Das Stift St. Georgen am Längsee ist eine ehemalige Abtei der Benediktinerinnen in der Gemeinde St. Georgen am Längsee im Bezirk St. Veit an der Glan in Kärnten. Es wurde zwischen 1002 und 1023 gegründet und 1783 im Zuge der Josephinischen Reform aufgelöst. Die Stiftskirche, eine gotische Kirche, dient heute als Pfarrkirche der lokalen Gemeinde. Das Kloster wurde bis 1884 als Schloss und wird seither als Schule, Bildungshaus und Hotel genutzt. Die Klosteranlage steht als barockes Gesamtensemble unter Denkmalschutz ().

Geschichte Das Kloster wurde zwischen 1002 und 1008 von der Gräfin Wichburg, der Gattin des Grafen Ottwin von Sonnenburg (Pustertal), als Benediktinerinnenkloster gegründet, an der Stelle einer Georgskirche errichtet und 1023 von Erzbischof Hartwig von Salzburg geweiht. Erstmals erwähnt wird das Kloster in einem heute im Kärntner Landesmuseum ausgestellten Gründungsbericht aus dem frühen 11. Jahrhundert.

1122 wurde das Kloster dem Erzbistum Salzburg unterstellt. Da nur Adelsangehörige ins Kloster aufgenommen wurden, wuchs das Klostervermögen zunächst rasch an. Mitte des 12. Jahrhunderts waren Neubauten erforderlich. 1259 wurde das Stift in einem Krieg geplündert, ebenso 1473 in den Türkenkriegen.

In der Gegenreformation wurde die Zahl der Schwestern im Kloster – dessen Fortbestand zuvor schon gefährdet gewesen war – wieder erhöht, und 1654 begann man damit, die Anlage durch den Baumeister Pietro Francesco Carlone in barockem Stil umzugestalten und wesentlich zu vergrößern. 1720 wurden die Barockbauten um eine Etage aufgestockt und die Kirche barockisiert.

1783 wurde das Kloster durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und zunächst vom Religionsfonds verwaltet. Bei der Versteigerung 1788 erhielt der Gewerke Maximilian Thaddäus von Egger den Zuschlag um 163.100 Gulden und begründete den Stiftskomplex zum neuen Stammsitz der Grafen von Egger, in deren Besitz die Anlage bis 1884 blieb. Das Innere wurde schlossartig ausgestattet, ein englischer Garten mit Orangerie angelegt. In den 1880er Jahren richtete man ein Hotel mit über 70 Betten ein.

1909 erwarb Gustav Sichl das Schloss, das 1935 von den Mariannhiller Missionaren gekauft wurde und ab 1938 auch Standort eines Priesterseminars der Diözese Gurk wurde. 1940 wurde das Stift beschlagnahmt und dem Reichsgau Kärnten zugewiesen; bis 1942 blieb das Priesterseminar im Kloster. Der Bibliotheksbestand von 10.000 Bänden musste an die Öffentliche Studienbibliothek Klagenfurt abgeliefert werden, wurde aber nach Kriegsende restituiert. 1943 kaufte die Organisation Todt das Stift vom Land Kärnten und nutzte es als Lazarett. Nach Kriegsende wurde von den Engländern eine Lungenheilanstalt für Displaced Persons eingerichtet. 1948 erhielten die Mariannhiller Missionare das Gebäude wieder zurück.

Seit 1959 ist es im Besitz des Diözese Gurk-Klagenfurt, das dort bis 2020 ein Bildungshaus mit angeschlossenem Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb führte. Derzeit wird das Stift als Hotel und für Veranstaltungen genutzt.

Baubeschreibung Gesamtanlage Das malerisch auf einem Hügel über dem Längsee gelegene Stift ist eine barocke Anlage. Von dem ehemals ältesten Kloster Kärntens, das im 11. Jahrhundert gegründet wurde, haben sich, abgesehen von Resten romanischer Mauersubstanz, nur noch wenige Reste erhalten. Neben dem Toreingang im Hof ist ein eingemauerter Ornamentstein aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert zu sehen. Von besonderer Bedeutung ist jedoch das Stiftertäfelchen aus der Zeit um 1250, das auf der einen Seite die Köpfe des Stifterpaares und Äbtissin Hiltipurg mit der segnenden Hand Gottes und auf der anderen Seite die folgende erklärende Inschrift zeigt: „Hier liegt der Körper der verehrten Wichpurch, des Grafen Otwin Gemahlin, und deren Tochter Hiltipurg, dieses Klosters erster Äbtissin.“Bildungshaus St. Georgen, Bistum Gurk (Herausgeber): St. Georgen am Längsee. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt 1988.

Das Stufenportal, das sich heute an der Nordseite des Kirchenschiffes befindet, wurde in Zusammenhang mit dem Ausbau der Kirche im 16. Jahrhundert vermutlich aus Teilen eines ehemaligen romanischen Westportals historisierend zusammengesetzt und ergänzt. Die heute nicht mehr zugängliche Krypta, die ähnlich wie in der Stiftskirche Göß in Leoben unter dem Chor liegt, besteht vermutlich auch noch aus romanischer Bausubstanz. Die Kirche und auch die Klosteranlage, deren ursprüngliche Größe heute nicht mehr bekannt sind, könnten nur durch umfangreiche Grabungsarbeiten dokumentiert werden. Sie erfuhren im Laufe der Jahre mehrere Veränderungen. Im 14. Jahrhundert entschloss man sich zu größeren Umbau- und vermutlich auch Erweiterungsarbeiten der Kirche. Von dieser Phase existieren heute noch die abgestuften Strebepfeiler außen am Chor und an den Wänden des Langhauses. Im Rahmen von Restaurierungsarbeiten wurde außerdem festgestellt, dass die einst spitzbogigen Kirchenfenster erst im Barock umgestaltet wurden. Im Kircheninneren hat sich an der Südseite im fünften Joch ein bemerkenswertes Kielbogenportal mit Fialen und Krabbendekor aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Dieses Portal, das erst bei einer Restaurierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts freigelegt wurde, diente in vergangener Zeit vermutlich als Zugang zu dem im 19. Jahrhundert abgetragenen Kreuzganges. Nach einem Brand im 16. Jahrhundert mussten Teile des Klosters abgetragen und neu errichtet werden. Dabei wurde der zweigeschoßige Arkadengang im Norden des Hofes, wie eine Inschriftentafel an der Brüstung schreibt, unter der Äbtissin Dorothea Rumph im Jahr 1546 neu gebaut. Die über Pfeilern errichteten Erdgeschoßarkaden mit den spitz zulaufenden Kreuzgratgewölben wirken jedoch älter, sodass es sich bei dem Jahr 1546 um das Jahr der Fertigstellung handeln dürfte, und sich ausschließlich auf die Arkaden der Obergeschoße bezieht, deren Säulen an den Basen und Kapitellen mit einfachem Blattwerk verziert sind. In diesem nördlichen Teil der Klosteranlage sind auch spätgotische Gewölbe mit Stuckgraten vom Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten.

Die nächste Bauphase dürfte für das heutige Aussehen der Anlage bestimmend gewesen sein. Diese erstreckte sich vom Jahr 1654 bis zum Jahr 1658. Der Umbau hatte vermutlich nicht nur bauliche Notwendigkeit, sondern fußte vielmehr auf den Ideologien der Gegenreformationsbewegung: Mit einem repräsentativen Bau soll die Rechtmäßigkeit des monastischen Lebens demonstrativ vor Augen geführt werden. Der Baumeister Franz Carlone wurde nach seinem ersten Auftrag, dem Neubau des Stiftsgebäudes von Stift Gurk mit den Neubauten der Stifte Göß und St. Georgen beauftragt. Auf Grund der vielen Aufträge konnte er jedoch nur die Bauaufsicht übernehmen. Den Großteil der Arbeiten übernahmen Handwerker und Arbeiter aus der Umgebung, etwa der Maurerpolier Merth und der Steinmetzmeister Thoma Purkher aus Gurk, der auch zwei Wappen lieferte. Einen Überblick über die Anlage, wie sie Carlone entworfen hatten, bietet die Karte von Valvasor. Sie zeigt eine zweigeschoßige, rechteckige Anlage mit einfacher Faschengliederung und einem rustizierten Einfahrtsportal an der Südseite.

Im nordwestlichen Teil des Hofes steht die Kirche mit einem Dachreiter an der Westseite und einem viergeschoßigen Turm im Osten, südlich des Chores. Der Turm entspricht mit seinen kräftigen Geschoßgesimsen und den großen, gekuppelten rundbogigen Schallfenstern entspricht auch dem heutigen Aussehen. Lediglich der Turmhelm wurde 1827 ersetzt. Im Auftrag von Graf Franz Egger wurde 1831 eine neue Kirchturmuhr durch den St. Veiter Uhrmacher Matthias Mayer gebaut. Die ursprüngliche Turmhaube und der Dachreiter wurden, wie bei Valvasor zu sehen ist, wurde 1675 und 1676 nach der Errichtung des Glockenturms von Adam Dellacher abgebaut. Diese bestanden aus zwei Zwiebelhelmen und einer Laterne. Als Turmbekrönung wurde eine Figur des heiligen Georgs geschaffen.

Südlich schloss einst ein Kreuzgang an, der den Plänen Johann Georg Hagenauers zufolge noch zur Zeit der Aufhebung des Klosters existierte. Der Osttrakt wurde vermutlich im 19. Jahrhundert abgerissen. In den Zeichnungen Valvasors ist auch eine äußere Umfassungsmauer erkennbar, von denen heute nur noch Reste existieren. Die letzte Bauphase, in der das Aussehen des Stiftes gravierend verändert wurde, fällt in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Zuge dieser Veränderung wurden die von Franz Carlone erbauten Trakte um ein Stockwerk erhöht und in Folge die Fassaden teilweise in den 1770er Jahren neu gestaltet.

Pfarr- und ehemalige Stiftskirche mini|hochkant|Südost-Ansicht der Kirche mini|hochkant|Innenansicht mini|hochkant|Innenansicht zur Orgelempore Über dem romanischen Vorgängerbau wurde im 14. Jahrhundert ein gotischer Neubau errichtet, der eine eingezogene, polygonale Absis aufwies. Der Kirchturm ist barock. Die Kirche erfuhr nach 1698 unter Äbtissin Maria Antonia von Platz im Inneren eine tiefgreifende Umgestaltung. 1996 wurde das Kirchendach neu mit Steinplattln eingedeckt, musste jedoch 2020 neu gedeckt werden.DEHIO Kärnten. Topographisches Denkmälerinventar, bearbeitet von Gabriele Russwurm-Biro. 3., erweiterte und verbesserte Auflage. Verlag Anton Schroll, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X, S. 728.

Architektur Kirchenäußeres Die Kirche geht in ihrer Mauersubstanz auf einen romanischen Kirchenbau zurück. Der gotische Bestand mit tiefen dreistufigen Strebepfeilern ist an der Nordseite des Langhauses und am Chor erkennbar. Der Chor schließt im 3/8-Schluss. An der Südseite ist der gotische Bestand hinter einem zweigeschoßigen barocken Laubengang verbogen. Die Westfassade bildet eine einheitliche Fassade mit den Stiftskomplex. Im vierten Joch der Kirchennordseite befindet sich ein romanisches, beziehungsweise romanisierendes, Stufenportal. Möglicherweise wurde es im 16. Jahrhundert von der Westfassade an die heutige Position übertragen und dabei teilweise historisierend erneuert. Im stuckierten Tympanon sind Sonne und Rosetten dargestellt. Der Kirchturm steht südlich der Apsis. Auf einer Inschriftentafel steht das Jahr 1676 als Baujahr. Der viergeschoßige Kirchturm ist durch kräftige Geschoßgesimse und durch Pilaster in Kratzputztechnik gegliedert. Die Kirchturmfenster sind gerade verdacht. Im vierten Turmgeschoß befinden sich gekoppelte Schallfenster. Die Turmhaube stammt aus dem Jahr 1827. Die ursprüngliche Sakristei, die im Norden an den Chor anschloss, wurde 1964 abgetragen. Bemerkenswert ist das spätgotische, ehemals zu einem Kreuzgang führende Kielbogen-Portal mit Fialen und Krabben an der Südseite. In der Barockzeit wurde der Turm errichtet und ein zweigeschoßiger Laubengang an die Südseite der Kirche angebaut. Unter den Arkaden an der südlichen Außenwand befinden sich Wappengrabplatten, darunter der Gedenkstein an die Äbtissin Maria Antonia von Platz aus dem Jahr 1721 mit einem Hochrelief des heiligen Georg.

Kircheninneres