Zollikon (zürichdeutsch Zolike Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 990.) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie liegt am nordöstlichen Zürichseeufer an der sogenannten Goldküste im Bezirk Meilen (bis 1986 gehörte Zollikon zum Bezirk Zürich). Zur Gemeinde gehört auch der Zollikerberg.
Die Gemeinde wird gemeinhin zu den wohlhabenderen Vororten Zürichs gezählt.
Geographie Lage Das Gemeindegebiet von Zollikon erstreckt sich in einem rund zwei Kilometer breiten und fünf Kilometer langen Streifen von West nach Ost vom Zürichsee die Flanke des Pfannenstiels hinauf bis zum Breitmoos an der Grenze zu Maur. Der tiefste Punkt liegt am See auf einer Höhe von 408 Metern, der höchste auf einer Höhe von 662 Metern beim Breitmoos.
Die Dorfteile Zollikerberg und Zollikon-Dorf sind durch einen Waldgürtel voneinander getrennt. Unterhalb des Waldes liegt auf einer Terrasse die Allmend.
Nachbargemeinden Zollikons sind die Stadt Zürich im Norden, Maur im Osten, Zumikon im Südosten und Küsnacht im Süden. Die Gemeindefläche beträgt 785 ha, davon sind 36 % Wald, 33 % Siedlungen und 12 % Landwirtschaftsgebiet.
Wald Von Zürich nach Küsnacht erstreckt sich ein breiter Waldgürtel quer durch die Gemeinde Zollikon. Die Waldfläche macht mit 280 Hektaren mehr als ein Drittel des Gemeindegebietes aus; prozentual gesehen gehört Zollikon damit zu den waldreicheren Gemeinden des Kantons.
Am 30. April 1330 schlossen sich die circa 250 Einwohner zur Holzkorporation Zollikon zusammen, die die Nutzung des Waldes regelte und seine Veräusserung an Auswärtige verhinderte. Die Holzordnung bildete die Grundlage für die 1572 erstellte Dorfordnung, in der die in Zollikon geltenden Satzungen und Gebräuche festgehalten wurden. 1798, nach dem Ende der alten Eidgenossenschaft erhielt die Korporation privatrechtlichen Charakter.
Der grösste Teil des Zolliker Waldes ist heute im Besitz der Holzkorporation. Weitere Besitzer sind der Alt-Bürgerverband Zollikon, die Gemeinde und einige Private.
Gewässer Der längste Bach im Dorf ist der Salsterbach. Er entspringt in zwei Armen im Wald zwischen Berg und Dorf und bildet im bewohnten Gebiet als Düggelbach die Grenze nach Küsnacht. Im Norden bildet der Nebelbach die Grenze zur Stadt Zürich. Er fliesst durch den gleichnamigen Weiher.
Im Zollikerberg bildet der Wehrenbach über weite Strecken die Grenzen zur Stadt Zürich. In den Wehrenbach münden von Maur her der Rossweidbach und von der Rüterwies der Stumpbach. Das Brunnenbächli, das von Zumikon her die Forchstrasse entlang floss, wurde fast gänzlich zugeschüttet. An einen Weiher im Rietholzquartier erinnert nur noch der Strassenname Weiherweg. Der Seeanstoss in Zollikon beträgt knapp 1,5 Kilometer.
Namen Die erste sichere Erwähnung des Orts datiert von 946, als von den de duabus Collinchovin «von den beiden Zollikon» die Rede ist (siehe unten). Der Name geht auf althochdeutsch [bī dien] Zollingo hovum zurück und bedeutet «bei den Höfen der Zollinger» bzw. «bei den Höfen der Leute (der Sippe) des Zollo».Hans Kläui, Viktor Schobinger: Zürcher Ortsnamen. Entstehung und Bedeutung. Hrsg. von der Zürcher Kantonalbank. Zürich o. J., S. 48. Er enthält die Zugehörigkeit ausdrückende Ableitungssilbe -ing.
Schreibweisen für Zollikon: 946: Collinchovin, 1145: Zollinchoven, 1209/33: Zollinchon, 1223: Zollicon, 1504: Zolliken.
Schreibweisen für Trichtenh(a)usen: 946: Truhtilhusa, 1230: Truchtenhusen, 1362: Trüchtenhusen, 1504: Trichtenhusen, im 15. Jahrhundert auch Drüchtenhusen.
Schreibweisen für Witellikon: 946: Witalinchova, 1153: Wittalinchoven, 1158: Witalinchon, 1250: Witelinchon, 1261: Witelinkon, 1313: Wittelikon, 1667: Wyttellicken.
Geschichte Erste Spuren Der mit Abstand älteste Fund auf Zolliker Boden stammt aus der Jungsteinzeit: Im Chleidorf wurde 1972 ein kleines Steinbeil gefunden, das aus der Pfyner oder Horgener Kultur stammen dürfte. Es handelt sich jedoch um einen Einzelfund; neolithische Siedlungen auf Zolliker Boden sind nicht nachgewiesen.
Auch aus der Bronzezeit sind keine Siedlungsplätze nachgewiesen, doch kann angenommen werden, dass schon damals Menschen in Zollikon lebten. Denkbar ist, dass die 1913 im Gebiet Breitmoos aufgefundenen Siedlungsreste (Steine, Kohlenreste und Pfähle) aus der Bronzezeit stammen; wurden doch zu jener Zeit viele Seeufersiedlungen zugunsten von Landsiedlungen aufgegeben.
Erste Besiedlung mini|hochkant|Keltengräber auf dem Feufbühl
Erste Spuren einer Besiedlung des Gemeindegebietes stammen aus der Hallstattzeit. Damals entstanden auf dem Feufbüel fünf Grabhügel, die noch heute deutlich erkennbar sind und Keltengräber genannt werden.
In der Oberhub im Zollikerberg wurde 1968 ein eisernes Hiebschwert aus der Latènezeit gefunden. Oxidationsspuren lassen auf ein Brandgrab schliessen, von dem jedoch keine Spuren zurückblieben. Auch wenn Spuren von Siedlungen fehlen, kann angenommen werden, dass vor allem im Zollikerberg einzelne Gehöfte standen. mini|hochkant|Alemannisches Skelett aus dem Zollikerberg
1962 kam bei Aushubarbeiten in der Unterhueb im Zollikerberg ein Feld von elf von Osten nach Westen ausgerichteten Steinkistengräbern aus dem 8. und 9. Jahrhundert zum Vorschein. Als letzte Bestattung fand sich das gut erhaltene Skelett eines knapp 50 Jahre alten Mannes. Die Anlage der Gräber in Sandsteinplatten und -brocken und ihre Verteilung lassen auf eine kleine hochmittelalterliche, während langer Zeit immer wieder benützte Grablege schliessen, deren Hauptgruppe einst in der Gegend des Sennhofweges lag, vielleicht noch etwas weiter südlich, wo möglicherweise auch die seit 1275 immer wieder erwähnte, aber nie gefundene «Kapelle zu Trichterhausen» stand.Zürcher Denkmalpflege, 3. Bericht 1962/63
Die beiden noch heute existierenden Flurnamen Deisten (Dingstatt, Gerichtsstätte) und Galgenbühl (Richtstätte) deuten auf eine besondere Bedeutung des Zollikerbergs. Offenbar war dort ein kirchliches und gerichtliches Zentrum, das bis in das 8. und frühe 7. Jahrhundert zurückreichen dürfte.
Erste schriftliche Erwähnung mini|links|Mitte rechts: Erste schriftliche Erwähnung Zollikons im Rotulus vom 28. April 946 Die erste schriftliche Nennung Zollikons stammt aus dem Jahr 946: Am 28. April wird in einer lateinisch abgefassten Urkunde festgehalten, dass Zollikon (de duabus Collinchovin), Trichtenhusen (Truhtilhusa) und Witellikon (Witalinchova) die Kirchensteuer der Propstei Grossmünster abzuliefern haben. Damit umfasste das Zehntrecht das ganze Gebiet der heutigen Gemeinde. Das Ausdruck de duabus Collinchovin – die beiden Zollikon – weist wohl auf die beiden ersten Wachten des Dorfes hin, Chleidorf und Hinterdorf/Oberdorf.
1223 erscheint mit Dietericus ein Dietrich aus Zollikon erstmals in einer Urkunde des Klosters am Zürichberg als Zeuge, vermutlich ein Lehensträger der Freiherren von Regensberg. Das begüterte Geschlecht derer von Zollikon wird schon 1145 erwähnt. Vermutlich lag ihr Sitz oberhalb des Guggers am oberen Rand der Goldenen Halde bei der heutigen Letzistrasse, wo eine Letzi zu seinem Schutz diente. Die Goldene Halde war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der bedeutendste Rebberg Zollikons. Die Anlage war zudem durch das Tobel des Düggelbach geschützt und konnte den Verkehr über die Alte Landstrasse kontrollieren.
Zollikon war damals ein Teil der Reichsvogtei Zürich, die nach dem Aussterben der Zähringer als letzte Inhaber der Vogtei aufgeteilt wurde: Das Gebiet von Stadelhofen bis Meilen fiel an die Regensberger, die auf den Burgen Friedberg in Meilen und Wulp oberhalb Küsnacht sassen. Häufig erscheinen Einwohner von Zollikon in ihrem Gefolge.
Nach dem Niedergang der Regensberger zogen die «von Zollikon» mit ihren Dienstherren nach dem damals noch regensbergerischen Grüningen, wo sie sich niederliessen, wie 1279 im Habsburger Urbar festgehalten wird: ussidelinge, de ze Zollinkon gesessen sint.Thomas Müller, in Zolliker Jahrheft 2000, S. 19.
Die Vogtei über Zollikon kam an die Familie der Mülner, die vermutlich als Inhaber des Meierhofes von Stadelhofen schon vorher Rechte an Zollikon besassen. Wann der Übergang genau erfolgte, ist nicht bekannt, aber am 20. Oktober 1333 liess Götz I. Mülner den Besitz der Reichslehen von Kaiser Ludwig der Bayer bestätigen: dem vesten manne Gottfriden dem Müllner, unserem lieben Getreuen. 1358 verkaufte sein Sohn Götz II. Mülner die Rechte für 400 Silbermark an die Stadt Zürich, deren Geschicke sie fortan teilte. Damit wurde Zollikon zum ersten ausserhalb der Stadt gelegenen Gebiet des späteren Kantons Zürich.
Vogtei mini|links|Vogtei Küsnacht 1779, Zeichnung von Johannes Müller mini|hochkant|Initiale der Gründungsurkunde der Holzkorporation. Der Kopf soll Götz Mülner darstellen. 1384 wurde Zollikon Teil der Obervogtei Küsnacht, die durch zwei dem Zürcher Rat angehörende Obervögte verwaltet wurde. Ihr Vertreter in der Gemeinde war der Untervogt, der die Aufsicht ausübte und den zwölf Geschworenen vorsass, dem eigentlichen Gemeinderat. Diese Zugehörigkeit bestand bis 1798.
Am 30. April 1330, noch zur Zeit der Mülner, organisierten sich die circa 250 Einwohner Zollikons mit der Gründung der Holzkorporation Zollikon in einer Dorfgenossenschaft, die die Nutzung des Waldes regelte. Um dem Dokument Rechtskraft zu verleihen, baten die Zolliker den Reichsvogt Mülner, um Bestätigung und Siegel. In einer Zeit, da nur die Städte Zürich und Winterthur als Rechtspersönlichkeiten auftraten, war dies ein bemerkenswert selbstbewusster Akt. Damit wurde Zollikon zu der ersten selbst verwalteten Gemeinde des Kantons.
Dem Vorstand der Holzkorporation wurden mit der Zeit auch andere Aufgaben in der Gemeinde übertragen. Die Holzordnung bildete die Grundlage für die 1572 erstellte Dorfordnung, in der die in Zollikon geltenden Satzungen und Gebräuche festgehalten wurden. 1798, nach dem Ende der alten Eidgenossenschaft erhielt die Korporation privatrechtlichen Charakter. Die Holzkorporation besteht heute noch.
Bevölkerung Ein grosser Teil der Bevölkerung waren damals Hörige der Mülner, des Grossmünsterstifts Zürich oder der Klöster Einsiedeln und St. Gallen. Die Hörigen hatten eine kleine Steuer zu entrichten, nahmen aber sonst eine ähnliche Stellung ein wie die freien Bauern. Die letzte namentliche bekannte Hörige in Zollikon war 1391 Verena Frick als Hörige des Hans von Hohenlandenberg. Später wurden die Verpflichtungen gegenüber der Leibherren abgelöst oder gingen vergessen. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert können die Bewohner von Zollikon als Freie betrachtet werden.
Reformationszeit mini|Erinnerungstafel an die Täufer an der Gstadstrasse