mini|hochkant=1.4|Schloss Augustenburg, die nach Westen gerichtete Gartenfassade Das Schloss Augustenburg () in Augustenburg auf der Insel Alsen in Dänemark war namensgebend für die Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, einen Familienzweig des Hauses Oldenburg.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 311. Die herzogliche Familie bewohnte das Schloss bis 1848, dann musste sie es infolge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung verlassen. Das Gebäude diente danach anderen Zwecken: Es diente als Kaserne, Psychiatrie (1932–2015) und Behördensitz (seit 2016).

Der Bau von 1770 geht auf ein älteres Schloss aus dem 17. Jahrhundert zurück. Es ist die größte und einheitlichste Barockanlage im südlichen Dänemark und nach Schloss Gottorf der zweitgrößte erhaltene Residenzbau im einstigen Herzogtum Schleswig.

Geschichte des Schlosses Abgeteilte Herren mini|hochkant|Herzog Ernst Günther, Begründer der Linie Augustenburg und Bauherr des ersten Schlosses Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg hinterließ seinen fünf erbberechtigten Söhnen 1622 jeweils ein kleines Titularherzogtum. Sein Sohn Alexander erhielt das Gebiet rund um Sonderburg.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 230. Nach dem Tode Herzog Alexanders 1627 war das vom Landesregiment abgetrennte Duodezfürstentum Schleswig-Holstein-Sonderburg nicht weiter teilbar. Von den sechs Söhnen Alexanders erbten fünf lediglich den herzoglichen Titel, mussten aber für ihre Versorgung Güter außerhalb des Teilherzogtums erstehen. Nachdem sich die verschiedenen Sonderburger Linien zunächst alle als Herzöge von Sonderburg oder auch als Herzöge von Schleswig-Holstein bezeichnet hatten, setzte sich bis ins 18. Jahrhundert für die einzelnen Familienzweige eine offizielle Titulierung nach dem Residenzort durch.

Alexanders drittältester Sohn Ernst Günther erwarb einige Güter und Bauernhöfe auf den Inseln Ærø und Alsen.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 312 Auf Alsen ließ er einige Höfe des Dorfs Stavensböl abreißen und stattdessen ein adliges Gut errichten, dessen Mittelpunkt ein von 1661 bis 1663 erbautes Schloss wurde.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 313.

Das erste Schloss der Augustenburger Herzöge Das erste Schloss in Augustenburg war ein großzügiger, in Fachwerk ausgeführter Bau,Peter Hirschfeld: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein, Seite 104. der nach der Frau des Herzogs, Auguste von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Augustenburg genannt wurde. Dieses Gebäude war der Vorgängerbau der heutigen Schlossanlage.

Das Schloss wurde zum Stammsitz des Augustenburger Familienzweiges, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weiteren Besitz erwerben und seinen Güterkomplex zunehmend ausbauen konnte. Nach dem Konkurs einer verwandten Nebenlinie erhielten die Augustenburger, die enge Beziehungen zur dänischen Krone pflegten, 1675 auch den alten Stammsitz Schloss Sonderburg als Amtssitz vom dänischen Königshaus zur Verfügung gestellt.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 314. Der Besitz der Familie vergrößerte sich im 18. Jahrhundert weiter, und mit Schloss Gravenstein wurde auf der Halbinsel Sundewitt ein Sommersitz erworben. Schloss Augustenburg blieb jedoch der Hauptwohnsitz der herzoglichen Familie,Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 316. der auch regelmäßig von Mitgliedern der dänischen Königsfamilie besucht wurde.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 317. Herzog Christian August I. hielt einen umfangreichen Hofstaat mit zahlreichen Festen und Banketten. Unter ihm wurden um 1733 erstmals Pläne entworfen, das Schloss durch einen Neubau zu ersetzen, für den allerdings zunächst die finanziellen Mittel fehlten.

Die Einkünfte aus den zahlreichen Gütern wurden für eine aufwendige standesgemäße Hofhaltung benötigt, und die stetigen Ausgaben führten im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer zunehmenden Verschuldung des herzoglichen Hauses. Unter Herzog Friedrich Christian I. gelang jedoch nach über zehnjährigen Verhandlungen 1764 der Abschluss eines Kontraktes mit der dänischen Krone, der den herzoglichen Etat mit einem Schlag sanierte: Als direkte Nachkommen einer königlich-dänischen Nebenlinie – der Stammvater Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg war ein Sohn des dänischen Königs Christian III. gewesen – verfügten die Augustenburger über volle Erbrechte in Schleswig und Holstein. Das Herzogtum Plön drohte um 1760, im Mannesstamm auszusterben, und die Augustenburger Linie hätte in diesem Fall Erbansprüche stellen können.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 318. Herzog Friedrich Christian bot dem dänischen König, der zugleich in Personalunion Herzog von Schleswig und Holstein war, an, auf alle seine Erbrechte in Schleswig und Holstein zu verzichten, die auch das abgeteilte Titularherzogtum Glücksburg betrafen. Da die Vollendung des Gesamtstaats eines der größten politischen Ziele des dänischen Reiches im 18. Jahrhundert war, ging König Friedrich V. darauf ein. Der Augustenburger Herzog erhielt eine sehr großzügige Abfindung, mehrere große königliche Güter, Kirchenpatronatsrechte und Steuerfreiheit, und das Schloss Sonderburg ging in seinen Besitz über.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 319. Zusätzlich wurde eine Hochzeit mit Charlotte Amelie von Plön, der Tochter des Plöner Herzogs Friedrich Karl arrangiert, die eine reiche Mitgift in die Ehe brachte.

Barocker Neubau mini|Das neue Schloss Augustenburg wurde ab 1770 errichtet (Lithografie um 1800) mini|Schloss Augustenburg 1845, wenige Jahre vor dem Auszug der herzoglichen Familie (Gemälde aus dem 19. Jahrhundert) Die Einkünfte aus dem Verzichtsvertrag beglichen nicht nur die hohen Schulden des Herzogs, sondern ermöglichten auch den Abriss des veralteten Augustenburger Schlosses und einen Neubau. Das neue Schloss wurde in den Jahren 1770 bis 1776 als großzügiger Familiensitz im Sinne des Spätbarocks geplant und ausgeführt. Augustenburg entwickelte sich unterdessen zu einer kleinen Residenzstadt. Die Wirtschaft des Ortes war fast gänzlich vom herzoglichen Haus abhängig,Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 331 das der Epoche entsprechend eine weitgehend öffentliche Hofhaltung ausübte.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 335. Der Tagesablauf orientierte sich am französischen Hofzeremoniell des Absolutismus; Feste wurden mit aufwendiger Pracht inszeniert, und zu den öffentlichen Banketten wurden die Einwohner der Stadt als Zuschauer geladen. Nachdem Herzog Friedrich Christian II. 1786 die dänische Prinzessin Louise Auguste geheiratet hatte, gehörten die Augustenburger zur königlichen Familie und damit zum höchsten Adel im Königreich,Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 320. auch wenn sie keine unabhängigen Herrscher, sondern im Grunde nur Großgrundbesitzer waren. Ihr Familienschloss auf Alsen war ein Treffpunkt von Hochadel, Politik und Kultur. Herzog Friedrich Christian stand in regem Kontakt zu Friedrich Schiller, und zu den häufigen Gästen auf Augustenburg zählte später zum Beispiel auch Hans Christian Andersen.

Im 19. Jahrhundert wollten sich die Augustenburger Herzöge jedoch nicht länger mit ihrer Rolle als Titularfürsten zufriedengeben. So bewarb sich 1809 Herzog Christian August erfolgreich um den schwedischen Thron, starb jedoch vor der Krönung.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 322. Der Thron wurde anschließend seinem älteren Bruder Friedrich Christian II. angeboten. Dieser wurde daraufhin in Augustenburg durch eine dänische Flottille festgesetzt, denn auch der dänische König Friedrich VI. war an der Herrschaft über Schweden interessiert und versuchte, seinen Mitbewerber von der Wahl fernzuhalten. Die schwedische Krone ging letztlich an den aus Frankreich stammenden Karl XIV. Johann.

Die Konflikte mit dem dänischen Königshaus verschärften sich ab 1846, nachdem Herzog Christian August II. aufgrund einer unklaren Rechtslage künftige Erbansprüche auf den dänischen Thron bei König Christian VIII. angemeldet hatte, die sich auf Louise Auguste bezögen und daher durch den einstigen Verzichtsvertrag nicht berührt seien.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 325. In dieser Zeit führte die Schleswig-Holstein-Frage in den Herzogtümern zunehmend zu Unruhen. Der Konflikt über die Zugehörigkeit Schleswigs zum Dänischen Gesamtstaat oder zum Deutschen Bund entlud sich im Revolutionsjahr 1848 im Schleswig-Holsteinischen Krieg. Nachdem Herzog Christian August II. offen Partei für die Aufständischen bezogen hatte, da er hoffte, von diesen zum souveränen Herzog über Schleswig und Holstein gemacht zu werden, zerriss das Band zu Dänemark endgültig. In der Folge der Ereignisse musste die Familie ihr Stammschloss auf Alsen verlassen.

Nachnutzungen 1848–2015 Der letzte herzogliche Bewohner, Christian August II., verließ das Augustenburger Schloss mitsamt seinem Hofstaat am 26. März 1848. Er und sein Bruder Friedrich Emil August wurden von der dänischen Krone als Verräter betrachtet und nach dem Ende der sogenannten Erhebung 1851 auch offiziell des Landes verwiesen. Das Schloss wurde von der dänischen Armee beschlagnahmt und diente von 1848 bis 1850 als Lazarett und danach bis 1864 als Kaserne.

1852 kam es zu einem Vergleich zwischen Christian August II. und dem dänischen Königreich, indem das unklare Erbrecht der Augustenburger in Dänemark geregelt wurde. Wie schon im Jahrhundert zuvor wurde der offizielle Verzicht auf das Erbrecht durch eine Abfindung ausgeglichen.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 326 Die herzogliche Familie erhielt neben der Entschädigung den beweglichen Besitz aus den schleswigschen Gütern zurück. Sie ließ jedoch 1853 einen Großteil des Inventars der Schlösser Gravenstein und Augustenburg versteigern und nahm nur wenige Möbel, Schmuck und die Gemäldesammlung auf das von der Abfindungssumme erworbene Gut Primkenau in Schlesien mit. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 musste die dänische Krone das Herzogtum Schleswig aufgeben, aber die Hoffnungen der Augustenburger auf eine Rückkehr erfüllten sich nicht: 1865 konnte die Familie einige Besitzungen auf und um Alsen zurückerlangen, wurde aber durch Otto von Bismarck an einer dauerhaften Rückkehr nach Augustenburg gehindert, denn der preußische Ministerpräsident fürchtete eine Einmischung Herzog Friedrichs in seinen Plan, Schleswig-Holstein in den preußischen Staat einzugliedern.Rasmussen, Imberger, Lohmeier, Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg, Seite 328.