Janeth Jepkosgei Busienei (* 13. Dezember 1983 in Kabirirsang bei Kapsabet) ist eine ehemalige kenianische Mittelstreckenläuferin und heutige Leichtathletiktrainerin. Sie wurde 2007 als erste Kenianerin Weltmeisterin in einer Mittelstreckendisziplin und gewann bei den Olympischen Spielen 2008 die Silbermedaille im 800-Meter-Lauf.

Herkunft und Nachwuchslaufbahn mini|Janeth Jepkosgei Busienei (links) mit Mayte Martínez bei den Weltmeisterschaften 2007 Jepkosgei wuchs in Kabirirsang im kenianischen Rift Valley auf, aus dem auch die Mittelstreckenläufer Wilfred Bungei und Wilson Kipketer stammen. Sie begann ihre sportliche Laufbahn an der Kapsumbeiywo Primary School und besuchte ab 1998 die Sing'ore Girls High School in Iten. Während ihrer Schulzeit konzentrierte sie sich zunächst auf den 400-Meter-Hürdenlauf und gewann unter anderem die nationale Schulmeisterschaft im Siebenkampf.

Da der 400-Meter-Hürdenlauf bei den kenianischen Ausscheidungswettkämpfen für die Jugendweltmeisterschaften 1999 nicht angeboten wurde, startete sie stattdessen über 800 Meter und qualifizierte sich als Zweitplatzierte. Bei den Jugendweltmeisterschaften in Bydgoszcz schied sie als Dritte ihres Vorlaufs in 2:11,98 Minuten aus.

Nach weiteren Erfolgen bei Nachwuchswettbewerben wurde sie 2001 in das vom Internationalen Olympischen Komitee unterstützte High Performance Training Centre in Eldoret aufgenommen, wo der frühere 800-Meter-Olympiasieger Paul Ereng ihr Trainer wurde. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2002 in Kingston gewann sie den 800-Meter-Lauf in 2:00,80 Minuten. Mit dieser Leistung belegte sie den 40. Platz der Weltjahresbestenliste. 2005 verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit auf 1:57,82 Minuten und erreichte damit den sechsten Platz der Weltjahresbestenliste.

Internationale Laufbahn Durchbruch und Weltmeistertitel (2006–2007) Ihren internationalen Durchbruch erzielte Jepkosgei im März 2006 bei den Commonwealth Games in Melbourne, als sie den 800-Meter-Lauf in 1:57,88 Minuten vor der Jamaikanerin Kenia Sinclair und der mehrfachen Weltmeisterin Maria de Lurdes Mutola aus Mosambik gewann. Am 11. Juli verbesserte sie bei einem Sportfest in Lausanne den kenianischen Landesrekord auf 1:56,66 Minuten und setzte sich erneut gegen Mutola sowie die Kubanerin Zulia Calatayud durch. Diese Zeit blieb die schnellste 800-Meter-Leistung des Jahres 2006.

Bei den Afrikameisterschaften im August 2006 auf Mauritius gewann Jepkosgei in 2:00,64 Minuten vor Mutola und der Algerierin Nouria Mérah-Benida den Titel über 800 Meter. Anschließend vertrat sie Afrika beim Weltcup in Athen, wo sie in 2:00,09 Minuten den zweiten Platz hinter Calatayud belegte. Bereits eine Woche zuvor hatte sie sich beim World Athletics Final in Stuttgart der Kubanerin geschlagen geben müssen.

Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka prägte Jepkosgei den 800-Meter-Wettbewerb durch ihre offensive Renngestaltung. Sie übernahm sowohl im Vorlauf als auch im Halbfinale früh die Führung und gewann das Halbfinale in der kenianischen Rekordzeit von 1:56,17 Minuten. Im Finale am 28. August setzte sie sich erneut unmittelbar nach dem Start an die Spitze und absolvierte die erste Runde in 56,16 Sekunden. Sie behauptete ihren Vorsprung bis ins Ziel und gewann in 1:56,04 Minuten den Weltmeistertitel, wobei sie ihren eigenen Landesrekord aus dem Halbfinale erneut verbesserte. Hinter ihr sicherten sich die Marokkanerin Hasna Benhassi in 1:56,99 Minuten und die Spanierin Mayte Martínez in 1:57,62 Minuten die weiteren Medaillen. Mit ihrem Sieg wurde Jepkosgei zur ersten kenianischen Weltmeisterin in einer Mittelstreckendisziplin.

Olympische Spiele und weitere internationale Erfolge (2008–2014) Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking gehörte Jepkosgei zu den Personen, die gemeinsam mit der Mutter der kenianischen Nachwuchsläuferin Pamela Jelimo deren Wechsel von der 400- auf die 800-Meter-Distanz anregten. Bei den Spielen in Peking gingen die beiden Kenianerinnen im olympischen 800-Meter-Finale zunächst gemeinsam an die Spitze, bevor Jelimo die Führung übernahm und sich auf der zweiten Runde absetzte. Jelimo gewann in 1:54,87 Minuten die Goldmedaille, während Jepkosgei in 1:56,07 Minuten Silber vor Benhassi holte.

Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin gewann Jepkosgei erneut Silber über 800 Meter. Sie erreichte das Ziel in 1:57,90 Minuten hinter der Südafrikanerin Caster Semenya und knapp vor der Britin Jennifer Meadows. Zuvor war sie im Vorlauf nach einer Kollision zu Fall gekommen und zunächst ausgeschieden, durfte nach einem erfolgreichen Protest der kenianischen Mannschaft jedoch am Halbfinale teilnehmen.

Bei den Afrikameisterschaften 2010 in Nairobi gewann Jepkosgei über 800 Meter in 2:00,50 Minuten die Silbermedaille hinter der Algerierin Zahra Bouras. Mit der kenianischen 4-mal-400-Meter-Staffel belegte sie außerdem in 3:35,12 Minuten den zweiten Platz hinter Nigeria. Im September gewann sie beim Continentalcup in Split den 800-Meter-Lauf in 1:57,88 Minuten vor Kenia Sinclair und Jennifer Meadows.

Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu erreichte Jepkosgei im 800-Meter-Finale in 1:57,42 Minuten zunächst als Dritte das Ziel. Nach der nachträglichen Disqualifikation der russischen Siegerin Marija Sawinowa wegen Dopings wurde ihr die Silbermedaille zuerkannt; in der korrigierten Ergebnisliste steht sie hinter Caster Semenya auf dem zweiten Platz.

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London erreichte Jepkosgei erneut das 800-Meter-Finale und kam in 2:00,19 Minuten ursprünglich als Achte ins Ziel. Nach den nachträglichen Disqualifikationen von Sawinowa, Jekaterina Poistogowa und Jelena Arsakowa wird sie in der offiziellen Ergebnisliste des Weltverbandes auf dem fünften Platz geführt.

Bei den Afrikameisterschaften 2014 in Marrakesch gewann Jepkosgei über 800 Meter in 1:59,74 Minuten die Silbermedaille hinter ihrer Landsfrau Eunice Sum. Außerdem gehörte sie zur kenianischen 4-mal-400-Meter-Staffel, die in 3:32,26 Minuten ebenfalls Silber gewann.

Während ihrer aktiven Laufbahn wurde Jepkosgei von Claudio Berardelli trainiert und von Federico Rosa als Manager betreut. Ihre Körpergröße wird mit 1,67 Metern und ihr Wettkampfgewicht mit 47 Kilogramm angegeben.

Tätigkeit als Trainerin und Nachwuchsförderung Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn im Jahr 2016 widmete sich Jepkosgei verstärkt der Förderung junger Leichtathleten in Kenia. In der Nähe von Kapsabet richtete sie ein kostenloses Trainingslager ein, in dem junge Läufer Unterkunft und Betreuung erhalten. Zusätzlich organisierte sie Trainingsprogramme während der Schulferien, an denen 2021 rund 86 Nachwuchssportler teilnahmen. Ihr Engagement umfasst neben der sportlichen Ausbildung auch die Unterstützung von Schülern und lokalen Entwicklungsprojekten.

Zu den von ihr geförderten Athleten gehört der kenianische Mittelstreckenläufer Emmanuel Wanyonyi, dessen Talent sie früh erkannte und den sie bis zu seinem Sieg über 800 Meter bei den Juniorenweltmeisterschaften 2020 trainierte. Anschließend betreute sie ihn gemeinsam mit ihrem früheren Trainer Claudio Berardelli weiter. Wanyonyi gewann bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris die Goldmedaille über 800 Meter.

Seit 2022 ist Jepkosgei Cheftrainerin des U20-Flüchtlingsteams des Leichtathletikweltverbandes World Athletics. Das von der Schweizer Bildungswissenschaftlerin Barbara Moser-Mercer mitentwickelte Programm unterstützt junge Geflüchtete aus den kenianischen Flüchtlingssiedlungen Kakuma und Kalobeyei nahe der südsudanesischen Grenze. Es verbindet Leichtathletiktraining mit Schulbildung und vermittelt den Teilnehmern auch lebenspraktische Fähigkeiten. Jepkosgei betreut die Jugendlichen sowohl in den Flüchtlingssiedlungen als auch während gemeinsamer Trainingsaufenthalte in der Region Eldoret.

Im August 2024 übergab Jepkosgei während der Juniorenweltmeisterschaften in Lima das Trikot, das sie bei ihrem Weltmeisterschaftssieg 2007 in Osaka getragen hatte, an das Museum of World Athletics. Mit der Schenkung wollte sie nach eigenen Angaben die Geschichte des Laufsports bewahren und insbesondere junge Menschen für die Leichtathletik begeistern.

Bestzeiten 800 m: 1:56,04 min, 28. August 2007, Osaka 1000 m: 2:37,98 min, 28. August 2002, Rovereto 1500 m: 4:02,32 min, 16. September 2011, Brüssel

Literatur Peter Matthews (Hrsg.): Athletics 2007. SportsBooks, Cheltenham 2007, ISBN 978-1-899807-49-9.

Weblinks

, 28. August 2007

Einzelnachweise

Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2008 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2012 Kategorie:800-Meter-Läufer (Kenia) Kategorie:1500-Meter-Läufer (Kenia) Kategorie:4-mal-400-Meter-Staffel-Läufer (Kenia) Kategorie:Olympiateilnehmer (Kenia) Kategorie:Weltmeister (800-Meter-Lauf) Kategorie:Afrikameister (800-Meter-Lauf) Kategorie:Sieger bei den Commonwealth Games (Leichtathletik) Kategorie:Teilnehmer an den Commonwealth Games (Kenia) Kategorie:Leichtathletiktrainer Kategorie:Kenianer Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Frau