mini|Die Albertina mit der lange umstrittenen „Soravia Wing“ (errichtet 2003) mini|Ansicht der Albertina mit dem Albrechtsbrunnen vom Dach der Staatsoper, im Januar 2015 mini|Außenansicht der Albertina mit Soravia Wing und Erzherzog-Albrecht-Denkmal (2021) mini|Zweigstelle „Albertina modern“ am Karlsplatz (2020) Die Albertina ist ein Kunstmuseum im 1. Wiener Gemeindebezirk, der Inneren Stadt. Sie beherbergt unter anderem eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt.

Die Albertina beinhaltet drei Standorte: Das Haupthaus der Albertina ist im Palais Erzherzog Albrecht untergebracht, einer historischen Residenz der Habsburger. Das Kunstmuseum beherbergt einen einzigartigen Tiefspeicher, in dem über eine Million Kunstwerke verwahrt werden. Die Albertina zeigt Kunst aus sechs Jahrhunderten, von der Gotik bis heute. Albertina Modern: Der zweite, 2020 eröffnete Standort der Albertina befindet sich im Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz. Hier wird Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart gezeigt. Albertina Klosterneuburg: Im April 2024 wurde das ehemalige Essl-Museum nach fast acht Jahren als Albertina Klosterneuburg wiedereröffnet. Der preisgekrönte Museumsbau von Heinz Tesar wird seit 2017 von der ALBERTINA umfassend genutzt: das Depot, Restaurierwerkstätten, die Bibliothek für Gegenwartskunst, ein Fotoatelier sowie eine Rahmentischlerei befinden sich vor Ort. Der Standort widmet sich der Kunst nach 1945.

Museum Das Museum ist im Palais Erzherzog Albrecht untergebracht, einer historischen Residenz der Habsburger. Der Name Albertina bezieht sich auf Albert Casimir Herzog von Sachsen-Teschen, Schwiegersohn von Erzherzogin bzw. Kaisergattin Maria Theresia, der die Sammlung 1776 in Pressburg gründete, wo er als Vertreter von Maria Theresia für das Königreich Ungarn residierte. 1792 konnte er einen Großteil der Sammlung aus den Österreichischen Niederlanden, wo er später als Vertreter des österreichischen Monarchen amtiert hatte, nach Wien bringen. Die enzyklopädisch und universalistisch angelegte Sammlung umfasst rund eine Million Zeichnungen und druckgrafische Blätter von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Seit das Museum 2007 die Leihgabe der Privatsammlung Batliner erhielt, wird ein Teil der Ausstellungsfläche nicht mehr für die Präsentation der grafischen Sammlung verwendet, sondern für eine permanente Schau zur klassischen Moderne: „Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner“. Aufbewahrt werden die Sammlungen der Albertina in einem vollautomatischen Hochregallager.

Sammlung Die Sammlung Herzog Alberts zählt weltweit zu den bedeutendsten Kunstsammlungen. Über 50 Jahre nutzte er ein europaweit agierendes Netzwerk von Händlern sowie Auktionen von umfangreichen Privatsammlungen, um 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken zu erwerben. Viele der Meisterzeichnungen – von Michelangelos Männerakten über Dürers „Feldhasen“ bis zu Rubens’ Kinderporträts – zählen heute zu den berühmtesten Werken der Kunstgeschichte.

Wichtigste Impulse zur Anlage der Sammlung erhielt Herzog Albert von seiner kunstinteressierten und kunstsinnigen Gemahlin, Erzherzogin Maria Christine, die ihn durch ihr enormes Vermögen auch finanziell unterstützen konnte. In der herzoglichen Sammlung befinden sich Werke von Künstlern des frühen 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Von Beginn an gliederte Herzog Albert seine Sammlung systematisch nach kunsthistorischen Kriterien, nach Schulen und Kunst-Landschaften. Die Deutschen und Österreicher nehmen den ersten Platz ein, gefolgt von den Werken niederländischer, italienischer und französischer Künstler.

In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens erwarb Albert zunehmend Werke zeitgenössischer Künstler („Maîtres modernes“). Sie machen rund ein Drittel seiner Zeichnungssammlung aus. Alle Zeichnungen aus Alberts Besitz sind mit einem vom Herzog selbst entworfenen Prägestempel versehen: sein Monogramm „AS“ für Albert von Sachsen. Eine Vorliebe Herzog Alberts waren neben Historien- und Genredarstellungen vor allem Landschaften. Der Sammler bevorzugte sorgfältig durchgezeichnete und farbig oder mit Lavierung bildmäßig ausgearbeitete Werke: Die Zeichnung interessierte ihn weniger als Dokument eines künstlerischen Schaffensprozesses, sondern als ein dem Gemälde äquivalentes Werk mit eigenen, nur der „lichten“ Zeichnung innewohnenden, ästhetischen Qualitäten.

1816 bestimmte Herzog Albert seine Grafiksammlung zum unteilbaren und unveräußerbaren Fideikommiss, wodurch sie 1822 zunächst an seinen Universalerben und Adoptivsohn Erzherzog Karl fiel und nach diesem von den Erzherzögen Albrecht (Statue vor dem Palais) und Friedrich, beide wie Karl Feldherren der Monarchie, verwaltet wurde. Als habsburgischer Fideikommiss fielen Gebäude und Kunstsammlung nach dem Ende der Monarchie unter das Habsburgergesetz und gingen daher im April 1919 in österreichisches Staatseigentum über. Die Sammlung konnte bis heute komplett erhalten werden.

Die 25.000 Bände umfassende Bibliothek und das Mobiliar waren hingegen zuletzt Privateigentum von Erzherzog Friedrich, wurden von ihm 1919 abtransportiert und sind seither an diverse Käufer übergegangen. Die Albertina hat jedoch in den letzten Jahren einige Einrichtungsgegenstände, die zur originalgetreuen Ausstattung der habsburgischen Repräsentationsräume im Palais wesentlich waren, angekauft.

Geschichte des Palais mini|Das Palais Herzog Alberts mit der Augustinerbastei, 1816

1744 ließ Maria Theresia für ihren engen Freund und Berater Don Emanuel Teles da Silva Conde Tarouca das Palais errichten. Architekt war Mauro Ignazio Valmaggini. 1792 mussten Albert und Marie Christine aufgrund von Krieg und Revolution aus Schloss Laeken in den Österreichischen Niederlanden, wo sie als Statthalter fungierten, flüchten. Zurück in Wien, benötigte das Paar eine standesgemäße Unterkunft, woraufhin Kaiser Franz II. ihnen 1794 das Palais auf der Augustinerbastei – die heutige Albertina – schenkte.

Albert ließ das Gebäude zunächst für seine Grafiksammlung und die Bibliothek adaptieren und in der Folge durch einen Repräsentationsflügel (zwischen 1802 und 1804) erweitern. Die 150 Meter lange Fassade demonstrierte dem nebenan in der Hofburg residierenden Kaiser eindrucksvoll die finanzielle Potenz und das Selbstwertgefühl des Herzogs. Die mitgenommenen Ausstattungsstücke aus Schloss Laeken wie Möbel, Fensterläden und Wandvertäfelungen wurden in die neuen Prunkräume integriert. Seidenbespannungen aus Lyon, kunstvolle Intarsienböden und vergoldete Kristallluster ergänzten das prächtige Erscheinungsbild.

Geschichte der Sammlung Wien und der Kaiserhof um 1780 Der Kaiserhof in Wien präsentierte sich während der Regentschaft von Maria Theresia in höfischer Pracht und spätbarockem Glanz. Sie regierte die Länder der Habsburgermonarchie und ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen herrschte seit 1745 als Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Landesmutter sicherte den Fortbestand der Dynastie durch 16 Kinder, und Franz I. Stephan generierte als Wirtschaftsmagnat ein gigantisches Vermögen, das als Familienfonds seine Nachkommen finanziell versorgen würde. Der Alltag der kaiserlichen Familie war streng reglementiert, weshalb auch die Kindererziehung strikten Vorgaben unterlag. Ab dem vierten Lebensjahr wurden Sprachen, Geschichte, Religion, Musik und Tanz unterrichtet; wissenschaftliche und künstlerische Interessen wurden früh gefördert. Erzherzogin Marie Christine war eine talentierte Zeichnerin, die zeitlebens nach Vorlagen niederländischer und französischer Meister kopierte. Sie reifte bis 1765 zu einer stolzen, selbstbewussten und kultivierten „Grande Dame“ heran, die aufgrund ihrer Bildung und Repräsentation den dynastischen Ansprüchen des Hauses Habsburg-Lothringen gerecht werden konnte.

Albert und Marie Christine mini|Erzherzogin Marie Christine, 1778 Maria Theresia sah ihre Kinder als dynastisches Kapital an und suchte die Ehepartner ihrer Kinder nicht ohne politisches Kalkül aus. Prinz Albert Kasimir von Sachsen-Teschen lernte die 17-jährige Marie Christine 1760 kennen, als er seine Tante Maria Theresia in Wien besuchte. Erst ab dem Frühjahr 1764 erwiderte sie seine leidenschaftlichen Gefühle und die Monarchin gewährte ihrer bevorzugten Tochter eine Liebesheirat mit dem feschen Sachsen. Das Vermählungsfest fand noch während der Trauerzeit für den verstorbenen Kaiser Franz I. Stephan am 2. April 1766 in der Wiener Hofburg statt. Die Unterzeichnung des Ehevertrags am 5. April 1766 bescherte Prinz Albert eine Frau mit einem Vermögen von 4 Millionen Gulden (ca. 63 Mio. Euro). Während Marie Christine den Titel einer Erzherzogin zeitlebens beibehalten durfte, erhielt ihr rangniedrigerer Bräutigam Wappen und Titel des Herzogtums Teschen und nannte sich fortan Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Die Hochzeit wurde am 6. April 1766 im kleinen, familiären Rahmen und „incognito“ in Schloss Hof gefeiert. Der Liebesheirat folgte eine glückliche Ehe. „Mimi“ und „Berti“, so die intimen Kosenamen, verband zeitlebens eine innige und leidenschaftliche Liebe. Maria Theresia ernannte ihren Schwiegersohn zum Reichsfeldmarschall und Locumtenens (Statthalter) von Ungarn; ab April 1766 residierte das Ehepaar im königlichen Schloss zu Preßburg.

mini|Herzog Albert, 1777 Herzog Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Marie Christine waren keine regierenden Monarchen, aber sie gehörten durch ihre hohe Geburt zur europäischen Elite. Ämter und Würden des Paares – sie vertrat in Ungarn und in den Österreichischen Niederlanden (dort war sie Mitregentin ihres Gatten) die Dynastie, er nahm als Reichs(general)feldmarschall, Locumtenens, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens, in den Niederlanden vor allem als Generalgouverneur, hohe militärische, politische und gesellschaftliche Positionen ein – äußerten sich in einem aufwendigen Lebensstil. Ihr feudales Repräsentationsbedürfnis spiegelte sich in einem umfangreichen Hofstaat, illustren Festen und erlesenen Jagdgesellschaften wider. Die Residenzschlösser in Preßburg und Brüssel sowie das Wiener Palais beherbergten einzigartige Ausstattungen; prächtige Gobelins aus den königlich-französischen Hofmanufakturen, kostbarstes Tafelsilber, exquisite Möbel und edle Büsten von Josiah Wedgwood. Einen besonders hohen Stellenwert genoss die 25.000 Bände umfassende Bibliothek, die zu den bedeutendsten des Kontinents gehörte. Hohe Bildung, exzellenter Kunstverstand und erlesener Geschmack wiesen Albert und Marie Christine als „Grand Homme“ und „Grande Dame“ aus.

Reise nach Italien Das Paar unternahm von Jänner bis Juli 1776 eine Bildungsreise nach Italien. Die Route beinhaltete Besuche an den Höfen von Marie Christines Geschwistern in Parma, Florenz, Neapel und Modena sowie einen Aufenthalt in Rom. Ebendort besichtigten sie neben antiken Monumenten und barocken Sakralbauten die Vatikanischen Museen mit dem Pio Clementino sowie die Paläste der Nobilità mit ihren bedeutenden Privatsammlungen. Papst Pius VI. gewährte dem hohen Paar mehrfach Audienz und überreichte ihm wertvolle Geschenke. In Neapel interessierte sich Herzog Albert für Naturphänomene und bestieg mit dem britischen Botschafter Sir William Hamilton den Vesuv. Marie Christine verbrachte viel Zeit mit der Hofgesellschaft und ihrer Lieblingsschwester Königin Marie Caroline, die ihr zur Abreise mehrere Gemälde von Jakob Philipp Hackert schenkte. Am Florentiner Hof Großherzog Leopolds hielt sich das Paar am längsten auf. Das Verhältnis zum Bruder war herzlich und das kulturelle und gesellschaftliche Leben bot viel Abwechslung. Albert besichtigte gleich dreimal die prachtvollen Sammlungen in den Uffizien.

Grundsteinlegung der Sammlung 1776