Die pakistanische Provinz Belutschistan bildet den östlichen Teil der Region Belutschistan. Der westliche Teil der Region gehört zu Iran. Die Hauptstadt der Provinz ist Quetta.

Belutschistan ist mit einer Fläche von 347.190 km² die größte Provinz Pakistans. Diese Fläche entspricht in etwa der Fläche Deutschlands. Allerdings ist Belutschistan mit ca. 14,9 Mio. Einwohnern (2023) zugleich die am geringsten besiedelte Provinz des Landes. Große Teile der Provinz bestehen aus Wüsten.

Geographie Belutschistan grenzt an die Provinzen Chaibar Pachtunchwa (engl. Khyber Pakhtunkhwa, ehemals Stammesgebiete unter Bundesverwaltung), Punjab und Sindh, sowie an das Arabische Meer, Iran und Afghanistan (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten).

Die Provinz lässt sich in drei natürliche Großräume gliedern: Im Westen hat es Anteil an der abflusslosen inneriranischen Beckenlandschaft, der Zentralbereich wird durch den Gebirgsfächer gekennzeichnet, der sich von der Virgation (Auseinandertreten von Gebirgsfalten) des Ararat bis zu den Pamiren erstreckt, im Osten und Südosten schließen sich die Tieflandsbuchten des Industieflandes mit ausgedehnten Schwemmlandebenen an.

Die Wüstenbecken sind durch weite salzbedeckte Endseen und ausgedehnte Flugsand- und Dünenfelder geprägt. Vorherrschend sind mineralisierte und tonige Böden mit geringem Grundwasservorkommen. Klimatisch ist dieser Raum praktisch frostfrei, die Jahresmitteltemperaturen haben ihr Minimum im Januar (11 °C) und ihr Maximum im Juli (35,9 °C).

Das Hochland verfügt über ein deutlich kühleres Klima. Im zentralen Teil des Gebietes kann es zwischen November und Februar zu Schneefällen und zahlreichen Frosttagen kommen. Der überwiegende Teil des Hochlandes ist allerdings arm an Niederschlägen. Lediglich im nordöstlichen Teil kann es durch den Monsun zu höheren Sommerniederschlägen kommen. Dort sind die Temperaturschwankungen relativ gemäßigt. Der südliche Teil zeichnet sich dagegen durch deutlich höhere Temperaturen aus. Im Westen des zentralen Hochlandes gibt es einige Oasen.

Die Tieflandsbucht von Kachhi Sibi verfügt über weite aus lehmartigen und sandigen Böden aufgebaute Terrassen. Die Sommer sind von hohen Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit geprägt. Die Winter sind dagegen warmgemäßigt. Die Tieflandsbucht von Las Bela ist in morphologischer und hydrologischer Hinsicht der von Kachhi Sibi ähnlich, die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind aber niedriger. Der Küstenstreifen von Mekran am Arabischen Meer verfügt dagegen über hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit sehr geringen Niederschlägen. Die Böden sind sandig und mineralisiert.

Der höchste Gipfel der Region ist der Loe Nekan.

Bevölkerung mini|290px|Stark vereinfachte Karte der ethnischen Verhältnisse in Pakistan und den angrenzenden Gebieten Irans und Afghanistans aus dem Jahr 1980. Hindko und Saraiki werden hier nicht als eigene Sprachen betrachtet und Brahui ganz vernachlässigt.

Die Grenzen Belutschistans wurden im 19. Jahrhundert durch die britische Kolonialmacht ohne Berücksichtigung der Verbreitung der ethnischen Gruppen gezogen. Auch bei der Einrichtung der Provinz Belutschistan im unabhängigen Pakistan im Jahr 1970 wurde auf die alten kolonialen Grenzen zurückgegriffen und keine an ethnisch-sprachlichen Kriterien orientierte Neueinteilung versucht. So wohnt heute eine Vielzahl von ethnischen Gruppen in diesem Gebiet, wobei die Belutschen, die Brahui und die Paschtunen die größten ethnischen Bevölkerungsgruppen stellen. Zusammen machen sie knapp 90 % der Bevölkerung aus. Bei der Volkszählung 2017 verteilten sich die Sprecherzahlen wie folgt: +Sprachen in der Provinz Belutschistan nach der Volkszählung 2017SpracheSprecherzahlin ProzentBelutschisch4.377.82535,49Paschtunisch4.359.53335,34Brahui2.112.29517,12Sindhi562.3094,56Saraiki326.6562,65Panjabi139.2071,13Urdu100.5280,81Hindko34.3010,28Kashmiri17.8030,14Andere Sprachen304.6722,47Gesamt12.335.129100,00 Die jeweiligen Siedlungsgebiete der Paschtunen und der Belutschen gehen weit über das Gebiet der Provinz Belutschistan hinaus. So wohnen Belutschen auch in der iranischen Provinz Belutschistan und in Teilen des Sindhs und des Punjabs. Das überwiegend von Paschtunen besiedelte Gebiet erstreckt sich vom Süden Afghanistans über die Provinz Khyber Pakhtunkhwa bis in den Norden Belutschistans. In Belutschistan stellen sie nördlich der Linie Quetta-Barchan die größte Gruppe der Bevölkerung. Durch die große Zahl an Paschtunen, die als Flüchtlinge nach 1979 aus Afghanistan gekommen sind, hat ihr politisches Gewicht zugenommen.

Die willkürliche Grenzziehung durch ethnische Gruppen hindurch ist bis heute von vielen nicht akzeptiert worden und hat immer wieder zur Forderung nach einem „Großbelutschistan“ geführt. Zwischen dem 15. August 1947 und dem 28. März 1948 bestand unter dem Khan von Kalat ein unabhängiges Belutschistan, das aber unter dem Druck der pakistanischen Führer Pakistan eingegliedert wurde. Einen ausführlichen Überblick über die Großbelutschistanfrage liefert das Buch „The Problem of Greater Baluchistan“ von Inayatullah Baloch (1987).

Der Khan von Kalat war jedoch kein Belutsche, sondern ein Stammesmitglied der Brahui, die schon vor der britischen Herrschaft in einem Subreich unter den paschtunischen Ghilzai das gesamte südliche Belutschistan beherrschten. Deren Siedlungsgebiet liegt praktisch gänzlich innerhalb dieser Provinz und erstreckt sich südlich der Linie Nushki-Quetta-Sibi bis zur Küste des Arabischen Meeres.

Das Wohlstands- und Bildungsniveau in der abgelegenen und schwer zugänglichen Provinz gilt als unterdurchschnittlich. Die Alphabetisierungsrate in den Jahren 2014/15 bei der Bevölkerung ab 10 Jahren lag bei 44 % (Frauen: 25 %, Männer: 61 %) und war damit die niedrigste unter den vier Provinzen von Pakistan.

Bevölkerungsentwicklung Zensusbevölkerung von Belutschistan seit der ersten Volkszählung im Jahr 1951. ZensusjahrEinwohnerzahl19511.167.16719611.353.48419722.428.67819814.332.37619986.565.885201712.335.129202314.894.402

Verwaltungsgliederung mini|300px|Distrikteinteilung im Jahr 1973 mini|300px|Die 34 Distrikte der Provinz Belutschistan im Jahr 2021.

Nach Aufgabe des Einheitsstaatskonzepts („One-Unit“) und Einrichtung der Provinz Belutschistan am 1. Juli 1970 war diese zunächst in neun Distrikte eingeteilt (Quetta-Pishin, Sibi, Loralai, Zhob, Chagai, Kalat, Makran (oder Mekran), Kharan und Lasbela). In den folgenden Jahrzehnten kamen neue Distrikte hinzu. Im Jahr 2016 war die Provinz Belutschistan in 32 Distrikte aufgeteilt.

Im Jahr 2017 gab die belutschische Provinzregierung die Einrichtung zweier neuer Distrikte bekannt: Duki aus Teilen von Loralei und Surab aus Teilen von Kalat. Ob die Distrikteinrichtung vollständig erfolgt ist, ist derzeit (2021) unklar. Die Art und Weise der Distrikteinrichtung wurde in der pakistanischen Presse zum Teil als rein politisch motiviert kritisiert. Duki war die Heimat von Yaqoob Nasar, eines hohen Funktionärs der Muslim League (N) und aus Surab stammte der damalige Chief Minister von Belutschistan, Sanaullah Zehri. Kurz nach der Ankündigung wurde bekanntgegeben, dass Surab in Shaheed Skindarabad, nach dem verstorbenen Sohn des Chief Ministers, umbenannt werden solle. Am 30. Juni 2021 wurde die Bildung eines weiteren Distrikts Chaman aus der Stadt Chaman und dem Tehsil Saddar Chaman des Distrikts Qila Abdullah bekanntgegeben.

Im Jahr 2021 gab es 34 Distrikte. Die Distrikte sind weiter in Tehsils unterteilt. Die Nummerierung der folgenden Tabelle entspricht der der nebenstehenden Karte..

Nr.DistriktFläche in km²(2017)Bevölkerung196119721981199820171Awaran29.51031.89351.918110.353118.173121.6802Barkhan3.51429.75644.70461.686103.545171.5563Chagai44.74821.41434.03463.713104.534226.0084ChamanDistrikt wurde erst nach dem Jahr 2017 gebildet.––––––5Dera Bugti10.16032.04952.718103.821181.310312.6036Duki––––––7Gwadar12.63749.66190.820112.385185.498263.5148HarnaiDer Distrikt Harnai wurde 2007 aus Teilen von Sibi gebildet.2.492––––97.0179Jafarabad1.643101.647179.981265.342432.817513.81310Jhal Magsi3.61553.03175.26168.092109.941149.22511Kalat8.41630.82171.746209.149237.834412.23212Kech (bis 1996 Turbat)22.53970.326147.978379.467413.204909.11613Kachhi (bis 2008 Bolan)5.68293.858123.720200.863255.480237.03014Kharan14.95838.84576.800128.040206.909156.15215Khuzdar35.38071.214146.207276.449417.466802.20716Kohlu7.61028.10155.49771.26999.846214.35017Lasbela15.15382.997125.263188.139312.695574.292–Lehri (aufgelöst 2018)Der Distrikt Lehri wurde 2013 aus Teilen von Sibi und Kachhi gebildet, 2018 wieder aufgelöst und in Sibi eingegliedert.–––––118.04618Loralai8.01846.06584.366204.055250.147397.40019Mastung3.30833.71874.690130.207160.546266.46120Musakhel5.72824.32038.54791.174134.056167.01721Nasirabad3.38721.45843.893129.112245.894490.53822Nushki5.79719.84931.26156.74298.030178.79623Panjgur16.89127.22856.820160.750234.051316.38524Pishin6.21861.512135.939208.007376.728736.48125Quetta3.447142.137252.577383.403764.0402.275.69926Qilla Abdullah4.89463.818113.215170.590360.724757.57827Qilla Saifullah6.83137.57772.086148.362193.553342.81428SheraniDer Distrikt Harnai wurde 2006 aus Teilen von Zhob gebildet.4.310––––153.11629Sibi7.12174.227111.046134.742212.974135.57230SohbatpurDer Distrikt Sobatpur wurde 2013 aus Teilen von Jafarabat gebildet.802––––200.53831Surab––––––32WashukDer Distrikt Washuk wurde 2005 aus Teilen von Kharan gebildet.33.093––––176.20633Zhob (bis 1976 Fort Sandeman)15.98750.10999.903213.285275.142310.54434Ziarat3.30115.85337.68863.17980.748160.422Provinz Belutschistan 347.1901.353.4842.428.6784.332.3766.565.88512.344.408

Wirtschaft In der inneriranischen Beckenlandschaft besteht nur in wenigen Räumen Möglichkeit zum Bewässerungsfeldbau. Ein intensiver Regenfeldbau ist durch die geringen und stark variierenden Niederschlagsereignisse nicht möglich. Die bescheidenen Weidebedingungen stellen in weiten Teilen die einzige Wirtschaftsgrundlage dar; doch sind die Tierhalter zu einer mobilen Lebens- und Wirtschaftsweise gezwungen.

Im zentralen Gebirgsland ist durch die Nutzung von Karezen (unterirdischen Bewässerungskanälen) ein intensiver Acker- und Obstbau möglich, daneben findet auch die Wanderviehwirtschaft günstige Bedingungen. Im Winter wird diese Region aber von vielen Bewohnern angesichts der niedrigen Temperaturen verlassen, da es an Heizmaterial mangelt. Der Nordosten des zentralen Gebirgslandes eignet sich aufgrund der relativ gemäßigten Temperaturen und der größeren Grundwasserreserven am besten für eine stationäre Lebensweise.

In den Oasen im westlichen Teil werden Datteln, Zitrusfrüchte und Bananen angebaut. Der südwestliche Teil des Gebirgslands ist dagegen nur von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Hier werden lediglich die Weideflächen für eine mobile Viehhaltung genutzt.

Die Böden der Tieflandsbucht von Kachhi Sibi könnten eigentlich gut durch den Ackerbau benutzt werden, allerdings mangelt es aufgrund der geringen Niederschläge an Wasser. Es ist nur im Herbst möglich, eine Aussaat auszubringen, wenn aus den die Bucht umgebenden Gebirgen Flutwasser ins Tal kommt. Die wie in allen Teilen Belutschistan spärliche Weide gestattet eine ganzjährige Nutzung, wird aber bevorzugt nur im Winterhalbjahr genutzt, da im Sommer hohe Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit Mensch und Tier zu schaffen machen. Im Winter ziehen die warmgemäßigten Temperaturen aber die Herden aus dem Gebirgsfächer an. Es kann auch zu Sommerniederschlägen kommen, die das Weideangebot begünstigen.

Die Bucht von Las Belas stellt einen ganzjährig nutzbaren Raum dar, der während des Winters auch die Aufgabe eines Ergänzungsraumes für die Gebirgsbevölkerung erfüllt. Der Küstenstreifen von Mekran verfügt dagegen nur über eine sehr geringe Vegetationsdecke und bietet keinerlei Möglichkeiten für eine agrarische Nutzung. Auch aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen ist eine wirtschaftliche Nutzung dieses Teils sehr schwierig.