mini|hochkant=1.4|Die Stadtkirche mit Turm und Hauptportal Die denkmalgeschützte Stadtkirche St. Nikolaus ist ein Wahrzeichen der Stadt Bremgarten im Kanton Aargau in der Schweiz. Sie befindet sich im Herzen der Unterstadt und ist umsäumt von wichtigen Gebäuden der katholischen Kirchgemeinde. Sie steht im Kirchenbezirk auf einem ehemaligen Friedhofsplatz, überragt die anliegenden Gebäude und ist weithin sichtbar. Der 64 Meter hohe Turm ist bereits vom Mutschellen-Pass in Richtung Bremgarten sichtbar.
Die Geschichte der Kirche lässt sich bis ins 11. Jahrhundert zurückdatieren. Sie war Schauplatz der Reformation durch Heinrich Bullinger und seinen gleichnamigen Vater im 16. Jahrhundert. Bremgarten wechselte aber kurz darauf zum katholischen Glauben zurück. Die Kirche wurde in ihrer Geschichte viermal Opfer eines Brandes, dreimal während des Spätmittelalters und einmal am 28. März 1984.
Die Kirche war vor der Reformation Maria Magdalena geweiht und ein Seitenschiff Nikolaus von Myra. Als Zeichen der Rückkehr zum katholischen Glauben wurde nach der Reformation Nikolaus von Myra als Hauptpatron gewählt. Das Seitenschiff wurde später dem Katakombenheiligen Synesius geweiht, dessen Gebeine die Kirche im 17. Jahrhundert entgegennehmen konnte.
Das heutige Gebäude ist grösstenteils während der Gotik entstanden. Der Stil der nach dem Brand rekonstruierten Inneneinrichtung ist den späteren Epochen Barock und Renaissance nachempfunden. Nur die beweglichen Gegenstände der Kirche sind noch aus der Originalzeit, da sie vor den Renovierungsarbeiten aus der Kirche entfernt worden waren.
Lage mini|Stadtkirche von Südosten Die Kirche liegt im Herzen der Unterstadt auf einem rechteckigen Kirchhofplatz, der früher als Stadtfriedhof genutzt wurde. Heute besteht der Platz aus gepflasterten Gehwegen und Rasenflächen sowie einigen Gräbern von Geistlichen. Der Kirchhofplatz wird von der St. Annakapelle, der Muttergotteskapelle, der St. Klarakapelle, einem Begräbnisgang sowie einem Mäuerchen begrenzt. Um den Platz herum befinden sich wichtige Gebäude der Kirchgemeinde wie das Pfarrhaus, das ehemalige Klarissenkloster und heutige Pfarreizentrum, das Pfarrhelferhaus, das ehemalige Organistenhaus sowie einige Pfrund- und Bürgerhäuser.
Die Pfrundhäuser stifteten im 15. und 16. Jahrhundert die Kapellen und die Altäre in der Kirche. Ein Pfrundhaus war der Hauptsitz eines Kirchenamtes, das für eine bestimmte kirchliche, schulische oder seelsorgerische Aufgabe zuständig war und sich gleichzeitig um die Finanzierung kümmerte.Meyers Konversations-Lexikon, 1885 Personen aus der Stadt Bremgarten konnten so bei der Pfrund einen Einmalbetrag und jährlichen Zins für einen Altar bezahlen, dessen Patrone dann in einer ewigen Messe geehrt werden sollten. Auch der Stifter wurde in der Messe gedacht.
Geschichte mini|Bremgartner Vorsiedlungen im 11. Jahrhundert Archäologische Untersuchungen bezeugen, dass die erste Bauphase vor der eigentlichen Stadtgründung stattfand und die Kirche vermutlich im 11. Jahrhundert durch die Habsburger errichtet wurde.
Auf dem Gebiet um die heutige Altstadt gab es im 11. Jahrhundert zwei Siedlungen. Die erste lag rund um eine mittelalterliche Burg (das heutige Bremgartner Schlösschen in der Altstadt) und hiess Vilingen. Die zweite Vorsiedlung lag unterhalb des steil abfallenden Moränensporns am Ort der heutigen Unterstadt, hiess bereits Bremgarten, lag südwestlich von der Kirche aus links- und rechtsseitig der Reuss und war mit einer Fähre verbunden. Die Kirche wurde am Rand dieser Siedlung gebaut und gehörte ursprünglich kirchlich zum Nachbardorf Eggenwil, wo die Habsburger einen Hof besassen. Da kein Stiftergrab gefunden wurde, handelte es sich bei der Kirche vermutlich um eine steuerbefreite Eigenkirche der Habsburger und hatte bereits seit ihrer Entstehung das damals nicht selbstverständliche Taufrecht. Der Bau dieser Kirche leitete somit die kirchliche Verselbständigung der Siedlung des habsburgischen Eggenwil ein. Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung Bremgarten erfolgte zwischen 1135 und 1140, als Graf Albrecht II., Schirmvogt des Klosters Muri von 1111 bis 1140, seinen Herrenhof in Eggenwil und die Siedlung Bremgarten einschliesslich der Kirche dem Kloster Muri schenkte.
Bremgarten und Vilingen wuchsen im 12. Jahrhundert zu einer grösseren Siedlung zusammen. Kirche und Siedlung blieben bis Anfang des 15. Jahrhunderts unter habsburgischer Gerichtsherrschaft am Hof Eggenwil.Cornel Doswald: Die Ausgrabungen in der Stadtkirche Bremgarten und die frühe Stadtgeschichte. In: Bremgartner Neujahrsblätter. 1986.
mini|hochkant|Darstellung des Blitzeinschlages vom 7. August 1580 von Johann Jakob Wick Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1252 durch den Leutpriester Markwart, einen Kleriker der Grafen von Habsburg, ungefähr zehn Jahre nachdem Bremgarten das Stadtrecht von Rudolf von Habsburg erhalten hatte. 1415 verlor Herzog Friedrich IV. das Kelleramt durch Eroberung an die Stadt Zürich. Aufgrund dieser Niederlage schenkte seine Ehefrau, Fürstin Anna von Braunschweig, die Kirche am 2. Juli 1420 dem damaligen Bremgartner Spital. Dies geschah mit der Verpflichtung, ihrer bei einer jährlichen Messe zu gedenken, was auch heute noch befolgt wird. Es ist eine weitere Weihe der Kirche im Jahr 1427 bekannt.
1519 untersagte der damalige Pfarrer Heinrich Bullinger (Vater des Reformators Heinrich Bullinger) dem päpstlichen Ablassprediger Bernhardin Samson das Predigen und setzte so das erste Zeichen für die Reformation. In den Jahren darauf kam es in Bremgarten wegen der Auseinandersetzung um die Reformation zu beinahe bürgerkriegsähnlichen Zuständen. 1529 setzte Bremgarten Reformator Heinrich Bullinger als Pfarrer ein, der zwei Jahre lang tätig war. Durch die politischen Umwälzungen des Zweiten Kappelerkrieges kehrte Bremgarten am 4. Oktober 1532 wieder zum katholischen Glauben zurück und wählte als neuen Kirchenpatron Nikolaus von Myra. Die Kirche als ganzes Gebäude wurde zum dritten Mal in ihrer Geschichte rekonziliert.
Am 7. August 1580 schlug ein Blitz in die Stadtkirche ein, den Johann Jakob Wick in seiner Sammlung von Nachrichten zur Zeitgeschichte aus den Jahren 1560–1587 textlich und zeichnerisch festhielt. Auf dem Bild ist zu sehen, wie der Blitz in den Kirchturm einschlägt. Der Sigrist und eine Hilfsperson sind beim Glockenläuten und werden vom Blitzeinschlag überrascht. Der Sigrist fällt um und ein Schuh löst sich von seinem Fuss.
Baugeschichte und Architektur mini|hochkant=1.5|Grundriss vor den Restaurierungsarbeiten und dem Brand 1984 mini|hochkant=1.2|Inneres, Gesamtansicht Die Kirche war eine für das 11. Jahrhundert typische rechteckige Saalkirche mit 20,7 Metern Länge und 14 Metern Breite. Sie reichte vom Chorbogen des heutigen Hauptschiffs bis ein wenig über die westlichste Säule des heutigen Seitenschiffjochs. Die Breite des heutigen Hauptschiffs entspricht der Breite des ersten Baus. Die Kirche besass damals einen Erdfussboden und hatte als einzige Sitzmöglichkeit eine Steinbank, die in die westliche Mauer eingearbeitet war. An der östlichen Wand befand sich der Hochaltar und in der Mitte der Kirche stand ein Taufstein. Um das Gebäude herum wurde ein Friedhof angelegt.Peter Frey, Cornel Doswald: Die Ausgrabungen in der Stadtkirche Bremgarten, Baugeschichtliche und siedlungsgeschichtliche Ergebnisse. In: Bremgarter Neujahrsblätter. 1986.
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die erste Innenunterteilung vorgenommen. Man baute nordöstlich eine Sakristei und südöstlich ein Beinhaus in die Kirche, indem man östlich je zwei L-förmige Mauern einbaute. Der Hochaltar stand in der Mitte eines dadurch entstandenen Chors, der mit einer zusätzlichen Schrankenmauer vom Hauptsaal abgetrennt wurde. Die Sitzbank wurde an der südlichen Wand erweitert. Die Sakristei erhielt einen Unterlagsboden aus Mörtel und das Beinhaus wurde kellerartig ausgehoben.
Durch das Bevölkerungswachstum der Stadt war der Innenraum der Kirche für die Zahl der Gottesdienstteilnehmer nicht mehr ausreichend. Die Kirche wurde nach Westen hin erweitert und nahm damals vermutlich etwa die Ausmasse des heutigen Hauptschiffes an. Die damalige Kirche besass drei Altäre: den Hochaltar, einen Seitenaltar an der Westwand der Sakristei und vermutlich einen weiteren an der Westwand des Beinhauses. Der Standort des dritten Altars konnte nicht archäologisch nachgewiesen werden. Eine dokumentierte Weihe dieser erweiterten Kirche fand am 18. August 1300 statt. Dieser Bau wurde etwa vierzig Jahre später durch ein Feuer stark beschädigt, vielleicht grösstenteils zerstört und musste danach wieder aufgebaut werden.
Der Neubau begann zuerst beim Turm, denn die Jahreszahl im sogenannten Wendelstein des Turmfundamentes bezeugt den Baubeginn des Turmes durch Meister Rudolf von Merenschwand im Jahr 1343. Der gesamte Turm hatte ohne die später aufgesetzten Wimperge des Glockenstuhls etwa eine Höhe von 50 Metern. Das Erdgeschoss wurde vermutlich als Sakristei genutzt. Um Gottesdienste in dem beschädigten Gebäude abhalten zu können, wurde ein Notdach errichtet, das auf paarweise angeordneten und in gemauerten Sockeln untergebrachten Holzpfeilern im Innenraum gestützt wurde. Die Wände waren wegen des Feuers brüchig geworden und nicht mehr in der Lage, ein Dach zu tragen. Als weiterer Ausbauschritt entstand der heutige dreiseitige Chor an der Ostseite, inklusive einer Chorbogenwand als Übergang in das Hauptschiff.
Da beim Stadtbrand 1382 die Kirche erneut stark beschädigt wurde, mussten die Westmauer von Grund auf neu errichtet und die Nord- und Südmauern saniert werden. Dabei wurden die Mauern auf die heutige Höhe ausgebaut.
In den ersten 30 Jahren des 15. Jahrhunderts wurde auf der Nordseite ein Kapellentrakt mit zwei Kapellen gebaut, die mit der Kirche eine gemeinsame Mauer teilten. Dieser Bau schritt nur zögernd voran. Zuerst wurde die östliche fertiggestellt und erst etwa zwanzig Jahre später die westliche.
Am 20. März 1434 brannte die Unterstadt von Bremgarten und damit erneut die Kirche ab und musste erneut wiederhergestellt werden. Man beschränkte sich damals auf die allernotwendigsten Massnahmen wie die Sanierung des Daches, des Kirchenbodens und der Innenausstattung. Die Kirche wurde am 31. Juli 1435 rekonziliert.Arnold Nüscheler: Gotteshäuser der Schweiz – historisch-antiquarische Forschungen. Viertes Heft. Gebr. Karl & Nikolaus Benziger, Einsiedeln 1884.
Die eidgenössischen Truppen besetzten während der zweiten Phase des Alten Zürichkrieges Bremgarten und Baden im Mai 1443 und zogen plündernd durch das angrenzende Land. Wahrscheinlich wegen Beschädigungen oder Plünderungen durch die eidgenössischen Truppen wurde eine weitere Rekonziliation nötig (am 5. Juli 1457 dokumentiert). Wegen der durch das Anwachsen der Bevölkerung und der Beschädigungen der vergangenen Jahre nötig gewordenen Sanierungsarbeiten entschied man sich für einen Umbau. 1450 wurden die nordseitig angebauten Kapellen als Nebenschiff integriert, indem man die Nordwand der Kirche einriss. Die Kirche wurde vermutlich während dieses Ausbaus oder wenig später mit gotischen Fresken versehen. Eine weitere dokumentierte Rekonziliation im Jahr 1487 weist auf einen Umbau, einen Neubau oder eine Wiederherstellung der Kirche oder der Inneneinrichtung hin.
1532 baute man eine einstöckige Sakristei an. 1575 wurde diese mit einem zweiten Geschoss erweitert und erreichte so das heutige Bauvolumen. Das Spätrenaissance-Portal an der Südwand entstand 1617. Hans Jakob Ablutz aus Mellingen malte die Turmuhr im Jahr 1681 neu. Während der Jahre 1742/1743 wurden dem Turm eine Glockenstube und ein neuer Turmhelm aufgesetzt. 1747 erneuerte der Zuger Uhrmacher Michael Landtwing die Kirchenturmuhr. Das Hauptportal entstand im Jahr 1804.
Grundbau