mini|3D-Ansicht des digitalen Geländemodells Der Tönsberg ist ein Bergrücken im Teutoburger Wald und erreicht eine Höhe von . Er liegt teilweise auf dem Stadtgebiet von Oerlinghausen im Kreis Lippe im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Über den Tönsberg führt in etwa 3,5 km Länge der Hermannsweg, ein Wanderweg zwischen Rheine und der Lippischen Velmerstot.
Name Die Bezeichnung Tönsberg stammt von der ehemaligen, dem heiligen Antonius gewidmeten Kapelle auf dem Bergrücken ab, deren Ruine heute unter dem Namen Hünenkapelle bekannt ist. Die niederdeutschen Variationen zu Antonius, wie Tönnies oder Tüns, lassen die Namensverwandtschaft zu Töns erkennen. Der heilige Antonius (251–356) war ein Asket, Mönch und Schutzheiliger der Einsiedler.
Geografie und Topografie Die langgestreckte Anhöhe liegt im mittleren der drei parallelen Höhenzüge des Teutoburger Waldes. Sie befindet sich geografisch etwa in der Mitte zwischen den Städten Bielefeld im Nordwesten und Detmold im Südosten. Der Bergrücken erreicht an seiner höchsten Stelle und verläuft auf fast gleichbleibendem Niveau von Nordwest nach Südost. Südlich liegen die hohen Barkhauser Berge, an die sich die Senne anschließt, während sich im Norden das Lippische Bergland erstreckt. Um den Nordwesthang herum liegt die Bergstadt Oerlinghausen mit rund 17.000 Einwohnern, und im Südosten wird der Berg durch ein Tal begrenzt, durch das die Wistinghauser Straße verläuft und hier eine schmale hohe Passage durch den Teutoburger Wald bildet.
Der Tönsberg gehört zum Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald. Ein Teil der benachbarten Senne im Süden gehört zum Kern des geplanten, jedoch umstrittenen Nationalparks Senne.
Hydrologie und Geologie mini|Der Tönsberg von Norden gesehen Die überwiegend aus westlicher Richtung strömenden Luftmassen regnen sich an der Südwestflanke des Berges und der vorgelagerten Ebene ab, während die nordöstlich liegenden Gebiete geringere Regenmengen aufweisen. Am Tönsberg werden jährliche Niederschlagsmengen bis zu 1100 mm gemessen, erheblich mehr als der mittlere Jahresniederschlag von 750 mm in Deutschland. Trotz dieser Bedingungen befindet sich die Mehrzahl der Quellen und Fließgewässer an der Nordseite. Der an der Nordflanke entspringende Haferbach fließt über die Werre in die Weser. Es gibt nur eine einzige nennenswerte Quelle am Südhang, nämlich die Sachsenquelle. Hier entspringt der Schnakenbach, der jedoch nach wenigen hundert Metern Fließstrecke im Untergrund versickert. Er tritt erst drei Kilometer weiter südlich innerhalb einer als Bokelfenn bezeichneten sumpfigen Niederung wieder zu Tage und bildet gemeinsam mit weiteren Quellen den Westerholter Bach.
Als Teil des Teutoburger Waldes bildet der Tönsberg die Wasserscheide zwischen der Weser und der Ems. Alle Fließgewässer südlich und westlich münden in die Ems, während die Flussläufe nördlich und östlich schließlich in die Weser münden.
In der Kreidezeit vor 120 Millionen Jahren lag Norddeutschland unter einem Meer, an dessen Ufern massive Sandablagerungen entstanden. Diese Ablagerungen verdichteten sich zu horizontal liegendem Sandstein von rund 100 Metern Stärke. Am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren wurde der Sandstein durch tektonische Prozesse fast senkrecht aufgefaltet und im Laufe der Jahrmillionen durch Verwitterung und Erosion zur heutigen Form abgeschliffen. Es entstanden drei fast parallel laufende Höhenzüge mit zwischenliegenden schmalen Tälern. Die Gesteine der südlichen Erhebungen bestehen vorwiegend aus Plänerkalk der Oberkreide, während sich die nördlichen Berge aus Oberem Muschelkalk zusammensetzen. Der mittlere Höhenzug besteht dagegen überwiegend aus Osningsandstein, so auch der Tönsberg und die weiter östlich liegenden Externsteine.
In der südlich vorgelagerten Senne wurden durch das Schmelzwasser aus den Gletschern der Eiszeit große Sandmengen angeschwemmt. Heftige Winde aus Westen und Südwesten sorgten für den Flugsand, der sich teilweise meterhoch in den Seitentälern ablagerte. In der zwischen Tönsberg und Hunneckenkammer liegenden Wistinghauser Schlucht sind noch heute Sanddünen zu erkennen.
Kohlebergbau am Tönsberg und Umgebung Bereits 1592 kam es mit Unterstützung des lippischen Grafen Simon VI. zum ersten Versuch, Kohle am Tönsberg abzubauen. Ein ganzes Jahr lang arbeitete Rembert Köller aus Jülich zusammen mit drei Gesellen an der Kohleförderung. Die Kohlen aus Oerlinghausen besaßen allerdings nicht die Qualität, die man aus dem Ruhrgebiet kannte, und so gab Köller schließlich auf. Graf Simon ließ sich nicht entmutigen und beauftragte im Jahr 1605 Bergleute aus dem Harz, einen neuen Versuch am Tönsberg zu starten. Unter Bergmeister Georg Starke begannen sieben Kumpel, einen Stollen in den Berg zu treiben und Schächte abzuteufen. Am Eingang wurde das Namensschild „Grube Simon“ angebracht. Die Bewohner Oerlinghausens betrachteten die Aktionen am Tönsberg mit Misstrauen. Die Fördermengen beliefen sich anfangs auf 30 und etwas später auf 50 Scheffel (1 preußischer Scheffel = 54,72 Liter) pro Tag. Trotzdem war der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand zu gering, und Simon VI. ließ 1611 die Unternehmung beenden.Dieter Burkamp: Der Kohlebergbau hatte keine Zukunft In: Stadt Oerlinghausen: Oerlinghausen. Geschichte und Geschichten. Oerlinghausen 1984. Seite 128.
Ein weiterer Versuch zur Kohleförderung erfolgte um 1765, als vier Bergleute unter der Leitung des Bergmeisters Gerhard Terheyden ans Werk gingen. Bereits 1772 wurden die Arbeiten allerdings wegen Geldmangels wieder eingestellt. Um 1790 stießen mehrere Bergleute aus Minden auf ein Kohlenflöz von acht Zoll (ca. 21 cm) und ein weiteres von 12 Zoll (ca. 31 cm) Stärke. Die Bergleute trafen jedoch bald auf sehr hartes Kalkgestein und mussten aufgeben. Trotzdem wurde rings um Oerlinghausen weiter nach Kohle gesucht. Zum Beispiel wurden im Dorfkern oberhalb des Amtsgartens am Hang des Tönsbergs bei Bohrungen bis 40 Fuß Tiefe Kohlevorkommen entdeckt.
Fürstin Pauline zur Lippe war seit 1802 Regentin in Lippe und verfolgte mit Interesse die Aktivitäten in Oerlinghausen. Sie setzte eine Prämie von 500 Reichstalern für denjenigen aus, der ein abbaufähiges Flöz nachweisen konnte. Unter der Leitung des Paderborner Bergfaktors von Natorp erfolgten 1814 weitere Probebohrungen, und zwar am Nordhang des Tönsbergs, im Dükersgrund (heute Breitegrund), im Dorfzentrum und an der Landesgrenze bei Gräfinghagen. Überall wurde Kohle gefunden, und am Nordhang wurde ein Stollen bei der Wolfskuhle in den Tönsberg getrieben, der eine Länge von 85 Metern erreichte. Man plante sogar, einen Stollen quer durch den Tönsberg bis zur Südseite zu graben. Doch alle Versuche scheiterten schließlich, weil die gefundenen Kohlevorkommen nicht ergiebig genug waren. Übrig blieb ein 50 Meter tiefer Felsenkeller im Haus Tönsbergstraße 3, den die Beckersche Bierbrauerei nach 1840 als Lager nutzte. Im Zweiten Weltkrieg diente der Keller vielen Oerlinghausern als Luftschutzraum.
Im November 1984 wurde an der Hermannstraße in Oerlinghausen nach einer Wasserquelle gesucht, die den Brunnen am Rathausplatz speisen sollte. Dabei legten Arbeiter einen aus dem Jahr 1800 stammenden Stollen frei, der 15 m tief in den Berg führte, etwa 1,70 m hoch und 1,10 m breit war.Westfalenblatt-Oerlinghauser Zeitung, vom 9. November 1984.
Besiedlung Die Wallburg mini|Rekonstruktion der eisenzeitlichen Wallburg auf dem Tönsberg im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen am Barkhauser Berg mini|Lageplan der Wallburg auf dem Tönsberg Im östlichen Bereich des Tönsbergs befinden sich Überreste einer Befestigung aus germanischer Zeit. Es handelt sich um eine Wallburg aus der Latènezeit, die als eine der am besten erhaltenen Befestigungen in Lippe gilt. Die mächtige Ringwallanlage entstand im vierten Jahrhundert v. Chr.
Die vorzeitliche Fliehburg bot den alt-sächsischen Menschen aus der Umgebung auch im Frühmittelalter Schutz und Zuflucht bei Angriffen feindlicher Horden und wird daher auch als Sachsenlager bezeichnet. Die Höhe des Tönsberges gestattete einen guten Überblick auf das umliegende Land und sicherte die Kontrolle über die benachbarten Pässe, über die Handelsstraßen nach Münster, Paderborn, Lemgo und Hameln führten. Hier ist besonders die am Südosthang gelegene Wistinghauser Schlucht zu nennen, durch die ein wichtiger Handelsweg führte. Die Trinkwasserversorgung wurde durch die Sachsenquelle gesichert. Das Sachsenlager umfasste eine Gesamtfläche von 15 Hektar, während die Hauptwallanlage rund 7 Hektar groß war. Für die Befestigungen wurden gewaltige Holzmengen benötigt, die der benachbarte Wald lieferte. Ein kompliziertes System, bestehend aus Erdwällen, Holzaufbauten, Trockenmauern und gemörtelten Mauern, weist auf eine Nutzungsdauer über einen langen Zeitraum hin, in dem die Anlage mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde. Am Südhang gab es mehrere Terrassierungen, die aufgrund zahlreicher Funde in Form von Herdstellen und Häuserresten auf eine Besiedlung hinweisen. Auf der klimatisch ungünstigen Nordseite sind keine Besiedlungsspuren festzustellen. Nach der Verlegung des Handelsweges aus der Wistinghauser Schlucht in die am Nordwesthang gelegene Oerlinghauser Schlucht verlor die Wallburg zunehmend ihre Bedeutung und wurde schließlich um 850 n. Chr. aufgegeben.
Im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen wurden Teile der Ringwälle rekonstruiert.
Die Sachsenquelle Eine gesicherte Trinkwasserversorgung war für die Auswahl von Siedlungsplätzen und Befestigungsanlagen von großer Bedeutung. Im Bereich des östlichen Tönsberges erfüllte die am oberen Hang liegende Sachsenquelle dieses Kriterium. Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Standort der Quelle in den gesicherten Bereich der Wallanlage hangaufwärts verlegt wurde. Ein gemauertes rechteckiges Auffangbecken sorgte auch in regenarmen Zeiten für eine ausreichende Wassermenge. Oerlinghauser Bürger legten auf der Suche nach Wasser 1897 ein ehemaliges Quellhaus frei. Die Quelle erhielt Tonrohre und diente danach zur Trinkwasserversorgung für die umliegenden Bauernhöfe. Eingeschwemmter Sand und Baumwurzeln machten die Leitung wiederholt unbrauchbar, deshalb wurde die Wasserversorgung über die Sachsenquelle nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt.
Die Biologische Station Lippe erhielt 2007 den Auftrag, die Sachsenquelle zu renaturieren. Während der archäologischen Grabungen durch Mitarbeiter des Lippischen Landesmuseums konnte ein System von Sammelleitungen, Schächten und Überläufen freigelegt werden. Im Verlauf der Renaturierung wurden die Überreste früherer Baumaßnahmen in Handarbeit entfernt und ein natürlicher Quellaustritt wiederhergestellt. Ein bestehendes Wassertretbecken am Tönsbergrundweg bleibt erhalten und wird durch eine zweite Quelle gespeist.
Die Hünenkapelle mini|Hünenkapelle auf dem Tönsberg Aus dem Spätmittelalter stammt vermutlich die Hünen- oder Antoniuskapelle, deren nachgebaute Ruine bis heute erhalten ist. Sie liegt im Kernbereich der verlassenen Festungsanlagen und war dem heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Einsiedler gewidmet. Kapellen wie diese errichtete man an Orten, an denen gläubige Einsiedler Visionen erlebten. Die Kapelle diente noch im 16. Jahrhundert als Wallfahrtskapelle. Aus den Paderborner Annalen von 1693 geht hervor, dass mindestens bis zum Jahr 1548 Wallfahrten von Dortmund aus stattfanden. Nach der Reformation in Lippe blieb sie zunehmend ungenutzt und verlor immer mehr an Bedeutung. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Mauerwerk größtenteils abgetragen und die Steine zum Ausbau eines Bauernhofes genutzt. Das Originalkreuz der Kapelle lagert seit 1548 in der Krypta des Paderborner Doms. Die heute existierende Kapellenruine ist ein romantischer Nachbau aus dem 19. Jahrhundert.
Die Kumsttonne mini|Kumsttonne auf dem Tönsberg