mini|320px|Karte der arabischen Welt, basierend auf der üblichen Definition, die die 22 Länder der Arabischen Liga beinhaltet.
Der Begriff arabische Welt () bezeichnet eine Region in Vorderasien und Nordafrika. Staaten und Regionen mit einer mehrheitlich arabischen Kultur gelten als Teil der arabischen Welt. Zentraler Bestandteil arabischer Kultur ist die arabische Sprache.
Der Begriff ist trotz seiner vielfachen Verwendung nicht exakt definiert (deshalb meistens Kleinschreibung des Attributs arabisch). Es lassen sich zwei Kriterien anwenden, um die Zugehörigkeit zur arabischen Welt zu definieren: einerseits die Verbreitung der arabischen Sprache (sprachliches Kriterium) und andererseits die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga (politisches Kriterium).
Die ursprünglichen Araber sind die Einwohner der Arabischen Halbinsel, des schon im Altertum (etwa in der Bibel) bezeugten historischen Arabiens, während die Araber in anderen Teilen der arabischen Welt, etwa in der Levante und Nordafrika, hauptsächlich Völker sind, die nach der islamischen Expansion (7./8. Jahrhundert) sprachlich-kulturell und teilweise genetisch arabisiert wurden – daher gelten auch sie seither als Araber.
Irrtümlich verallgemeinernd werden arabische Welt und Arabertum oft mit dem Islam gleichgesetzt. Tatsächlich bilden Muslime heute in der arabischen Welt die Bevölkerungsmehrheit und die Verbreitung der arabischen Sprache über die Arabische Halbinsel hinaus ging mit der Ausbreitung des Islams einher. Doch gibt es in zahlreichen Ländern der arabischen Welt bis heute bedeutende, insbesondere christliche Minderheiten, die auf vorislamische religiöse Traditionen zurückgehen, doch in sprachlich-kultureller Hinsicht weitgehend arabisiert sind, so in Ägypten, dem Libanon, Syrien und dem Irak.
Geografische Einteilung der arabischen Welt mini|Staaten Nordafrikas mini|Die Arabische Maghreb Union (AMU) mini|Arabische Halbinsel
Die arabische Welt umfasst insbesondere Staaten in Vorderasien und Nordafrika.
Die Staaten der Arabischen Halbinsel, also des historischen Arabiens, der Ursprungsregion der arabischen Kultur und Sprache, sind (in alphabetischer Reihenfolge):
Die Staaten der Levante und Mesopotamiens (beide Regionen zusammen werden manchmal als Nordarabien bezeichnet), die nach der islamischen Eroberung der Levante und des Sassanidenreiches im 7. Jahrhundert arabisiert wurden:
Die Nil-Staaten, die nach der islamischen Eroberung Ägyptens und Nubiens im 7. Jahrhundert arabisiert wurden:
Die nordafrikanischen Staaten an der Atlantik- und der Mittelmeerküste, die nach der islamischen Eroberung des Maghreb im 7. und 8. Jahrhundert arabisiert wurden, teilweise jedoch noch Traditionen autochthoner Völker (Berber, Tuareg) aufweisen, sowie Länder in der zentralen bis westlichen Sahara:
(politischer Status seit 1976 umstritten)
Weitere Begriffe zur Einteilung der arabischen Welt sind – neben der Arabischen Halbinsel – Maghreb und Maschrek, wobei der Maghreb die Länder Nordwestafrikas und der Maschrek die Nilstaaten, die Levante und Mesopotamien umfasst.
Ein Sonderfall sind Somalia, die Komoren und Dschibuti. Da diese Staaten Mitglieder der Arabischen Liga sind und Arabisch eine ihrer Amtssprachen ist, könnten sie als arabische Länder gelten. Weil jedoch die Muttersprache der überwiegenden Mehrheit ihrer Einwohner weder Arabisch ist noch diese sich normalerweise als Araber betrachten, ist die Zugehörigkeit dieser Staaten zur arabischen Welt umstritten.
Einen weiteren Sonderfall stellt das in der Levante gelegene historische Palästina dar: Der dort 1948 errichtete Staat Israel definiert sich als jüdischer Staat, ist jedoch teilweise arabophon – rund 20 Prozent der Staatsbürger sind Araber, die sich – auch – der arabischen Welt und Kultur zugehörig fühlen. Zudem übt Israel die politische und/oder militärische Kontrolle über zahlreiche weitere arabischsprachige Gebiete Palästinas aus, in denen Araber die Bevölkerungsmehrheit bilden. Wegen der ungeklärten politischen Verhältnisse (Nahostkonflikt) ist die Abgrenzung der Begriffe Israel und Palästina uneindeutig.
Sprachliches Kriterium hochkant|mini|Geografische Verbreitung der arabischen Sprache. Blau: Arabisch ist nicht die alleinige offizielle Sprache
Nach dem sprachlichen Kriterium entspricht die arabische Welt einer Gruppe aus 18 Staaten von Mauretanien im Westen bis zum Sultanat von Oman im Osten und zwei nicht souveränen Gebieten. Die Ausbreitung des Arabischen ist weitgehend auf die Geschichte der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert zurückzuführen. Allerdings ist das sprachliche Kriterium nicht ausreichend, um die arabische Welt zu betrachten. Einige Länder, in denen Teile der Bevölkerung Arabisch sprechen oder Arabisch eine der offiziellen Sprachen ist, gelten weiterhin in der Regel nicht als Teil der „arabischen Welt“, darunter Israel, Eritrea und der Tschad, während andererseits nicht nur Dschibuti, wo eine Minderheit Arabisch spricht, sondern auch Somalia und sogar die Komoren, in denen Arabisch so gut wie gar nicht verwendet wird,Michel Lafon: Situation linguistique à la Grande-Comore et essai de définition du statut de l’arabe in: Matériaux arabes et sud-arabiques, 1988, pp.95-119 aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Arabischen Liga oft dazugerechnet werden.
Malta andererseits wird so gut wie nie zur arabischen Welt gezählt, auch wenn sich Maltesisch aus dem Maghrebinischen Arabisch entwickelt hat. Da sie jedoch mit dem Lateinischen Alphabet geschrieben wird und jede Beziehung zur arabischen Schriftsprache abgebrochen ist, nimmt Malta nicht am kulturellen Geschehen (Presse, Literatur) der arabischen Welt teil.
In Staaten der arabischen Welt wird modernes Standardarabisch als Amtssprache verwendet. Daneben gibt es zahlreiche umgangssprachliche arabische Dialekte, beispielsweise die Varietäten des Maghrebinischen Arabisch zum Teil mit Einflüssen aus Berbersprachen, dem Französischen, Spanischen oder Italienischen, so dass sich eine Diglossie ergibt.
Die folgende Liste führt 26 souveräne Staaten und nicht souveräne Gebiete auf, in denen die arabische Sprache gesprochen wird, bzw. eine oder mehrere der vielen, oft sehr unterschiedlichen regionalen Varianten des Arabischen. Der angegebene Prozentsatz bezieht sich auf den Teil der Bevölkerung, der Arabisch als Muttersprache spricht. Die Spalte „Staatsbürger“ gibt die Einwohnerzahl des Landes an, außer bei den Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain und Katar, in denen die Ausländer die überwiegende Mehrheit der Gesamtbevölkerung darstellen, hier aber nicht mitgezählt werden. Länder, in denen die Mehrheit der Bevölkerung Arabisch spricht, sind farblich unterlegt.
+Liste von Staaten und nicht souveränen Gebieten, in denen Arabisch gesprochen wirdLandHauptstadtStaatsbürger (in Mio.)Staatsbürger deren Muttersprache Arabisch istSprache der MehrheitSprache der wichtigsten MinderheitKairo 94,04 99,5 % Die US-amerikanische Library of Congress geht von knapp 600.000 Nicht-Arabisch-Sprechern in einer Bevölkerung von rund 100 Millionen aus Ägyptisches Arabisch BedschaAlgier 31,84 72 % Jacques Leclerc: Algérie. Situation géographique et démolinguistique CEFAN, Université Laval, Quebec Algerisch-Arabisch BerberischManama 0,72 80 %Nach Salam DHR sind ca. 20 % der bahrainischen Bürger Ajam die zuhause meist persisch sprechen. Golf-Arabisch PersischDschibuti 0,51 10 %Said Djama Dirie: Languages Market in the Horn of Africa: A case study of Djibouti (PDF) Aston University, 2020 – 15 % Jacques Leclerc: Djibouti. Données démolinguistiques CEFAN, Université Laval, Quebec Somali, AfarAsmara 5,02 2,4 %Tekle M. Woldemikael: Language, Education, and Public Policy in Eritrea. In: African Studies Review. Band 46, Nummer 1, April 2003, S. 117–136, . (0,5 %Redie Bereketeab: The Politics of Language In Eritrea: Equality Of Languages Vs. Bilingual Official Language Policy (PDF) in: The Nordic Africa Institute Uppsala, Sweden— 2 %Encyclopedia Britannica: Eritrea) Tigrinya u. a.Bagdad 28,94 ca. 75 % Encyclopaedia Britannica: Arabs of Iraq / 80 %Juan Cole: Is Iraq an Arab Country? in: History News Network Irakisch-Arabisch KurdischTel Aviv bzw. Jerusalem 8,00 ca. 20 %Dafna Yitzhaki: Attitudes to Arabic Language Policies in Israel: Evidence from a Survey Study in: Language Problems & Language Planning 35(2):95-116. Oktober 2011 Hebräisch Levantinisches ArabischSana'a 33,7 99,6 %Marie-Claude Simeone-Senelle: Mehri and Hobyot spoken in Oman and in Yemen February 2010 (gibt 70.600 Mehri-Sprecher für Jemen an)Bernard Comrie, Max-Planck-Institute gibt 70.000 Sprecher für Soqotri an Jemenitisch-Arabisch SüdarabischAmman 6,34 fast 100 %Helen Chapin Metz, ed. Jordan: A Country Study Washington: GPO for the Library of Congress (1989) Ethnicity and Language Ibrahim Darwish, Saada Bader: Language and Religion in Jordan Research on Humanities and Social Sciences Vol.4, No.26, 2014 Levantinisches ArabischDoha 0,33Sara Hillman, Emilio Ocampo Eibenschutz: English, super-diversity, and identity in the State of Qatar World Englishes 37, April 2018 100 %Sara Hillman, Emilio Ocampo Eibenschutz: English, super-diversity, and identity in the State of Qatar World Englishes 37, April 2018 Golf-Arabisch Moroni 0,75 0 %Michel Lafon: Situation linguistique à la Grande-Comore et essai de définition du statut de l’arabe in: Matériaux arabes et sud-arabiques, 1988, pp.95-119 KomorischKuwait 2,75 k. A. Golf-Arabisch PersischBeirut 4,52 96 %Lebanon Minorities Overview; World Directory of Minorities and Indigenous Peoples Levantinisches Arabisch ArmenischTripolis 6,31 96 %Jacques Leclerc: Libye CEFAN, Université Laval, Quebec 90 %Libyan Heritage House Languages of Libya Arabisch BerberischRabat 32,60 60 %Moha Ennaji: Multilingualism, Cultural Identity, and Education in Morocco (2005) DOI:10.1007/b104063 Maghrebinisches Arabisch BerberischNouakchott 3,44 70–80 %Catherine Taine-Cheikh. La Mauritanie: vers une nouvelle politique linguistique?. Revue d’aménagement linguistique, 2004, 107 (“Aménagement linguistique auMaghreb”), pp.205-226. halshs-00508627, 84 %Jacques Leclerc: Mauritanie CEFAN, Université Laval, Québec Hassania-Arabisch Pulaar, SoninkeMaskat 3,15 ca. 88 %J. E. Peterson, “Oman’s Diverse Society: Northern Oman.” Middle East Journal, vol. 58, no. 1, 2004, pp. 32–51. JSTOR, http://www.jstor.org/stable/4329973. Accessed 6 Mar. 2024 Arabisch Belutschi (Staat Palästina, nicht souveränes Gebiet)Gaza / Ramallah 4,33 k. A. Levantinisches Arabisch k. A.Riad 27,01 99,93 %Yousef al-Rojaie: Sociolinguistics in Saudi Arabia: Present situation and future directions. Journal of Arabic Sociolinguistics 2023 1:1, 76-97 https://doi.org/10.3366/arabic.2023.0006Faisal Al-Maghtham: Mehri language spoken by 20 thousands people in Saudi Arabia. Asharq Al-Awsat 18 Dez. 2010 Arabisch MehriMogadischu 13,18 0,1 %Clear Global: Language Data for Somalia. Interactive Map Somali Khartum 30,89 ca. 60–70 %Al-Amin Abu Manga: Linguistic Diversity and Language Endangerment in the Sudan (ungefähre Hochrechnung alter Daten) Sudanesisch-Arabisch BedschaDamaskus 17,83 88 % The Issue of Minorities in Syria: From Proscription to Tyrannical Presence (PDF; 1,5 MB) In: Masarat. King Faisal Center for Research and Islamic Studies. Dec 2016 ca. 90 % Kerem Yildiz: The Kurds in Syria: The Forgotten People Pluto Press, 2005 Levantinisches Arabisch KurdischN’Djamena 10,32 ca. 12 %Chad: Language Situation J. Roberts, in Encyclopedia of Language & Linguistics (Second Edition), 2006 Ngambay (Zentralsudanisch)John M. Keegan The Sara Bagirmi Languages ProjectTunis 10,78 99,1 %Jacques Leclerc: Tunisie. Données démolinguistiques CEFAN, Université Laval, Quebec Maghrebinisches Arabisch BerberischAbu Dhabi 1,0 k. A. Golf-Arabisch k. A. (nicht souveränes Gebiet)El Aaiún 0,54 k. A. Hassania-Arabisch k. A.
Politisches Kriterium miniatur|Länder der Arabischen Liga mini|Die arabischen Länder als Saladin-Adler, irakisch-baathistische Darstellung