mini|hochkant=1|Kaisersteinbruch Steinmetzzeichen Joh. Georg Haresleben 1699

Johann Georg Haresleben (* 1671 in Kühnring bei Eggenburg, Niederösterreich; † 24. Juli 1716 in Kaisersteinbruch, Ungarn, heute Burgenland) war ein österreichischer Steinmetzmeister des Barocks.

Steinmetzfamilie Haresleben aus Eggenburg miniatur|links|hochkant=0.4|Steinmetzzeichen von Adam Haresleben miniatur|links|hochkant=0.4|Steinmetzzeichen von Thomas Haresleben

Drei Söhne von Alexander und Maria Haresleben erlernten das Steinmetzhandwerk: Michael, Thomas und Hans Georg. Die Haresleben waren eine erfolgreiche Eggenburger Steinmetzfamilie, der Onkel Adam Haresleben († 1683) wurde nach Hans Herstorffer 1654 Dombaumeister im Stephansdom zu Wien, 1656 und 1677 Obervorsteher der Wiener Bauhütte, und auch Bruder Thomas Haresleben hatte das Amt des Oberzechmeisters in Wien 1712 und 1717 inne. Hans Georg dingte beim Eggenburger Meister Wolfgang Steinböck auf, und 1689 erfolgte seine Freisprechung.

Der Eggenburger Stein, jetzt Zogelsdorfer Stein genannt, ein gut zu bearbeitender Bildhauerstein, gehörte zu den wichtigen Wiener Bausteinen. In der Hofburg, den Wiener Stadtpalais und Gartenpalästen, in den Kirchen usw. trug er zur Prunkentfaltung dieser Bauten bei. Der harte bis sehr harte Stein aus Kaisersteinbruch wurde dort ebenfalls verbaut. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts festigte man diese Verbindung auch personell, das bedeutete, die Eggenburger Gesellen übernahmen durch Witwenheirat den Kaiserlichen Steinbruch.

Heirat nach Kaisersteinbruch in den Ferrethi-Clan Hans Georg Haresleben war mit 25 Jahren einer dieser Pioniere. Er heiratete am 18. November 1696 Catharina Ferrethin, 56-jährige Witwe. Hofsteinmetzmeister Ambrosius Ferrethi, von Castiglione d’Intelvi im Bezirk Como stammend, war gestorben. Als Meister hatte ihn Ehefrau Catharina 1699 im Grundbuch mit zwei Steinbrüchen, drei Häusern eingetragen.Testament der Catharina Hareslebin vom 14. August 1707, in Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 3, Advent 1990, S. 10f.

Steuerliste 1699 In der Steuerliste von 1699 war Haresleben mit einem Steinbruch, zwei Häusern, sechs Kühen und drei Pferden eingetragen.Archiv Mosonmagyaróvár, Liste der Steuerpflichtigen in Steinbruch 1699

Schloss Schönbrunn 1569 war das bereits baufällige Jagdschloss Katterburg in kaiserlichen Besitz gekommen. Die eigentliche Baugeschichte von Schloss Schönbrunn begann 1695 mit der Anlage des Gartens durch Jean Trehet. Das Bauprojekt des Johann Bernhard Fischer von Erlach ist erstmals sicher für das folgende Jahr dokumentiert. Treibende Kraft des Unternehmens war Obersthofmeister Graf Salm, der Erzieher Joseph I., der sich Fischer persönlich unterstellen ließ, um die Bürokratie der Baubehörden auszuschalten. Die geplanten baulichen Erweiterungen bedeuteten eine Aufwertung des Jagdschlosses in Funktion, Rang und Form zu einer veritablen Residenz im Hinblick auf die bevorstehende Hochzeit Josephs und den dadurch vergrößerten Hofstaat.

Steinmetzaufträge erhielten 1697 die Wiener Meister Veith Steinböck und Johann Thomas Schilck, beide aus Eggenburg stammend, Meister Johann Georg Deprunner von Loretto (damals Ungarn) und Meister Hans Georg Haresleben aus Kaisersteinbruch. Die von Haresleben geforderten 2.220 Gulden ... wegen seiner nach Schönbrunn gelieferten Steinmetzarbeiten wurden zu seinen Lebzeiten nicht beglichen, noch seine Witwe, wieder verheiratete Maria Regina SynnURL: https://regiowiki.at/index.php?title=Maria_Regina_S%C3%BCnnin&oldid=157781, Tochter der Maria Elisabetha Hügelin, verfasste untertänigste, gehorsamste Bitten um gnädigste Verordnung.

Kalvarienberg von Eisenstadt mini|hochkant=1|Der Kalvarienberg in Eisenstadt

Der Kalvarienberg in Eisenstadt wurde von Fürst Paul I. Esterházy (1635–1713) beauftragt und ist ein aus Steinen errichteter Berg. Eine Freitreppe führt zur Eingangskapelle, der sogenannten Gnadenkapelle. Den Treppenbeginn und das Rundbogenportal der Vorhalle flankieren Engelstatuen. Figurengruppen stellen die Leidensgeschichte Christi dar. Der Kalvarienberg entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts. An den Kalvarienberg ist die Berg- bzw. Haydnkirche angebaut.

Vor allem für den Stiegenaufgang wurden Steine aus Kaisersteinbruch verwendet.Die Eisenstädter Steinbrüche. In: Harald Prickler, Eisenstädter bildende Künstler und Handwerker der Barockzeit. Biographische Daten und Werke (= Burgenländische Forschungen. 105). S. 119 ff. Amt der Burgenländischen Landesregierung – Hauptreferat Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 2013, ISBN 978-3-901517-77-8.

Steinmetzmeister Johann Georg Haresleben bestimmte in seinem Testament vom 22. Juli 1716 .. nicht minder auf dem Calvariberg zu der Eisenstadt um Anwendung zu dessen Kirchengebäude, vermache ... 30 Gulden.Archiv Stift Heiligenkreuz, Rubr. 51/VII/1716. Es ist wohl möglich, dass er diesen Auftrag ausgeführt hat.

Salva Guardia-Privilegium für Kaisersteinbruch → Salva Guardia-Privilegium für Kaisersteinbruch#Kaiser und König Karl VI.

Kaiser Karl VI. erneuerte und bestätigte am 5. Dezember 1712 das Privilegium der Befreiung von militärischer Einquartierung den Meistern Johann Georg Haresleben, Sebastian Regondi, Johann Paul Schilck, Elias Hügel, Johann Baptist Kral und Simon Sasslaber.

Eigenständige Viertellade für den kayserlichen Steinbruch 1714 Am 20. Dezember 1714 genehmigte und erneuerte der Kaiser die eigenständige Viertellade in Kaisersteinbruch.

Großauftrag Karlskirche Er war auf dem Wege, der Erste in der Kaisersteinbrucher Bruderschaft zu werden, durch den Steinmetz-Auftrag beim Bau der Kaiserlichen Kirche, der Karlskirche, hatte er das erreicht. Dieser Bau symbolisierte die barocke Kaiserkunst in Wien schlechthin. Ihm war eine Stellung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches zugewiesen, wie sie dem Petersdom in Rom für die ganze Christenheit zukam.

Tod Doch Haresleben starb am 24. Juli 1716, und sein Mitmeister Elias Hügel übernahm nun die Gesamtleitung im Steinbruch und begründete damit seinen Aufstieg.

Sein Epitaph befand sich in der Kaisersteinbrucher Kirche. Die Inschrift lautet:

Das Steinmetzzeichen von Meister Haresleben ist auf dem Kaisersteinbrucher Ortsstein des Bildhauers Alexandru Ciutureanu eingemeißelt.

Werke 1697–1703: Schloss Schönbrunn 1699–1706: Palais Schönborn-Batthyány 1709–1713: Schloss Prugg in Bruck an der Leitha für Aloys Thomas Raimund von Harrach 1709–1714: Böhmische Hofkanzlei ab 1710: Pfarrkirche von Pottendorf ab 1712: Palais Trautson 1713–1716: Palais Daun-Kinsky ab 1714: Unteres Schloss Belvedere, eher ein Gartenhaus denn ein Palast, die Meister hatten den künftigen Auftrag für das obere Schloss einzuplanen. ab 1715: Karlskirche

Archivalien Archiv Mosonmagyaróvár: Abschrift der Kaiserl. Urkunde 1712. Nr. 36/1494. Wiener Stadt- und Landesarchiv: Steinmetzakten. Hofkammerarchiv: Hofzahlamtsbücher: „Bau der Karlskirche“. 1715/1716. Camerale Zahlamtsbücher: „Schloss Schönbrunn“. Stift Heiligenkreuz Archiv: Kirchenbücher, Register. Gräflich Harrachsches Familienarchiv: Schloss Prugg in Bruck an der Leitha.

Literatur Otto E. Plettenbacher: Geschichte der Steinmetze von Wien im 17. Jahrhundert. Eine wirtschafts- und kulturhistorische, als auch soziologische Untersuchung. Preisliste 1688, Satzordnung der Steinmetzarbeiten. Dissertation, Universität Wien 1960. Helmuth Furch: In: Mitteilungen des MuKV Kaisersteinbruch. Die Familie Haresleben. Nr. 3, 1990, ISBN 978-3-9504555-3-3, S. 6–13. Hans Georg Haresleben, Heiligenkreuzer Untertan und Steinmetzmeister in Steinbruch. Nr. 36, 1995, S. 10–40. Helmuth Furch: Elias Hügel, Hofsteinmetzmeister, 1681–1755. Kaisersteinbruch 1992, ISBN 978-3-9504555-2-6. Hellmut Lorenz und Wilhelm Georg Rizzi: Johann Lucas von Hildebrandts Palast für den Grafen Daun. und Luigi A. Ronzoni: Die Skulpturenausstattung des Palais Daun-Kinsky. In: Palais Daun-Kinsky. Wien-Freyung. Wien 2001, S. 42 bzw. S. 117/118. Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2 Bände. MuKV Kaisersteinbruch 2002–2004, ISBN 978-3-9504555-8-8. Burghard Gaspar: Der „Weiße Stein von Eggenburg“. Der Zogelsdorfer Kalksandstein und seine Meister. In: Das Waldviertel. 44, 1995, Heft 4, , S. 331–367.

Weblinks Helmuth Furch 1995, Gräfl. Harrachsches Archiv und der Kaiser-Steinbruch Helmuth Furch 2002, Historisches Lexikon Kaisersteinbruch Band 1, 2004, Band 2 Palais Trautson auf Bildindex der Kunst & Architektur

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Bildhauer (Österreich) Kategorie:Eggenburger Bruderschaft Kategorie:Kaisersteinbrucher Bruderschaft Kategorie:Person (Eggenburg) Kategorie:Person (Burgschleinitz-Kühnring) Kategorie:Person (Kaisersteinbruch) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren 1671 Kategorie:Gestorben 1716 Kategorie:Mann