mini|Robert Ley (1933)rahmenlos|klasse=skin-invert-image Robert Ley (* 15. Februar 1890 in Nümbrecht-Niederbreidenbach, Rheinprovinz; † 25. Oktober 1945 in Nürnberg) war als Reichsleiter der NSDAP und Leiter des Einheitsverbands Deutsche Arbeitsfront einer der führenden Politiker zur Zeit des Nationalsozialismus. Er gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Angeklagten, beging aber vor Prozessbeginn Suizid.
Jugend, Studium, Erster Weltkrieg Robert Ley wuchs als Sohn des Bauern Friedrich Ley und dessen Frau Emilie (geb. Wald) im Oberbergischen Land östlich von Köln als siebtes von elf Kindern auf.
Nach dem Abitur 1910 schrieb sich Ley für Naturwissenschaften an den Universitäten Jena (fünf Semester)Verzeichnis der Studierenden Jena SS 1912, 43. und Bonn (zwei Semester) ein und wechselte danach an die Wilhelms-Universität Münster. In Jena wurde er Mitglied der Sängerschaft zu St. Pauli Jena.G. Kunze: Die Sängerschaft zu St. Pauli in Jena 1828–1928. Mit einem Verzeichnis der Mitglieder. Jena 1928, S. 350; Paul Meißner (Hrsg.): Verzeichnis der Mitglieder des Verbandes Alter Sängerschafter in Weimar e. V. Leipzig 1929, S. 10. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 gelang es ihm, sein Studium im Fach Lebensmittelchemie in Münster bis vor den Diplomabschluss (Staatsexamen) voranzubringen. Anschließend nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil; er wurde als Artillerist in den Schlachten von Verdun und an der Somme eingesetzt und bildete einen „Kompagniegesangverein“, der in Kampfpausen auftrat.Harald Lönnecker: Student und Soldat. Korporationsstudentisches Leben in deutschsprachigen Streitkräften im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: GDS-Archiv für Hochschul- und Studentengeschichte Band 11, 2021 (ISBN 978-3-939413-67-7), S. 137‒179. (hier: S. 167). Am 4. Juli 1916 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert und wechselte als fliegender Beobachter zur Fliegerabteilung 202 (Artillerie). Nur zwei Tage später stürzte Leys Flugzeug im Einsatz aus 3000 m Höhe bei Douai ab. Sein Pilot fand dabei den Tod und Ley erlitt eine zeitweilige Bewusstlosigkeit sowie einen Stirnlappenschaden. Nur drei Wochen später, am 29. Juli 1917, erhielt Ley bei einem weiteren Einsatz im Luftkampf von einem britischen Flugzeug einen Steckschuss im Oberschenkel. Sein Flugzeug stürzte vor den deutschen Linien ab und Ley geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Zur Rettung des Beins musste er sich sechs chirurgischen Eingriffen in einem französischen Feldlazarett unterziehen. Ley litt zeitlebens unter den schmerzhaften Folgen seiner Verwundungen, so dass auf sie auch die Entstehung seiner Alkoholkrankheit und seines gelegentlichen Stotterns zurückgeführt werden.Ronald Smelser: „Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Eine Biographie.“ Nachdem er erst im Januar 1920 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, promovierte er noch im selben Jahr in Chemie an der Universität Münster über Beiträge zur Kenntnis der gemischten Glyceride und erhielt zum 1. Februar 1921 eine gut dotierte Anstellung als Chemiker bei den Farbenfabriken Bayer in Wiesdorf, das 1930 in Leverkusen aufging.
Parteikarriere mini|Von links nach rechts: Philipp Bouhler, sein Adjutant Karl Freiherr Michel von Tüßling, Robert Ley mit seiner Frau Inga; München, Juli 1939 Der NSDAP trat Ley bereits 1923 bei und gründete im April 1924 die Ortsgruppe Wiesdorf des Völkisch-Sozialen Blocks, die Anfang 1925 in die NSDAP überführt wurde.Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5. Im Juni 1925 berief Adolf Hitler Ley zum Gauleiter von Rheinland-Süd, der im August 1926 in Wiesdorf einen ersten großen Aufmarsch mit Ley als Hauptredner veranstaltete.Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5. Ley war frühzeitig in Straßenschlachten und andere Tumulte verwickelt. Nach einer von Ley organisierten Kundgebung der NSDAP in Nastätten, in deren Verlauf es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam, wurde vom Kölner Polizeipräsidenten Otto Bauknecht im März 1927 ein zwölfmonatiges Verbot der NSDAP im Kölner Raum erlassen, das Bauknecht die Feindschaft der rheinischen NSDAP, namentlich von Ley, eintrug.Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5. Aufgrund seiner Alkoholsucht und wegen antisemitischer Angriffe auf den Bankier Max Warburg verlor Ley 1928 seine Beschäftigung bei den Farbenfabriken Bayer, die inzwischen Teil der I.G. Farben geworden waren, bei denen Warburg im Aufsichtsrat saß. Dennoch schloss das Unternehmen mit Ley einen Vertrag ab, demzufolge er noch drei Jahre lang ein Monatsgehalt von 850 Mark und für jedes Halbjahr einen zusätzlichen Betrag von bis zu 2000 Mark erhielt. Dies erklärt, woher ein Teil der Finanzierungen für seine eigene Gauzeitung (Westdeutscher Beobachter) und vermutlich auch für das 1930 von ihm gegründete Koblenzer Nationalblatt, eine Propagandazeitung der NSDAP für den Gau Moselland, stammten. Im Jahr 1928 war Ley zum hauptamtlichen Organisationsleiter der NSDAP im Gau Köln-Aachen ernannt worden und er wurde Mitglied des Preußischen Landtags. Im September 1930 erhielt Ley einen Sitz als Reichstagsabgeordneter der NSDAP.
In diesen Jahren entwickelte er sich zum fanatischen Redner und Agitator. Nach den Angaben seiner Tochter kam Ley mehrfach, 1931 für längere Zeit, in Haft. Aufgrund eines tätlichen Angriffs auf den SPD-Vorsitzenden Otto Wels und den Kölner Polizeipräsidenten Otto Bauknecht in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1932 wurde Ley in volltrunkenem Zustand verhaftet und verurteilt.Bericht in der Vossischen Zeitung vom 23. April 1932 (Abendausgabe)Anselm Weyer: Wie Gauleiter Robert Ley den Polizeipräsidenten verprügelte. In: Kölnische Rundschau, 31. Dezember 2020. In seiner journalistischen Tätigkeit spezialisierte sich Ley auf – vor allem gegen Juden gerichtete – verleumderische Artikel. Die Parteizeitung Westdeutscher Beobachter benutzte er für hasserfüllte Ausfälle gegen jüdische Warenhäuser und gegen „jüdische Finanzmacht“. Bei seinen Redeauftritten betonte er, dass die „Ausrottung der jüdischen Rasse“ in Europa ein Ziel des Nationalsozialismus sei. So erklärte er etwa im Mai 1942 in Karlsruhe, dass es nicht genüge, den „jüdischen Feind der Menschheit“ zu isolieren. Am 2. Juni 1942 sprach er vor Arbeitern in den Berliner Siemens-Werken: „Juda wird und muss fallen. Juda wird und muss vernichtet werden. Das ist unser heiliger Glaube.“
Ley neigte notorisch dazu, sich – unabhängig vom Thema – in blinde Rage zu reden und jeden Bezug zur Realität zu verlieren, indem er zum Beispiel Hitler buchstäbliche Allwissenheit attestierte oder die unmittelbar bevorstehende Eroberung des Mondes und aller Planeten ankündigte.
An der Spitze des NS-Regimes Nach dem Rücktritt von Gregor Strasser am 8. Dezember 1932 wurde Ley von Hitler im Dezember 1932 zum Reichsorganisationsleiter (ROL) der NSDAP ernannt, ohne jedoch die Machtfülle seines Vorgängers zu erreichen. Im Kampf um die Parteiführung unterlag er Rudolf Heß, der sich mit Unterstützung seines Stabsführers Martin Bormann durchsetzen konnte; Hitler ernannte Heß am 21. April 1933 zum Stellvertreter und erteilte ihm die Vollmacht, „in allen Fragen der Parteileitung“ in seinem Namen zu entscheiden.Peter Longerich: Hitlers Stellvertreter – Führung der Partei und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und die Partei-Kanzlei Bormann . München u. a., 1992, ISBN 3-598-11081-2, S. 8. Im November 1934 wurden Leys Aufgaben auf „Aufbau, Ausbau und Überwachung der inneren Organisation [sowie] Schulung und Personal-Statistik der Parteiorganisation“ beschränkt.Peter Longerich: Hitlers Stellvertreter..., S. 16. Zentrales Führungsorgan der NSDAP wurde hingegen der Stab des Stellvertreters des Führers, der 1941 in „Partei-Kanzlei“ umbenannt wurde.
Ley gehörte 1933 zu den Gründungsmitgliedern der von Hans Frank geführten Akademie für Deutsches Recht.Jahrbuch der Akademie für Deutsches Recht, 1. Jahrgang 1933/34. Hrsg. von Hans Frank. (München, Berlin, Leipzig: Schweitzer Verlag), S. 255. Er sah sich als „Erzieher“ und „Betreuer“ der Partei, indem er deren Schulung und Personalpolitik organisierte. Ihm waren die „NS-Ordensburgen“ und die Gestaltung der Nürnberger Reichsparteitage unterstellt. 1939 wurde Ley mit der Ehrensenatorwürde der TH Karlsruhe ausgezeichnet.Klaus-Peter Hoepke (Hrsg.): Geschichte der Fridericiana. Stationen in der Geschichte der Universität Karlsruhe (TH) von der Gründung 1825 bis zum Jahr 2000. Universitätsverlag Karlsruhe, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-86644-138-5, S. 126. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er die Aufsicht über das staatliche Wohnungsbauprogramm.
Unter Hinweis auf seine Verdienste bat er 1940 Hitler um eine Dotation, die ihm in Höhe von einer Million Reichsmark gewährt wurde.Gerd_R._Ueberschär, Winfried_Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0.
Organisator der Deutschen Arbeitsfront mini|Tullio Cianetti, Robert Ley, 1936 mini|Reklame für einen bunten Abend der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ im Gau Kurhessen Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde er Leiter des Aktionskomitees zum Schutz der Deutschen Arbeit, dessen Aufgabe die Auflösung und Übernahme der Gewerkschaften war. Das Aktionskomitee wurde wenig später in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt, deren Leiter Robert Ley bis 1945 war.
Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 wurde am 10. Mai 1933 in Berlin die DAF gegründet. In der ersten Entwicklungsetappe bis Ende 1933 enthielten die neu gebildeten Gesamtverbände der deutschen Arbeiter und der deutschen Angestellten sowie der Große und Kleine Arbeitskonvent noch Konzessionen an den tief verwurzelten Gewerkschaftsgedanken. Beginnend mit dem 27. November 1933, als das Zentralbüro der DAF mit den Reichsbetriebsgemeinschaften, den Gauwaltungen der DAF mit den Gaubetriebsgemeinschaften und Betriebsgemeinschaften gegründet wurde, setzte Ley das Führerprinzip in vollem Umfange durch.
Somit gelang es Ley, in der DAF die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten und die Betriebe in wachsendem Maße durch Betriebsappelle und sogenannte Werkscharen zu militarisieren. Die DAF schloss sich als Verband der NSDAP an. Ihr Charakter wurde allerdings durch eine exzessive soziale Demagogie verschleiert. Das Bild des Arbeiters sollte nach dem Selbstverständnis der DAF einer „Organisation aller schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust“ entsprechen, mit dem Anspruch, den Arbeiter „zum gleichberechtigten und geachteten Mitglied der Nation“ gemacht zu haben. Dieses Bild, welches an die Mentalität des Frontsoldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs anknüpfte, sollte das Kampfverhalten in den Betrieben fördern, was genau dem sozialdarwinistischen Leitbild vom Menschen in der NSDAP entsprach: der Mensch als Kämpfer gegen seine Feinde.
Die Mitgliederzahlen der DAF betrugen 5.320.000 im Juli 1933, 16.000.000 im Juni 1934 und 25.000.000 im Dezember 1942, womit sie die größte Massenorganisation im NS-Staat wurde. Sie führte die Gleichschaltung der Arbeits- und Freizeitwelt der Deutschen im Sinne des Nationalsozialismus durch (unter anderem durch die Organisation der Sozialversicherungen und die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, die im Deutschen Reich der 1930er Jahre zum größten Reiseveranstalter wurde).