Als Augenpulver bezeichnet man in der Typografie eine besonders klein oder eng gesetzte und damit schwer lesbare Schrift.
Begriff Da beim Lesen das Auge nicht Buchstabe für Buchstabe durchgeht, sondern Wort- und Buchstabengruppen erfasst, kann es bei einer zu kleinen oder engen Schrift diese Blöcke nicht mehr korrekt aufnehmen. Die Lesbarkeit einer Schrift wird damit erschwert.
Oft findet sich derartige Schriftsätze in Büchern oder Druckerzeugnissen, die nicht durchgehend gelesen, sondern nur zum Nachschlagen und stichpunktartigem Lesen verwendet werden. Beispiele sind Taschenwörterbücher oder Packungsbeilagen, da hier viel Text auf wenig Raum untergebracht werden muss. Ein derartiger „Augenpulvertext“ ist in diesen Fällen auch eher erträglich als bei den normalen Fließtexten.
Ab wann ein Text als Augenpulver angesehen wird, ist eine zum Teil sehr subjektive Bewertung; die Leserlichkeit eines Textes hängt neben typografischen Faktoren wie Schriftart, -größe und Zeilenabstand auch von persönlichen Gegebenheiten wie der Sehschärfe ab.
Der Begriff wurde schon von Arthur Schopenhauer gebraucht, der sich mit seinem Verleger Brockhaus Auseinandersetzungen über eine zureichende Schriftgröße lieferte. Von ihm stammt auch das folgende Zitat:
Auch E. T. A. Hoffmann gebraucht diesen Begriff schon:
Ebenso verwendete Martin Heidegger diesen seltenen Ausdruck, und zwar während der Vorbereitungen zu seiner Gesamtausgabe gegenüber seinem damaligen Privatassistenten Friedrich-Wilhelm von Herrmann. Einige frühe Vorlesungsmanuskripte Heideggers liegen nämlich in einer äußerst kleinen, nur schwer lesbaren Handschrift vor, worüber von Herrmann bemerkt:
Siehe auch Bleiwüste Druckersprache
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Typografie