mini|240-l-Bio-Tonne in Berlin Die Biotonne ist ein Behälter aus Kunststoff mit Deckel, in dem die im Haushalt anfallenden biologisch verwertbaren Abfallstoffe entsorgt werden können. In Deutschland und Österreich ist die Biotonne braun oder grün gefärbt, in der Schweiz stehen grüne Behälter im Einsatz. (PDF-Datei; 861 kB) Im Gegensatz zur übrigen Abfallentsorgung ist die dort Grünabfuhr genannte Entsorgung je nach Gemeinde extrem unterschiedlich oder sogar gar nicht organisiert. Zürich z. B. bot seine Grünabfuhr erst im Jahr 2013 an.Inexistente Biotonnen in Zürich

Mengenstatistik und Anschlussrate Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2006 in Deutschland 12,4 Mio. Tonnen organische Abfälle in 1.742 biologischen Behandlungsanlagen (einschließlich Vergärung) behandelt. 7,6 Mio. Tonnen wurden kompostiert. Das darüber hinaus erschließbare Potential wird auf 2–4 Mio. Tonnen organischer Abfälle geschätzt.

Mit Stand Dezember 2002 war in etwa 79 % aller abfallwirtschaftlichen Verwaltungseinheiten das System Biotonne eingeführt. Der durchschnittliche Anschlussgrad innerhalb der Verwaltungseinheiten mit Biotonne betrug ca. 56 % der Einwohner. Damit waren ca. 47 % der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland an eine Bioabfallerfassung mit Biotonnen angeschlossen. In: Die Zukunft der Getrenntsammlung von Bioabfällen. Schriftenreihe des ANS 44, Orbitverlag, Weimar, S. 11–64, Abschnitt 3.1.1. Rund 15 Mio. Einwohner leben in Gebietskörperschaften, die noch nicht an die Biotonne angeschlossen sind. In Gebieten mit eingeführter Biotonne liegt die mittlere Anschlussquote bei rund 60 %, das heißt, in diesen Gebieten nutzen etwa 36 Mio. Einwohner die Biotonne nicht.Ausbau der Bioabfallsammlung möglich. (PDF-Datei; 886 kB) In: Humuswirtschaft & Kompost. 2 (2008), S. 1 f.

Fricke hat 2003 und in den Jahren davor genaue Untersuchungen hinsichtlich des häuslichen Wegwerfverhaltens unternommen. Im Ergebnis wurde der Anteil pflanzlicher Abfälle im Hausmüll bei 48 Gewichtsprozenten ermittelt.

Die Biotonne wurde gemäß Abs. 1 Kreislaufwirtschaftsgesetz in ganz Deutschland zum 1. Januar 2015 verpflichtend eingeführt, so dass aktuell eine Anschlussquote von 100 % erreicht sein sollte. Nach der aktuellen Fassung des KrWG ist allerdings der §11 Abs. 1 weggefallen.

Gebühr und Anschlusszwang Für die Bereitstellung einer Biotonne wird zumeist von den Entsorgungsunternehmen eine gesonderte Gebühr erhoben. Der Anschlusszwang an die Biotonne wird allerdings in den abfallwirtschaftlichen Verwaltungseinheiten sehr unterschiedlich gehandhabt. So bestand 1997 in 59 % der Verwaltungseinheiten mit Bioabfallerfassung ein Anschlusszwang. Jedoch boten mehr als 90 % dieser Verwaltungseinheiten mit Anschlusszwang durch schriftlichen Nachweis der Eigenkompostierung eine Befreiung vom Abschluss an – in 52 % der Einheiten mit Anschlusszwang konnte auch eine gemeinschaftliche Nutzung einer Biotonne mit Nachbargrundstücken erfolgen.

Im Leitsatz zur Berücksichtigung der Bioabfallentsorgung bei der Abfallentsorgungsgebühr erkennt das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht als Recht:, Az. 9 LA 87/05, Volltext.

„Der Satzungsgeber muss durch die Gebührenregelung einen Anreiz zur Trennung der Abfallfraktionen geben; die Gebührenregelung soll die Akzeptanz der Bioabfalltonne bewirken; die Eigenkompostierung darf nicht verboten oder unzumutbar erschwert werden; dem Bürger darf nicht über einen ‚finanziellen Anschlusszwang‘ eine Biotonne aufgezwungen werden.“

Ähnlich entschied das Verwaltungsgericht Köln;VG Köln, Urteil vom 26. Februar 2002, Az. 14 K 5990/00, Volltext. hier wurde dem Satzungsgeber die Möglichkeit verschafft, zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Bioabfallerfassung und -verwertung auch diejenigen mit Kosten der Biotonne zu belasten, die diese nicht nutzen. Einen Gebührenabschlag für die praktizierte Eigenkompostierung schließe dies entsprechend dem Regierungsentwurf zum LAbfG NW nicht aus. In: Humuswirtschaft & Kompost. 3 (2003), S. 195.

Sammelsysteme miniatur|rechts|Biotonne mit Biofilterdeckel mini|Funktion des Biofilterdeckels mini|Biotonne mit seitlichen Belüftungslöchern Zur Einführung der Biotonne Anfang der 1990er Jahre wurden Standard-Müllgroßbehälter (MGB) benutzt, wie sie auch heute noch für die Sammlung von Restabfällen üblich sind. Schnell merkte man jedoch, dass die Belastung durch Ungeziefer und Faulgase aus dem Behälter zu Beschwerden in der Bevölkerung führte. Aus diesem Grund wurden verschiedene Behälterentwicklungen vorangetrieben. Zunächst wurden Behälter mit Belüftungslöchern bzw. Belüftungsschlitzen angeboten, später gab es Behälter mit antibakteriell wirkenden Beschichtungen im Kunststoff. Eine weitere Entwicklung war Mitte der 1990er Jahre ein dichtschließender Bio-Filterdeckel für Biotonnen.

In belüfteten Behältern sollte der Bioabfall schon im Behälter vortrocknen, um so eine Geruchsentwicklung zu vermeiden. Die Sammlung in belüfteten Behältern funktioniert nur bei reinen Grün- und Gartenabfällen. Sie hat sich aber bei der Sammlung von Küchenabfällen und Speiseresten nicht bewährt. Die Ursache dafür liegt darin, dass Fliegen weiterhin ungehindert Zugang in das Gefäß finden, so dass eine massenhafte Madenentwicklung im Sommer unvermeidbar war. Auch das Belüften der Speisereste in der Biotonne minderte die Geruchsbelästigung nicht. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) stellt hierzu fest: „Zur Bioabfallsammlung soll ein möglichst dicht schließender Behälter und keine unkontrolliert belüftete Biotonne verwendet werden. Damit wird die Anlockung wie auch die Zutrittsmöglichkeit von Fliegen verringert. Eine offene Belüftung verstärkt den Fliegenanflug, während sich die damit angestrebte Geruchsminimierung nicht nachweisen ließ. Daher sollten die Behälterdeckel ständig geschlossen und der Behälterrand möglichst sauber gehalten werden.“BMU:, 1. September 2002.

Bei dem antibakteriell beschichteten Behälter wird der Wirkstoff Triclosan direkt bei der Behälterproduktion dem Kunststoffgranulat beigemischt und wandert während der gesamten Lebensdauer des Behälters an die Kunststoffoberfläche. Dort soll er die Anhaftung von Bakterien und Pilzen verhindern. Er wirkt jedoch nur dort, wo der Bioabfall an den Innenwandungen Kontakt zum Behälter hat. Außerdem sollte nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) die Substanz aufgrund der offenen Fragen hinsichtlich der Resistenzentwicklung ausschließlich als Desinfektionsmittel im medizinischen/tiermedizinischen Bereich eingesetzt und nicht als Additiv für Gebrauchsgegenstände zugelassen werden.BfR: BfR unterstützt Verwendungsverbot von Triclosan in Lebensmittelbedarfsgegenständen, 12. Juni 2009.BfR: Triclosan nur im ärztlichen Bereich anwenden, um Resistenzbildungen vorzubeugen (PDF; 123 kB), 8. Mai 2006.

Der Behälter mit dichtschließendem Bio-Filterdeckel hat sich in der Praxis bewährt. Mit seiner umlaufenden Gummidichtung schließt er den Behälter ab und hält Fliegen und Maden fern. Im Kernstück des Filterdeckels, dem Biofilter, bauen Mikroorganismen im Filtermaterial Geruchsstoffe ab. Gleichzeitig werden durch die Feuchtigkeit in der Biotonne Schimmelpilzsporen im Wasserfilm gebunden, damit wird die Ausbreitung gesundheitsgefährdender Sporen gebremst. Das Filtermaterial auf Basis von Kokosfasern muss nur alle zwei Jahre gewechselt werden. Es wird nach dem Austausch über die Biotonne entsorgt. Mit dieser Behältertechnologie soll ermöglicht werden, das Abfuhrintervall ohne Hygiene- und Akzeptanzeinbußen auf einen mindestens 14-täglichen Rhythmus zu strecken oder ein modernes Behältersystem mit Transponder einzusetzen, um nach Anzahl der Behälterleerungen abzurechnen.

Verarbeitung und Verbleib Der biologische Abbau bzw. Umbau organischer Abfälle durch Mikroorganismen unter aeroben Bedingungen (mit Luftsauerstoff) wird als Kompostierung bezeichnet. Für diesen mikrobiologischen Abbauprozess ist eine ausreichende Feuchtigkeit (Versorgung der Mikroorganismen mit Nährstoffen in wässriger Lösung) und Zufuhr von Luftsauerstoff erforderlich. Bei der Kompostierung wird durch Mischung von feuchtem, z. T. strukturarmen Bioabfall mit zerkleinerten Gartenabfällen eine gut durchlüftungsfähige Materialstruktur eingestellt. Anschließend erfolgt durch das Umsetzen des Haufwerks (Miete) mit beispielsweise Radladern, Umsetzern oder – bei der Eigenkompostierung – von Hand. In Kompostwerken erfolgt häufig zusätzlich eine gezielte Be- oder Entlüftung der Mieten.

Verfahrensschritte im Kompostwerk Annahme und Sichtung des Bioabfalls – Aussortierung von Störstoffen über beispielsweise Magnetabscheider, Windsichter etc. – Durchmischung der Bioabfälle (Struktureinstellung) – Aufsetzen der Miete – Umsetzen und Belüftung – Absiebung des Kompostmaterials.kompost.de: W. Bidlingmaier: Biologische Abfallverwertung. Ulmer Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3208-7.Ulrike Stadtmüller: Grundlagen der Bioabfallwirtschaft, Lehr- und Handbuch. TK Verlag Karl Thome-Kozmiensky, Neuruppin 2004.

Vermarktung Die Auswertung der Absatz- und Vermarktungswege von 3 Mio. Tonnen Kompost zeigen, dass die Landwirtschaft mit mehr als 50 % der wichtigste Abnehmer ist. Kompost wird hier als Mehrnährstoff- und Humusdünger eingesetzt. Dieser Bereich hat nicht zuletzt durch die gestiegenen Düngemittelpreise einen deutlichen Zuwachs erfahren. Des Weiteren wird Kompost u. a. auch als Substratkomponente in den Bereichen Hobbygartenbau, Rekultivierung und Landschaftsbau eingesetzt.Mehr als 6 Millionen Tonnen Bioabfälle. (PDF-Datei; 728 kB) In: Humuswirtschaft & Kompost. 5 (2008), S. 1 f.

Absatzstruktur Die Absatzstruktur ist im Einzelfall sehr stark durch die regionalen Gegebenheiten bestimmt. In ländlichen Gebieten mit geringen landschaftsbaulichen Aktivitäten nimmt die Landwirtschaft das größte Nachfragepotential ein. Andere Absatzbereiche sind hier weniger gefragt. Anders ist die Absatzlage in vielfältig strukturierten Regionen, wo vermehrt auch Kompost durch den Landschafts-, Hobby- und Erwerbsgartenbau oder für den Einsatz in Sonderkulturen nachgefragt wird.

miniatur|Ländliche Kompostierungsanlage für Biomüll und Gartenabfälle miniatur|Aus Biomüll aussortierte Störstoffe

Geschichte Schon 1937 versuchte man in Deutschland, Küchenabfälle sinnvoll zu verwerten. In der DDR wurden Speisereste und Küchenabfälle ab 1953 gesammelt und regionalen Schweinemastbetrieben als Futterrohstoff zugeführt.Bundesarchiv, B 116 Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. – Aktenplanhauptgruppe 2, Band 1 Schweinemast aus Küchenabfällen 1947–1953.