzeplatte an der Dresdner Statue: „Das Denkmal ist den Frauen Dresdens gewidmet, die in schwerer Zeit mit ihrer Hände Arbeit den Grundstein zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt legten.“ Dresden war 1951 die erste Stadt, in der die Entscheidung für ein Denkmal zu Ehren der Dresdner „Trümmerfrauen“ fiel. Im Herbst 1951 wurde dort auf Anregung des Rates der Stadt einstimmig die Errichtung des Denkmals beschlossen. Das Denkmal entstand somit zu einer Zeit, als bei der Enttrümmerung in der Stadt noch Frauen tätig waren, auch wenn die Hochphase bereits abgeschlossen war. Der Dresdner Bildhauer Walter Reinhold schuf das Denkmal 1952 aus Eisenguss. Im Vorfeld wurden Gespräche mit Trümmerfrauen darüber geführt, wie sie sich dargestellt sehen wollten. Doch gegen ihren Wunsch, eine Frau mit Schaufel und Hacke über der Schulter zu zeigen, setzte sich der Vorschlag des Künstlers durch: Die überlebensgroße Frauenstatue trägt grobe Schuhe und eine Kittelschürze. Sie hält einen Ziegelputzhammer in der rechten Hand. Zunächst wurde die Statue in der Nähe des Georgplatzes nahe am Neuen Rathaus errichtet. Der Platz war gewählt worden, weil er nicht nur für das Zentrum des Neuanfangs stand, sondern auch Mittelpunkt des politischen Lebens war. Somit stand die „Trümmerfrau“ sowohl für Wiederaufbau als auch für den politischen Aufbruch der DDR in eine sozialistische Ära. Unter dem Titel Die „Trümmerfrau“ wurde das Denkmal am 13. Oktober 1952 enthüllt. Dieses Datum war 1949 zum Tag des Aktivisten bestimmt worden, an dem man für besonderes Engagement bei der Erfüllung des Plansolls ausgezeichnet werden konnte. Auf die Denkmalsenthüllung folgte ein Empfang für besonders engagierte „Trümmerfrauen“, um deren Vorbildwirkung zu unterstreichen. Die Absicht, durch die Wahl des Zeitpunkts eine Steigerung der aktuellen Arbeitsleistung beim Wiederaufbau zu erzielen, liegt daher nahe. Im Jahr 1967 wurde das Original durch einen Bronze-Abguss ersetzt. Seit 1968 steht die Statue in der Nähe des Pirnaischen Platzes an der östlichen Seite des Neuen Rathauses. Nach 1991 fand eine Restaurierung statt. Wegen Schäden am Sockel, den Fugen und Klinkersteinen wurde die Figur Mitte November 2022 abgebaut, restauriert, gereinigt und erstmals auch gewachst. Diese Schutzschicht soll die Patina der Figur von Umwelteinflüssen bewahren. Am 1. Februar 2023 konnte sie wieder aufgestellt werden.

Magdeburg: Vor der Johanniskirche in Magdeburg befindet sich seit 1982 eine Bronzestatue. Die Figur der „Trümmerfrau“ symbolisiert eine Frau, die unmittelbar nach dem Ende des Krieges damit begann, die Zerstörungen zu beseitigen und die Stadt Magdeburg wiederaufzubauen. Zusammen mit einer anderen Skulptur, die eine Mutter darstellt, die ihr Kind beschützt, sowie einem Portal, bilden sie das Ensemble Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt Magdeburg.

Potsdam: Die Stadtverwaltung von Potsdam stellte im Jahr 1966 in der Burgstraße die Skulptur Aufbauhelferin auf. Die Bronzefigur hatte der Berliner Bildhauer Eberhard Bachmann Ende der 1950er Jahre geschaffen.Aufbauhelferin Eberhard Bachmann Ende 1950 Jahre auf potsdam.de Ebenfalls von diesem Künstler stammt die Skulptur Aufbauhelferin in der Amalienstraße, Ecke Albertinenstraße am Rande des Weißenseer Parks. Sie entstand 1968. Die Bronzestatue ist überlebensgroß.

Strasburg (Uckermark): Die Strasburger Statue der „Trümmerfrau“ stammt von Herbert Köhnke und wurde 1953 an der Kreuzung Markt/Falkenbergstraße eingeweiht. Im Jahr 1996 erfolgte der Umzug der Skulptur an einen neuen Platz.Gedenktafel auf commons.com

Die „Trümmerfrau“-Denkmäler in der DDR stellten den Typus der neuen sozialistischen Frau dar, die mit Tatendrang die Voraussetzungen für ein besseres Leben schafft.

Nach der Wende Nach der Wende 1989 entwickelte sich die „Trümmerfrau“ zur gesamtdeutschen Ikone. Skulpturen und Gedenksteine wurden nun im gesamten Bundesgebiet aufgestellt.

mini|hochkant=0.6|Glockenspiel-Figur in Chemnitz Chemnitz: 2001 wurde im Alten Rathaus ein Glockenspiel mit 25 Glocken in Betrieb genommen und im Jahr 2002 durch sechs Bronzefiguren von Johannes Schulze ergänzt. Dreimal täglich werden sechs Figuren, die jeweils etwa einen Meter hoch sind, präsentiert: Benediktinermönch, Türmer, Spinnerin, Kaufmann, Gießer und „Trümmerfrau“ stehen dabei für Chemnitzer Geschichtsetappen.

Frankfurt (Oder): Das Denkmal am ehemaligen Lichtspieltheater der Jugend wurde umgewidmet: 1955 war es bei Edmund Neutert als Bäuerin in Auftrag gegeben und eingeweiht worden. Zusammen mit der rechts aufgestellten, männlichen Figur des Hochöfners, die manchmal auch als Stahlwerker bezeichnet wird, steht die linke, weibliche Statue für den Arbeiter- und Bauernstaat. Der Kontext hierzu wird durch die Sgraffitos an der Außenwand des Theaters hinter dem Hochöfner hergestellt: Sie zeigen zum einen landwirtschaftliche Motive, zum anderen Elemente aus Industrie und Stadt. Informationen darüber, wann und weshalb die Umwidmung vorgenommen wurde, liegen nicht vor. Leonie Treber geht davon aus, dass erst nach der Wende im Einklang mit der Anerkennung der „Trümmerfrau“ als gesamtdeutsche Identifikationsfigur die weibliche Figur eine neue Plakette mit der Aufschrift Trümmerfrau erhielt. Der Widerspruch zum Sgraffito wurde dabei ignoriert.