Dieser Artikel behandelt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 in Italien.

Qualifikation Deutschland trat in Gruppe 8 gegen Luxemburg und Frankreich an. Da sich sowohl Gruppenerster als auch -zweiter für die Weltmeisterschaft qualifizierten, wurde das Spiel gegen Frankreich, das den Gruppensieger ermittelt hätte, jedoch aus Irrelevanz nicht mehr ausgetragen. Luxemburg stand zu diesem Zeitpunkt nämlich bereits als Gruppendritter fest. Damit hatte die deutsche Elf letztendlich nur ein einziges Qualifikationsspiel zu absolvieren, um die Endrundenteilnahme zu erreichen. Deutschland trat in folgender Aufstellung an:

Fritz Buchloh (VfB Speldorf, 5. Länderspiel) – Eduard Hundt (Schwarz-Weiß Essen, 3.), Sigmund Haringer (FC Bayern München, 8.) – Paul Janes (Fortuna Düsseldorf, 5.), Fritz Szepan (FC Schalke 04, 4.), Richard Oehm (1. FC Nürnberg, 3.) – Ernst Albrecht (Kapitän, Fortuna Düsseldorf, 17.), Willi Wigold (Fortuna Düsseldorf, 4.), Karl Hohmann (VfL Benrath, 8.), Josef Rasselnberg (VfL Benrath, 5.), Stanislaus Kobierski (Fortuna Düsseldorf, 12.)

Obwohl nur fünf dieser Spieler auch in Italien dabei waren – Buchloh stand als dritter Torwart auf Abruf bereit, Albrecht fuhr zwar mit, wurde aber nicht eingesetzt – und vier (Hundt, Oehm, Albrecht, Wigold) an diesem Tag zum letzten Mal in der DFB-Elf standen, gelang mit 9:1 ein Kantersieg gegen die Auswahl des Großherzogtums. Vier Tore erzielte Rasselnberg, drei gingen auf das Konto von Hohmann, je eines steuerten Albrecht und Wigold bei. Für Luxemburg erzielte Mengel einen Ehrentreffer. Es war das 100. offizielle Länderspiel des DFB.

Spielergebnisse 11.03.1934 LuxemburgStädtisches Stadion Luxemburg – Deutschland 1:9 (1:5) Tore: 0:1, 1:5, 1:8, 1:9 Josef Rasselnberg (3., 36., 56., 90.), 0:2 Willi Wigold (12.), 0:3 Ernst Albrecht (25.), 1:3 Ernest Mengel (27.), 1:4, 1:6, 1:7 Karl Hohmann (30., 51., 53.) Deutschland – Frankreich entfallen

Deutsches Aufgebot Name Verein Geburtstag Spiele Tore Platzverw. Torhüter align="left" 1 0 0 align="left" 3 0 0 Verteidiger align="left" 3 0 0 align="left" 3 0 0 align="left" 1 0 0 Läufer align="left" 2 0 0 align="left" 1 0 0 align="left" 2 0 0 align="left"Münzenberg wurde als Ersatz für Gramlich, der vorzeitig abreiste, für das Spiel um Platz 3 nachnominiert. 1 0 0 align="left" 4 0 0 align="left" 4 0 0 Stürmer Ernst Albrecht 0 0 0 align="left" 4 4 0 align="left" 1 0 0 align="left" 2 2 0 align="left" 3 1 0 align="left" 4 2 0 align="left" 1 1 0 align="left" 4 1 0 Trainer align="left" Reichstrainer align="left" Kotrainer

Anmerkung: Die Rückennummern wurden im internationalen Fußball erst 1939 eingeführt.

Auf Abruf wären drei Spieler bereitgestanden: Fritz Buchloh (VfB Speldorf, Torwart), Franz Dienert (VfB Mühlburg, Verteidiger) und Josef Streb (FC Wacker München, Läufer).

Mit einem Durchschnittsalter von fast exakt 24 Jahren ist dieses erste deutsche WM-Aufgebot das bis heute jüngste. Besonders fällt auf, dass drei Spieler (Schwartz, Siffling und Zielinski) zuvor kein einziges offizielles Länderspiel bestritten hatten. Mehr als zehn Einsätze hatten allein Kreß, Kobierski und Albrecht vorzuweisen. Allerdings war der Kader im Rahmen eines Trainingslagers in Duisburg aus ursprünglich 38 Kandidaten ausgewählt worden, dabei gab es auch vier Testspiele in unterschiedlichen Besetzungen gegen die englische Profimannschaft Derby County.

Spiele der deutschen Mannschaft

Deutschland gelang bei der WM 1934 ein Achtungserfolg. Unerwartet schlug man Belgien und Schweden, besonders dank der Leistungen von Edmund Conen und Karl Hohmann, bevor man im Halbfinale von einem überragenden Oldřich Nejedlý quasi im Alleingang besiegt wurde. Für einen gelungenen Abschluss sorgte der Überraschungserfolg gegen die deutlich stärker eingeschätzten Österreicher im Spiel um Platz 3.

Achtelfinale

Vorgeschichte Im Achtelfinale traf die deutsche Mannschaft in ihrem allerersten Spiel bei einer Weltmeisterschaft auf Belgien. Insgesamt hatte Deutschland bisher eine negative Bilanz vorzuweisen. In vier Spielen hatte man drei Mal verloren und bisher nur einen Sieg erreicht. Gerade dieser lag jedoch erst 7 Monate zurück: Am 22. Oktober 1933 hatte Deutschland in Duisburg mit 8:1 zum ersten Mal gegen Belgien gesiegt. Zwar liefen von der damaligen Elf lediglich Janes, Hohmann und Kobierski auch in Florenz erneut auf, doch galt die DFB-Mannschaft dennoch als Favorit und stand damit unter entsprechendem Erwartungsdruck.

Spielverlauf In der ersten Halbzeit agierte Deutschland recht nervös und kam zu keinem wirklich durchdachten Spielaufbau. Dazu kam, dass Trainer Otto Nerz eine bewusst defensive Taktik verordnet hatte; Kapitän und Mittelläufer Szepan sollte hauptsächlich den beiden Verteidigern Haringer und Schwartz beim Verhindern von Gegentoren helfen und keinesfalls die Mittellinie überqueren, um die Offensive zu organisieren. Die deutsche Hintermannschaft sorgte in der Folge durch Querpässe eher für Gefahr vor dem eigenen Tor und konnte die Belgier kaum mit eigenen Angriffen bedrängen. Die deutschen Stürmer – bis auf den erst 19-jährigen Edmund Conen hatten die meisten eine eher agile Statur – waren in Zweikämpfen zunächst regelmäßig ihren Gegenspielern unterlegen. Hinzu kommt, dass die Belgier gerne die Abseitsfalle verwendeten, wodurch die deutsche Mannschaft letztlich kaum vor das gegnerische Tor kam.

Die Belgier hingegen spielten in der Regel lange Pässe, um ihre körperlichen Vorteile im Luftduell zu nutzen. Selbst die deutsche Führung – Stanislaus Kobierski fand nach Vorlage von Otto Siffling keine freie Anspielstation und überraschte Torhüter Vandeweyer mit einem Schuss aus ungünstigem Winkel – sorgte nicht für Beruhigung. Bereits nach fünf Minuten fiel der Ausgleich der Belgier. Eine schlechte Kopfballabwehr von Fritz Szepan im eigenen Strafraum gelang zum Belgier Voorhoof, der aus kurzer Distanz das erste Gegentor in der deutschen WM-Geschichte erzielte. Kurz vor der Pause gelang dann die Führung für Belgien: Die Deutschen verloren ein weiteres Mal in der eigenen Hälfte den Ball, Linksaußen Heremans eroberte ihn, und dessen präzise Flanke verwertete erneut Voorhoof per Kopf.

Noch unter dem Eindruck dieses Schocks antwortete Reichstrainer Otto Nerz Edmund Conen, der sich in der Pause über die allzu starre Taktik beschwerte: „Mach, was du willst!“ Die zweite Hälfte begann für Deutschland direkt in der 47. Minute mit dem 2:2 durch Siffling nach einer Flanke von Ernst Lehner. Die Belgier reagierten nun mit einer viertelstündigen Drangphase, die zu einer Serie von Eckbällen führte, aber keine Tore brachte. Die erneute deutsche Führung nach einer Stunde resultierte aus einem Kobierski-Schuss, der eventuell die Torlinie bereits überschritten hatte, als er von Vandeweyer weggefaustet wurde. Somit flog der Ball zu Conen, der zum 3:2 nur noch den Fuß hinhalten musste und in den offiziellen Statistiken auch als Torschütze genannt wird. Dieselben Spieler bewirkten drei Minuten später auch das vorentscheidende 4:2. Kobierski passte auf Conen, der das Leder aus spitzem Winkel unter die Latte schoss. Danach konnten die Belgier kaum noch etwas im Angriff bewirken. Auch in der Verteidigung, die sie über weite Strecken dominiert hatten, verschlechterten sie sich nun. Deutschland hatte in der Schlussviertelstunde noch eine Reihe guter Torchancen, von denen aber nur noch eine zum Erfolg führte. Conen erzielte fünf Minuten vor dem Ende mit einem verdeckten Gewaltschuss aus der Drehung den Endstand und damit den ersten lupenreinen Hattrick der WM-Geschichte. Ein vielleicht zu Unrecht verweigerter Elfmeter nach Foul an Karl Hohmann machte letztlich nicht mehr den Ausschlag.

Viertelfinale

Vorgeschichte Im Viertelfinale kam es zur Partie gegen Schweden, das sich im ersten Spiel gegen die Argentinier mit 3:2 durchgesetzt hatte. Der Vizeweltmeister von 1930 war allerdings nur mit einer Amateur-Nationalmannschaft angereist, obwohl in der heimischen ersten Liga kurz zuvor das Profitum eingeführt worden war. Deutschlands Länderspielbilanz gegen Schweden war erneut negativ. In zehn Spielen gab es fünf Niederlagen, drei Siege und zwei Unentschieden. Gerade in letzter Zeit hatten sie jedoch Erfolg gegen die Schweden gehabt. Seit drei Spielen hatte es keine Niederlage mehr gegeben, die letzte hatte 1928 stattgefunden. Das bisher letzte Spiel wurde am 25. September 1932 ausgetragen. Nachdem es zuvor zu einem 3:0 und einem 0:0 gekommen war, hatte Deutschland sich in Nürnberg mit 4:3 durchsetzen können.

Spielverlauf An diesem Tag regnete es in Mailand, entsprechend gering war der Zuschauerzuspruch. Auf deutscher Seite ersetzte Otto Nerz den gegen Belgien nicht überzeugenden Hans Schwartz und den angeschlagenen Paul Janes durch Willy Busch und Rudolf Gramlich. Die taktische Grundordnung blieb jedoch die gleiche; Szepan bekam die Aufgabe, den schwedischen Torjäger Jonasson auszuschalten. Diesmal agierte die Hintermannschaft aber konsequenter, so dass die Schweden kaum Möglichkeiten herausspielten. Allerdings erarbeiteten sich auch die Deutschen in der ersten Halbzeit keine klaren Torchancen und wagten lediglich ein paar Fernschüsse, ohne Torhüter Rydberg überwinden zu können.

Erst in der zweiten Halbzeit spielte die DFB-Elf engagierter und wurde dann auch nach einer knappen Stunde mit dem Führungstreffer belohnt. Nach Freistoß von Gramlich, der erst durch Janes’ Ausfall in die Mannschaft gekommen war, gewann Hohmann das Kopfballduell. Der folgende Ball geriet vor die Füße Conens, der ihn direkt zu Hohmann zurückpasste. Der Spieler des VfL Benrath musste ihn schließlich in der 57. Minute nur noch einschieben. Schon 17 Minuten später fiel das 2:0, so dass die Partie entschieden schien. Gramlich hatte Conen mit einem Steilpass geschickt, worauf ein Pass zu Hohmann folgte. Torwart Rydberg stürzte sich ihm zwar noch entgegen, aber Hohmann hatte bereits geschossen, so dass der Ball über den Innenpfosten ins Tor lief. Bei dieser Aktion war es allerdings zu einer Knieverletzung des deutschen Stürmers gekommen. Da Wechsel noch nicht erlaubt waren, spielte er daraufhin weiter, fiel jedoch für das Halbfinale gegen die Tschechoslowakei aus.

Beflügelt durch das Tor erspielten die Deutschen noch mehrere Möglichkeiten, die sie jedoch nicht nutzten. Danach kam es zum überraschenden Anschlusstreffer, bei dem Torhüter Willibald Kreß einen Schuss des Rechtsaußen Dunker passieren ließ. In den letzten acht Minuten gab es somit durch einige kleinere Chancen der Schweden noch eine Zitterpartie in der Schlussphase. Jedoch konnten die Schweden keine zwingende Situation mehr bewirken.

Halbfinale

Vorgeschichte Im Halbfinale traf die deutsche Mannschaft auf die Tschechoslowakei, gegen die sie zum ersten Mal überhaupt ein Länderspiel bestritt. Deutschland war dieses Mal nicht mehr in der Favoritenrolle, auch wenn der Gegner zuvor gegen Rumänien (2:1) und die Schweiz (3:2) jeweils nach 0:1-Rückstand nur knapp gewonnen hatte. In der deutschen Elf stand anstelle von Rudolf Gramlich der Düsseldorfer Jakob Bender. Gramlich war nämlich aus Solidarität mit seinem jüdischen Arbeitgeber, der sich zunehmenden Repressalien durch das Naziregime ausgesetzt sah, freiwillig nach Frankfurt zurückgekehrt. Die offizielle Version gab dabei berufliche Zwänge als Grund an und sang gleichzeitig ein Loblied auf den Amateurstatus der deutschen Spieler, da das Profitum zur damaligen Zeit noch ziemlich verpönt war. Für den verletzten Hohmann übernahm Siffling die Position des halbrechten Stürmers, die er auch bei seinem Verein Waldhof innehatte. Als Halblinker rückte Noack in die Aufstellung.

Spielverlauf