mini|hochkant=1.3|Blick auf die Mediaspree von der Oberbaumbrücke im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in Richtung Westen, 2017
Mediaspree ist eines der größten Investorenprojekte in Berlin. Es strebt die Ansiedlung von Kommunikations- und Medienunternehmen entlang eines Teils des Spreeufers und eine entsprechende Umstrukturierung an. Auf größtenteils un- oder zwischengenutzten Grundstücken sollen Bürogebäude, Lofts, Hotels und andere Neubauten entstehen.
Die Planungen stammen meist aus den 1990er Jahren, wurden wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage nur teilweise umgesetzt. Die Initiatoren sehen in dem Projekt eine große Chance für den Osten Berlins, Kritiker den Ausverkauf seiner wertvollsten Flächen. Als Kriterien für eine nachhaltige Standortentwicklung wurde von Mediaspree definiert: Öffentliche Ufernutzung, Bauten mit öffentlichen Bereichen im Erdgeschoss, Mischung aus großflächiger und kleinteiliger Nutzung, anspruchsvolle Architekturkonzepte, Integration von Kunst und Medien.mediaspree.de/Zielrichtung
Organisatorische Verwaltung mini|Mediaspree-Logo mit Motto
Es gibt keine Institution, die das Projekt zentral verwaltet und vermarktet; Mediaspree ist lediglich ein Label. Die Planung der einzelnen Bauvorhaben liegt bei Grundstücksbesitzern, Investoren und Bezirken (insbesondere Friedrichshain-Kreuzberg).
Als Anlaufstelle für Investoren und Unternehmen wurde jedoch im Mai 2004 der Verein Regionalmanagement mediaspree e. V. (ursprünglich media spree Berlin GmbH) gegründet, der bis Dezember 2008 Bestand hatte. Er entstand aus einer privatwirtschaftlichen Initiative als Zusammenschluss von verschiedenen Interessengruppen: Investoren aus der Bau- und Immobilienwirtschaft, Grundstückseigentümer, die nach der politischen Wende die Brachen auf dem ehemaligen Grenzgebiet erworben hatten, sowie Senats-, Bezirks- und IHK-Vertretern. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg war darin nicht federführend, sondern Partner im Sinne des Public Private Partnership. Die Vereinsmitgliedschaft war auf Eigentümer, Mieter und Pächter von Grundstücken oder Immobilien im Spreeraum beschränkt. 2008 hatte Mediaspree e. V. 21 Mitglieder, unter anderem die Anschutz Entertainment Group, Behala, die Berliner Stadtreinigungsbetriebe, die Deutsche Post Immobilien, die GASAG, IVG Immobilien und TLG Immobilien.mediaspree.de/Mitglieder
Der Verein sah seine Aufgabe darin, für den entsprechenden Spree-Bereich Räume und Flächen zu vermitteln, ansässige und ansiedlungswillige Unternehmen zu beraten, Kontakte zu Eigentümern, Behörden und Förderern zu vermitteln und Maßnahmen zum Marketing und zur Imagebildung zu ergreifen.Malah Helman: Mediaspree und der neoliberale Stadtumbau. Bei: abriss-berlin.de, 26. Januar 2007
Nach Auslaufen der öffentlichen Förderung wurde Mediaspree e. V. am 31. Dezember 2008 aufgelöst. Seine Aufgaben werden nun von einer Standortgemeinschaft fortgeführt, die sich neu konstituiert hat, allerdings weiter unter dem Namen Mediaspree firmiert.
Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung führt ihre Planungen für den Bereich auf beiden Seiten der Spree inzwischen unter dem Begriff „Leitbild Spreeraum“.Leitbild Spreeraum. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, abgerufen am 26. November 2012
Lage mini|Lage des Mediaspree-Bereichs
Das Projekt bezieht sich auf einen etwa 3,7 Kilometer langen und 180 Hektar großen Raum beider Spreeufer an den Grenzen der Ortsteile Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg und Alt-Treptow. Er wird im Westen von der Jannowitzbrücke, im Norden von der Bahntrasse, im Osten von der Elsenbrücke und im Süden von der Schlesischen Straße und der Köpenicker Straße begrenzt. Die Spree ist in diesem Abschnitt etwa 150 Meter breit und ihr Ufer verläuft relativ gerade. Sie wird von der Michaelbrücke, der Schillingbrücke und der Oberbaumbrücke gekreuzt. Neben großen, unbebauten Flächen befinden sich an den Ufern zahlreiche Industrie- und Gewerbebauten aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert, wie das Eierkühlhaus am Osthafen und die Eisfabrik, verschiedene Neubauten und die East Side Gallery. Durch öffentliche Verkehrsmittel ist das Gebiet gut an das Nah- und Fernverkehrsnetz angeschlossen.
Geschichte Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert waren in dem Gebiet vorrangig Industrie und Gewerbe angesiedelt. Viele der heute noch existenten Gebäude stammen aus dieser Zeit und sind charakteristisch für ihre Epoche. Einige von ihnen stehen deshalb heute unter Denkmalschutz. Von besonderer Bedeutung für die Region waren vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem der 1913 eröffnete Osthafen mit umfangreichen Lagermöglichkeiten für Getreide und andere Waren, das Eierkühlhaus und die Eisfabrik.
Zwischen 1939 und 1945 wurde das Gelände hauptsächlich von der Wehrmacht genutzt. Der Hafen diente ihr als Güterumschlagsplatz und in der heutigen Veranstaltungshalle Arena Berlin am Treptower Park, einer ehemaligen Omnibushalle, wurden Panzer und anderes Kriegsmaterial gewartet. Mehr als 150 Kriegsgefangene und Fremdarbeiter arbeiteten auf dem Hafengelände.
Nach dem Krieg waren große Teile der Gebäude zerstört. Bis 1947 wurden große Flächen von den Sowjets beschlagnahmt und genutzt, transportables Material wurde demontiert und als Teil der Reparationsforderungen in die Sowjetunion gebracht.
Zu Zeiten des Kalten Krieges lag das Gelände mitten im Grenzgebiet zwischen Ost- und West-Berlin, was eine wirtschaftliche Entwicklung unmöglich machte. Auf DDR-Seite wurden Teile der Industriegebäude durch Wachturmaufbauten und ähnliches in die Grenzsicherung miteinbezogen. Die Berliner Mauer verlief am nördlichen Spree-Ufer parallel zum Fluss, der die offizielle Grenze darstellte. Auf West-Berliner Seite entstanden im südlich an die Spree grenzenden Ortsteil Kreuzberg verschiedene alternative Projekte.
Die Neuordnung des Areals nach der Wende begann nur langsam. Ein etwa 1,3 Kilometer langes Teilstück der Berliner Mauer wurde nicht abgerissen, sondern von Künstlern gestaltet und bildet seit 1990 als East Side Gallery die längste Open-Air-Galerie der Welt. Ab 1998 wurde der Ostbahnhof umgebaut und im Jahr 2000 neueröffnet. Viele der brachliegenden Flächen wurden von Investoren aufgekauft. Eine entscheidende Entwicklung setzte aber erst 2002 mit der Verabschiedung eines Flächennutzungsplans durch den Berliner Senat und dem Vorantreiben des Projektes Mediaspree ein.
Überblick Zu den ersten nach dem Mauerfall im Mediaspree-Gebiet realisierten Investorenprojekten zählen der Bau der Treptowers, der ver.di-Zentrale an der Schillingbrücke, sowie der Umbau des Eierkühlhauses zur Deutschlandzentrale der Universal Music, der vom Senat mit zehn Millionen Euro gefördert und Mitte 2002 abgeschlossen wurde. Im Frühjahr 2004 erfolgte die ebenfalls bezuschusste Ansiedlung von MTV Networks Germany in einer ehemaligen Lagerhalle am Osthafen. 2005 folgten VIVA und VIVA Plus auf Grund ihrer Übernahme durch den MTV-Konzern. Auf dem Areal des ehemaligen Ostgüterbahnhofs wurde von der Anschutz Entertainment Group die damalige O2 World Berlin (heute: Uber Arena) errichtet und am 10. September 2008 von Protesten begleitet eröffnet.Protest und Chaos bei der Eröffnung der O2 World. Wikinews, 11. September 2008
Weitere bereits abgeschlossene Bau- und Umbauvorhaben im Mediaspree-Gebiet sind unter anderem das EnergieForum Berlin, der Industriepalast an der Warschauer Straße, das European Shared Service Center der BASF in der Oberbaum City, die Fernsehwerft, die Sanierung der Viktoria-Mühle, der Wissinger Höfe, der ehemaligen Heeresbäckerei und der Josetti-Höfe. Noch nicht fertiggestellt sind dagegen bisher unter anderem die Projekte Spree Urban und Spreeport, das Columbus-Haus, die Bebauung des Postareals um den Postbahnhof, das Anschutz-Gelände, das Quartier in Orange der BSR, das künftige Modehaus Labels 2, der geplante Yachthafen, die Neuen Spreespeicher und der Umbau der Eisfabrik.Berlin liegt an der Spree. Informationsvideo von Mediaspree bei google.com
Zu Erholungszwecken sind von Mediaspree ein zehn Meter breiter Uferstreifen und ein Park an der Spree eingeplant sowie einige kleinere Pocket-Parks zwischen Spree und Stralauer Allee um die East Side Gallery herum. Außerdem sind beiderseits des Flusses Promenaden und Radwege vorgesehen. Von einer Wiedererrichtung der zerstörten Brommybrücke zur Entlastung des zunehmenden Verkehrsaufkommens wurde dagegen nach Protesten wieder Abstand genommen – stattdessen soll nun ein temporärer „Kunststeg“ gebaut werden.
Stadtumbau West Mediaspree geht mit dem Senatsprojekt Stadtumbau West einher, das sich neben der Umstrukturierung des Kreuzberger Spreeufers auch explizit um die Entwicklung der Gebiete Neukölln-Südring, Schöneberg-Südkreuz und Tiergarten-Nordring/Heidestraße einsetzt. Die Bundesregierung und das Land Berlin möchten damit nachteiligen Folgen des wirtschaftlichen und demografischen Wandels entgegenwirken, indem „private Investitionen und zukunftsfähige Arbeitsplätze“ gefördert werden sollen. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Bereits realisierte Projekte (Objektbeschreibungen weitgehend nach mediaspree.de)Objektbeschreibungen mediaspree.de
Nördliches Spreeufer von West nach Ost
Fortress Multi Service Center Das von der Fortress Immobilien AG Meerbusch gebaute, an der Holzmarktstraße 1–9 unmittelbar neben dem Bahnhof Berlin Jannowitzbrücke befindliche, Multi-Service-Center mit einem Investitionsvolumen von 8,3 Millionen Euro beinhaltete eine Tamoil-Tankstelle, ein Burger King mit Drive-In, ein Lidl-Discounter und Büros. Das Areal wurde ab 2018 geschlossen und die bestehenden Konstruktionen abgerissen. Nach jahrelangem Brachliegen soll hier in der zweiten Hälfte das JaHo Berlin entstehen. Das Ensemble besteht aus drei Gebäuden: dem 75 m hohen Jannowitz-Turm (Architekt David Chipperfield), dem Holzmarkt-Kontor (zwei übereinander gegensätzlich mäandrierenden S-förmigen Baukörpern mit einer Höhe von 45 m) und Holzmarktstraße 5, einem Gebäude, das an das benachbarte Baudenkmal (Nr. 10) angrenzt. Für Teile des neuen Areals besteht bereits Baurecht (Stand Mitte 2025).
Trias mini|Das Trias-Gebäude, Sitz der BVG
Das Trias an der Holzmarktstraße 15–17 wurde von 1994 bis 1996 von der Architektengemeinschaft Lucia Beringer und Gunther Wawrik erbaut und beherbergt seit August 2008 die Hauptverwaltung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Es besteht aus drei 13-geschossigen Bürotürmen und einem sechsgeschossigen Gebäuderiegel.
Ibis Hotel Der siebengeschossige Gebäudekomplex direkt an der Schillingbrücke wurde im Jahr 2000 fertiggestellt und besteht aus drei Teilen, in denen sich Gewerbeflächen, 20 Wohnungen und das Hotel Ibis Berlin City Ost mit 242 Zimmern befinden.
EnergieForum Berlin mini|EnergieForum Berlin, Neubau an der Spree Das Gebäude am Stralauer Platz 33/34 wurde 1906–1908 errichtet und beherbergte früher das Zentralmagazin der städtischen Gaswerke. Bis 2002 wurde es als EnergieForum Berlin mit der thematischen Ausrichtung auf regenerative Energien und rationelle Energieanwendung umgebaut und um einen Neubau ergänzt. Es wurde am 28. Oktober 2003 eröffnet.izt.de Das denkmalgeschützte Magazingebäude und zwei moderne Baukörper an der Spree wurden durch ein gläsernes Atrium miteinander verbunden. Angesiedelt haben sich Unternehmen und Institutionen, die sich national und international im Bereich umweltschonender und regenerativer Energieerzeugung und -anwendung profilieren und das EnergieForum als Bürogebäude und Veranstaltungsort nutzen.
East-Side-Park mini|links|Schild der Anlegestelle im East-Side-Park, im Hintergrund Reste der Berliner Mauer und die damalige O2 World Berlin