Herborn ist eine historische Fachwerkstadt an der Dill im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis mit Einwohnern (), die bereits vor dem Ersten Weltkrieg Eigenwerbung als „Nassauisches Rothenburg“ betrieb. Es zeichnet sich durch eine geschlossene historische Altstadt mit vielen Baudenkmalen aus acht Jahrhunderten aus, die zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Deutschlands gezählt wird.

Im Mai 2016 war die Stadt Herborn Ausrichterin des 56. Hessentages. Im selben Jahr wurde Herborn von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.Stadtporträt des Projekts „Reformationsstädte Europas“: Reformationsstadt Herborn. Deutschland. Eine fast vergessene Hohe Schule reformierter Gelehrsamkeit. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 17. November 2016.Zur Bedeutung Herborns in der Reformationsgeschichte siehe die Abschnitte Hohe Schule und Neuzeit sowie das Stadtporträt des Projekts „Europäischer Stationenweg“: . In: r2017.org/europaeischer-stationenweg, abgerufen am 17. November 2016.

Geographie mini|hochkant=1.3|Blick von Osten auf Herborn Lage Herborn liegt im mittleren Dilltal beiderseits des Flusses, der von Nord nach Süd die Stadt durchfließt. Im Westen erhebt sich der Westerwald (‚Wald westlich des Königsguts Herborn‘), im Osten die Hörre mit der Hohen Warte (2,6 km ostsüdöstlich; 405 m). 5½ km südwestlich liegt der höchste Berg der Gesamtgemeinde, die Hirschbergkoppe (538 m). Der niedrigste Punkt befindet sich an der Dill auf der Grenze zu Sinn (193 m).

Nachbargemeinden Herborn grenzt im Norden an die Stadt Dillenburg, im Nordosten an die Gemeinde Siegbach, im Osten an die Gemeinde Mittenaar, im Südosten an die Gemeinde Sinn, im Süden an die Gemeinde Greifenstein sowie im Westen an die Gemeinden Driedorf und Breitscheid (alle im Lahn-Dill-Kreis).

Stadtgliederung Herborn mit seinen Stadtteilen hat 21.083 Einwohner und besteht aus der Kernstadt mit 9430 Einwohnern (31. Dezember 2024; Angaben der Stadt) sowie den Stadtteilen Amdorf, Burg, Guntersdorf, Hirschberg, Hörbach, Merkenbach, Schönbach, Seelbach und Uckersdorf.

Geschichte Mittelalter mini|Ansicht von Herborn (Detail), aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655 Herborn wurde 1048 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1251 auf Betreiben der Grafen Walram II. und Otto I. von Nassau die Stadtrechte.

Der Ort war Vorort der nach ihm benannten Herborner Mark (Herbore marca, Herboremarca), die während der Auseinandersetzungen um die Landeshoheit zwischen den Grafen von Nassau und den Landgrafen von Hessen (bzw. von Hessen-Thüringen) hart umkämpft war. Diese Streitigkeiten und heftigen Kämpfe sind unter dem Begriff der „hundertjährigen Dernbacher Fehde“ (um 1230 bis 1333) in die Geschichtsschreibung eingegangen. Der Ort wurde 1251 mit dem Namen Herberin erwähnt.

Hohe Schule mini|Das Gebäude der Hohen Schule Herborn (1588–1817) mini|hochkant|Gedenktafel für Johann Amos Comenius am Gebäude der ehemaligen Hohen Schule Herborn

1584 erhielt Herborn die Hohe Schule, eine Gründung Johanns VI. von Nassau-Dillenburg, eines jüngeren Bruders Wilhelms von Oranien und Namensgebers des heutigen Gymnasiums Johanneum.

1584 wurde von Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg die Academia Nassauensis, die Hohe Schule Herborn, gegründet. Diese durch ihren Gründungsvater, den Theologen Caspar Olevian von Beginn an reformierte und zugleich universitätsähnliche Hochschule verfügte zuerst über keine Fakultäten. Trotz wiederholter Bemühungen lag noch um 1750 kein kaiserliches Privileg für die Führung der Bezeichnung „Universität“ und der damit verbundenen Privilegien vor. Weil sich der Kaiser trotz der unbestritten hohen Qualität der Lehre weigerte, der Hohen Schule die Universitätsprivilegien zu verleihen, hatte diese niemals ein Promotionsrecht.

In der Festschrift zur 400-Jahr-Feier Von der Hohen Schule zum Theologischen Seminar schreibt Gerhard Menk:

Der ehemalige Stadtarchivar Rüdiger Störkel gibt folgende Studentenzahlen an:

Jedenfalls wurde die Hohe Schule schon bald nach ihrer Gründung zu einer der wichtigsten Bildungsstätten der Calvinistisch-Reformierten in Europa. Sie war die einzige reformierte Hochschule in Deutschland. Ihr bedeutendster Student war der Pädagoge Johann Amos Comenius. Er studierte von 1611 bis 1613 in Herborn. Die Hohe Schule wurde 1817 vom 1806 entstandenen Herzogtum Nassau geschlossen. Ihre theologische Fakultät wurde in das einzige „Theologische Seminar“ der Evangelischen Landeskirche in Nassau (seit 1933 bzw. 1947 Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) umgewandelt und im Herborner Schloss angesiedelt. 1825 wurde der spätere Prälat (Landesbischof) der Badischen Landeskirche, Ludwig Hüffell, zum Professor in Herborn ernannt.

Die ursprünglichen Gebäude werden als Hotel und Restaurant benutzt. Die Aula bietet Vereinen der Stadt (u. a. der Schlaraffia „Ob der Dill“) Veranstaltungsmöglichkeiten. In den Obergeschossen befindet sich das städtische Museum mit Sammlungen und Sonderausstellungen zur Frühgeschichte des Dillgebietes, der Geschichte der Hohen Schule und der Stadt Herborn.

Seit über 25 Jahren werden die Räumlichkeiten einmal jährlich für ein wissenschaftliches Symposium zu den Life Sciences im Rahmen der Old Herborn University genutzt.Old Herborn University. In: old-herborn-university.de, abgerufen am 17. November 2016. Die Vorträge werden in den Seminarbänden der Old Herborn University veröffentlicht.

Neuzeit In Herborn entstand ab 1602 die erste Bibelübersetzung der Reformierten durch Johannes Piscator, die in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den USA das kirchliche Leben der reformierten Gemeinden entscheidend geprägt hat. Sie ist in der akademischen Druckerei von Corvinus (heute Corvinsche Druckerei bzw. Paul’s Hof nach dem Besitzer, der Familie Paul) gedruckt worden. Der Sepher-Verlag in Herborn arbeitet seit dem Jahre 2000 an einer Faksimile-Ausgabe der in Herborn erschienenen Erstausgabe.

Um 1630 und später erlebten Herborn und Umgebung eine Welle von Hexenprozessen.

Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges pflegte die Bürgerschaft 50 schwedische Soldaten, was ihr den Schutz durch die schwedische Armee einbrachte und damit den Ruf einer „Lazarettstadt“, der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs währte.

In Herborn befand sich eine Münzstätte, in der 1681 der besondere Fürstlich-nassauische Gesamttaler geprägt wurde, der später den Namen Badehosentaler erhielt.

Nach dem Wiener Kongress geriet Herborn in eine Randlage zu Preußen und seine Wirtschaft litt unter den Einfuhrzöllen. Erst 1836 trat das Herzogtum Nassau dem Zollverein bei. Nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866, bei dem Nassau auf Seiten Österreichs gestanden hatte, wurde das Herzogtum Nassau zusammen mit dem Kurfürstentum Hessen von Preußen annektiert und als preußische Provinz Hessen-Nassau dem Königreich Preußen einverleibt. Somit kam Herborn zu Preußen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Herborn weitgehend von Bomben verschont.

In den Jahren 1986 und 2016 fand hier der Hessentag, das älteste Landesfest Deutschlands, statt.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Oktober 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Guntersdorf auf freiwilliger Basis nach Herborn eingegliedert.

Die Gemeinden Amdorf und Uckersdorf wurden am 1. Dezember 1970 ebenfalls auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Burg eingegliedert.Karl-Heinz Gerstenmeier, Karl Reinhard Hinkel (Red.): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg. vom Hessischen Minister des Innern. Bernecker, Melsungen 1977, , S. 296.

Am 1. Januar 1977 wurden dann die Stadt Herborn und die bis dahin selbstständigen Gemeinden Burg, Herbornseelbach, Hirschberg, Hörbach, Merkenbach und Schönbach durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen zur neuen Stadt Herborn zusammengeschlossen. Für alle eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Herborn angehört(e):

vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Herborn ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Herborn 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Herborn 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Herborn ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Herborn) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Herborn) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Herborn 20.632 Einwohner. Darunter waren 1792 (8,7 %) Ausländer, von denen 414 aus dem EU-Ausland, 1085 aus anderen europäischen Ländern und 291 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,0 % einen Migrationshintergrund. Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 11,9 %. Nach dem Lebensalter waren 3307 Einwohner unter 18 Jahren, 8632 zwischen 18 und 49, 4320 zwischen 50 und 64 und 4372 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 9110 Haushalten. Davon waren 3096 Singlehaushalte, 2483 Paare ohne Kinder und 2520 Paare mit Kindern, sowie 804 Alleinerziehende und 207 Wohngemeinschaften. In 1959 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 6109 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Religionszugehörigkeit • 1885: 2793 evangelische (= 89,98 %), 201 katholische (= 6,48 %) und 23 andere Christen (= 1,39 %), sowie 67 Juden (= 2,16 %) • 1961: 6907 evangelische (= 68,22 %) und 2851 katholische (= 28,16 %) Einwohner • 2011: 11.740 evangelische (= 57,8 %), 2970 katholische (= 14,6 %), 850 freikirchliche (= 4,2 %), 230 orthodoxe (= 1,1 %), 530 andersgläubig (= 2,6 %), 3940 sonstigeKeiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehörig. (= 19,4 %) Einwohner

Unglücke, Katastrophen und Verbrechen Stadtbrand 1626 1626 verlor die Stadt durch ein Feuer, das durch einen Unfall bei der Einquartierung von Soldaten entstand, 214 Häuser.

Brand von Hörbach 1893 Am 24. April 1893 brach in einer Scheune ein Feuer aus, welches rasch auf die umliegenden Scheunen und Wohnhäuser übergriff. 59 Wohnhäuser und 17 Scheunen wurden ein Opfer der Flammen. Nur 17 Wohnhäuser und die Kirche blieben unversehrt.

Brand der Schafgasse 1904