Der Zoo Basel ist ein zoologischer Garten in Basel. Er befindet sich im Stadtquartier Basel-Bachletten am Fluss Birsig. Er wurde 1874 eröffnet und ist somit der älteste Zoo der Schweiz. Mit 7017 (2014) Tieren in 628 Arten (58 Säugetierarten, 88 Vogelarten, 41 Reptilienarten, 10 Amphibienarten, 284 Fischarten und 147 Arten an wirbellosen Tieren) besitzt er auch mit Abstand den grössten Tierbestand. Aufgrund von Zuchterfolgen wie bei Panzernashorn, Zwergflusspferd oder Westlichem Flachlandgorilla wurde der Stadtzoo weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und gilt daher, trotz seiner relativ kleinen Fläche von rund 11 Hektaren, als einer der bedeutendsten Zoos von Europa.
Rechtsform und Finanzierung links|mini|Gründeraktie der AG des zoologischen Gartens in Basel vom 20. Februar 1872Armin Schmitz, Arne Metzger: Zoologische Gärten als Kapitalgesellschaften. Geschichtliche Entwicklung und Finanzierung. Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-9806401-2-4. Der Zoologische Garten Basel ist eine Aktiengesellschaft. Gemäss den Statuten ist die Gesellschaft nicht gewinnorientiert und die Aktien begründen ausdrücklich keinen Anspruch auf eine Dividende. Die ersten Statuten wurden durch die Generalversammlung vom 20. Februar 1873 angenommen, dieser Tag gilt als Gründungsdatum des Basler Zoos. Der Zoo wurde am 3. Juli 1874 eröffnet. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 3. März 1883.
Zur Gründung wurden 1200 Aktien zu 250 Franken ausgegeben, was ein Aktienkapital von 300'000 Franken ergibt. 250 Franken entsprachen 1873 etwa einem heutigen Wert von 2750 Franken, mit allen Vorbehalten gegenüber einem Vergleich über eine so lange Zeitspanne.Teuerung errechnet basierend auf dem offiziellen Teuerungsrechner des Bundesamts für Statistik (Teuerung 1914–2016) sowie dem Buch von Hans Bauer: Basel gestern–heute–morgen. 1981, ISBN 3-7643-1225-4. (Teuerung 1873–1914) Alle Aktien sind vinkulierte Namensaktien, das heisst, der Aktienbesitzer muss vom Verwaltungsrat bestätigt und in das Aktienregister eingetragen werden. Diese Bestätigung kann auch verweigert werden. In den Statuten ist festgelegt, dass kein Aktionär mehr als 10 Stimmen hat, auch dann nicht, wenn er mehr Aktien besitzen sollte.Statuten vom 20. Februar 1873.
1939 wurde das Aktienkapital durch die Ausgabe von 500 neuen Aktien à 250 Franken auf 425'000 Franken erhöht.Statuten von 1930 (ursprünglich vorgesehene Erhöhung auf 500'000 Franken) sowie Statuten von 1942 (effektive Erhöhung auf 425'000 Franken) Seither wurden keine neuen Aktien mehr ausgegeben. Da die Aktien keine Dividende abwerfen, sondern einen rein ideellen Wert haben, werden sie kaum je gehandelt, sondern bleiben meist in Familienbesitz. Wird dennoch einmal eine Aktie verkauft, so liegt der Liebhaberwert je nach Zustand zwischen 10'000 und 16'000 Franken.Liebhaberwert beziffert gemäss der 2001 herausgegebenen Broschüre «125 Jahre Zoo Basel»
Bei der Gründung war es das erklärte Ziel der Aktiengesellschaft, keine öffentlichen Gelder zu beanspruchen, sondern der Zoo sollte möglichst selbsttragend sein. Vor allem in der Anfangszeit war die finanzielle Situation aber prekär. Um die Attraktivität des Zoos zu steigern und mehr Einnahmen zu generieren, liess man deshalb immer wieder Zirkusunternehmen und Wandertruppen ihre exotischen Tiere präsentieren. Dem Zeitgeist entsprechend wurden auch mehrfach und bis 1935 insgesamt 22 Völkerschauen durchgeführt. Diese zwei- bis dreiwöchigen Völkerschauen brachten dem Zolli 20 bis 25 Prozent der gesamten Besucher eines Jahres.
Ein für das Überleben des Zoos entscheidendes Ereignis war 1901 das mit 750'000 Franken dotierte Legat von Johannes Beck, das die finanzielle Situation entspannte. (Nach heutigem Wert wären das etwas über 8 Millionen.) Deshalb ehrt der Zoo Johannes Beck bis heute jeweils am 24. Juni (dem Johannistag) mit einem Gedenktag mit freiem Eintritt am Abend und verlängerter Öffnungszeit. (Falls der 24. auf einen Sonntag fällt, wird der Gedenktag auf den Montag verschoben.) Bis heute kann der Zoo nebst den Einnahmen aus Eintrittsgeldern auf regelmässige Spenden, Erbschaften und Legate zählen.
Dem Geist der Gründer folgend erhielt der Zoo bis 2007 keine regelmässigen staatlichen Subventionen. Allerdings beteiligte sich der Staat mehrfach an konkreten Bauprojekten und erliess dem Zoo auch sämtliche Energie- und Abfallgebühren. 2008 erfolgte dann ein Systemwechsel: Seither erhält der Zoo eine jährliche Subvention von 1'450'000 Franken, muss nun aber die ordentlichen Energie- und Abfallgebühren entrichten. Lediglich die Abwassergebühr von jährlich rund 100'000 Franken wird ihm weiterhin erlassen.Subventionsvertrag zwischen dem Kanton Basel-Stadt und der Zoologische Garten Basel AG
Geschichte Direktoren des Basler Zoos1874–1876 Albert Müller1876–1913 Gottfried Hagmann1913–1944 Adolf Wendnagel1944–1953 Heini Hediger1953–1979 Ernst Lang1979–1995 Dieter Rüedi1995–2001 Peter Studerseit 2001 Olivier Pagan
Der Plan eines zoologischen Gartens wurde anfangs der 1870er Jahre in der Ornithologischen Gesellschaft diskutiert. Der Urheber der Idee ist unbekannt. 1873 lancierte die Gesellschaft einen Aufruf an die Basler Bürger, sich an der Gründung zu beteiligen. Die Idee war, eine (wie man heute sagen würde) naturnahe Naherholungszone für die Städter zu schaffen, um «das Publikum aus seinen dumpfen Arbeitslokalen an die frische Luft zu locken». Der Zoo sollte «vor allem in möglichster Vollständigkeit und naturgetreuen Gruppen dem Besucher die Pracht und Schönheit unserer schweizerischen und vorzüglich der Alpentierwelt darbieten; dabei sollen aber auch die interessanten europäischen Thiere, soweit sie sich für einen zoologischen Garten eignen, ihre vollste Würdigung und Vertretung finden.» (O-Ton des Aufrufs.)Basler Nachrichten. 6. Juni 1974.
Am 3. Juli 1874 war die Eröffnung des Zolli,Anfangs wurde der Zoologische Garten meist «der Zoologische» genannt. Um 1930 begann sich nach und nach der Kosename «Zolli» einzubürgern (Basler Nachrichten vom 6. Juni 1974 in einem Artikel zum 100-jährigen Bestehen des Zollis). wie er in Basel heute genannt wird. Die Stadt Basel beteiligte sich an diesem Projekt insofern, als sie das Grundstück im Birsigtal, am Rand der Stadt, zur Verfügung stellte.
Seit seiner Gründung bezieht der Zoo das für die diversen Wasserbecken sowie für Reinigungsarbeiten und Tierpflege benötigte Wasser aus dem Gewerbekanal Rümelinbach. Dieser durchquert den Zoo von Süden in nordöstlicher Richtung auf der linken Seite.
Der Grundsatz, nur europäische Tiere zu halten, konnte nicht durchgehalten werden. Einerseits waren viele Alpentierarten parasitenanfällig und entsprechend hoch war deren Sterblichkeit, andererseits interessierte sich das Publikum immer stärker für exotische Tiere.
1874 bis 1900 Als erster Direktor des Zoos trat Albert Müller 1874 an.Alexander Sury: Berns unbekannter Darwin. In: Der Bund. 4. Juli 2020, abgerufen am 27. Juli 2020 (Archiv).Nachrichten – Zoologischer Garten in Basel. In: Der Zoologische Garten. Bd. 15 (1874), S. 314–316 (Digitalisat). Er wurde 1876 durch Gottfried Hagmann ersetzt. Für die Höhepunkte in den Anfangsjahren sorgten 1879 die erste Völkerschau einer Nubier-Karawane und 1880 eine Nilpferdausstellung, 1883 eine Samojeder-Karawane, 1885 die Umgestaltung der Festmatte in einen Platz für Völkerschauen, 1886 das Gastspiel einer singhalesischen Gruppe mit zwölf asiatischen Elefanten, 1888 die Ausstellung eines Wal-Skeletts, 1889 die Somali-Truppe Wild Afrika, 1894 das Gastspiel einer Dinka-Karawane, 1896 die Zurschaustellung eines jungen Nilpferdes aus dem Tierpark Hagenbeck und 1899 die Vorstellungen einer Gruppe von Mahdi-Kriegern.
War der Park zunächst nur als Heimtiergarten für einheimische Tierarten gedacht, kamen in den 1880er Jahren dank verschiedener Spenden die ersten exotischen Tiere wie Kamele, Lamas und Tapire in den Zoo. 1886 kam der erste Elefant nach Basel, ein Weibchen mit dem Namen Miss Kumbuk. Das Jungtier war ein Geschenk von Paul und Fritz Sarasin, welche in Britisch-Ceylon auf Grosswildjagd waren. Miss Kumbuk wurde schnell in der ganzen Stadt bekannt und erhielt im Jahr 1891 ein im maurischen Stil gebautes Haus, in dem auch die Zebras untergebracht wurden. 1896 erfuhr das ursprünglich für Wolf, Luchs, Dachs, Fuchs, Wildkatze und Marder erbaute erste Raubtierhaus eine Erweiterung, um unter anderen den 1890 neu eingetroffenen Löwen mehr Platz bieten zu können. Der erste Menschenaffe, das Orang-Utan-Weibchen Kitty, traf im Jahr 1900 in Basel ein.
1901 bis 1930 mini|Nur 3000–5000 Afrikanische Wildhunde lebten 1997 in freier Wildbahn. Ihr Bestand ist somit gefährdet. Der Zoo Basel sorgt mit dafür, dass sie überleben. 1901 erhielt der Zoo ein Legat von 750'000 Schweizer Franken vom Basler Johannes Beck. Noch heute erinnert ein Denkmal zwischen Affenhaus und Kinderzolli an den grosszügigen Gönner und jedes Jahr wird der Johannes-Beck-Tag im Zolli gefeiert und ermöglicht den Besuchern freien Eintritt. 1904 wurde ein neueres Raubtierhaus eröffnet, das auch eine Reptilienabteilung beherbergte. 1910 öffnete das heute noch bestehende Antilopenhaus, welches im Laufe der Zeit unter anderem Kängurus, Nyalas, Wasserböcke und Erdferkel zeigte. Heute werden hier Kleine Kudus, Okapis und Giraffen gehalten, letztere konnten 1912 zum ersten Mal im Zoo beobachtet werden. 1913 übernahm Adolf Wendnagel das Amt des Direktors. Der Seelöwenfelsen, in dem im Laufe der Zeit alle Robbenarten, die im Zoo lebten, untergebracht waren, wurde 1921 vom Bildhauer Urs Eggenschwyler erbaut, welcher auch im Tierpark Hagenbeck und im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen Anlagen gestaltete. 1927 eröffnete das Vogelhaus, zur damaligen Zeit wurden hier auch noch Menschenaffen und Fische zur Schau gestellt. Der Zoo erwarb in diesen Jahren auch neues Land, welches ein Jahr später von einer Vielzahl neuer Tierarten bezogen wurde, unter anderem entstand auch ein neuer Affenfelsen.
1931 bis 1950 1931 schlüpfte ein Pelikan und wuchs im Zoo auf; es war das weltweit zweite Mal, dass sich so etwas in menschlicher Obhut ereignete. 1935 fand die letzte Völkerschau statt. Mit dem Legat des Basler Goldschmieds Ulrich Sauter hatte der Zoo 1934 die Fläche westlich der Elsässerbahn (Linie Strasbourg–Basel) erstanden, welche 1939 feierlich als Sautergarten eröffnet wurde. 1937 ereilte den Zoo eine schwere Katastrophe, die Maul- und Klauenseuche löschte einen Grossteil des Tierbestandes aus und zwang den Zoo, ein Jahr lang geschlossen zu bleiben. 1944 nahm der frühere Direktor des Tierparks Bern und spätere des Zürcher Zoos, Heini Hediger das Amt des Leiters des Zoos an. 1947 erreichte der «Zolli» eine neue Besucherrekordsmarke, er empfing zweieinhalbmal so viele Besucher wie Basel Einwohner zählt. Des Weiteren traf im selben Jahr der erste Gorilla in Basel ein, von dem man annahm, er sei männlich, was sich Jahre später als Irrtum herausstellen sollte.
1951 bis 1970 mini|Elefant in Basel