mini|hochkant|Roman Abramowitsch (2019) Roman Arkadjewitsch Abramowitsch (, wiss. Transliteration , englische Transkription Roman Arkadyevich Abramovich, Betonung: Román Arkádjewitsch Abramówitsch, ; * 24. Oktober 1966 in Saratow, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein Unternehmer und Investor mit russischer, israelischer und portugiesischer Staatsbürgerschaft. Er war von 2000 bis Juli 2008 Gouverneur der russischen Region Tschukotka. Er gehört zu der ersten Generation von Geschäftsleuten, die in Russland nach dem Fall der Sowjetunion zu beträchtlichem Vermögen gekommen sind (Oligarchen). Seit 2022 ist er im Westen mit Sanktionen belegt.
Herkunft und Ausbildung Abramowitsch ist jüdischer Herkunft. Seine Familie väterlicherseits stammte aus Belarus und war nach der Oktoberrevolution nach Tauragė in Litauen ausgewandert. Die litauische Schreibweise des Familiennamens ist Abramavičius. Nahim (hebräisch Nahman) Abramowitsch (1887–1942), der Großvater väterlicherseits, wurde in Eržvilkas im Bezirk Tauragė geboren. Nahims Frau, Romans Großmutter väterlicherseits, Tauba, geb. Berkover, stammte aus Jurbarkas.Litvak SIG (Lithuanian Jewish Special Interest Group Database – https://www.litvaksig.org/) Lithuania Marriage and Divorces, Record from Taurage Raseinai Kaunas, August 20th 1925, LVIA/1817/1/322. Nach der Annexion Litauens durch die Sowjetunion im Jahr 1940 deportierte das NKWD die Familie nach Sibirien. Nahim Abramowitsch starb im Gulag.↑ Геноцид жителей Литвы 1939–1941. – Вильнюс: Центр исследования геноцида и резистенции жителей Литвы, 1999. – С. 78–79.↑ Родовое гнездо Абрамовича нашлось в Литве // — Радио Свобода, 2010. Die Großeltern mütterlicherseits waren Wassili Michalenko und Faina Grutman. Abramowitschs Eltern lebten bei seiner Geburt in Syktywkar.↑ Неизвестные страницы жизни Романа Абрамовича КП — Саратов. Roman war 18 Monate alt, als seine Mutter Irina Michalenko an den Folgen einer heimlichen Abtreibung starb. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater Arkadi (hebräisch Aron) Abramowitsch (1937–1970) bei einem Bauunfall. Bis zu seinem achten Lebensjahr wuchs Abramowitsch bei einem Onkel väterlicherseits, Leib Abramowitsch, einem Ölingenieur in Uchta, auf und danach bei einem zweiten Onkel, Abraham, in Moskau. Am Moskauer Gubkin-Öl- und-Gas-Institut studierte Abramowitsch Ingenieurwissenschaft.
Werdegang Nach der Öffnung der sowjetischen Wirtschaft im Zuge der Perestroika gründete Abramowitsch als 21-jähriger Student das Unternehmen Ujut (deutsch: „Gemütlichkeit“). Ujut stellte zunächst profane Dinge wie Gummienten und Fußbälle her. Abramowitschs Einstieg in das Ölgeschäft begann, als er nach dem Zerfall der Sowjetunion zwischen 1993 und 1996 das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom leitete.
Sibneft und Slavneft Über Runicom wickelte Abramowitsch größere Ölgeschäfte mit Raffinerien ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. 1992 war Abramowitsch erstmals Boris Beresowski begegnet. Dessen Kontakte zu Boris Jelzin machte er sich zunutze. Mit Beresowski konnte er sich nach dem Zerfall der Sowjetunion ein weitverzweigtes Firmenimperium aufbauen, indem er ehemals staatliche Betriebe aufkaufte. Sibneft kaufte er für etwa 250 Millionen US-Dollar. Zum Besitz der von ihm kontrollierten Holding Millhouse Capital gehörten schließlich 80 % von Russlands fünftgrößtem Ölkonzern Sibneft, 50 % des Aluminiumkonzerns RUSAL, 26 % der Fluggesellschaft Aeroflot und 37,5 % des Autoproduzenten Ruspromawto. Die Raffinerie im sibirischen Omsk wurde das Kernstück des Sibneft-Konzerns.
Evraz Abramowitsch hält Aktienanteile am zweitgrößten russischen Stahlkonzern Evraz.Marketscreener: Vorstand des Stahlherstellers Evraz tritt nach Abramowitsch Sanktion zurück, März 2022
Verkäufe Offenbar unter dem Eindruck des Verfahrens gegen Michail Chodorkowski verkaufte Abramowitsch nach und nach seine Anteile an russischen Unternehmen. Seine Aeroflot-Aktien verkaufte er im März 2003 an den russischen Staat. Die RUSAL-Anteile verkaufte Abramowitsch in zwei Schritten 2003 und 2004 an die Gruppe „Basowy Element“ von Oleg Deripaska.
Seine Mehrheit an Sibneft verkaufte er Ende 2005, mit sehr großem Gewinn, für 13 Milliarden US-DollarGasprom kauft Sibneft für 13 Milliarden Dollar. faz.net, abgerufen am 18. März 2022. an den halbstaatlichen Gaskonzern Gazprom. Westliche Banken gewährten Darlehen über zwölf Milliarden US-Dollar, etwa die Hälfte davon kam russischen Medienberichten zufolge vom niederländischen Institut ABN Amro und der Dresdner Bank.Ukraine-Krieg: Schmutziges Geld im Fußball? „Markus Lanz“ diskutiert den Fall von Putin-Freund Abramowitsch, merkur.de, abgerufen am 18. März 2022. Sibneft wurde später in Gazprom Neft umbenannt.
Käufe 2003 kaufte Abramowitsch den Londoner Fußballverein FC Chelsea. Abramowitsch soll weltweit 70 Immobilien sowie mehrere Yachten und Flugzeuge besitzen.
Verhältnis zu Boris Jelzin und Wladimir Putin Lange Zeit galt Abramowitsch als wichtigster Oligarch im Umfeld des damaligen Präsidenten Wladimir Putin.BBC Dokumentation BBC Panorama – Roman Abramovich's Dirty Money, BBC, abgerufen am 18. März 2022 Er gilt als ein Wegbereiter für den Machtwechsel von Ex-Präsident Boris Jelzin zu Putin im Jahr 2000. Im Dezember 2000 wurde Abramowitsch zum Gouverneur des Autonomen Kreises der Tschuktschen gewählt und im Oktober 2005 im Amt bestätigt.
Am 3. Juli 2008 akzeptierte der russische Präsident Dmitri Medwedew Abramowitschs mehrfach geäußertes Rücktrittsgesuch und entließ ihn als Gouverneur. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Roman Kopin.Russland: Medwedew entlässt Milliardär Abramowitsch als Gouverneur – Spiegel online
Anfang 2008 bestellte Infrastruktura, ein Bauunternehmen Abramowitschs, die derzeit weltgrößte Tunnelvortriebsmaschine bei der Herrenknecht AG, um damit eine Nische auf dem russischen Infrastrukturmarkt zu erschließen. Das Gerät wurde vor allem beim Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi eingesetzt. Infrastruktura erwartete nach eigenen Angaben Tunnelbauaufträge von einigen Milliarden US-Dollar pro Jahr.
2011 verklagte Boris Beresowski Abramowitsch auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Er warf seinem früheren Geschäftspartner vor, ihn beim Verkauf des Unternehmens Sibneft betrogen und ihn um seine Anteile gebracht zu haben. Abramowitsch beteuerte allerdings, dass Beresowski keine Anteile am Unternehmen hatte. Am 31. August 2012 wurde Beresowskis Klage von einem Londoner Gericht abgewiesen.Richter schmettern Klage gegen Abramowitsch ab, Spiegel Online, 31. August 2012, abgerufen am 3. September 2012.
Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine wurde Abramowitsch Abgesandter für Russland bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland 2022. Die von Alexei Nawalny gegründete Stiftung für Korruptionsbekämpfung führt Abramowitsch als verwickelt in das System der russischen politischen Korruption. Abramowitschs Name steht auf der Liste der Korruptionäre und Kriegstreiber der Stiftung.
Herkunft des Vermögens mini|Abramowitsch (2008) Abramowitsch profitierte finanziell von der Privatisierung einiger Unternehmen des Staates. Er kaufte günstig Unternehmen und veräußerte sie später mit Gewinn. Er profitierte auch von der Zerschlagung des Yukos-Konzerns.
In Russland blieb er als Unternehmer aktiv. Im Dezember 2007 wurde eine Beteiligung von Millhouse am russischen Goldproduzenten Highland Gold Mining Ltd. in Höhe von 40 Prozent bekannt. Am 25. Juli 2016 stellte Roman Abramowitsch ein Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Er wollte sich in Verbier niederlassen. Das Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol) urteilte Anfang 2017, dass Abramowitschs Anwesenheit in der Schweiz als Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie als Reputationsrisiko für die Schweiz einzuschätzen sei. Abramowitsch sei Fedpol wegen Verdachts auf Geldwäsche bekannt. Darüber hinaus würden Fedpol verschiedene polizeiliche Informationen vorliegen, wonach Abramowitsch Kontakte zu russischen kriminellen Organisationen unterhält. Der Ursprung seines Vermögens wurde als mindestens teilweise illegal eingeschätzt. Abramowitsch kontaktierte die Fedpol-Direktorin, die Schweizer Behörden blieben jedoch bei ihrer Einschätzung. Als er erfuhr, dass der Tages-Anzeiger über die Vorgänge rund um sein Gesuch berichten wollte, klagte Abramowitsch zunächst vor dem Zürcher Handelsgericht, wo er scheiterte, und dann beim Bundesgericht. Die Richter wiesen seine Beschwerde im September 2018 ab.Thomas Knellwolf, Marie Parvex, Oliver Zihlmann, Bernhard Odehnal: Fedpol sieht in Abramowitsch eine Gefahr für die Schweiz. In: Tages-Anzeiger, 25. September 2018.Roman Abramovich posed threat to public security, Swiss police said. In: The Guardian, 25. September 2018.
Nachdem die britische Regierung im Zuge des versuchten Mordes an Sergei Skripal schärfere Kontrollen zum finanziellen Hintergrund von Investoren einführte, zog Abramowitsch seinen Antrag auf Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis in Großbritannien zurück.Warum Abramowitsch auf sein britisches Visum warten muss. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. Mai 2018.
Abramowitsch ließ sich danach in Israel nieder. Israelische Medien berichteten, dass er schon 2017 ein Anwesen in Tel Aviv erworben habe.Der neue Pass macht den Oligarchen zum reichsten Israeli. In: Welt Online, 29. Mai 2018. Ende Mai 2018 erhielt er die israelische Staatsbürgerschaft; als Kind jüdischer Eltern hat er nach dem Rückkehrgesetz Anspruch auf einen israelischen Pass. Als israelischer Bürger benötigt er für einen Besuch in der Europäischen Union, anders als russische Staatsbürger, kein Visum. Wenn er in Großbritannien arbeiten oder leben möchte, müsste er wieder ein britisches Visum beantragen und sich strengeren Kontrollen zur Herkunft seines Vermögens unterziehen.Beneide mich, ich bin ein Bürger!, Nowaja Gaseta, 1. Juni 2018. Ende 2021 erhielt Abramowitsch die portugiesische Staatsbürgerschaft aufgrund eines Gesetzes, wonach Portugal Menschen, deren jüdische Vorfahren im 15. Jahrhundert vertrieben wurden, die Staatsbürgerschaft gewährt. Die Umstände seiner Einbürgerung waren in der Folge Objekt einer Untersuchung.Rabbiner von Porto festgenommen, Justiz ermittelt nach Abramowitsch-Einbürgerung, www.n-tv.de, abgerufen am 12. März 2022
Sanktionen der EU und weiterer Staaten Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine fielen der Kurs des Rubel und der russischen Aktien stark. An der Londoner Börse fiel die Evraz-Aktie stark; der Handel wurde am 10. März ausgesetzt. Am gleichen Tag verhängte die britische Regierung Sanktionen gegen Abramowitsch und weitere Oligarchen. Abramowitsch verlor die Kontrolle über seine Villa in London (in den Kensington Palace Gardens).Oligarchen in der Sanktionsfalle auf faz.net. Jedoch hatte Abramowitsch seine Luxusimmobilien, Yachten, Helikopter und Flugzeuge im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar kurz vor dem Beginn des russischen Überfalls der Ukraine auf seine Kinder übertragen. Dies war im Januar 2023 bekannt geworden.
US-Präsident Joe Biden kündigte am 4. März 2022 das Aufspüren von Besitztümern der Oligarchen und eine diesbezügliche Koordination mit Kanada und mehrerer europäischer Länder an.Philipp Eckstein: Gemeinsam gegen russische Vermögen tagesschau.de, abgerufen am 4. März 2022 Am 14. März 2022 verhängte auch die Europäische Union Sanktionen gegen Abramowitsch und fror dessen Vermögen in der EU ein.n-tv: EU will Abramowitsch Vermögen einfrieren, März 2022 Seit Mitte März 2022 ist ihm die Einreise in das Vereinigte Königreich aufgrund von Sanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine verwehrt. Abramowitsch lebt heute wieder in Moskau.