mini|300px|Stadtzentrum Eilenburgs vom Burgberg aus gesehen mini|300px|Marktplatz
Die Große Kreisstadt Eilenburg ist eine Stadt an der Mulde im Nordwesten von Sachsen am Rand der Dübener Heide, circa 20 Kilometer nordöstlich der Universitäts- und Messestadt Leipzig. Die Stadt gehört zum Landkreis Nordsachsen und hat knapp 16.000 Einwohner; damit ist sie die viertgrößte Stadt im Kreis. Sie ist ein Mittelzentrum und gehört im weiteren Sinne zum Ballungsraum Leipzig-Halle, der Bestandteil der Metropolregion Mitteldeutschland ist. Eilenburg ist mit zwei Bundesstraßen und einigen Bahnstrecken gut in das Straßen- und Schienennetz Sachsens und Mitteldeutschlands integriert.
Im Jahr 961 fand erstmals die „civitas Ilburg“ in einer Urkunde Ottos I. Erwähnung. Mit Friedrich I. von Wettin begann die Herrschaft der Wettiner über Stadt und Land. Die Burg Eilenburg gilt als Wiege Sachsens, da mit der Belehnung Heinrichs I. von Eilenburg mit der Mark Meißen im Jahr 1089 der sächsische Territorialstaat gegründet wurde. Im Schutze der auf einem Hochplateau errichteten Burg entstand um 1200 eine planmäßige Stadtanlage an der Via Regia. Im Dreißigjährigen Krieg drohte der Stadt 1639 die völlige Zerstörung durch die Schweden, was durch den Bittgottesdienst Martin Rinckarts verhindert werden konnte. Der Friede von Eilenburg beendete schließlich im April 1646 den Krieg für Sachsen. Durch die Bestimmung des Wiener Kongresses kam Eilenburg an Preußen und entwickelte sich zu einem bedeutenden Industriezentrum. Die dadurch befeuerten sozialen Spannungen führten zur Gründung der ersten Betriebsräte in Deutschland in der Fabrik von Carl Degenkolb. Der Arzt Anton Bernhardi und andere gründeten 1849 mit der Lebensmittelassociation die erste Konsumgenossenschaft und ein Jahr später mit dem Eilenburger Darlehnskassenverein die erste wirkliche Kreditgenossenschaft in Deutschland.
Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 90 Prozent der Stadt zerstört. Nach den Jahren des Wiederaufbaus stagnierte die Entwicklung in der Stadt. Der Mangel und die Umweltbelastung durch die Industrie veranlassten auch die Eilenburger Bürger im Herbst 1989 zu friedlichen Demonstrationen. Nach der Wende zerfiel die gewachsene Industriestruktur. Starke Abwanderung und eine niedrige Geburtenrate versetzten die Stadt in einen bis heute währenden Schrumpfungsprozess. Gleichzeitig konnte sich durch den Niedergang der Industrie der sanfte Tourismus entwickeln. Die Stadt, als „Muldestadt mit grünem Herzen“ vermarktet, ist heute Station nationaler und internationaler Fremdenverkehrsrouten.
Geographie mini|Mühlgraben und Burgberg in Eilenburg
Geographische Lage Eilenburg liegt im Flusstal der Mulde südlich der Dübener Heide am östlichen Rand der Leipziger Tieflandsbucht. Die Mulde fließt durch die Stadt und trennt den Stadtteil Ost vom übrigen Stadtgebiet ab. Nördlich und südlich der Stadt fließt sie als Wildfluss mit vielen Mäandern durch eine breite Flussaue. Zudem mündet in Eilenburg die Lossa, aus den Hohburger Bergen kommend, in die Mulde. Dadurch war Eilenburg im August 2002 von der Jahrhundertflut stark betroffen, als das gesamte Stadtzentrum überflutet wurde.
Die nächsten größeren Städte sind im Südwesten Leipzig (20 Kilometer entfernt) und Taucha (15), im Westen Delitzsch (21), im Norden Bad Düben (16), im Osten Torgau (27) und im Süden Wurzen (12).
Der Marktplatz als Mittelpunkt der Stadt liegt auf einer Höhe von 102 Metern über dem Meeresspiegel. Die höchsten Erhebungen der näheren Umgebung sind der Steinberg mit 155 Metern Höhe südlich von Pressen sowie der Philipsberg (133), der Golmesberg (158) und der Heidenberg (159) südwestlich von Wedelwitz.
An die Stadt Eilenburg grenzen sechs Gemeinden: im Norden Zschepplin, im Nordosten und Osten Doberschütz, das schon Teil des Naturparks Dübener Heide ist, im Südosten Thallwitz im Landkreis Leipzig, im Südwesten Jesewitz, im Westen Krostitz und im Nordwesten Schönwölkau im Gebiet des Kämmereiforstes.
Geologie Die Landschaft um Eilenburg ist durch eiszeitliche Endmoränen der Saaleeiszeit geprägt. Westlich bis südwestlich von Eilenburg beginnt das Landschaftsschutzgebiet Taucha-Eilenburger Endmoränenlandschaft mit einer Größe von 38,1 Quadratkilometern. Mehrmals drangen Inlandgletscher in den Raum Nordsachsen vor und ließen dabei mächtige Schotterdecken zurück. Diese wurden durch das Schmelzwasser teilweise wieder mitgeführt, in den Kaltphasen jedoch wieder durch lockeres Gesteinsmaterial aus den Mittelgebirgen aufgeschottert. Die damals abgelagerten Kiese und Sande werden heute östlich von Eilenburg abgebaut, so dass dort neue Seen entstehen. Der westliche Teil Eilenburgs liegt auf einer Schicht holozäner Lehme und Schotter.Michael Seiler: Dem Neandertaler auf der Spur – Altsteinzeitliche Funde im Eilenburger Land
Stadtgliederung mini|Mühlinsel auf der Grenze der Stadtteile Mitte und Berg
Stadtteile Ausgehend von der Siedlungsstruktur und den geografischen Gegebenheiten lässt sich das Stadtgebiet in die Stadtteile Eilenburg-Berg im Westen, Eilenburg-Mitte und Eilenburg-Ost aufgliedern, wobei eine getrennte statistische Erfassung dieser durch die Stadtverwaltung nicht erfolgt. Die Stadtteile Berg und Mitte werden durch den künstlich angelegten Mühlgraben begrenzt, auch Gebiete am Fuß des Burgberges zählen zum Stadtteil Berg, zum Beispiel das Gebiet um das Ilburg-Stadion und um den Maxim-Gorki-Platz. Die so genannte Mühlinsel mit immerhin etwa 50 Einwohnern, die durch eine Teilung des Mühlgrabens auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Mitte und Berg entsteht, wird üblicherweise zur Mitte gezählt. Die Mulde begrenzt die Stadtteile Mitte und Ost. Allein der Stadtteil Ost bot Wohnraum für rund 10.000 Menschen, dies entsprach etwa der Hälfte der Stadtbewohner. Seit Anfang der 1990er Jahre leidet dieser Stadtteil mit seinen ausgedehnten DDR-Altneubau- und Neubauvierteln unter einem starken Einwohnerrückgang und dem damit verbundenen Wohnungsrückbau. Im Gegensatz dazu haben die Stadtteile Mitte und Berg durch Sanierung der Altbausubstanz und Ausweisung neuer Wohnviertel für den Eigenheimbau an Attraktivität gewonnen und weisen eine weitgehend stabile Einwohnerzahl auf.
Historische Vorstädte Eilenburgs waren die Acht GemeindenEilenburg im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen, von denen die meisten, bis auf Hainichen, im 19. Jahrhundert eingemeindet wurden. Sie haben folgende Namen:Eilenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 522 Torgauer Steinweg, Gassen-GemeindeGassen-Gemeinde im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen, Hinterstadt, Sand-GemeindeSand-Gemeinde im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen, ZscheppelendeZscheppelende im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen, Leipziger Steinweg, Hainichen und Tal-Gemeinde.Tal-Gemeinde im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
Ortsteile mini|hochkant=1.5|Übersichtskarte von Eilenburg Zu Eilenburg gehört seit 1. Januar 1974 der Ort Hainichen, einige Kilometer nördlich vom Stadtteil Berg mit seinen heute etwa 250 Einwohnern. Der Ort liegt wie die Stadt auch an der Mulde. Ebenfalls am 1. Januar 1974 kam die Ortschaft Wedelwitz mit knapp 200 Einwohnern zur Stadt. Sie liegt am Bundesstraßenkreuz der B 87 und der B 107 südlich von Eilenburg-Berg, umgeben von einem Wasserschutzgebiet.
Seit 1997 erstreckt sich das Gemeindegebiet noch mehrere Kilometer weiter Richtung Westen, wo die vier Ortschaften der Gemeinde Kospa-Pressen eingegliedert wurden. Der westlichste Ortsteil Eilenburgs ist jetzt Behlitz mit etwas weniger als 200 Einwohnern. Weiter in Richtung Osten folgt der Ortsteil Pressen (216 Einwohner), der durch den Bahnhof Kämmereiforst an die Bahnstrecke Halle (Saale) – Eilenburg angeschlossen ist. Weiter Richtung Innenstadt folgt der mit 173 Einwohnern kleinste Ortsteil Zschettgau, wo sich das Begegnungszentrum Lebens(T)raum in Trägerschaft der Stadt befindet. Neben seiner Bedeutung als Kulturhaus dient es dem Ortschaftsrat als Tagungsstätte. Zschettgau ist der einzige Ortsteil, der nicht ausschließlich dörflich bebaut ist. Hier befindet sich eine kleine Altneubau-Siedlung, die für die Mitarbeiter der ehemaligen LPG gebaut wurde. An der Staatsstraße 4 liegt der größte Ortsteil Eilenburgs Kospa mit 250 Einwohnern.
Geschichte
mini|hochkant=1.3|Eilenburg in einer Cabinetskarte um 1762 von Isaak Jacob von Petri, damals noch mit der Bezeichnung Eulenburg
Herkunft des Stadtnamens Der Name Eilenburg ist wie die meisten Ortsnamen der Region slawischen Ursprungs. Er leitet sich von der Burg Eilenburg ab, die erstmals im Jahr 961 als Ilburg erwähnt wurde. Nach dieser Burg tragen die Eulenburg (Adelsgeschlecht) ihren Herkunftsnamen. Er wurde im Laufe der Jahrhunderte vielmals abgewandelt überliefert (Hilburg, Ilburg, Hilburch, Ilburc, Ileborch, Ylenburg, Jilburg, Yllenburck, Eylburg, Eylenburg, Eylenberg, Eyleburg, Illeburg, Eilenburgk, Eulenburg, Eulenburgk) und erfuhr damit auch verschiedene Deutungen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass Ilburg auf die slawische Bezeichnung il als Ort mit Lehm- oder Tonvorkommen (Jilow, Jilobor) zurückzuführen ist.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 56f. Das an die Burg angrenzende Feld hatte einst die Bezeichnung Ilenfeld, der steile Bergabhang heißt auch heute noch Lehmberg. Durch Lautwandel wurde aus Ilburg der heutige Ortsname.
Stadtgeschichte Ur- und Frühgeschichte Die ältesten Hinterlassenschaften der Menschen auf dem heutigen Stadtgebiet Eilenburgs reichen bis in die Altsteinzeit zurück. Überregionale Bedeutung in der Ur- und Frühgeschichtsforschung haben die magdalénienzeitlichen Fundplätze im benachbarten Groitzsch bei Eilenburg, rund 4 Kilometer südlich der Stadt, von den unter anderem eine kleine Tonschieferplatte mit beidseitigen eingravierten Pferdedarstellungen stammt. Beginnend mit der bandkeramischen Kultur gehörten die Hochterrassen der Mulde über mehrere Jahrtausende zu den bevorzugten Siedlungsgebieten in Mitteldeutschland. Erst in der Römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit brach die Besiedlung für einen längeren Zeitraum ab.
Mittelalter mini|hochkant|Spätromanischer Wohnturm aus Backstein, der sogenannte Sorbenturm (um 1200) mini|links|1050-Jahr-Feier der Burg mini|Informationstafel auf dem Burgberg In den während der Völkerwanderungszeit weitgehend freigewordenen Gebieten zwischen Saale und Elbe mit einer Restbevölkerung meist germanischer Stämme siedelten sich ab dem späten 6. Jahrhundert slawische Bevölkerungsgruppen an, zunächst entlang der Elbe, im Verlauf des 7. und 8. Jahrhunderts auch entlang der Mulde. Eilenburg lag im Zentrum eines natürlich begrenzten, etwa 270 Quadratkilometer großen Siedlungsgebietes an der mittleren Mulde, in dem etwa 100 kleinere weilerartige Siedlungen entstanden. Dessen Bewohner bezeichneten sich vermutlich als Siusli. Die Slawen zwischen Saale und Mulde gehörten spätestens Ende des 8. Jahrhunderts zu dem Stammesverband der Sorben (lat. sorabi sclavi). Vermutlich im 9. Jahrhundert errichteten sie die Burg Eilenburg, eine ringartige Burganlage als Fliehburg auf einer kuppenartig ausgebildeten Randhöhe des Muldentales, die ein etwa 220 mal 150 Meter großes Plateau umfasste. Reste dieser Befestigung bilden die bis zu zehn Meter hohen Erdwälle auf dem Burgberg. Mit der Eingliederung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. in das Ostfrankenreich wurde die Burg Mittelpunkt eines Burgwardes und damit Zentrum einer Grundherrschaft in der Region, zu der auch eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche gehörte.