Eschwege ist die Kreisstadt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.
Geografie mini|hochkant=1.35|Blick auf Eschwege vom Bismarckturm auf dem Großen Leuchtberg. Im Hintergrund rechts der Hohe Meißner. Die Stadt liegt in einer weitläufigen Flussniederung der Werra am Fuß der Leuchtberge, nordwestlich des Schlierbachswaldes und östlich des Hohen Meißners, etwa mittig im Städtedreieck Kassel (ca. 52 km, Nordhessen), Göttingen (ca. 55 km, Südniedersachsen) und Eisenach (ca. 40 km, Westthüringen), wenige Kilometer südlich vom Dreiländereck Hessen – Niedersachsen – Thüringen.
Nachbargemeinden Eschwege grenzt im Norden an die Stadt Bad Sooden-Allendorf und die Gemeinde Meinhard, im Osten an die Stadt Wanfried (alle drei im Werra-Meißner-Kreis), im Südosten an die Stadt Treffurt (im thüringischen Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinden Weißenborn und Wehretal, im Westen an die Gemeinde Meißner sowie im Nordwesten an die Gemeinde Berkatal (alle vier im Werra-Meißner-Kreis).
Stadtgliederung Die Stadt Eschwege besteht aus der Kernstadt sowie den Stadtteilen Albungen, Eltmannshausen, Niddawitzhausen, Niederdünzebach, Niederhone, Oberdünzebach und Oberhone.
Klima
Geschichte mini|Kupferstich von Eschwege im Jahr 1655 (Matthäus Merian)
Mittelalter Seine erste Erwähnung findet eskinivvach (Eskiniuuach) im Jahre 974. Dieser Name entstammt einer alten germanischen Sprache und bedeutet so viel wie Siedlung bei den Eschen am Wasser. Sprachgeschichtlich lässt sich die Entstehung des Ortes somit auf eine Zeit vor der Eroberung durch die Franken datieren. Das war nach dem Jahr 500, spätestens um 700. Wohl noch in merowingischer Zeit entstand hier ein fränkischer Königshof, der als Grenzbefestigung über die Werrafurt nach Thüringen wachte und noch im 10. und 11. Jahrhundert bestand. Auf diese Zeit deutet noch der heilige Dionys hin, der bevorzugte Heilige der Merowinger, dem die Altstädterkirche geweiht ist.
mini|Eschwege: Blick auf Werrabrücke und „Brückenhausen“
Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde von Kaiser Otto II., der darin den Königshof und die Siedlung seiner Frau Theophanu als Erbe hinterlässt. Ihre Tochter Sophia gründete um 1000 auf dem Cyriakusberg das Frauenstift Eschwege, das dem heiligen Cyriakus geweiht wurde und bis zur Einführung der Reformation in Hessen im Jahre 1527 bestand (einzig heute noch erhaltener Rest des Stifts ist der Karlsturm). Die Marktrechte erhielt der Ort um 1188, und die Stadtrechte folgten vor dem Jahr 1249. Aus dieser Zeit stammen auch die Grundlagen der bis in die Neuzeit florierenden Tuch- und Ledererzeugung.
Ab 1264 gehörte Eschwege als Folge des Thüringisch-Hessischen Erbfolgekriegs unter Landgraf Heinrich I. von Hessen zu Hessen. Am 12. Mai 1292 trug er König Adolf von Nassau die Stadt Eschwege als Reichslehen an und erhielt sie und die Reichsburg Boyneburg sofort als erbliches Reichslehen zurück. Damit erwarb Heinrich die Reichsfürstenwürde, was seine Machtstellung in Hessen erheblich stärkte.
Im Jahre 1385 zog Landgraf Balthasar von Thüringen in die Stadt ein und baute 1386 eine Burg. Im Jahre 1433 fiel die Stadt wieder an die Landgrafschaft Hessen. Die Landgrafen Philipp I., Wilhelm IV. und Moritz bauten die Burg zu einem Schloss aus.
Frühe Neuzeit mini|Der Eschweger "Schulberg" vor dem Dreißigjährigen Krieg (1583) 1585 ist ein Amt Eschwege bezeugt. Von 1627 bis 1632 war dies der Alterssitz des abgedankten Landgrafen Moritz und von 1632 bis 1655 Residenz des Landgrafen Friedrich von Hessen-Eschwege, einer Nebenlinie im sogenannten Rotenburger Quart des Hauses Hessen-Kassel; allerdings residierte Friedrich wohl erst nach 1646 tatsächlich in der Stadt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Eschwege an Ostern (Gründonnerstag, 9. April) 1637 durch kaiserliche Kroaten unter General Johann von Götzen geplündert und weitgehend durch Brände verwüstet. Nach dem Tod Friedrichs von Hessen-Eschwege 1655 fiel seine (Teil-)Landgrafschaft an seinen Bruder Ernst von Hessen-Rheinfels. Nach 1731 verlegte dessen Enkel Christian von Hessen-Wanfried die Residenz der Landgrafschaft Hessen-Wanfried nach Eschwege. Nach dem Aussterben der Linie Hessen-Wanfried im Mannesstamm 1755 fiel die Landgrafschaft an die Linie Hessen-Rotenburg. Als auch diese 1834 in männlicher Linie erlosch, fiel die ganze Quart an das Stammhaus Hessen-Kassel zurück. mini| Plan von Eschwege (1826) Am 30. Oktober 1657 wurden Martha Kerste und ihre Tochter Catharina Rudeloff unter der Anklage der Hexerei hingerichtet. Bürgermeister Jürgen Zick im Namen der Stadt und die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Eschwege sprachen am 30. Oktober 2007 eine Rehabilitation der beiden als „Hexen“ verurteilten Frauen aus.
Eschwege lag an der 1700 eingerichteten Fahrpostroute Leipzig–Kassel im Rahmen der Fernpostlinie Moskau–Amsterdam.
19. und 20. Jahrhundert mini|Der zerstörte Eschweger Bahnhof im Mai 1945 (Luftaufnahme der amerikanischen „Trolley-Mission“) Die Stadt erhielt im Jahre 1875 ein Krankenhaus, als am 28. Januar 1875 das communalstädtische Landkrankenhaus eröffnet wurde.Tobias Stück: Eschweger Klinik wurde vor 150 Jahren eingeweiht in Klinikum Plus, Ausgabe 1/2025, Hrsg. Klinikum Werra-Meißner, 2025 Im selben Jahr erhielt Eschwege einen Bahnanschluss, als die Strecke von Bebra nach Eschwege gebaut wurde. Der Bahnhof Niederhone (ab 1936 Eschwege West) war Kreuzungspunkt der Berlin-Coblenzer Eisenbahn (Kanonenbahn) mit der Bebra-Friedländer Eisenbahn.
Im Zweiten Weltkrieg war Eschwege mehrmals das Ziel von Luftangriffen. Angriffe am 7., 19. und 21. Juli sowie am 26. August 1940 galten vor allem dem Flugplatz. Am 19. April 1944 wurden das Flugplatzgelände sowie Ober- und Niederhone angegriffen, wobei 18 Tote und 60 Verletzte zu beklagen waren.Luftaufnahme vom Eschweger Flugplatz nach Übernahme der amerikanischen Truppen 1945 Im Hintergrund P-38 Jäger der United States Army Air Forces, die von hier aus operierten. mini|Verlegung einer neuen Kanalisation in der Forstgasse Ende der 1940er Jahre Der schwerste Angriff erfolgte in den Mittagsstunden des 22. Februar 1945, der vor allem dem Bahnhof galt und 44 Menschenleben forderte. Am 3. April 1945 sprengten zurückweichende deutsche Truppen die Werrabrücken der Stadt. Noch am selben Tag rückte die US-Army in die Stadt ein. Die Besatzer richteten im Amtsgericht ihr Hauptquartier ein.Luftangriff auf Eschwege vor 75 Jahren: Bombenhagel zur Mittagszeit, Werra-Rundschau, 23. Februar 2020
Nach dem Ende des Krieges gehörte Eschwege zur Amerikanischen Besatzungszone. Die US-Militärverwaltung richtete im Januar 1946 ein DP-Lager zur Unterbringung jüdischer Flüchtlinge, so genannter Displaced Persons (DP), ein. Dieses Lager, in dem zeitweise bis zu 3300 Menschen lebten, wurde im April 1949 aufgelöst.
Gemeinnützige Stiftungen Die Schenck’sche Stiftung zu Eschwege wurde gestiftet von Rudolph von Schenck zu Schweinsberg, Statthalter zu Cassel und Landvogt an der Werra. Sie war bestimmt zur Besoldung der Prediger, der Schul- und Kirchendiener, zu Beneficien an Studierende und Schulknaben und zur Belohnung an treue Dienstmägde, die 10 Jahre bei ein und derselben Herrschaft gedient hatten.Kurfürstlich-Hessisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag des reformierten Waisenhauses, Cassel 1863, S. 280.
1863 waren die beiden Pfarrer der Altstadt und der Pfarrer der Neustadt die Vorstände der Stiftung. Als Administrator und Pfarrer-Witwenkassen Administrator war der Kirchenschaften-Provisor zu Eschwege, Ludwig Arnold, bestellt.
Historische Stadtnamen In der Gründungszeit wurde Eschwege „Eskiniwach“ genannt, das heißt so viel wie „Siedlung bei den Eschen am Wasser“. Die älteren Leute, die in der Umgebung von Eschwege leben, sagen zu „Eschwege“ auch „Eschewei“ oder „Ischewei“. Diese Namen stammen vermutlich aus dem Hochdeutschen und sind vom germanischen Ursprungsnamen Eschweges abgeleitet. Weitere historisch belegte Namensformen des Ortes sind „Eskinewag“ in pago Germara marca (994), „Iskinwege“ (1064/65), „Heschenewege“ (1070/77), „Askinewage“ (1070) und „Eschenwege“ (1188).
zentriert|mini|hochkant=4.5|Beschriftetes Panorama der Altstadt von Eschwege – Aufgenommen vom Nikolaiturm
Eingemeindungen Im Jahr 1936 wurde Niederhone eingemeindet, da man das Gelände zum Anlegen des Fliegerhorsts Eschwege benötigte; die dortige Staatsdomäne wurde aufgelöst und weitgehend abgerissen.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bisher eigenständigen Gemeinden Niederdünzebach und Oberdünzebach auf freiwilliger Basis eingemeindet und damit zu Stadtteilen Eschweges. Albungen, Eltmannshausen und Niddawitzhausen folgten am 1. April 1972. Oberhone kam am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz hinzu. Für die eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Gerichte Die Gerichtsbarkeit über Eschwege wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit durch das Amt Eschwege ausgeübt. Von 1627 bis 1632 gehörte es zur landgräflichen Nebenlinie von Hessen-Rotenburg.
Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt: 1801–1813: Friedensgericht Eschwege im Königreich Westphalen 1813–1834: Amt Eschwege erste Instanz, zweite Instanz Justizkanzlei Rotenburg 1834: Justizamt Eschwege I (Abtrennung der Justiz) erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1837: Justizamt Eschwege erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1867: Amtsgericht Eschwege erste Instanz (nach der Annexion durch Preußen), zweite Instanz Kreisgericht Kassel 1879: Amtsgericht Eschwege erste Instanz (durch das Reichsjustizgesetze), zweite Instanz Landgericht Kassel
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eschwege angehört(e): 974: Land Thüringen, Germaramark in der Grafschaft des Grafen Wigger 1075: Bistum Speyer 1233: Heiliges Römisches Reich, Erzbistum Mainz 1250–1264: Heiliges Römisches Reich, Herzogtum Braunschweig ab 1264: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen ab 1292: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen ab 1395: Heiliges Römisches Reich, Anschluss der Stadt an den thüringischen Landgrafen Balthasar von Meißen ab 1433: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Niederhessen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen, Amt Eschwege ab 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege, Gericht Eschwege 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Eschwege, Gericht Eschwege 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Eschwege 1814–1821: Kurfürstentum Hessen, Amt Eschwege, Gericht Eschwege ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73. ab 1834: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeTrennung von Justiz (Justizamt Eschwege) und Verwaltung ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege