Der Eckernförder Sportverein von 1923 e. V., kurz ESV, ist ein deutscher Fußballverein aus Eckernförde mit über 500 Mitgliedern. In der Vergangenheit gab es im Verein auch eine Tischtennisabteilung (1945 bis 2007) sowie auch Tennis-, Leichtathletik-, Box-, Feld-Handball-, Mutter-Kind-Turn- und Gymnastiksparten.
Geschichte Der Verein wurde als Fußballverein am 2. Mai 1923 als Nachfolger der aus dem ehemaligen Fußballclub „FC Harmonia Eckernförde“ 1919 entstandenen und mit Gründung des ESV gleichzeitig aufgelösten Fußballabteilung des „Eckernförder Männer-Turnvereins“ (EMTV) ins Leben gerufen.nach erfolgte der Anschluss des FC Harmonia Eckernförde an den EMTV als dessen Fußballsparte am 8. Mai 1919 Vermutlich war die Diskussion um die so genannte Reinliche Scheidung zwischen Turnverbänden einerseits und Sportverbänden andererseits, die vorwiegend ab Ende 1923 vollzogen wurde, der Anlass für die Wiederabtrennung der Fußballsparte vom EMTV. Harmonia Eckernförde selbst soll nach einer Quelle angeblichso dargestellt bei Grüne bereits als Fußballspartenabspaltung aus dem EMTV hervorgegangen sein.
45 Sportfreunde nahmen 1923 an der Gründungsversammlung des Eckernförder SV von 1923 in „Schäfers Gasthaus“Schäfers Gasthaus befand sich damals im südlichen Eckhaus Kieler Straße/Gänsemarkt teil.
Einen ersten Fußballverein mit dem Namen Eckernförder SV gab es bereits ab 1912;Hardy Grüne: 90 Jahre: Eckernförder SV feiert Geburtstag in Nordsport vom 6. Mai 2013 unbekannt ist, ob jener Eckernförder SV neben dem FC Harmonia Eckernförde und der EMTV-Fußballabteilung auch bereits als Vorgängerverein des 1923 gegründeten Vereins zu werten ist. Da seit 1907 immer nur ein Fußballverein aus Eckernförde in den DFB-Jahrbüchern genannt wurde, ist nicht auszuschließen, dass darüber hinaus ebenfalls der FC von 1907 Eckernfördeauch: FC Eckernförde 07; dieser Verein wurde dem DFB-Bezirk II (Holstein) zugeordnet, obwohl er eigentlich geographisch zum Bezirk I (Schleswig) gehörte; Fußball-Jahrbuch 1908 S. 216; Vereinslokal war die Ritterburg und der FC Preußen 1911 Eckernfördenach Angabe ging Preußen Eckernförde aus einem Schlagballverein hervor; Ref.: Willers Jessen, Christian Kock, Neubearbeitung: Klaus Jöns: Heimatbuch des Kreises Eckernförde Band I, 3. Auflage 1967, Seite 173FC von 1907 Eckernförde 1909: 58 Mitglieder; FC Preußen 1911 Eckernförde 1912: 31 Mitglieder; Eckernförder SV (der von 1912) 1913: 68 Mitglieder Vorgängervereine des heutigen Eckernförder SV waren. Der „Stammbaum“ des Vereins könnte mithin wie folgt aussehen: FC von 1907 Eckernförde → FC Preußen 1911 Eckernförde → Eckernförder SV → (Eckernförder Männer-Turnverein ?) → FC Harmonia Eckernförde → Eckernförder Männer-Turnverein → Eckernförder SV.
Über den rein sportlichen Bereich des Eckernförder SV aus den Jahren vor 1940 ist relativ wenig bekannt: 1927 schloss sich mit Werner Kuhnt einer der besten deutschen Torhüter jener Zeit dem Verein an (Auswahlspieler Berlin-Brandenburgs, 1 Länderspiel für Deutschland), 1927 gewann der Verein den Kreispokal in Kiel (4:1 gegen Plöner BV), 1937 wurde der ESV Kreisklassenmeister Kiel und scheiterte anschließend in den Aufstiegsspielen zur zweitklassigen Bezirksliga am Luftwaffensportverein Schleswig (0:5 auf heimischen Platz am 30. Mai 1937, 2:1-Sieg in Schleswig am 4. Juni 1937). Vor Einführung der Gauligen war der Verein aber zwischen 1929 und 1933 schon einmal zweitklassig. Außer Kuhnt sind nur wenige Spieler aus der Frühzeit des Vereins bekannt – zu ihnen gehören die späteren Vereinsvorsitzenden Willi Brase (1941–1945 und 1967–1969) und Willi Haß (1923–1927 und 1950–1958), die auch Gründungsmitglieder waren. Gelegentlich wurden in den Anfangsjahren auch Freundschaftsspiele gegen den ein Jahr nach dem ESV (also 1924) gegründeten VfR Eckernförde ausgetragen, was eigentlich seinerzeit nicht gestattet war, da der VfR in den Ligen der damaligen DFB-Konkurrenz des Arbeitersportes (ATSB) kickte (und 1926 Kieler ATSB-Bezirksmeister wurde).Chronik des VfR EckernfördeDer ATSB-Bezirk Kiel war einer von 3–4 Bezirken im ATSB-Kreis „3“ (Hamburg, Lübeck, Schleswig-Holstein, Mecklenburg). Anschließend spielte der VfR Eckernförde 1927 in der Kreisendrunde mit; Meister wurde SC Lorbeer 06 Hamburg
Seine „Blütezeit“ als Fußballverein erlebte der Eckernförder SV zwischen 1941 und 1956 als – nach den damaligen Spielklasseneinteilungen – Erst- und Zweitligist. Diese Vereinsperiode wurde stark durch den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen geprägt. Zunächst kamen während des Krieges mit den für die in Eckernförde ansässige Rüstungsindustrie, der Torpedo-Versuchsanstalt (TVA), benötigten Arbeitskräften (zuletzt nach Angaben bis zu 10.000) aus dem ganzen Reich auch gute Fußballspieler in die Stadt an der Ostsee und schlossen sich entweder der Betriebssportgemeinschaft TVA Eckernförde oder dem Eckernförder SV an. Die bekanntesten Fußballspieler des ESV gelangten (mit Ausnahme des Hamburgers Herbert Panse, der im Laufe der Saison 1946/47 zum ESV kam) mit der Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg in die von Bomben nahezu verschont gebliebene Ostseestadt, deren Einwohnerzahl durch den Flüchtlingsstrom allein im Kalenderjahr 1945 von gut 16.000 auf gut 26.000 anschwoll und zwischenzeitlich im Mai sogar mit den rund 45.000 Flüchtlingen in der Stadt um die 60.000 betrug. Diese Welle führte ab 1945 allein schon mindestens vier Spieler zum ESV, die zuvor für den zuletzt fünfmaligen Ostpreußen-Meister VfB Königsberg gegen den Ball getreten hatten und auch in der ostpreußischen Auswahlmannschaft zum Einsatz kamen. Dass so kurz nach dem Krieg die Nahrungsmittelversorgung von Vereinsseite gesichert wurde, dürfte für manch einen Spieler Anreiz genug gewesen sein, zunächst für den ESV die Fußballstiefel zu schnüren. Anders als bei etlichen anderen schleswig-holsteinischen Vereinen, deren Mannschaften mit Ausnahme von zwei bis vier Spielern nur aus Flüchtlingen bestandenwie zum Beispiel beim Itzehoer SV oder beim TSV Rot-Weiß Niebüll, spielten beim ESV auch diverse heimische Spieler nach dem Krieg mit.
Die Versorgung der ESV-Mannschaft verbesserte sich 1946 weiter, als der ESV von der britischen Militärregierung dazu auserkoren wurde, künftig regelmäßig Spiele gegen die Britische Militärauswahlmannschaft Schleswig-Holsteins zu bestreitenwas nicht bedeutet, dass die Britische Militärauswahlmannschaft ausschließlich gegen den ESV antrat – es sind auch unregelmäßigere Begegnungen gegen andere Clubs bekannt, wie z. B. ein 2:1-Sieg gegen Holstein Kiel am 27. April 1947; ausschlaggebend für das Aussuchen des ESV als regelmäßigen Vergleichspartner dürfte die räumliche Nähe zu den britischen Militärgouverneuren Schleswig-Holsteins gewesen sein, die in der Nachbargemeinde Altenhof (bei Eckernförde) residierten: fortan wurden die Spieler nach jedem Spiel gegen die Briten in ein Eckernförder Hotel zum Essen und Trinken satt eingeladen. Spielertrainer Kurt Baluses hatte zuvor dem Ansinnen der Briten entgegnet: wenn seine Mannschaft nichts zu essen bekäme, könne sie auch nicht spielen; nur von Rüben und Maisbrot könne man kein ordentlicher Fußballspieler sein.Rathjen-Couscherung, Seite 212 Der britische Militärgouverneur für Schleswig-Holstein William Asbury übernahm 1948 die Schirmherrschaft für den ESV.Rathjen-Couscherung Seite 211. Vgl. auch:
Sportliche Erfolge in den 1940er Jahren Bis Ende des Zweiten Weltkrieges So kam es, dass der Eckernförder SV 1941 zusammen mit dem Lokalrivalen TVA Eckernförde, der ebenfalls für seine Heimspiele den ESV-Platz nutzte, zunächst in die Bezirksliga Schleswig-Holstein aufstieg, der damals zweithöchsten Spielklasse hinter der „Gauliga Nordmark“. Beide Teams spielten zusammen mit Luftwaffen-SV Schleswig, SV Ellerbek, SC Friedrichsort 08, VfB Kiel, Comet Kiel und Luftwaffen-SV Holtenau in der Weststaffel der vierstaffeligen Bezirksliga.Stormarnsche Zeitung vom 18. August 1941 Am 5. Oktober 1941 unterlag des ESV dem Ortsrivalen mit 3:7.Schleswig-Holsteinische Landeszeitung vom 6. Oktober 1941 Eine Saison später (1942/43) wurden die Bezirke in Sportkreise und die Bezirksliga offiziell in Kreisgruppe umbenannt und in nur noch drei Staffeln mit elf (statt bisher acht) Teams aufgeteilt; ESV wie TVA kamen in die Staffel „C“,Lübecker Zeitung vom 17. Juni 1942 die auch Nordstaffel genannt wurde. Außer TVA Eckernförde waren die Gegner in der Saison 1942/43: Flensburg 08, VfR Neumünster (als: Neumünster 1910), Rendsburger TSV, VfB Kiel, Post-SV Kiel, Kronsburg Kiel, Brunswik Kiel, Land und See (aus Neumünster) und Germaniawerft Kiel. 1942 wie 1943 landete der Verein auf Platz zwei.
1944 wurde der Eckernförder SV Meister der Staffel „B“, punktegleich aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Flensburg 08, nachdem die ersten beiden Heimspiele des ESV gegen Flensburg 08 (2:2 und 3:3) annulliert wurden und erst das dritte Heimspiel gegen die Rumstädter (5:2 am 11. Juni 1944) zählte. Die erste Begegnung wurde wegen einer Schiedsrichterfehlentscheidung, die zweite aufgrund nicht spielberechtigter Spieler auf Seiten von 08 annulliert. Weitere Gegner dieser Saison waren Union-Teutonia Kiel, SG Kronsburg Kiel, VfR Neumünster (in Neumünster gab es am 14. November 1943 einen 9:2-Sieg des ESVSchleswig-Holsteinische Landeszeitung vom 16. November 1943), Post-SV Kiel, Rendsburger TSV, Kriegsmarine Neumünster sowie Deutsche Werke Friedrichsort. Nach einer Aufstiegsrunde (2 von 3) stiegen beide Eckernförder Vereine (trotz der 1:6-Klatsche des ESV gegen TVA Eckernförde, dem Meister der Staffel „A“, in der Aufstiegsrunde) – erneut gemeinsam – in die „Gauliga Schleswig-Holstein“ auf. Dritter Verein der Aufstiegsrunde war der Luftwaffensportverein Lübeck.aufgelöst Mitte September 1944 Kriegsbedingt war die „Gauliga Nordmark“ zuvor (1942) aufgeteilt worden. Einer 2:4-Niederlage des ESV bei Ordnungspolizei Lübeck (heute: VfB Lübeck) am 13. August 1944 folgte ein 4:2-Sieg gegen TVA Eckernförde im einzigen Eckernförder Erstliga-Lokalderby am 10. September 1944 und danach schon der kriegsbedingte Spielbetriebsabbruch der Gauliga. Für beide Eckernförder Vertreter erwies sich ihre Gauligazugehörigkeit als ein sehr kurzes Last-Minute-Gauliga-Gastspiel. Das Lokalderby wurde noch „auf dem Bystedtredder“, also dem Martin-Kruse-Platz ausgetragen; erst im März 1945 wurde der Fußballplatz zum Gartenland umgepflügt und der ESV musste bis Juni 1949 zunächst seine Spiele auf dem Exer, später auf dem Carlshöhe-Sportplatz absolvieren.
Vorübergehend ab September 1944 bis zur Auflösung von TVA Eckernförde war es auch in Eckernförde – wie zuvor schon überall im Reich zwischen diversen Sportclubs – zu einer Kriegsspielgemeinschaft aus ESV und TVA gekommen. Zumindest zwei Begegnungen der KSG Eckernförde (mit einem Sieg und einer Niederlage) wurden im Rahmen einer Punkterunde der nach Abbruch der Gauligasaison Schleswig-Holstein 1944/45 eingeführten so genannten Gauliga Schleswig-Holstein, Staffel Kiel (und zwar in der Punkterunde mit dem Umland, es gab parallel dazu auch einen rein Kieler Wettbewerb) ausgetragen, der alle zwei Wochen stattfinden sollte. Geplant war auch, dass zusätzlich zu den Kieler und Eckernförder Teams Mannschaften aus Neumünster an dieser Punkterunde teilnehmen.Patrick Nawe: 100 Jahre Holstein Kiel: Kieler S.V. Holstein von 1900. Berliner Sportverlag, 2000, ISBN 3-328-00891-8, S. 60.Tabelle auf Gauliga Schleswig-Holstein 1944/45 unter Berufung auf: Offenbar gab es zum Auftakt eine Beteiligung aus Neumünster und Plön: Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung meldete am 26. September 1944 eine Begegnung KSG Neumünster gegen Kriegsmarine Plön (5:4)
Nach dem Zweiten Weltkrieg