Als Gscheidle-Marke wird eine nichtamtliche Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1980 bezeichnet, von der nur wenige Exemplare in Umlauf kamen und die daher international zu den wertvollsten und begehrtesten Marken zählt. Sie ist benannt nach dem damaligen Postminister Kurt Gscheidle beziehungsweise nach dessen Ehefrau, die die Marken irrtümlich zur Frankatur verwendet hatte.
Hintergrund Die Gscheidle-Marke sollte von der Deutschen Bundespost am 10. April 1980 aus Anlass der Olympischen Spiele von Moskau herausgegeben werden, wurde wegen des bundesdeutschen Boykotts der Spiele jedoch vorher zurückgezogen. Die Marke wurde nie amtliche Briefmarke, die bereits fertiggestellte Produktion wurde amtlich vernichtet. Einige Marken aus den drei Bögen, die dem damaligen Postminister Gscheidle zugeleitet worden waren, kamen durch einen Irrtum von Gscheidles Ehefrau Elisabeth dennoch in Umlauf. In den Jahren 1982 und 1983 verwendeten sie und ihr Sohn mindestens 24 Exemplare, die Elisabeth Gscheidle im Schreibtisch ihres aus dem Dienst geschiedenen Mannes gefunden und für amtliche Briefmarken gehalten hatte, um private Post zu frankieren (sog. Gscheidle-Irrtum). Unter Philatelisten wurden diese Marken bald zu Höchstpreisen gehandelt. Sie zählen zu den wertvollsten deutschen Briefmarken nach 1945. Bei der 102. Versteigerung von Joachim Erhardt vom Württembergischen Auktionshaus in Stuttgart am 25. und 26. April 2008 wurde ein Exemplar auf einem Ganzstück, einem Brief, für 82.000 EUR versteigert. Dasselbe Auktionshaus hatte unter Joachim Erhardt bei der 100. Auktion bereits diesen Brief mit dieser Marke für 67.000 EUR versteigert.Welt Print vom 7. Juni 2008 ("'Gscheidle'-Marke: Lange Jagd nach seltenem Stück" von Jan Billion) Außerdem wurde berichtet, dass eine Postkarte mit dieser Marke 2008 für 85.000 EUR versteigert wurde.Börse Online, Nr. 30/2008, S. 26. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um ein und dieselbe Marke handelt, da die Zuschläge (82.000 EUR und 85.000 EUR) ähnlich hoch sind und die Begriffe „Brief“ und „Postkarte“ mitunter verwechselt wurden. Eine Gscheidle-Marke wurde im Oktober 2010 für 26.000 Euro in Düsseldorf versteigert.. Auktionshaus Felzmann, Düsseldorf Eine der Marken auf Ganzsache wurde im Mai 2013 im Schweizer Auktionshaus Rapp für 53.680 Schweizer Franken (umgerechnet 43.000 Euro) versteigert.Die Briefmarke, die es nicht geben darf von Werner Breunig in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Mai 2013.Aus 4 Cent werden 65 880 Franken in: Neue Zürcher Zeitung vom 30. Mai 2013.Gscheidle-Marke versteigert: Minister-Gattin verschickt Rarität für 43.000 Euro von Georg Thanscheidt in der Münchner Abendzeitung vom 30. Mai 2013.
Aussehen der Marke Das Motiv der Zuschlagmarke „Für den Sport“ zu 60 Pfennig plus 30 Pfennig Zuschlag zu Gunsten der Sporthilfe ist eine wehende olympische Flagge (Michel-Katalog-Nr. XIII). Der Zähnungsgrad ist 14.
Amtliche Mitteilung
Bekannte Exemplare Bisher sind 24 Exemplare der Marke bekannt. 20 davon sind lose oder auf Briefstücken erhalten, drei befinden sich noch auf Briefen, und es gibt eine Gewinnspielpostkarte, auf der Frau Gscheidle als Absenderin erkennbar ist.
Trivia Die Folge Abgestempelt der Krimiserie SOKO Stuttgart nimmt Bezug auf die Gscheidle-Marken. Auch in der Krimiserie Der Bulle von Tölz, Folge Der Zauberer im Brunnen, kommt diese Briefmarke in der Handlung vor.
Siehe auch Liste von nichtausgegebenen Briefmarken aus Deutschland
Literatur
Einar Koch: In: Hamburger Abendblatt. 36 (30. Juni 1983), Nr. 149, S. 1. Die Gscheidle-Olympiamarke der Bonner Bundespost. In: Sammler Express. Heft 21/1983, S. 728. Jan Billion: Die „Unverausgabten“ vom Bund (5): Gscheidle: Sparsame Schwaben. In: philatelie, Nr. 575; Mai 2025, S. 29–31.
Weblinks
Erwähnung in der NZZ vom 27. Mai 2013 vor einer weiteren Versteigerung Die Briefmarke, die es nicht geben darf – Die „Gscheidle-Marke“ gehört zu den teuersten der alten Bundesrepublik – dank der Frau eines ehemaligen Postministers. In der Schweiz wird nun eines der 24 bekannten Exemplare versteigert. von Werner Breunig auf faz.net vom 27. Mai 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Briefmarke nach Name Kategorie:Briefmarke der Deutschen Bundespost Kategorie:Olympische Sommerspiele 1980