mini|Leutkirch und Schloss Zeil 1907 mini|Leutkirch im Allgäu – Luftaufnahme mini|Leutkirch im Allgäu von Norden mini|Leutkirch – Altstadt von Westen mini|Blick vom Winterberg bei Tautenhofen zur Nagelfluhkette mini|Topografische Karte der Stadt Leutkirch im Allgäu mit Teilorten, Dörfern, Weilern und Wohnplätzen Leutkirch im Allgäu [] ist eine Stadt mit rund 24.000 Einwohnern im Landkreis Ravensburg im Südosten von Baden-Württemberg. Im Westallgäu zwischen Memmingen und Wangen an der A 96 gelegen, bildet die ehemalige Reichsstadt ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden und zählt laut Deutschem Wetterdienst in einzelnen Jahren zu den sonnigsten Orten Deutschlands. Leutkirch ist mit seiner Fläche von 175 km² nach Stuttgart, Baiersbronn, Bad Wurzach und Ehingen die fünftgrößte Gemeinde in Baden-Württemberg.

Leutkirch im Allgäu ist seit dem 1. Januar 1974 Große Kreisstadt. Mit ihren Nachbargemeinden Aichstetten und Aitrach ist die Stadt Leutkirch eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geographie Lage Leutkirch liegt am Rand des württembergischen Allgäus nordwestlich der Adelegg, die entgegen verbreiteter Ansicht kein nördlicher Ausläufer der Allgäuer Alpen ist. Das durch zahlreiche Eingemeindungen erweiterte Stadtgebiet grenzt im Osten langgestreckt an Bayern. Die Altstadt befindet sich zwischen dem rechten Ufer der Eschach und der Wilhelmshöhe, Teil eines risseiszeitlichen Moränengebietes am Ostrand eines breiten Beckens im Aitrachgebiet.

Die Eschach tritt im äußersten Südosten bei Schmidsfelden aus der eigentlichen Adelegg aus und in das Stadtgebiet ein, fließt dann in nordöstlicher Richtung durch das östliche Stadtgebiet, vorbei an Emerlanden, Winterstetten, Friesenhofen und Urlau, erreicht dann die Kernstadt, die sie von Süden nach Norden durchfließt. Anschließend fließt sie am Ort Mailand vorbei und vereinigt sich unweit nördlich mit der von Westen kommenden Wurzacher Ach zur Aitrach, die wenige Kilometer nördlich das Leutkircher Stadtgebiet verlässt und in die Iller mündet. Der südwestliche Stadtteil Gebrazhofen wird über Nebenflüsse der Argen zum Bodensee hin entwässert. Somit liegt Leutkirch auf der Europäischen Hauptwasserscheide, die im Bereich des Speckenlochs eine Talwasserscheide ist. Einer der höchsten Punkte der Wasserscheide auf dem Stadtgebiet ist der Winterberg, auf dem auch die Autobahnkapelle steht.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten, an die Stadt Leutkirch im Allgäu: Lautrach (Landkreis Unterallgäu), Legau (Landkreis Unterallgäu), Altusried (Landkreis Oberallgäu), Buchenberg (Landkreis Oberallgäu) sowie Isny im Allgäu, Argenbühl, Kißlegg, Bad Wurzach und Aichstetten (alle Landkreis Ravensburg).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Leutkirchs besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform 1972 eingegliederten ehemaligen Gemeinden Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Hofs, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen. none|480px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Stadtteilen der Stadt Leutkirch im Allgäu|Ortschaften der Stadt Leutkirch

Die eingegliederten Gemeinden sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.

Zu allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft wenige Einwohner haben und Wohngebiete, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind dies:

Teilort Einwohner WohnplätzeKernstadt12.501Moosmühle, Riedlesmühle, Ziegelstadel, Nibelsiedlung, Siedlung Pfingstweide, Repsweihersiedlung, Isnyer Siedlung, Krähloh-Siedlung, Schillersiedlung, Ringwegsiedlung, ZollhausDiepoldshofen678Bergkönig, Bodenhaus, Erlenstockhof, Hünlishofen, Oberburkhardshofen, Rast, Riedlings, Rimmeldingen, Staighaus, Stegrot, Übendorf, Unterburkhardshofen, WeißenbaurenFriesenhofen825Bachschwemme, Badhaus, Bahnhof Friesenhofen, Boschen, Bottentann, Ellmeney, Friesenhofer Sägmühle, Halden, Hitzenlinde, Kaltbronnen, Oberhofen, Rimpach, Rinnebühl, Speckenloch, Unteres Moos, WaldGebrazhofen1.851Engelboldshofen, Engerazhofen, Enzlesmühle, Feldershof, Fuchsberg, Grimmelshofen, Grünenberg, Hinterberg, Kolbshof, Liezenhofen, Merazhofen, Moosacker, Mühlhof, Nannenbach, Roßwinkel, Sackhof, Sackmühle, Schönenbühl, Spechtshof, Stampfe, Toberazhofen, Uttenhofen, Vogelhof, Weihersmühle, Winterazhofen, Wolferazhofen, Wolferazhofer BadHerlazhofen2.550Bahnhof Gebrazhofen, Berg, Berger, Bettelhofen, Birnmann, Bufler, Burris, Ellerazhofen, Ewigkeit, Gaile, Gerber, Grünenbach, Haselburg, Haslerhöfe, Heggelbach, Hinterberg, Hundhöfe, Kapf, Kauter, Kellers, Krug, Lanzenhofen, Missen, Mühle, Öschhöfe, Schuhmacher, Sonthofen, Spitzenrain, Stemmer, Tautenhofen, Tautenhofer Einöden, Unger, Urlau, Urlau-Oberösch, Urlau-Unterösch, Vesterhof, Viehweide, Weipoldshofen, Welschen, Willerazhofen, Willerazhofer BadHofs860Alexanderhof, Alpenblick, Ausnang, Bergs, Beyschlechts, Bimmlings, Bremerwies, Brühlhof, Bruggen, Dinghof, Dietmanns, Dietrichshof, Dornhof, Eisbäuerleshof, Ellmeney, Freihalden, Fuchsen, Gallenhöfle, Gegenbauerhof, Grund, Höll, Jockenbauernhof, Klotzbauernhof, Krattenmacherhof, Lochbühl, Martinshof, Mooswiesen, Muschhof, Quickenhof, Raggen, Reischach, Rotis, St. Leonhard, Sonnenhalde, Tobelhof, Vogelsang, Vorderreischach, Waldhörnle, Waldhof, WiesentalReichenhofen1.855Auenhofen, Bernhard, Boschen, Brunnentobel, Greishof, Haid, Haider Einöden, Haldenhaus, Herbrazhofen, Hinterberg, Hinterstriemen, Mailand, Rostall, St. Wolfgang, Schloss Zeil, Sebastianssaul, Unterzeil, Vorderberg, VorderstriemenWinterstetten418Emerlanden, Emerlander Mühle, Hinznang, Hitzenlinde, Isgazhofen, Jörger, Öschhof, Schmidsfelden, Unterhitzenlinde, Unterselach, Vogelberg, WeidachWuchzenhofen2.047Adrazhofen, Allmishofen, Balterazhofen, Bauernhalden, Berghof, Bergschmid, Boschenmühle, Einsiedler, Furt, Geigers, Glockenreute, Grafenbrandhöfe, Grenzhof, Großenbauer, Gschwend, Haldenhof, Hammerschmiede, Hasenberg, Hinterer Spitalhof, Höll, Kesselbrunn, Kiechle, Lauben, Luttolsberg, Metzger, Neumühle, Nibelhöfe, Niederhofen, Nonnenbühl, Ölmühle, Ottmannshofen, Quellenhof, Schachen, Schadenhof, Schorniggelhäuser, Schorniggelhöfe, Spitalriedhöfe, Talhof, Tannhöfe, Vorderer Spitalhof, Waldbauer, Weiherhof, Weißweber, Wielazhofen

Raumplanung Leutkirch im Allgäu ist ein Mittelzentrum innerhalb des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, dessen Oberzentren die Städte Ravensburg (etwa 44 km), Weingarten (etwa 40 km) und Friedrichshafen (etwa 64 km) sind. Aufgrund der Grenzlage zu Bayern sind die Oberzentren räumlich weit entfernt und die Verflechtungen mit dem Oberzentrum Memmingen weitaus enger als die mit dem Regionalplan zugewiesenen Oberzentren.

Der Bereich Leutkirch umfasst den nordöstlichen Bereich des Landkreises Ravensburg, im Einzelnen die Städte und Gemeinden Aichstetten, Aitrach, Bad Wurzach, Isny im Allgäu und Leutkirch. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit den Gemeinden des angrenzenden Oberzentrums Memmingen in Bayern. Leutkirch liegt laut Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg auf der Landesentwicklungsachse Lindau – Wangen – Leutkirch – Memmingen und der regionalen Entwicklungsachse Bad Saulgau – Aulendorf – Bad Waldsee – Bad Wurzach – Leutkirch – Isny.

Geschichte Geschichte der Kernstadt

mini|hochkant|Silberpfennig aus Leutkirch, 13. Jahrhundert

Vor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren sind im Allgäu selten. Umso mehr fällt auf, dass aus Leutkirch ein Grabfund der Völkerwanderungszeit bekannt istR. Roeren: Ein frühalamannischer Grabfund aus Oberschwaben. In: Festschrift für Peter Goessler. Tübinger Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Stuttgart 1954, S. 137–141 (namensgebend für Fibeln vom Typ Leutkirch). Offenbar ließen sich im Vorfeld des Donau-Iller-Rhein-Limes, zu dem das nahe Kastell Isny gehört, frühzeitig Alamannen nieder. Eine Besiedlung des Westallgäuer Hügellandes während der Merowingerzeit ist archäologisch bisher kaum nachweisbar, ist jedoch aufgrund historischer Quellen – frühe Nennungen, Patrozinien und Ortsnamenformen – anzunehmen.

Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen zweier Dörfer, Ufhofen und Mittelhofen, die zu Füßen der Leutekirche St. Martin lagen. Die Leutekirche als Namensgeberin ist im Wappen der Stadt abgebildet. Eine erste urkundliche Erwähnung des alten Kirch- und Gerichtsortes des Nibelgaus befindet sich in einer St. Galler Urkunde aus dem Jahr 766, in der das Gebiet nach dem Aussterben der Udalrichinger an die Grafen von Bregenz und im Weiteren an die Grafen von Montfort vergeben wurde. Während deren Regentschaft entstand zwischen Ufhofen und Mittelhofen eine Marktsiedlung.

Im Jahre 1293 wurden Leutkirch von König Adolf von Nassau die Rechte der Stadt Lindau verliehen; sie wurde so zur Reichsstadt. Frühere Urkunden mit dem Begriff in burgo lassen aber auch schon auf eine städtische Siedlung schließen.

Das Hauptgewerbe der Stadt wurde der Leinwandhandel. Die größte Zunft mit bis zu 200 Mitgliedern waren die Weber, deren Erzeugnisse bis nach Italien und Spanien gehandelt wurden. 1488 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Bund und erlangte Sitz und Stimme auf dem Reichstag und im Schwäbischen Bund.

mini|Leutkirch um 1650, Kupferstich von Caspar Merian

Im Jahre 1546 hielt in Leutkirch die Reformation Einzug. Bürgermeister Georg Bock (1512–1589) unterzeichnete für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 766; vgl. S. 17. Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt schwer zu. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, die Zahl der Bürger sank auf 184. Auch die Zeit nach 1648 war keine Blütezeit für die Stadt, deren Verschuldung weiter zunahm. Trotz dieser wirtschaftlich schlechten Zeiten wurde 1740 das barocke Rathaus erbaut. Die Stuckdecke von Johannes Schütz zählt zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. mini|hochkant|Historische Katasterkarte von Leutkirch, 1826 Bei der Mediatisierung 1803 wurde Leutkirch zunächst bayerisch. 1810 kam die Stadt mit dem Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg zum Königreich Württemberg und wurde Sitz des Oberamtes Leutkirch. Im Jahre 1872 kam der Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen. Es wurde 1872/1874 zunächst die Bahnstrecke Herbertingen–Isny eröffnet, 1889 folgte die Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen. Im 19. Jahrhundert setzte zögernd eine Industrialisierung ein.

Das Oberamt Leutkirch hieß ab 1934 Kreis Leutkirch. Dieser Kreis wurde im Jahre 1938 durch die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg aufgelöst und fiel zum größten Teil an den Landkreis Wangen, darunter auch die Stadt Leutkirch selbst. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Stadt in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich 1972 acht Nachbargemeinden mit Leutkirch zusammen. Dadurch überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000, so dass die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt stellte. Die Landesregierung von Baden-Württemberg beschloss dies dann mit Wirkung vom 1. Januar 1974. Zum 11. Juni 1974 wurde der Name der Stadt geändert. Seither lautet die offizielle Bezeichnung Große Kreisstadt Leutkirch im Allgäu. Am 1. Januar 1973 erfolgte im Rahmen der Kreisreform in Baden-Württemberg die Eingliederung in den heutigen Landkreis Ravensburg (mit neuem Kfz-Kennzeichen RV; zuvor hatte Leutkirch das Kfz-Kennzeichen WG des alten Landkreises Wangen).

Geschichte der eingemeindeten Orte