mini|Beschriftete Tontafel aus Zypern, zwischen 1230 und 1050 v. Chr. Zypern war in der Späten Bronzezeit (ca. 1650–1050 v. Chr.) eine wichtige politische und wirtschaftliche Macht im östlichen Mittelmeerraum. Es gab bedeutende Städte und eine eigene Schrift. Die Insel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das mächtige Alašija in zeitgenössischen Quellen. Unklar bleibt, ob Alašija einen einzelnen Stadtstaat auf Zypern oder die ganze Insel bezeichnete.

Beginn In der Mittleren Bronzezeit (ca. 2000–1650 v. Chr.) war Zypern überwiegend von einer bäuerlichen Gesellschaft bewohnt. Es gab vermutlich wenig soziale Unterschiede. Die Menschen lebten in kleinen Dörfern, meist im Inneren der Insel. An der Nordküste wurde Kupfer (lat. Cuprum, griech. Kypros) abgebaut. Der Kupferreichtum gab der Insel ihren späteren Namen. Es gibt Hinweise auf einen Handel im östlichen Mittelmeerraum, der sich am Ende der Epoche intensivierte. Kupfer aus Zypern gelangte durch Nordsyrien den Euphrat abwärts bis nach Babylonien.Horst Klengel: Handel und Händler im alten Orient. Hermann Böhlaus Nachf., Wien u. a. 1979, S. 133.

Zu Beginn der Späten Bronzezeit zeichneten sich auf Zypern Umwälzungen in nahezu allen Bereichen ab. Ein starkes Anwachsen der Bevölkerung, das mit sozialen Veränderungen einherging, fand statt. Auf der ganzen Insel wurden Festungsanlagen erbaut, die auf unruhige Zeiten und militärische Konflikte hindeuten. Viele Dörfer der Mittleren Bronzezeit sind augenscheinlich gewaltsam vernichtet worden. Es fanden sich Brandhorizonte und Massenbestattungen. Später scheinen erste Städte gegründet und internationaler Handel aufgenommen worden sein. Die Schrift wurde von anderen Hochkulturen übernommen.

Chronologie Die Späte Bronzezeit auf Zypern wird von Archäologen anhand der Keramik in verschiedene Phasen unterteilt, wobei bisher keine Einigkeit zu den unterschiedlichen Einordnungen im Detail zustande gekommen ist. Es gibt die Späte Bronzezeit I–III, wobei die Phasen I und III nochmals in A bis B, die Phase II in A bis C unterteilt werden. Um 1200 (Späte Bronzezeit III) wurde die Insel mutmaßlich von mykenischen Siedlern kolonisiert.

Die Einteilung in drei Phasen folgt lose der Einteilung der minoischen (minoisch), mykenischen (helladisch) und ägäischen (kykladisch) Welt, wobei statt der Bezeichnung Bronzezeit auch manchmal zyprisch benutzt wird. Die absolute Chronologie der einzelnen Phasen erfolgte weitestgehend über Importwaren aus Ägypten, dem minoischen und mykenischen Raum.Ganslmayr, Pistofidis (Hrsg.): Aphrodites Schwestern. S. 8; Steel: Cyprus, S. 13.

Stufe absolutes Datum Bemerkungen Späte Bronzezeit IA 1650–1575 v. Chr. Kriegerische Zeiten, zahlreiche Festungen Späte Bronzezeit IB 1575–1475 v. Chr.Entwicklung der Schrift, erste Städte Späte Bronzezeit IIA 1475–1400 v. Chr. Späte Bronzezeit IIB 1400–1325 v. Chr. Intensive diplomatische Kontakte mit dem Nahen Osten Späte Bronzezeit IIC 1325–1200 v. Chr. Größte Blütezeit; am Ende dieser Phase Zerstörungshorizonte Späte Bronzezeit IIIA 1200–1100 v. Chr. Starker mykenischer Einfluss, letzte Blütezeit Späte Bronzezeit IIIB 1100–1050 v. Chr. Städte werden verlassen

Siedlungen und Städte mini|upright=1.66|Wichtige Orte auf Zypern in der Späten Bronzezeit Während in den vorangegangenen Perioden die Ortschaften auf Zypern eher im Inneren der Insel zu finden waren, so wurden sie nun bevorzugt nahe der Küste erbaut, was sicherlich auf die wachsende Bedeutung des Seehandels zurückzuführen ist. Es kann ein mehrstufiges Siedlungssystem beobachtet werden. Zu Beginn der Späten Bronzezeit gab es zunächst zahlreiche stark befestigte, aber nicht auf Dauer bewohnte Anlagen (vergleiche: Festung Nitovikla). Die Funktion dieser Festungen ist nicht immer eindeutig. Es könnte sich um Fluchtburgen gehandelt haben. Installationen zur Vorratshaltung deuten aber auch auf deren wirtschaftliche Bedeutung hin. Eine besondere Konzentration dieser Festungen ist auf dem Weg von den Kupferabbaugebieten nach Enkomi zu finden. Sie sollten offensichtlich den Handel mit diesem Rohmaterial schützen. Es entstanden die ersten Küstenstädte.

Nach der Späten Bronzezeit IA verloren diese Festungen an Bedeutung. Im Landesinneren existierten nun kleinere Zentren zur Zwischenlagerung verschiedener Güter, die wahrscheinlich auch als Verwaltungszentren dienten. Es gab reine Produktionsstätten. Hierunter fallen Ackerdörfer, Töpfereien und Orte, in denen Kupfer abgebaut wurde.

Zu den großen Städten der beginnenden Späten Bronzezeit zählen wahrscheinlich Enkomi, Morphou-Toumba tou Skourou, Hala Sultan Tekke und Kourion-Bamboula, wobei gerade die frühe Geschichte dieser Orte noch weitgehend ungeklärt ist. Im Verlauf der Späten Bronzezeit kamen weitere städtische Zentren hinzu, wie Kalavasos-Ayios Dhimitrios, Alassa und Palaepaphos. Im dreizehnten und zwölften Jahrhundert wurden viele Orte umstrukturiert. In dieser Zeit erhielten sie einen schachbrettartigen Stadtplan.Steel: Cyprus. S. 156–58.

Enkomi ist die bestergrabene Stadt und war ein geplanter Ort mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen. Es gab eine von Norden nach Süden verlaufende Hauptstraße sowie mindestens acht ost-westlich von ihr abgehende Seitenstraßen. Die Stadt war von einer Stadtmauer umgeben. Diese bestand im unteren Teil aus Bruchsteinen und war im oberen Teil aus Lehmziegeln errichtet. Es gab zahlreiche Werkstätten und verschiedene Heiligtümer. Ein Palast oder andere öffentliche Gebäude sind bisher nicht gefunden worden. Baumaterial waren Bruchsteine und Lehmziegel. Im 13. vorchristlichen Jahrhundert kamen verstärkt behauene Quader für öffentliche Gebäude (Tempel und Stadtmauern) auf.

Vor allem die Funde aus Enkomi belegen den damals gängigen Haustyp. Die Häuser besaßen meist einen Hof mit Räumen an drei Seiten. Es gab Badezimmer mit Badewannen; der Boden dieser Räume bestand meist aus besonders festem Material. Bestattungen fanden im Siedlungsbereich statt.A.B. Knapp: The Archaeology of Late Bronze Age Cypriot Society: The Study of Settlement, Survey and Landscape. Glasgow 1997, ISBN 0-85261-573-6, S. 56–61.

Politische Strukturen mini|Amarna-Tafel, die den König von Alašija nennt Da es noch nicht möglich ist, die originären Schriftzeugnisse dieser Zeit zu lesen, ist nur wenig über die politische Organisation Zyperns bekannt. Im Wesentlichen existieren in der Forschung zwei Meinungen. Eine Theorie nimmt an, dass die Insel in die Herrschaftsbereiche verschiedener Stadtstaaten unterteilt war, auf der anderen Seite wird die These vertreten, dass Zypern von einem einzigen König beherrscht wurde.A. B. Knapp: Sources for the History of Cyprus II, Near Eastern and Aegean Texts from the Third to the First Millennium BC. Greece and Cyprus Research Centre; E.J. Peltenburg: From isolation to state formation in Cyprus, c. 3500–1500 BC. In: V.Karageorghis/D. Michaelides (Hrsg.): The Development of Cypriot Economy from the Prehistoric Period to the Present Day, Nicosia 1996, ISBN 9963-607-10-1, S. 27–37. Dieser residierte wahrscheinlich in Alassa, obwohl auch immer wieder Enkomi mit seinen reichen archäologischen Funden als Hauptstadt der Insel angenommen wird. Die Idee eines einheitlichen, zentral gelenkten Staates stößt aber auf gewisse Schwierigkeiten. Eine Schrift war zwar bekannt, aber sie scheint nur sporadisch und selten in der Verwaltung eingesetzt worden zu sein. Auch scheint es kleine lokale Varianten in der Schrift gegeben zu haben. Es gibt zahlreiche Siegel, die aber offensichtlich nicht zum Siegeln, sondern eher als Amulette oder Schmuck benutzt wurden. Es fehlen also eindeutige Belege für eine die ganze Insel umfassende Verwaltung.Steel: Cyprus. S. 182.

In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass in keilschriftlichen Quellen des Nahen Ostens ein König von Alašija erscheint, wobei Alašija meist mit Zypern gleichgesetzt wird. Er wurde offenbar gleichrangig mit den Königen von Ägypten und Babylon angesehen, was sich vor allem in der gegenseitigen Anrede mit Bruder ausdrückt, während weniger wichtige Herrscher die Könige der Großreiche mit Vater ansprachen. Alašija erscheint in diesen Texten vor allem als Lieferant von Kupfer, Pferden und Holz. Schon allein die großen Mengen des in den Texten genannten Kupfers machen es wahrscheinlich, dass Zypern oder eine Stadt auf Zypern gemeint ist. In den Keilschrifttexten erscheint der König von Alašija Kušme-Šuša als bedeutender Herrscher. Er war Zeitgenosse von Niqmaddu III. von Ugarit (ca. 1225–1215 v. Chr.).

In hethitischen Texten werden die Könige von Alašija ab dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts v. Chr. als Untergebene bezeichnet. Es wird vermutet, dass es zu einer kurzzeitigen Eroberung der Insel kam, wobei aber von einem lockeren Vasallenverhältnis auszugehen ist. Tudhalija IV. (ca. 1236–1215 v. Chr.) rühmte sich, Alašija bezwungen und dem Hethiterreich einverleibt zu haben.KBo 12.38 Sein Sohn Šuppililuima II. ergänzte den Text und rühmte sich „Feinde Alašijas“ zur See und zu Lande geschlagen zu haben. Hethitische Funde auf der Insel sind jedoch auch für diese Zeit rar.Steel: Cyprus. S. 183–186.

Wirtschaft Die Periode ist durch eine intensivere Ausbeutung der Kupfervorkommen gekennzeichnet. Kupfer wurde für den eigenen Bedarf, aber auch für den Export gewonnen und machte die Insel zu einem mächtigen Handelsstandort im östlichen Mittelmeer. Ferner gab es auf der Insel große Wälder, die sie zu einem bedeutenden Holzlieferanten machten.

Trotz dieser wichtigen Rohstoffe bildete die Landwirtschaft die ökonomische Basis. Weizen, Gerste und Linsen wurden angebaut, daneben sind zum ersten Mal Oliven und Trauben bezeugt. An Tieren wurden Schafe, Ziegen und Rinder gehalten. Es gibt Anzeichen, dass die Landwirtschaft zentral organisiert war. Entsprechende Speicherinstallationen wurden nachgewiesen. So fanden sich in einem Haus in Apliki 15 Pithoi, die ein Fassungsvermögen von 7500 Litern besaßen und zweifelsohne nicht für den Bedarf des Hauseigentümers vorgesehen waren. In einem Haus in Kalavasos-Ayios Dhimitrios konnte ein Komplex ausgegraben werden, in dem sich 50 zwei Meter hohe Pithoi fanden, die zusammen ein Fassungsvolumen von 50.000 Litern hatten.Steel: Cyprus. S. 158–161.

Metallverarbeitung mini|Kupferbarren aus dem Schiff von Uluburun, das auf dem Weg von Zypern zu einem Ort in der Ägäis unterging Eine bedeutende Rolle spielte die Kupferverarbeitung. Die Herkunft von Kupfer im östlichen Mittelmeerraum ist oftmals nicht mit Bestimmtheit feststellbar, doch deuten Isotop-Analysen darauf hin, dass ein großer Teil des damals im Umlauf befindlichen Kupfers tatsächlich von Zypern stammte.Z.A. Stos-Gale, u. a.: Lead isotope characteristics of the Cyprus copper ore deposits applied to provenance studies of copper oxhide ingots. In: Archaeometry 39 (1997), S. 83–123. Es wurde zu dieser Zeit in Form von Ochsenhautbarren gehandelt. Der Höhepunkt der Produktion fiel ins dreizehnte und zwölfte vorchristliche Jahrhundert. Dieser Zeitraum deckt sich mit der höchsten Blütezeit der zyprischen Küstenstädte. Die Kupferbergwerke dieser Zeit sind bislang nur unzureichend untersucht, doch lagen sie meist im Landesinneren, entfernt von den Küstenstädten. Eine wichtige Abbauregion war Apliki. Nahe den Kupferbergwerken gab es kleine Siedlungen, in denen das Erz verhüttet und dann weiter versandt wurde. In Verbindung mit Zinn ergab Kupfer die viel härtere Bronze, wobei die Herkunft des Zinns umstritten ist. Es kann aus Westeuropa wie den Zinninseln, über die Liparischen Inseln im westlichen Mittelmeer oder aus Usbekistan gekommen sein. Die Verarbeitung von Kupfer zu Bronze fand auf Zypern vor allem in den großen Küstenstädten statt, wobei es hier meist um die Weiterverarbeitung für den eigenen Bedarf ging.Steel: Cyprus. S. 166–168.

Handel mini|Teller in Ägypten produziert, aus dem Grab 66 in Enkomi mini|Mykenischer Krater, aus dem Grab 45 in Enkomi