Das Corps Normannia Berlin ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung an den Hochschulen und Universitäten Berlins. Als Corps gehört es dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) an.
Couleur und Wahlspruch
Farben Fuchsfarben
Die „Normannen“ tragen die Farben dunkelblau-silber-schwarz mit silberner Perkussion. Die Füchse tragen ein Band in den Farben silber-blau-silber auf blauem Grund.
Das Corps hat den Wahlspruch „Durch Kampf zum Sieg – Durch Nacht zum Licht!“
Geschichte mini|Wappen des Normannia Berlin Gegründet wurde Normannia am 3. Februar 1842Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 11. unter der Bezeichnung Cerevesia oder Weltkneipe.Paul Goldschmidt: Zur Geschichte der Landsmannschaft Normannia in Berlin 1842–1902. Berlin, 1902. Im Februar 1845 erklärte sie sich zur Landsmannschaft Normannia.
Im Juli 1855 beschloss eine deutliche Mehrheit der Landsmannschaft, künftig als Corps weiterzubestehen. Dieses trat in den Berliner SC und damit in den KSCV ein. mini|Burschenband und Fuchsenband des Corps Normannia Berlin. Einige Mitglieder der vormaligen Landsmannschaft waren mit dieser Entwicklung nicht einverstanden, schieden aus dem Corps aus und gründeten im Wintersemester 1855/56 eine neue Landsmannschaft gleichen Namens.
In der studentischen Öffentlichkeit war das offenbar weitgehend unbekannt. Man sah eine Landsmannschaft vorher und eine Landsmannschaft nachher und ging daher ohne Kenntnis der Hintergründe davon aus, dass es sich um ein und denselben Bund handele, aus dem das neu auf der Bildfläche erschienene Corps ausgeschieden sei.
Es gab damals ein Verfahren vor dem Universitätsgericht, in dem das Inventar des Bundes dem Corps als dem rechtmäßigen Nachfolger zugesprochen wurde. Die (neue) Landsmannschaft musste ihren Zirkel u. a. durch Beifügung eines Querstrichs abändern und von dem beibehaltenen des Corps unterscheidbar machen.
In Verkennung der geschilderten Umstände wurde die Landsmannschaft gemeinhin als Palaio-Normannia (= Alte Normannia) bezeichnet. Heftige Rivalitäten zwischen beiden Studentenverbindungen waren die Folge. Mensuren zwischen ihren Angehörigen sollen die blutigsten im SC gewesen sein.Dietrich in: Materialien zur Geschichte des Corps Normannia Berlin (1992) Die neben dem Corps verbliebene Landsmannschaft Normannia wurde 1924 zur Berliner Burschenschaft Normannia.
1925 war Normannia präsidierendes Vorortcorps im KSCV und stellte mit Conrad Stolte den Kösener Vorortsprecher.
In der Zeit des Nationalsozialismus musste das Corps im Jahre 1935 den aktiven Betrieb einstellen. Die Altherrenschaft unterstützte daraufhin eine Kameradschaft im neugegründeten NSDStB. In der Nachkriegszeit blieb Normannia wie alle anderen Corps durch einen Beschluss des Alliierten Kontrollrats verboten. Das Corps rekonstituierte sich am 23. Oktober 1950 in Hamburg, kehrte aber schon am 31. März 1953 nach Berlin zurück.ZeittafelKurze Geschichte Normannias (fuchsenheft.de)
Corpshäuser Hinter dem 1826 erbauten Mietshaus in der Linienstraße, das 1857 um ein Quergebäude ergänzt wurde, erbaute Normannia 1909 im zweiten Hof des Anwesens durch den Architekten Fedor Feit ein Corpshaus im Auftrage der Normannia AG als Bauherrin. Der gesamte Komplex ist heute in der Obhut der Denkmalpflege.
Im Rahmen des 88. Stiftungsfestes bezog das Corps am 27. Juni 1930 das im Grunewald gelegene zweite Corpshaus. Errichtet wurde es nach Entwürfen von Heinz Oppermann. Das Raumprogramm umfasste im Erdgeschoss neben dem Empfangs- und Speisezimmer Wirtschaftsräume und die Wohnung des Corpsdieners, im I. Stock den Kneipsaal mit Musikempore, einen Wintergarten und das Altherrenzimmer, im II. Stock CC-Zimmer, Arbeitszimmer der Chargierten, vier Aktivenwohnräume und den Paukboden. Im Dachgeschoss waren zwei weitere Logierzimmer untergebracht.88. Stiftungsfest und Corpshauseinweihung der Berliner Normannen. In: Deutsche Corps-Zeitung 47 (1930/31), S. 279–281. Das heutige Corpshaus steht in der Klaus-Groth-Str. 4, 14050 Berlin.
Bekannte Mitglieder hochkant|mini|Louis Viereck (In alphabetischer Reihenfolge) Helmut Allardt (1907–1987), Botschafter (NSDAP) Wilhelm Begemann (1843–1914), Historiker der Freimaurerei Max Begemann (1877–1949), Sohn von Wilhelm Begemann, Sänger Eckhart Dietrich (1937–2023), Vorsitzender Richter am Kammergericht Heinrich Erythropel (1865–1940), Staatsminister Hanns Heinz Ewers (1871–1943), Schriftsteller Julius Falkenstein (1842–1917), Arzt und Afrikareisender Fritz Feinhals (1869–1940), Kammersänger Wilhelm Filehne (1844–1927), Pharmakologe Rudolf Focke (1852–1918), Bibliothekar Herbert Gardemin (1904–1968), Orthopäde Felix Genzmer (1878–1959), Rechtshistoriker und Skandinavist (NSDAP) Leopold Gerlach (1834–1917), Pädagoge und Kulturwissenschaftler Anton Gründler (1829–1894), Landgerichtsrat, MdHdA Max Hartmann (Richter) (1841–1926), Erster Präsident des OLG Düsseldorf Ernst Hein (1887–1950), deutscher Verwaltungsjurist und Kommunalbeamter, NSDAP- und SS-Mitglied Friedrich Hielscher (1902–1990), Publizist Hugo Hoffmann (1838–1893), Landgerichtspräsident, MdHdA Johannes Hoßfeld (1879–1946), Gründer des Zollgrenzschutzes Jürgen Kanzow (1938–1997), Pionier der Breitbandkommunikation Hermann Koechling (1867–1936), Rechtsanwalt und Notar, Vorsitzender der Bochumer Bürgergesellschaft Harmonie Friedrich Krause (1856–1925), Baurat Robert Krause (1831–1913), Landschaftssyndikus, MdHdA Lothar Kreuz (1888–1969), Orthopäde, letzter Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Michael Kühne (* 1949), Metrologe Georg Lang von Langen (1868–1945), Kreisdirektor in Altkirch und Erstein, stellvertretender Oberamtmann in Sigmaringen, Landrat in Ziegenrück, Oberamtmann in Sulz, Oberamtmann und Landrat in Gaildorf Günther Lummert (1903–1968), Rechtsanwalt Fritz Mussehl (1885–1965), Staatssekretär Ullrich Nauck (1852–1923), Landrat des Kreises Iserlohn Werner Ranz (1893–1970), Rechtsanwalt und Notar, VAC-Vorsitzender Karl-Ferdinand Reuss (1907–1973), Rechtsanwalt Alfons Sack (1887–1945), NSDAP-Rechtsanwalt Rudolph Schenck zu Schweinsberg (1855–1911), Landrat des Kreises Kirchhain, Kammerherr, Mitglied des Kurhessischen Kommunallandtags Bernhard Schlegel (1913–1987), Professor für Innere Medizin Heinrich Schoppen, (1860–1933), Erster Bürgermeister von Gnesen, Oberbürgermeister von Łódź, Bürgermeister von Marlow Jean Louis Sponsel (1858–1930), Kunsthistoriker Eberhardt Sturm (1889–1973), Industrieller, Dachziegelfabrikant Ferdinand Trautmann (1833–1902), HNO-Arzt, Sanitätsoffizier, Hochschullehrer an der Charité Louis Viereck (1851–1922), Journalist und Naturheilkundler, MdR Hugo von Waldeyer-Hartz (1876–1942), Marineschriftsteller Karl Hans Walther (1895–1965), Generalarzt der Wehrmacht, Generalmajor der NVA Fritz Max Weiss (1877–1955), Chinakenner, Gesandter Ernst von Werdeck (1849–1905), MdR Horst Wessel (1907–1930), SA-Sturmführer
Verhältniscorps Normannia Berlin ist Mitglied des schwarzen Kreises des Kösener Senioren-Convents-Verband und pflegt folgende Verhältnisse zu anderen Corps: Kartelle Borussia Greifswald Nassovia Würzburg Saxonia Kiel Rhenania Bonn Baruthia
Befreundete Silesia Borussia Halle Suevia München Suevia Straßburg Thuringia Leipzig Alemannia Wien zu Linz Montania Leoben Gothia Innsbruck Saxonia Konstanz
offizielle Vorstellungsverhältnisse Hassia-Gießen zu Mainz 1987 erlosch das offizielle Vorstellungsverhältniscorps Saxonia Hann. Münden und 2001 erlosch das befreundete Verhältniscorps Hansea Königsberg.
2025 brach Normannia das bis dato bestehenden befreundete Verhältnis zum Corps Vandalia Graz. Normannia hatte einem Alten Herrn der Vandalia ausländerfeindliche und antisemitische Beleidigungen eines Normannen-Corpsburschen montenegrinischer Herkunft vorgeworfen. Der Konflikt wurde auch in den Medien betrachtet. Nachdem der zwischenzeitlich ausgetretene Alte Herr, ein Arzt aus Münster, wieder in die Vandalia aufgenommen worden war, vollzog Normannia den Verhältnisbruch. Beide Corps fochten eine Bruch-PP-Suite aus.
Siehe auch Liste der Studentenverbindungen in Berlin
Liste der Kösener Corps Liste der Listen von Studentenverbindungen
Einzelnachweise
Literatur Materialien zur Geschichte des Corps Normannia Berlin. Berlin 1992. Sven Waskönig: Der Alltag der Berliner Verbindungsstudenten im Dritten Reich am Beispiel der Kösener Corps an der Friedrich-Wilhelms-Universität. In: Christoph Jahr (Hrsg.): Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Bd. 1., Stuttgart 2005, S. 159–178.
Weblinks
Website Normannias
Normannia Normannia Kategorie:Vereinsgründung 1842