mini|US-Senator Jim Inhofe 2015 bei einer Senatsrede, bei der er mit einem Schneeball gegen die Existenz der globalen Erwärmung argumentierte mini|Proteste gegen die Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung beim Climate March im April 2017 in Washington, D.C. mini|Kritik an der Klimawandelleugnung von Banksy
Die Klimawandelleugnung (teils auch als Klimaleugnung, Klimawissenschaftsleugnung oder Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung bezeichnet) ist eine Form der Wissenschaftsleugnung, die durch das Ablehnen, Nicht-wahrhaben-Wollen, Bestreiten oder Bekämpfen des wissenschaftlichen Konsenses der Klimaforschung zur gegenwärtig stattfindenden globalen Erwärmung gekennzeichnet ist. Hierzu zählen insbesondere die Trendleugnung, also das Abstreiten, dass sich die Erde zurzeit erwärmt, die Ursachenleugnung, also das Abstreiten, dass der Effekt menschengemacht ist, und die Folgenleugnung, also das Abstreiten, dass die Erwärmung große gesellschaftliche und ökologische Probleme zur Folge hat. Neben diesen drei Grundkategorien wird häufig auch die Konsensleugnung hinzugezählt, also das Bestreiten, dass die Kernaussagen in der Forschung seit langem unstrittig sind. Unter anderem als Selbstbezeichnung werden auch Klimawandelskepsis, Klimaskepsis und Klimaskeptizismus genutzt.
Trotz des seit spätestens Anfang der 1990er Jahre herrschenden Konsenses in der Wissenschaft, der unter anderem von allen wissenschaftlichen Akademien aller großen Industriestaaten geteilt wird,Vgl. Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 9. bestreiten Teile der Öffentlichkeit weiterhin die Existenz der menschengemachten globalen Erwärmung, insbesondere in manchen angelsächsischen Staaten. Deutlich ausgeprägt ist die Ablehnung in Staaten, in denen mit großem finanziellen Einsatz durch Unternehmen, vor allem aus den Bereichen der Gewinnung und Verwertung fossiler Energien, aus wirtschaftlichen Gründen eine einflussreiche Gegenbewegung geschaffen wurde, deren Ziel es ist, die Existenz des wissenschaftlichen Konsenses durch bewusstes Säen von Zweifeln zu untergraben. Unterschieden werden kann daher zwischen „naiver Leugnung“ von Laien, die auf Unkenntnis der wissenschaftlichen Literatur beruht, und „motivierter Leugnung“ durch Personen und Organisationen, die Zugang zu den relevanten Informationen besitzen.Vgl.
Es besteht ein fließender Übergang zwischen aufrichtiger Klima(wandel)skepsis und echter Leugnung, wobei Klima(wandel)skeptiker für rationale Argumente offen sind, während sich Klima(wandel)leugner Argumenten verschließen. Gegner der Klimaforschung reklamieren typischerweise für sich, dass sie im Namen des Skeptizismus die „solide Wissenschaft“ gegen die vermeintlich politisierte „Mainstream-Klimaforschung“ verteidigen würden – eine Argumentationsstrategie, die in ähnlicher Weise bereits u. a. von der Tabakbranche zum Bestreiten der Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens genutzt wurde. Tatsächlich ist das Bestreiten wissenschaftlicher Erkenntnisse der Klimaforschung jedoch kein Skeptizismus im wissenschaftlichen Sinn, sondern vielmehr ein (zum Teil organisiertes) Verleugnen der menschengemachten globalen Erwärmung. Aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass der Klimaschutz häufig aus politischen und ideologischen Motiven bekämpft wird. Bei der Leugnung des menschengemachten Klimawandels handelt es sich um eine Form von Pseudowissenschaft, die Ähnlichkeiten mit weiteren Formen der Wissenschaftsleugnung aufweist, wie beispielsweise dem Bestreiten der Gültigkeit der Evolutionstheorie oder der gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens bis hin zum Glauben an Verschwörungstheorien. Zum Teil bestehen zwischen diesen genannten Formen der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse personelle, organisatorische und ökonomische Verbindungen. Ein zentrales Verbindungsmuster ist unter anderem die beständige Erzeugung künstlicher Kontroversen wie der vermeintlichen Kontroverse um die globale Erwärmung, bei der es sich, entgegen der Annahme in der Öffentlichkeit, nicht um eine wissenschaftliche Diskussion handelt, sondern vielmehr um die bewusste Verbreitung von Falschbehauptungen durch Klimaleugner.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft (Original: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming). Weinheim 2014, S. XXII. Die Literatur, die den Klimawandel bestreitet, wurde überwiegend ohne Peer-Review publiziert, erfüllt üblicherweise keine wissenschaftlichen Qualitätsstandards, wurde zum großen Teil von Organisationen und Unternehmen finanziert, die von der Nutzung fossiler Energieträger profitieren, und steht in Verbindung mit konservativen Think Tanks.Kirsti M. Jylhä: Denial Versus Reality of Climate Change. In: Dominick A. DellaSala, Michael A. Goldstein (Hrsgs.): Encyclopedia of the Anthropocene, Band 2. Climate Change. Elsevier 2018, 487–492, hier: S. 487. Die Verleugnung der Klimaforschung gilt als die „mit Abstand am stärksten koordinierte und finanzierte Form der Wissenschaftsleugnung“ und stellt zugleich das Rückgrat der Anti-Umweltbewegung und ihrer Gegnerschaft gegen die Umweltforschung dar.
Die hinter diesem Vorgehen stehende „organisierte Klimaleugnerszene“ setzt sich unter anderem aus konservativen Think Tanks, verschiedenen politischen Frontgruppierungen sowie einer Vielzahl von Laienbloggern zusammen; hinzu kommen sich selbst als Experten ausgebende Laien, einige Wissenschaftler, PR-Unternehmen, Astroturfing-Gruppierungen, konservative Medien und Politiker. Gemeinsam ist ihnen vor allem die Ablehnung von staatlicher Regulierung durch Klimaschutzmaßnahmen. Die organisierte Klimaleugnerszene spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Skepsis bezüglich der menschengemachten globalen Erwärmung in der Öffentlichkeit und unter Politikern. Seit etwa 1990 ging diese Klimaleugnerszene mit immer weiter ansteigender Vehemenz sowohl gegen die Klimaforschung als auch gegen Klimawissenschaftler vor. Inzwischen greift sie auch direkt wissenschaftliche Kernprinzipien, Institutionen und Kenntnisse an, um wissenschaftliche Beweisführungen für die menschengemachte globale Erwärmung und ihre negativen Folgen zu untergraben. Besonders erfolgreich waren derartige Aktionen unter konservativen Bevölkerungsteilen in den USA.
Da die harte Leugnung des Klimawandels angesichts der Beleglage und der Häufung von Klimakatastrophen nicht mehr glaubwürdig ist, gehen Leugner wie die Fossile-Energie-Branche mittlerweile häufig zu einer weicheren Form der Klimawissenschaftsleugnung über, die stärker auf Mittel wie Täuschung, Ablenkung und Verzögerung des Klimaschutzes setzt. Beispielsweise greifen sie dabei effektive Maßnahmen wie die CO2-Bepreisung oder erneuerbare Energien an, während sie zugleich Scheinlösungen wie Geoengineering propagieren oder argumentieren, dass hypothetische Innovationen in der Zukunft die Lösung ermöglichten, sodass in der Gegenwart nichts getan werden müsse.Michael E. Mann: Propagandaschlacht ums Klima. Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen. Erlangen 2021, S. 13–15. Trotzdem wird auch weiterhin die Realität des Klimawandels geleugnet, was unter Donald Trump offizielle Regierungspolitik der Vereinigten Staaten ist.
Begriffe Personen, die einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreiten, ihn nicht für relevant halten oder die Folgen der globalen Erwärmung als irrelevant erachten bzw. (insbesondere bis in die 1990er Jahre) einen Klimawandel überhaupt bestreiten, werden als Klima(wandel)skeptiker oder Klima(wandel)leugner bezeichnet. Die Begriffe werden in der Forschung häufig synonym verwendet, wobei intensiv debattiert wird, welcher davon am treffendsten Personen beschreibt, die den wissenschaftlichen Konsens bezüglich des menschengemachten Klimawandels ablehnen.Wouter Poortinga u. a.: Uncertain climate: An investigation into public scepticism about anthropogenic climate change. In: Global Environmental Change 21, 2011, S. 1015–1024, hier S. 1016, doi:10.1016/j.gloenvcha.2011.03.001.
Klimawandelskepsis Das Wort Skepsis ist aus dem Altgriechischen entlehnt und bedeutet „das Betrachten“ oder „die Überlegung“. Gemäß der ursprünglichen Wortbedeutung ist ein „Skeptiker“ jemand, der noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen, also noch unentschieden ist. Beispielsweise definiert das Oxford English Dictionary einen Skeptiker als „einen Sucher nach der Wahrheit; einen Fragesteller, der noch nicht bei definitiven Schlussfolgerungen angekommen ist“.Zitiert nach: Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan 2011, S. 1. Die Skepsis spielt grundsätzlich in der Wissenschaft eine unverzichtbare Rolle, da Wissenschaftler vorsichtig und zurückhaltend an neue Erkenntnisse herangehen müssen und erst dann eine Schlussfolgerung ziehen sollten, wenn neue Behauptungen vollständig erhärtet wurden. Wenn aber die Beweislage ausreichend ist, muss ein echter Skeptiker diese Beweise akzeptieren.James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 4. Dies ist bei Klimaskeptikern jedoch nicht der Fall: Zum Beispiel halten Soentgen und Bilandzic fest, dass die von ihnen untersuchten „Klimaskeptiker“ üblicherweise nicht unentschieden seien, sondern vielmehr Dogmatiker, die sich längst eine Meinung gebildet hätten und entschlossen seien, für diese zu kämpfen.
Betont wird auch, dass der Begriff Skeptiker für Teile der Öffentlichkeit passend sei, die an der Schwere der Folgen der globalen Erwärmung zweifeln. Diejenigen aber, die aktive Kampagnen zur Leugnung des menschengemachten Klimawandels betreiben und für keine Argumente (mehr) zugänglich sind, seien mit der Bezeichnung Skeptiker falsch beschrieben. Dies treffe insbesondere auf den Kern der organisierten „Leugnerindustrie“ zu, die aus den Vertretern konservativer Think Tanks, konträren Wissenschaftlern, Bloggern und deren Anhängern besteht. In diesem Kontext wird teilweise auch von „Klimaskeptikern“ in Anführungszeichen gesprochen.
Auch die Brockhaus Enzyklopädie schrieb von „sogenannten Klimaskeptikern“, die „eigentlich irreführend“ benannt seien.Klimadebatte, in: Der Brockhaus. Wetter und Klima: Phänomene, Vorhersage, Klimawandel. Leipzig/Mannheim 2009, S. 178.
Klimawandelleugnung