Das Schloss Sonderburg (dänisch Sønderborg Slot) in der süddänischen Stadt Sonderburg gehört zu den ältesten Profanbauten von Sønderjylland. Es war der namensgebende Stammsitz des Adelshauses Schleswig-Holstein-Sonderburg und der hieraus hervorgehenden Nebenlinien. Das Schloss beherbergt heute ein Museum.

Architektur des Schlosses Das Schloss Sonderburg ist eine vierflügelige, annähernd rhombusförmige Anlage um einen Innenhof. Der gesamte, dreistöckige Schlossbau ist aus Backstein errichtet und ruht auf einem Fundament aus mächtigen Steinquadern. Von den ursprünglichen – seit der Renaissance mit mächtigen Hauben bekrönten – Wehrtürmen, welche die Ecken des Gebäudes schützten und betonten, sind heute fast nur noch die Fundamente vorhanden. Lediglich an der nordwestlichen Ecke des Schlosses hat sich ein stumpfer Turmansatz erhalten. In der Nordmauer ist noch der mittelalterliche Zugang zur Burg zu erkennen, der heute aber zugemauert ist.Sønderborg Schlossmuseum. S. 1 (zwölfseitiger Museumsführer aus 1980er Jahren). Der heutige breitere Zugang der auf den weiten Innenhof der Burg führt, befindet sich auf der Ostseite. Geziert wird der Innenhof durch drei schlanke Treppentürme.

Der Zuschnitt einiger Burginnenräume ist offenbar im Urzustand erhalten geblieben. Von den Sälen des Schlosses sind besonders der 34 Meter lange Rittersaal und die 1568 bis 1570 im Auftrage Dorotheas von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg erbaute Schlosskapelle der Renaissance hervorzuheben. Auch die ehemaligen Kerkeranlagen sind in Teilen zugänglich. Während der Renaissance waren Giebel und Gauben noch mit zeittypischen Dekorationselementen versehen, die bei den Umbauarbeiten des 18. Jahrhunderts entfernt wurden. Das Schloss weist seitdem strenge Fassaden auf, die lediglich durch die große Anzahl an Fenstern belebt werden.

Die äußeren Befestigungsanlagen, die das Schloss einst umgaben und zu einer starken Festung machten, wurden größtenteils abgetragen. Überreste dieser sind insbesondere noch auf der Ostseite erkennbar.

Geschichte mini|Ausgestellte Kanone beim Sonderburger Schloss Entstehung Über die Jahrhunderte entstanden nach und nach an verschiedenen Stellen entlang der Flensburger Förde Burgen und Schlösser.Vom Burgenland an der Flensburger Förde. In: Flensburg Journal; abgerufen am 16. April 2018 Die erste Festung am Standort des heutigen Sonderburger Schlosses wurde wohl im 12. Jahrhundert auf Veranlassung des dänischen Königs Waldemar I. als Trutzburg gegen seeräuberische Angriffe der Wenden errichtet.Martin Becker: Kulturlandschaft Flensburger Förde, 2006, S. 93 Sie bestand damals offenbar im Wesentlichen nur aus einem einzelnen schweren Burgturm, dessen Überreste sich heute hinter den Mauern der Nordostecke befinden. Aufgrund ihrer Lage wurde diese Turmburg an der Flensburger Förde, die am Zugang zum Alsensund, auf der Seite der Insel Als (deutsch: Alsen), auf einem natürlichen Werder liegt, als Sønderborg, Südburg, bezeichnet. Analog dazu wurde die nördlich gelegene Alsenburg in Nordburg umbenannt.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig. Band 1. Flensburg 1840, S. 317; books.google.de

Eine erste Überlieferung zur Burg stammt aus dem Jahr 1253. Im besagten Jahr eroberte König Christoph I. von Dänemark die Burg und ließ ihre Festungsmauern schleifen.Andreas Ludwig Jacob Michelsen: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg. Band 4. Altona 1840, S. 281; books.google.de Dennoch die namensgebende Burg sollte weiter bestehen und wurde offensichtlich neu aufgebaut. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Burgturm durch einen schwereren Turm abgelöst. Des Weiteren wurde der Turm in einem weiteren Schritt durch Wehrmauern ergänzt, die das schiefe Viereck bildeten, dass dem heutigen Grundriss des Schlosses entspricht. Damals diente die Burg offenbar auch schon als eine Art Gefängnis, denn Herzog Waldemar IV. von Schleswig, ließ dort im Jahr 1289 den Reichstruchseß Peder Höfel, den er für den Mörder des Königs Erich Klipping hielt, für lange Zeit gefangen halten.

Seit den 1350er Jahren wurde die Burg massiv ausgebaut und erweitert. Um 1375 wurde der Burganlage an der Südostecke ein weiterer Turm hinzugefügt.Sønderborg Schlossmuseum. S. 2 (zwölfseitiger Museumsführer aus 1980er Jahren). Die Ausbauten des 14. Jahrhunderts gingen einher mit verschiedenen Auseinandersetzungen rundum die Burg. — Im Schatten der Burg wuchs im Übrigen der gleichnamige Ort Sonderburg heran, welcher bis zum 15. Jahrhundert zu einer Stadt reifte.

mini|hochkant|König Christian II. ließ sich von Lucas Cranach malen. Dieses Bild aus Leipzig entspricht dem, das heute in der Sonderburg hängt. Auseinandersetzungen seit dem 14. bis zum 15. Jahrhundert 1325 eroberte Christoph II. im Krieg mit den holsteinischen Grafen die Burg. Im darauf folgenden Jahren verlor er jedoch den Krieg und die Krone. König Waldemar Atterdag heiratete 1340 Helvig, die Schwester von Herzog Waldemar V., welcher zuvor von 1326 bis 1330 als Waldemar III. dänischer König gewesen war, auf dem herzöglichen Schloss Sonderburg. Um 1353 war die Sonderburg die Residenz des Herzogs Waldemar V. Dem zuvor waren mehrere schleswigsche Distrikte zusammen mit dem Schloss Gottorf, pfandweise an die Grafen von Holstein abgetreten worden. Das friedliche Verhältnis zwischen dem König und dem Herzog endete letztlich. Im Jahr 1358 belagerte der König die Sonderburg. Der Herzog soll jedoch abwesend gewesen sein. Daher ging die Herzogin Regitze mit ihren Frauen ins Lager des Königs und erreichte mit ihrem Bitten, dass Schloss und Land verschont wurden. Nach dem Tod des Herzogs im Jahr 1364 wurde die Sonderburg ihr zum Witwensitz angewiesen. Die Witwe begab sich in den Schutz des Königs. Um 1373 besetzte der König das Schloss. Als dieser 1375 starb, übergab der damalige Amtmann, Hr. Henning Meynstrup, die Sonderburg den Holsteinern.Andreas Ludwig Jacob Michelsen: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg. Band 4, Altona 1840, S. 282; books.google.de

Ab 1410 kam es in der Förderegion zu verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen. Der König der Kalmarer Union, Erich von Pommern stritt sich mit der Hanse und den schauenburgischen Grafen von Holstein, um Geld, Macht und Einfluss. Im 25 Kilometer entfernten Flensburg wurde in diesem Zusammenhang mehrfach die neu errichtete Duburg belagert. Aber auch das Schloss Sonderburg wurde zum Schauplatz von Gefechten dieser Zeit. Es wurde noch im Jahr 1410 vom König Erich von Pommern belagert, jedoch nicht erobert. Nach der gescheiterten Belagerung ließ der König den Ritter Hr. Abraham Brodersen hinrichten. 1430 ließ König Erich eine Flotte ausrüsten, die er unter den Befehl des Ritters Erich Krummediek setzte. Als die holsteinischen Grafen davon erfuhren, dass diese Flotte die Insel Alsen erobern sollte, befestigten sie die Insel und besonders das Schloss Sonderburg. Sie besetzten die Insel mit Vitalinern,Die Vitalienbrüder wurden auch Vitaliner genannt; Vgl. Heinrich Christian Zietz: Ansichten der freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen, S. 391 die sie von der Hanse erhielten, und das Schloss mit zusätzlichen hanseatischen Soldaten. Erich Krummendiek büßte einen Teil seiner Flotte während eines Sturmes ein. Auf Grund der stärkeren Verteidigung war eine Landung seiner restlichen Truppen nicht mehr möglich.Andreas Ludwig Jacob Michelsen: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg. Band 2. Altona 1834, S. 429; books.google.de

1445 heiratete Christoph von Bayern, König von Dänemark und von Norwegen und von Schweden, die 15-jährige Dorothea von Brandenburg, welcher er die Sonderburg als Leibgedinge bestimmte. Nach dessen Tod heiratete König Christian I. die Witwe seines Vorgängers. Gerhard der Mutige, der Bruder des neuen Königs, beanspruchte nach dem Tod des Onkels Adolf VIII. einen Erbschaftsanteil. 1464 gelang es Gerhard, sich mehrerer Schlösser in den Herzogtümern Schleswig und Holstein zu bemächtigen sowie die zugehörige Statthalterschaft offenbar dort zu erwirken. Bald darauf zwang Christian I. seinen Bruder, die besetzten Schlösser aufzugeben. Am 23. September 1469 eroberten die Soldaten des Königs die Sonderburg zurück. Im Jahr 1470 verpfändete der König das Schloss mit der zugehörigen Vogtei, für 14.000 rheinische Gulden, an seine Gemahlin Dorothea. In den 1490er Jahren soll das Schloss als Witwensitz der Königin gedient haben.Andreas Ludwig Jacob Michelsen: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg. Band 4. Altona 1840, S. 282 f.; books.google.de – Anmerkung: Als Todesort wird häufig jedoch Kalundborg angegeben.

Ausbauten Anfang des 16. Jahrhunderts Um 1500 wurde die Burg abermals ausgebaut und verstärkt. Der Nordwestturm, von dem heute die zwei unteren Stockwerke erhalten sind, wurde errichtet. Zudem wurde eine Vorburg, bestehend aus vorgeschobenen Bastionen die durch Mauern verbunden wurden, aufgebaut. Das Sonderburger Schloss war damit eine der stärksten Burgen im Bereich der Kimbrischen Halbinsel. In den massiven Außenmauern der Burg befanden sich zu dieser Zeit, anders als heute, lediglich Öffnungen in Form von Schießscharten und BrühlöchernBrühlöcher dienten dazu, Feinden kochendes Wasser, Pech oder Teer überzugießen. Vgl. Fünen 1995. Fahrt an die Ostküste Fünens: Nyborg und das Ausstellungszentrum zur Große-Belt-Brücke in Knudshoved. karinsreisepage.de; abgerufen am 24. April 2018. auf der Höhe des zweiten Stockwerks.Sønderborg Schlossmuseum. S. 1 f. (zwölfseitiger Museumsführer aus 1980er Jahren).

Zu Zeiten der Reformation Die gesellschaftlichen Verwerfungen der Reformationszeit erreichten auch die Förderegion. Seit 1521 hatte der dänische König Christian II. versucht, in seinem Herrschaftsbereich die Reformation durchzusetzen. Nachdem sich in Dänemark und Norwegen der Adel gegen ihn erhob, floh dieser zunächst nach Wittenberg, wo er im Haus von Lucas Cranach wohnte. Derweil war Luthers Übersetzung des Neuen Testaments erschienen. Christian II. veranlasste kurz darauf die nach ihm benannte erste Übersetzung des Neuen Testaments ins Dänische.Hans Volz: Martin Luthers deutsche Bibel, Hamburg 1978, Seite 244 Bis heute befindet sich eines der wenigen erhaltenen Exemplare dieses Werkes im Sonderburger Schloss. Im April 1529 fand im Flensburger St. Katharinenkloster die Flensburger Disputation unter dem Vorsitz des Kronprinzen Herzog Christian, dem späteren König Christian III. statt.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 389 Infolge der Disputation sollte sich in der Zeit danach die lutherische Reformation in ganz Dänemark und Schleswig-Holstein durchsetzen.Kirchengeschichte: Der Flensburger Streit ums Abendmahl. In: Flensburger Tageblatt, 26. September 2017; abgerufen am 20. Januar 2018 Der abgesetzte Christian II. wurde bald darauf gefangen genommen und wurde von 1532 bis 1549 auf dem Schloss Sonderburg inhaftiert. Eine bekannte Sage berichtet über seine angeblich äußerst schlechten Haftbedingungen.Manfred-Guldo Schmitz (Hrsg.): Hundert Sagen aus Nordschleswig. Nordstrand 2013, S. 31 f. — Trotz seines Arrests durfte er in Wahrheit in den 17 Jahren seiner Haft die Annehmlichkeiten eines Hochadeligen genießen und konnte in gewissem Rahmen sogar Hof halten. Im Jahr 1549 wurde der Gefangene ins Schloss Kalundborg, auf der Insel Seeland verlegt, wo er bis zu seinem Tod gefangen gehalten wurde.

mini|Das Renaissanceschloss (rechts der Nordwestturm, im Vordergrund, Mitte der Nordostturm und links der Südostturm)

Renaissance- und Barockumbau