Juan Martín del Potro (* 23. September 1988 in Tandil) ist ein ehemaliger argentinischer Tennisspieler. Er gewann 22 Turniere im Einzel sowie einen Doppeltitel. Sein größter Erfolg war der Gewinn der US Open im Jahr 2009. In der Weltrangliste erreichte er im August 2018 mit Position drei seine beste Platzierung. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London gewann er die Bronzemedaille im Herreneinzel; vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro errang er die Silbermedaille. Außerdem gewann er zusammen mit der argentinischen Mannschaft im Jahr 2016 erstmals den Davis Cup.
Karriere Beginn der Profikarriere (2006–2007) Im Februar 2006 spielte del Potro sein erstes ATP-Turnier in Viña del Mar. Er gewann seine erste Partie gegen Albert Portas und verlor dann gegen Fernando González. Mit 17 Jahren qualifizierte er sich für sein erstes Grand-Slam-Turnier, die French Open 2006. In der ersten Runde unterlag er dem früheren French-Open-Sieger Juan Carlos Ferrero. Im selben Jahr qualifizierte er sich auch für die US Open, scheiterte aber in Runde eins an Alejandro Falla. Anschließend folgte das erste Masters-Turnier seiner Karriere in Madrid. Er verlor auch dort in der ersten Runde gegen Joachim Johansson. Dank einer Einladung von Roger Federer nahm er beim Turnier in Basel teil und erreichte das Viertelfinale, in dem er am späteren Finalisten Fernando González scheiterte.
Del Potro begann das Jahr 2007 in Adelaide mit seinem ersten Halbfinaleinzug in ein ATP-Turnier. Er unterlag dort dem Australier Chris Guccione. Bei den Australian Open musste er in der zweiten Runde im fünften Satz gegen Fernando González aufgeben. Am 11. Februar 2007 hatte er sein Davis-Cup-Debüt in der ersten Runde gegen Österreich, bei dem er das vierte Match gewann und damit für Argentinien den dritten Punkt für den Einzug ins Viertelfinale sicherte. Er erreichte das Achtelfinale der Sony Ericsson Open in Miami, indem er Jonas Björkman, Marcos Baghdatis und Michail Juschny besiegte, dann wurde er jedoch von Rafael Nadal gestoppt. Am späteren Sieger Nadal scheiterte er auch in der ersten Runde der French Open. Erneut war es Nadal, gegen den del Potro bei seinem ersten Turnier auf Rasen im Londoner Queen’s Club ausschied. Bei seinem ersten Auftritt in Wimbledon musste er sich dem Weltranglistenersten und späteren Sieger Roger Federer in der zweiten Runde geschlagen geben. Am 23. Juli 2007 gewann er an der Seite von Travis Parrott das Doppel in Indianapolis. Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres verlor del Potro in der dritten Runde gegen den späteren Finalisten Novak Đoković. Auch beim Masters in Madrid war in der dritten Runde Schluss, als er seinem Landsmann und späteren Sieger David Nalbandian unterlag.
Einzug in die Top Ten der Weltrangliste (2008) mini|links Nachdem er 2008 bei den Australian Open in der zweiten Runde gegen David Ferrer hatte aufgeben müssen und in Wimbledon in der zweiten Runde Stanislas Wawrinka unterlegen war, gelang ihm im Sommer schließlich der Durchbruch. Am 13. Juli 2008 gewann del Potro beim Mercedes Cup in Stuttgart seinen ersten ATP-Titel mit einem Finalsieg über Richard Gasquet. Schon eine Woche später erreichte er sein zweites Finale; bei den Austrian Open in Kitzbühel besiegte er Lokalmatador Jürgen Melzer in weniger als einer Stunde. Den dritten direkt aufeinander folgenden Titel gewann er gegen Andy Roddick im Finale von Los Angeles. Eine Woche später gewann er auch das vierte aufeinander folgende Turnier; im Endspiel von Washington besiegte er Viktor Troicki. Del Potro ging damit in die Geschichte als der erste Spieler ein, der seine ersten vier Titel bei direkt aufeinander folgenden Turnieren holte.
Bei den US Open erreichte er das Achtelfinale durch einen Sieg gegen Gilles Simon. Es war der erste Fünfsatzsieg seiner Karriere. Im Viertelfinale stoppte ihn Andy Murray in vier engen Sätzen nach fast vier Stunden. Es war sein bislang bestes Abschneiden bei einem Grand-Slam-Turnier. Murray beendete auch del Potros Serie von 23 Siegen in Folge, die zweitlängste Siegesserie eines Spielers im Jahr 2008, die zweitlängste Siegesserie eines Teenagers in der Open Era und die drittlängste Siegesserie eines Argentiniers in der Geschichte.
Im September führte del Potro Argentinien mit deutlichen Dreisatzsiegen über die für Russland startenden Nikolai Dawydenko und Igor Andrejew ins Finale des Davis-Cups. Dort unterlag Argentinien vor heimischer Kulisse Spanien. Del Potro verlor sein Match gegen Feliciano López und musste aufgrund einer Oberschenkelverletzung sein zweites Match absagen. Am Ende der Saison konnte sich del Potro erstmals für den Tennis Masters Cup qualifizieren. Er gewann sein Match gegen Jo-Wilfried Tsonga, verlor aber gegen Novak Đoković und Nikolai Dawydenko. Die Saison 2008 war seine bislang erfolgreichste. Er beendete sie auf Platz 9 der Weltrangliste und damit erstmals in seiner Karriere in den Top Ten. Er etablierte sich als argentinische Nummer 1 und wurde der bestplatzierte Spieler aus Südamerika.
Sieg bei den US Open (2009) Mit dem Sieg der Heineken Open in Auckland zu Beginn des Jahres gewann del Potro das fünfte Turnier seiner Karriere. Bei den Australian Open scheiterte der auf Platz 8 gesetzte Argentinier im Viertelfinale an Roger Federer. Bei den BNP Paribas Open unterlag del Potro noch Rafael Nadal, bevor er ihn erstmals in seiner Karriere bei den Sony Ericsson Open in Miami besiegen konnte. Trotz der Halbfinalniederlage gegen Andy Murray sammelte er genug Punkte, um mit Platz 5 die beste Platzierung seiner Karriere im ATP-Ranking zu erreichen. Zu Beginn der Sandplatzsaison scheiterte er in Monte Carlo schon in Runde zwei an Ivan Ljubičić, konnte sich aber steigern und unterlag erst im Viertelfinale von Rom Titelverteidiger Novak Đoković und im Halbfinale von Madrid dem späteren Sieger Roger Federer. In Madrid konnte er im Viertelfinale allerdings erstmals Andy Murray bezwingen. mini|links|Del Potro bei den French Open Bei den French Open kam del Potro 2009 nach Erfolgen über Michaël Llodra, Viktor Troicki, Igor Andrejew, den an Nummer 9 gesetzten Franzosen Jo-Wilfried Tsonga und den dreifachen Viertelfinalisten Tommy Robredo bis ins Halbfinale, in dem er in einem engen Fünfsatzmatch am späteren Sieger Roger Federer scheiterte. Beim Turnier in Wimbledon kam er wie schon in den beiden Vorjahren nicht über die zweite Runde hinaus. Er unterlag dem ungesetzten ehemaligen Wimbledonsieger Lleyton Hewitt aus Australien. Bereits einen Monat später, beim Turnier in Washington, bei dem del Potro als Titelverteidiger antrat, konnte er sich für die erlittene Niederlage gegen Hewitt in Wimbledon revanchieren. Er schlug ihn in drei Sätzen und zog ins Halbfinale gegen Fernando González ein. Im Duell der in der Weltrangliste bestplatzierten Südamerikaner behielt der Argentinier die Oberhand und hatte nun die Möglichkeit, seinen Titel im Finale gegen Wimbledonfinalist und Lokalmatador Andy Roddick zu verteidigen. Dies gelang del Potro in drei umkämpften Sätzen. Es war sein zweiter Turniersieg im Kalenderjahr und die erste erfolgreiche Titelverteidigung im Turnier von Washington seit Andre Agassi im Jahr 1999.
Schon in der darauf folgenden Woche erreichte er am 16. August in Montreal seinen ersten Finaleinzug bei einem Mastersturnier. An Nummer sechs gesetzt, schlug er im Viertelfinale den von seiner Verletzungspause zurückgekehrten Rafael Nadal. Es war sein zweiter Sieg in Folge gegen den Spanier. Im Halbfinale konnte sich del Potro erneut gegen Andy Roddick durchsetzen, wehrte dabei sogar einen Matchball des Amerikaners ab und erhöhte seine persönliche Bilanz gegen ihn auf 3:0. Im Finale musste er sich schließlich in drei Sätzen der neuen Nummer 2 der Welt, dem Briten Andy Murray, geschlagen geben. Anschließend sagte er das Turnier von Cincinnati aufgrund von Müdigkeit ab.
mini|Del Potro auf dem Weg zum Sieg bei den US Open
Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, den US Open in New York, erreichte del Potro erstmals das Finale eines Turniers der höchsten Kategorie. Im Halbfinale hatte er den Weltranglistendritten Rafael Nadal ausgeschaltet und dem Spanier mit dem 6:2, 6:2 und 6:2 seine bisher deutlichste Niederlage auf Grand-Slam-Ebene zugefügt. Im Finale schlug del Potro den Weltranglistenersten und fünfzehnfachen Grand-Slam-Sieger Roger Federer, der bei den US Open bis dahin fünf Titel und 40 Spiele in Folge hatte gewinnen können. Nach dem Verlust des ersten Satzes und Breakrückstand im zweiten Satz konnte der Argentinier die Partie nach fünf Sätzen und mehr als vier Stunden Spielzeit noch mit 3:6, 7:6, 4:6, 7:6 und 6:2 für sich entscheiden. Del Potro war nach sechs Jahren der erste Spieler seit Landsmann David Nalbandian, der Federer bei den US Open schlagen konnte. Damit ist er neben Nadal und Đoković einer von drei Spielern, die Federer in einem Grand-Slam-Finale besiegen konnten. Außerdem gelang es ihm als erstem, Roger Federer und Rafael Nadal im selben Grand-Slam-Turnier zu bezwingen. Er war mit einer Größe von 1,98 Metern der größte Spieler, der je ein Grand-Slam-Turnier gewann. Es war der zweite Sieg eines Argentiniers bei den US Open nach Guillermo Vilas, der 1977 allerdings noch auf Sand gewann, und somit überhaupt der erste argentinische Grand-Slam-Erfolg auf Hartplatz. Im November nahm del Potro an den ATP World Tour Finals 2009 teil. Er verlor sein erstes Rundenspiel gegen Andy Murray, besiegte dann aber Fernando Verdasco und konnte so seine Chancen für den Halbfinaleinzug wahren. Im entscheidenden Spiel ging es gegen Roger Federer, den del Potro erneut besiegen konnte. Mit nur einem Spiel Vorsprung vor dem Gruppendritten Andy Murray erreichte er das Halbfinale, in dem del Potro Robin Söderling besiegte. Das Finale gegen Nikolai Dawydenko verlor er hingegen glatt. Del Potro beendete das Jahr 2009 als jüngster Spieler in den Top Ten, bestplatzierter Argentinier und höchstplatzierter Südamerikaner, wie schon im vorangegangenen Jahr.
Verletzungspause und Rückkehr an die Weltspitze (2010–2013) Del Potro begann das Jahr bei den AAMI Classic, bei dem er das Halbfinale gegen Jo-Wilfried Tsonga allerdings aufgrund einer Handgelenksverletzung nicht bestreiten konnte. Dennoch kletterte er in der Weltrangliste um einen Platz, um mit Rang 4 die beste Platzierung seiner bisherigen Karriere zu erreichen. In die Australian Open ging er immer noch angeschlagen durch seine Verletzung. Er schlug Michael Craig Russell und traf in Runde 2 bereits auf James Blake, den er trotz größerer Probleme mit seinem Handgelenk in fünf Sätzen niederringen konnte. Im Match gegen Florian Mayer kämpfte er mit anhaltender Müdigkeit, schaffte es jedoch auch diesmal, sich durchzusetzen. Im Achtelfinale scheiterte del Potro schließlich in fünf Sätzen am kroatischen Shootingstar Marin Čilić. Danach verstärkten sich seine Handgelenksschmerzen, weshalb er seit den Australian Open kein weiteres Turnier mehr bestritt. Am 4. Mai unterzog er sich in Rochester (Minnesota) einer Operation am rechten Handgelenk. Seinen Wiedereinstieg auf der Tour gab er Ende September in Bangkok, wobei zwar das Handgelenk hielt, er aber wie eine Woche später in Tokio ohne Satzgewinn in der ersten Runde ausschied. Danach sagte er die restlichen Turniere der Saison ab, um in seiner Heimat und in Europa an seiner Fitness zu arbeiten.