mini|250px|Die im 19. Jh. entstandenen vier Wälle prägen die Krefelder Innenstadt. Hier der als Prachtboulevard angelegte Ostwall mini|250px|Blick auf Krefeld vom Kapuzinerberg

Krefeld (krieewelsch Krieewel, bis 25. November 1925 Crefeld) ist eine linksrheinisch gelegene Großstadt am Niederrhein. Die kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf wird aufgrund der Seidenstoffproduktion des 18. und 19. Jahrhunderts auch als „Samt- und Seidenstadt“ bezeichnet. Krefeld nahm Ende 2024 mit 231.406 Einwohnern unter den Großstädten Nordrhein-Westfalens den 14. Platz ein. Das Oberzentrum gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr sowie zur Metropolregion Rheinland.

Krefeld wurde 1105 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1373 die Stadtrechte. Unter der Herrschaft der Oranier war die Stadt im 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Neutralität ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge und erlebte ein starkes Bevölkerungswachstum. 1702 fiel die Grafschaft Moers, zu der Krefeld gehörte, an das Königreich Preußen. Begünstigt durch das preußische Seidenmonopol, entwickelte die aus der Flüchtlingsfamilie von der Leyen hervorgegangene Dynastie der Seidenbarone die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der europäischen Seidenindustrie. Die Textilproduktion machte Krefeld im 18. und 19. Jahrhundert zu einer der reichsten Städte Preußens und zeitweise zu der reichsten Stadt des Deutschen Reiches. Mit dem Überschreiten der Marke von 100.000 Einwohnern im Jahr 1887 wurde Krefeld zur Großstadt.

Der Niedergang der Seidenindustrie ab Mitte des 20. Jahrhunderts löste eine Phase des Strukturwandels aus. Heute wird die Wirtschaft Krefelds vor allem durch die chemische Industrie, den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Metallindustrie dominiert. Durch ihre verkehrsgünstige Lage hat sich die Stadt zudem als Logistikstandort etabliert. Seit deren Gründung 1971 ist Krefeld Sitz der Hochschule Niederrhein.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die im 19. Jahrhundert entstandenen „vier Wälle“ mit dem als Prachtboulevard angelegten Ostwall, die Krefelder Kunstmuseen, das Deutsche Textilmuseum, der mittelalterliche Ortskern Linn mit der Burg Linn, der Krefelder Zoo sowie die gut erhaltenen historischen Zentren der Stadtteile Uerdingen und Hüls. Vom einstigen Reichtum der Stadt zeugen noch heute viele Gründerzeit- und Jugendstilfassaden. Wegen zahlreicher Werke von Architekten der 1920er und 1930er Jahre gilt Krefeld als eine bedeutende Bauhaus-Stadt in Nordrhein-Westfalen. Viele Parkanlagen sind aus Privatgärten ehemaliger Seidenfabrikanten hervorgegangen, z. B. der Krefelder Stadtwald, der Sollbrüggenpark und der Schönwasserpark.

Geographie Räumliche Lage Krefeld liegt in der „Krefeld-Kempener Platte“, die Teil der Niederrheinischen Tiefebene ist. Das Stadtzentrum liegt etwa sieben Kilometer vom Rheinufer entfernt, doch reicht das Stadtgebiet seit der Eingemeindung Linns bis an den Rhein heran. Die Uferlänge auf Krefelder Gebiet beträgt 6,2 Kilometer. Die Breite des Rheins variiert zwischen 320 und 400 Meter. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 12 Kilometer und in West-Ost-Richtung 13,1 Kilometer. Die Höhenlage der Stadtmitte beträgt . Die höchste natürliche Erhebung ist der Hülser Berg mit . Künstliche Erhebungen sind höher: Der Inrather Berg ist eine Schuttdeponie aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs mit , der seit 2004 frei begehbare Kapuzinerberg hat eine Höhe von 77 Metern und ist eine ehemalige Hausmülldeponie.W. Kuttler, A. Graf, S. Blankenstein, A.-B. Barlag: Gesamtstädtische Klimaanalyse Krefeld unter besonderer Berücksichtigung von vier Plangebieten. Durchgeführt im Auftrag der Stadt Krefeld, erstellt durch die Abteilung Angewandte Klimatologie und Landschaftsökologie der Universität Essen. Essen 2003, S. 10 (PDF).

Klima Krefeld gehört makroklimatisch zum atlantisch-maritimen Klimabereich Nordwestdeutschlands, mit milden, schneearmen Wintern und mäßig warmen Sommern, in denen das Maximum des Jahresniederschlages liegt. Das langjährige Mittel des Jahresniederschlags in Krefeld liegt bei 760 mm. Die Jahresmitteltemperatur in Krefeld liegt zwischen 10,6 °C und 11,1 °C. Die Maxima der Lufttemperatur liegen zwischen 33,9 °C und 35,5 °C, die Minima zwischen −5,9 °C und −7,6 °C.Kuttler u. a.: Gesamtstädtische Klimaanalyse Krefeld… 2003, S. 27.

Geologie Die Stadt Krefeld liegt im Niederrheinischen Tiefland. Die oberflächennahen Schichten bestehen überwiegend aus Kies- und Sandablagerungen des Eiszeitalters. Die bis zu 30 m mächtigen Schichten setzte der Rhein ab. Vor 240.000 Jahren wurden diese Schichten teilweise von den Rändern der Eisschildmassen zu Stauchmoränen aufgepresst, die heute die Niederrheinischen Höhen bilden. Der Hülser Berg ist ein Beispiel hierfür. Unter den Kies- und Sandschichten befinden sich Meeressande, die sich dort im Tertiär (2,4 bis 65 Mio. Jahre vor heute) ablagerten. Sie reichen bis in eine Tiefe von 250 m hinab. Darunter sind Meeresablagerungen (überwiegend aus Sandstein, Tonstein und Kalkstein bestehend) älterer erdgeschichtlicher Phasen zu finden. Am nördlichen Stadtrand kommen in größerer Tiefe auch kohleführende Schichten aus dem Karbon vor, die Verbindung zu den Kohlegebieten in Belgien und an der Ruhr haben.

Auf den höhergelegenen Flächen des Krefelder Stadtgebiets findet man überwiegend Parabraunerden und Braunerden. Diese stellen gute Ackerstandorte dar. Die im westlichen Stadtgebiet gelegene, durch Bruchtektonik etwas herausgehobene Kempener Platte hat eine etwa 1 m dicke Deckschicht aus Löss. Diese ist während der letzten Eiszeit hier abgelagert worden. Die daraus entstandenen fruchtbaren Lehmböden werden als Getreide- und Rübenfelder geschätzt.

In den Altarmrinnen des Rheins (Kendeln) entstand Niedermoortorf, der auch an den Niepkuhlen abgebaut wurde, heute aber keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat. Zum Ende der letzten Eiszeit hat der Rhein östlich der Terrassenkante Dießem – Inrath – Hüls sandige bis lehmige Sedimente abgelagert. Durch Grundwassereinfluss entstanden in den tiefergelegenen Bereichen Gleyeböden. Diese Flächen werden, wie z. B. der Hülser und Latumer Bruch, als Grünland und Wald genutzt. In der überflutungsgefährdeten Rheinaue entstanden aus angeschwemmtem Bodenmaterial ebenfalls fruchtbare Böden.

Stadtgebiet Das Stadtgebiet Krefelds gliedert sich in die fünf Stadtbezirke: Mitte, Nord, West, Süd und Ost. Jeder Stadtbezirk hat eine eigene Bezirksvertretung und einen Bezirksvorsteher. Die Bezirksvertretungen werden durch die Wähler der jeweiligen Stadtbezirke im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt. Bis zum 31. Oktober 2025 gab es neun Stadtbezirke: Stadtmitte, West, Nord, Hüls, Süd, Fischeln, Oppum-Linn, Ost und Uerdingen. Im November 2023 beschloss der Stadtrat, zum 1. November 2025 die Zahl der Stadtbezirke von 9 auf 5 zu reduzieren. Dem Beschluss ging eine jahrelange Debatte voraus. Des Weiteren existieren 19 Stadtteile, die im Zuge der Neugliederung ebenfalls angepasst wurden und in mehrere statistische Bezirke unterteilt sind.

Die 19 Stadtteile mit ihren amtlichen Nummern sind:Gebietsgliederung Statistik ab November 2025, Stadt Krefeld, abgerufen am 18. Dezember 2025 11 Innenstadt 12 Cracau 21 Hüls 22 Inrath/Kliedbruch 23 Kempener Feld 24 Benrad-Nord 25 Lindental/Tackheide 26 Forstwald 31 Kliedbruch 32 Traar 33 Verberg 34 Bockum 41 Gartenstadt 42 Uerdingen 43 Oppum 44 Linn 45 Gellep-Stratum 51 Dießem/Lehmheide 52 Fischeln

Nachbarstädte Die Stadt Krefeld grenzt im Norden an die Städte Neukirchen-Vluyn und Moers im Kreis Wesel, im Osten und Nordosten an die kreisfreie Stadt Duisburg, im Süden an die Städte Meerbusch im Rhein-Kreis Neuss und Willich im Kreis Viersen sowie im Westen an die Städte Tönisvorst und Kempen im Kreis Viersen.

Südöstlich von Krefeld liegt die Landeshauptstadt Düsseldorf, deren Zentrum etwa 19 km von der Krefelder Innenstadt entfernt ist. Die Stadtgrenzen beider Städte verpassen sich im Rhein um rund 700 Meter.

Geschichte Römische Zeit mini|Ein Modell des Kastells Gelduba

Im 1. Jahrhundert n. Chr. erbauten die Römer am Rhein auf dem Gebiet des heutigen Krefelder Stadtteils Gellep das Kastell Gelduba. Auf dem von der Antike bis ins frühe Mittelalter ständig belegten Gräberfeld im Vorfeld des Kastells wurde 1962 das wegen seiner herausragenden Ausstattung und Unberührtheit berühmte Grab des Frankenfürsten Arpvar entdeckt, in einer Gruppe mit weiteren fünf bemerkenswerten „Fürstengräbern“, die allerdings antik weitgehend ausgeraubt waren. An verschiedenen anderen Plätzen im Krefelder Stadtgebiet fanden sich die Überreste römischer Landhäuser sowie die einer Tempelanlage im Gebiet „Elfrath“. Auf Uerdinger Gebiet lag ein befestigtes Lager des römischen Feldherrn Marcus Hordeonius Flaccus, das „Castra Ordeonii“.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Orten auf dem heutigen Stadtgebiet erfolgten 732 mit einem Hof in Hohenbudberg und 809 mit Uerdingen. Im 12. Jahrhundert begann Otto von Linn nach seiner Rückkehr vom Dritten Kreuzzug, die Burg Linn zu einer Festung auszubauen. Die Stadt Linn wurde in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts durch Graf Dietrich VIII. von Kleve im Osten der Vorburg zur Burg Linn gegründet. Um 1200 errichteten die Herren von Rode Haus Rath wahrscheinlich als befestigte Zollstation an der Hohen Straße im heutigen Stadtteil Elfrath. Haus Rath wird erstmals 1246 in einer Urkunde des Grafen von Geldern als Lehen erwähnt.

Mittelalter Krefeld wird erstmals 1105 im Urbar des Klosters Werden erwähnt. Erst im Hochmittelalter wuchs eine Bauernsiedlung an einem Ort namens „Krinvelde“; die Herkunft des Namens ist unklar. 1361 gestattete Kaiser Karl IV. dem Grafen Dietrich VI. von Moers, in Krefeld einen Jahr- und Wochenmarkt mit den üblichen Privilegien zu erlauben.Theodor Josef Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde Nr. 613. Band 3, 1853, S. 515. Es folgte am 1. Oktober 1373 die Ermächtigung von Kaiser Karl IV. durch Urkunde an den Grafen Friedrich III. (Moers), den Ort mit den Privilegien und Rechten einer Stadt auszustatten und zu befestigen.Heinrich Gottfried Philpp Gengler: Regesten und Urkunden der Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 664. Dieses Datum gilt als Geburtstag der Stadt Krefeld. Um 1400 wurde zur besseren Verteidigung Krefelds die Burg Cracau etwa 800 Meter östlich der Stadt errichtet. Sie existierte bis ins 17. Jahrhundert, heute sind noch Mauerreste der Wehranlagen an der Bogenstraße zu sehen. Die älteste Krefelder Kirche, die Dionysiuskirche (heute Alte KircheGuido Rotthoff: Geschichte der Stadt Krefeld, Stadt Krefeld 1998, Band 1, S. 355.), wurde auf einem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Bau errichtet und erhielt 1472 einen neuen Turm. Durch die Erlaubnis für den Bau einer Stadtbefestigung war der Ort, der zur Grafschaft Moers gehörte, besser vor Übergriffen durch Räuberbanden geschützt. Insbesondere die Herren auf der nahegelegenen Burg Linn betrieben Raubritter­tum. Die Burg gehörte damals zur Grafschaft Kleve. Heinrich von Strünkede war Amtmann der Mechthild von Geldern auf der Linner Burg und wurde zu Raubzügen gegen Krefeld ausgeschickt.

Reformation Wenige Generationen später breiteten sich die Ideen der Reformation in Europa aus. 1560 wurde die Grafschaft Moers nach dem Grundsatz cuius regio, eius religio protestantisch. Allerdings gab es weiterhin Katholiken in Krefeld und im Umland. Die katholische Pfarrei wurde erst durch die Neutralitätsvereinbarung von 1607 aufgehoben, und auch danach waren Katholiken geduldet.