Olympische Spiele 1900Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Land 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen 3. Gesamt 1 17 13 11 41 2 4 3 2 8 3 1 4 2 64 1 — 1 2 5 — 2 — 2 6 — 1 — 1 7 — — 3 3 8 — — 1 1 — — 1 1 — — 1 1 Die in der französischen Hauptstadt Paris im Rahmen der (Exposition Universelle et Internationale de Paris) ausgetragenen Internationalen Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport (Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports) umfassten u. a. die Wettbewerbe der Leichtathletik, die Bestandteil der II. Olympischen Spiele 1900 (Spiele der II. Olympiade) waren. Teilnahmeberechtigt waren nur Männer. Frauen waren bei Olympischen Spielen in der Leichtathletik erstmals 1928 zugelassen.
Wettbewerbe Die Wettbewerbe der Leichtathletik bestanden neben dem üblichen Programm aus einer Vielzahl von Wettkämpfen, die nach Vorstellung von Pierre de Coubertin, dem Begründer der modernen Olympischen Spiele, und nach Maßgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht als olympisch angesehen werden. Hierzu zählten Wettkämpfe für Professionals, für die u. a. ein 6-Stunden-Lauf ausgerichtet wurde, oder Wettkämpfe mit Handicaps zur Nivellierung unterschiedlicher Leistungsstärken.
mini|hochkant=1.9|Das Leichtathletikteam der USA Das IOC ordnete 23 Wettbewerbe der Leichtathletik dem olympischen Programm der Spiele der II. Olympiade zu. Nach offizieller Lesart beteiligten sich daran 117 Athleten aus 15 Nationen. Das Wettbewerbsprogramm wich dabei teilweise deutlich vom heutigen ab. Elf der 23 Wettbewerbe waren erstmals im Programm der Olympischen Spiele. Als kürzeste Sprintstrecke neben den 100 Metern und 200 Metern wurde ein 60-Meter-Lauf ausgetragen, der allerdings nur noch einmal olympische Disziplin war und nach den Olympischen Spielen 1904 verschwand. Dasselbe gilt für den 200-Meter-Hürdenlauf. Der 1896 nach manchen Quellen noch über 100 Meter durchgeführte kürzeste Hürdenlauf wurde endgültig auf der bis heute üblichen 110-Meter-Distanz ausgetragen. Der 400-Meter-Hürdenlauf kam in Paris dazu. Neu waren auch gleich zwei Wettbewerbe über Hindernisse, die allerdings ganz anders aussahen als die heutige standardisierte Variante. Eine erste Langstrecke neben dem Marathonlauf wurde über 5000 Meter angeboten, allerdings nur mit einer Mannschaftswertung. Neu waren auch die drei zu jener Zeit sehr populären Standsprungwettbewerbe. Die dort erzielten Bestleistungen konnten somit allesamt als olympische Rekorde gewertet werden. Als Wurfdisziplin kam der Hammerwurf neu ins olympische Programm. Der Speerwurf dagegen musste noch warten. Diese Disziplin wurde offiziell erst 1908 olympisch, nachdem sie bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen erstmals ausgetragen worden war. Auch wenn es zu jener Zeit noch keine offiziellen Listen über Weltrekorde gab, so kann man davon ausgehen, dass bei diesen Spielen inoffiziell vier neue Weltrekorde aufgestellt wurden.
Medaillen Wie schon bei den I. Olympischen Spielen vier Jahre zuvor gab es jeweils eine Silbermedaille für den Sieger und Bronze für den zweitplatzierten Athleten. Der Sportler auf Rang drei erhielt keine Medaille.
Die vom IOC noch immer ignorierte Tatsache, dass der Sieger im Marathonlauf, Michel Théato, keine französische Staatsbürgerschaft besaß, sondern die von Luxemburg, ist allgemein historisch belegt. Somit waren unter den teilnehmenden Athleten 16 Nationalitäten. Da Théato jedoch nach IOC-Lesart offiziell als Franzose gewertet wird, ist dies auch in den hier folgenden Übersichten und Auflistungen so umgesetzt.
Niemand hatte in der Frühzeit der Olympischen Spiele an eine Nationenwertung oder einen Medaillenspiegel gedacht. Dies führt dazu, dass man eine Reihe von Mannschaften mit Athleten unterschiedlicher Nationalität heutzutage gesondert als gemischte Mannschaften wertet. Hierzu gehört auch ein Team des 5000-Meter-Mannschaftslaufs. Die Beteiligung des australischen Läufers Stan Rowley in der Mannschaft der Amateur Athletic Association, die ansonsten nur aus britischen Läufern bestand, hat das IOC dazu veranlasst, die Platzierung den gemischten Mannschaften zuzurechnen und nicht ausschließlich den Briten. Es gibt durchaus Veröffentlichungen, in denen dies anders betrachtet wird. Entsprechend verändert stellen sich dort auch die Statistik und der Medaillenspiegel dar.
Austragungsstätte Alle Wettkämpfe fanden im Croix Catelan, dem Vereinsgelände des Racing Club de France im Bois de Boulogne statt. Es handelte sich hierbei um eine große Rasenfläche, auf der eine Laufrunde mit 500 Meter Länge abgesteckt war. Der Boden war sehr uneben und es standen eine Menge von Bäumen umher, auch im Innenraum. mini|hochkant=1.4|Deutsches Leichtathletik-Teamv. l. n. r. oben: Kurt Doerry, Julius Keyl, Gustav Adolf Rau, Albert WerkmüllerMitte: Mannschaftsführer Georg Demmlerunten: Franz Duhne und Waldemar Steffen
Der Sonntag im Zeitplan Die Wettbewerbe wurden zwischen dem 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, und dem 22. Juli ausgetragen. Der 15. Juli war ein Sonntag und verursachte besondere Komplikationen. Zahlreiche Sportler der USA waren nicht bereit, an einem Sonntag einen Wettkampf zu bestreiten, da ihre religiöse Überzeugung es ihnen verbot. Auf Bitten der Athleten wurde anfänglich von den Organisatoren zugesichert, Wettkämpfe zu verschieben, doch schließlich führte man das vorher festgelegte Programm unverändert durch. Bei den zehn Entscheidungen an diesem Tag stellten die US-Athleten dennoch sieben Sieger.
Leistungsmessung Für die Sieger in den Laufwettbewerben wurde vom Kampfgericht die Zeit gemessen. Für die Platzierten gab es keine Zeitmessung, bei ihnen wurde der Rückstand auf den Sieger oder Vorplatzierten mit einer Längenangabe geschätzt. Nachträglich wurde versucht, aus dieser Entfernung eine Zeit für die Nächstplatzierten zu ermitteln, die in den nachfolgenden Listen in Klammern hinzugefügt ist. Unter anderem auch diese Schätzung hatte in den verschiedenen hier verwendeten Quellen – s. u. – unterschiedliche Leistungsangaben zur Folge.
Erfolge Die US-Athleten gewannen 16 der 23 Wettbewerbe und belegten insgesamt 39 der 68 Medaillenplatzierungen – gerechnet nach der heutigen Lesart mit Gold, Silber und Bronze. Damit waren die USA die weit überlegene Nation der Leichtathletikwettbewerbe. Erfolgreichster Sportler war der US-Amerikaner Alvin Kraenzlein. Er wurde viermal Olympiasieger – 60-Meter-Lauf, 110 Meter Hürden, 200 Meter Hürden und Weitsprung.
Sein Landsmann Ray Ewry war Spezialist in allen Sprüngen aus dem Stand. Er gewann sämtliche Wettbewerbe in diesen Disziplinen und errang damit drei Olympiasiege – Standhoch-, Standweit- und Standdreisprung.
Weitere fünf Sportler wurden jeweils zweimal Olympiasieger: Irving Baxter, USA – Hoch- und Stabhochsprung. Darüber hinaus errang Baxter noch drei zweite Plätze, und zwar in allen drei Standsprungwettbewerben. Walter Tewksbury, USA – 200 Meter und 200 Meter Hürden. Tewksbury war außerdem noch zweimal Zweiter – 60 Meter und 100 Meter – sowie Dritter über 400 Meter Hürden. Charles Bennett, Großbritannien – 1500 Meter und 5000-Meter-Mannschaftslauf. Zusätzlich war Bennett noch Zweiter über 4000 Meter Hindernis. Alfred Tysoe, Großbritannien – 800 Meter und 5000-Meter-Mannschaftslauf John Rimmer, Großbritannien – 4000 Meter Hindernis und 5000-Meter-Mannschaftslauf.
Die Athleten stellten drei Weltrekorde auf: Alvin Kraenzlein, 60-Meter-Lauf 7,0 s Charles Bennett, 1500-Meter-Lauf 4:06,2 min Ray Ewry, Standhochsprung 1,655 m Darüber hinaus gab es 13 olympische Rekorde – 12 Verbesserungen/1 Egalisierung.
Die Darstellung der exakten Resultate für diese Wettbewerbe ist wie schon bei den Olympischen Spielen 1896 nicht immer eindeutig. Je nach Quelle – siehe Literatur bzw. Weblinks, Link 1 unten – gibt es v. a. in den hinteren Platzierungen voneinander abweichende Darstellungen. Diese sind in den jeweiligen Hauptartikeln detailliert dargestellt.
Resultate 60 m mini|Alvin Kraenzlein (links) und Walter Tewksbury im Finish über 60 Meter
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Alvin Kraenzlein 7,0 WRe 2 Walter Tewksbury 7,0 3 Stan Rowley 7,1 4 Edmund Minahan 7,2 in denVorläufenausge-schieden Norman Pritchard 1. VL Platz 3 William Holland 2. VL Platz 3 Adolphe Klingelhoefer 1. VL Isaac Westergren 1. VL Pál Koppán 2. VL Ernő Schubert 2. VL Datum: 15. Juli
Diese Kurzstrecke war zweimal Programmteil bei Olympischen Spielen. Sie wurde 1900 erstmals ausgetragen und verschwand nach 1904 schnell wieder aus dem Programm. Die Laufbahnen waren wie im 100-Meter-Lauf und wie schon 1896 durch Seile in Höhe der Waden voneinander getrennt.
Es gab zwei Vorläufe, aus denen sich der jeweils Erste und Zweite fürs Finale qualifizierten.
Alvin Kraenzlein hatte bereits in seinem Vorlauf mit 7,0 s einen Weltrekord aufgestellt, den er im Finale egalisierte. Die Zeiten für den zweiten bis vierten Platz sind anhand der angegebenen Abstände geschätzt.
Je nach Quelle gibt es unterschiedliche Versionen zum Ausgang dieses Rennens. Genaueres ist nachzulesen im Hauptartikel zum 60-Meter-Lauf
100 m mini|hochkant=0.6|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Frank Jarvis 11,0 2 Walter Tewksbury 11,1 3 Stan Rowley 11,2 – Arthur Duffey DNF in denVor-,Halbfinal-läufenoder imHoffnungs-laufausge-schieden Norman Pritchard HL Platz 2 Clark Leiblee HL Platz 3 Thaddeus McClain HL Charles Burroughs HL Frederick Moloney HL Dixon Boardman 1. ZL Platz 4 Kurt Doerry 2. ZL Aufgabe Edmund Minahan 3. ZL Platz 4 Václav Nový 1. VL Platz 3 Pál Koppán 2. VL Platz 3 Umberto Colombo 3. VL Platz 3 Johannes Gandil 4. VL Platz 3 Ernő Schubert 5. VL Platz 3 Henry Slack 6. VL Platz 3 Julius Keyl 3. VL Platz 4 Isaac Westergren 5. VL Platz 4 Datum: 14. Juli
Die Laufbahnen waren wie im 60-Meter-Lauf und wie schon 1896 durch Seile in Höhe der Waden voneinander getrennt.
Es gab sechs Vorläufe, aus denen sich der jeweils Erste und Zweite für drei Zwischenläufe qualifizierten. Hiervon kamen die Sieger ins Finale, die jeweils Zweiten und Dritten bestritten einen Hoffnungslauf. Über diesen qualifizierte sich der Sieger fürs Finale.
Frank Jarvis stellte in seinem Vorlauf den bestehenden Weltrekord mit 10,8 s ein, den Walter Tewksbury in seinem Zwischenlauf ebenfalls egalisierte. Im Finale siegte Jarvis mit zwei Fuß Abstand auf Tewksbury, der wiederum mehr als einen halben Yard Vorsprung auf Stan Rowley hatte – die Zeiten wurden anhand dieser Angaben geschätzt.
Eigentlicher Favorit für dieses Rennen war Arthur Duffey, der im Vorfeld seine Hauptkonkurrenten geschlagen hatte. Im Finale führte er, bekannt als Schnellstarter, auf halber Strecke deutlich. Doch hier erwischte ihn eine Sehnenzerrung und er schied aus.
Für diesen Wettbewerb stimmen die Quellen in ihren Darstellungen weitgehend überein.
200 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Walter Tewksbury 22,2 OR 2 Norman Pritchard 22,5 3 Stan Rowley 22,6 4 William Holland 22,6 in denVorläufenausge-schieden Adolphe Klingelhoefer 1. VL Platz 3 Yngvar Bryn 2. VL Platz 3 Emö Schubert 1. VL Albert Werkmüller 2. VL Datum: 22. Juli
Der 200-Meter-Lauf gehörte erstmals zum olympischen Programm. Es gab zwei Vorläufe, aus denen sich der jeweils Erste und Zweite fürs Finale qualifizierten. Tewksbury siegte mit zweieinhalb Yards Vorsprung auf Pritchard, der wiederum einen halben Yard vor Rowley lag. Knapp hinter Rowley folgte Holland – die Zeiten wurden anhand dieser Abstandsangaben geschätzt.
Die ersten Drei sind in den Quellen übereinstimmend benannt. Bei Ekkehard zur Megede fehlt die Angabe zu Platz vier ganz.
400 m mini|hochkant=1.6|Maxey Long (links) siegte über 400 Meter vor William Holland