Der Landkreis Friedberg war bis 1972 ein Landkreis in Hessen. Er lag nördlich von Frankfurt am Main und umfasste den Westteil der Wetterau. Der Sitz der Verwaltung war die Stadt Friedberg.

Geographie Der Landkreis grenzte Anfang 1972, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Gießen, Büdingen und Hanau, an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main sowie an den Obertaunuskreis und an die Landkreise Usingen und Wetzlar.

Geschichte Das Großherzogtum Hessen wurde bei der Gebietsreform von 1832 in Kreise eingeteilt. In der Provinz Oberhessen entstand dabei auch der Kreis Friedberg. Er umfasste die gleichzeitig aufgelösten Landratsbezirke Friedberg und Vilbel.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (563).

Nach der Revolution von 1848 im Großherzogtum Hessen wurden die Kreise und Provinzen aufgelöst und stattdessen Regierungsbezirke geschaffen. Der bisherige Kreis Friedberg wurde Teil des neu geschaffenen Regierungsbezirks Friedberg.Art. 1 Gesetz, die Organisation des dem Ministerium des Innern untergeordneten Verwaltungs-Behörden betreffend vom 31. Juli 1848. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 38 vom 3. August 1848, S. 217–225. Mit dem Sieg der Reaktion wurde diese Gebietsreform 1852 jedoch rückgängig gemacht und der Kreis Friedberg wieder errichtet, dabei der Kreis Vilbel aber als eigenständiger Kreis ausgegliedert. Der Kreis Friedberg bestand nun aus den Landgerichtsbezirken Butzbach und Friedberg sowie den Orten Weckesheim, Wohnbach und Wölfersheim aus dem Bezirk des Landgerichts Hungen und dem Dorf Staden aus dem Landgerichtsbezirk Büdingen.

1860 wurde Trais-Münzenberg vom Kreis Nidda in den Kreis Friedberg umgegliedert. Durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 kamen das bis dahin kurhessische Amt Dorheim mit den Orten Dorheim, Nauheim, Schwalheim und Rödgen sowie die nassauischen Gemeinden Dorn-Assenheim und Reichelsheim zum Kreis Friedberg.

Im Zuge der Gebietsreform von 1874 wurde der Kreis Vilbel aufgelöst und überwiegend in den Kreis Friedberg eingegliedert.Verordnung des Großherzogs die Einteilung des Großherzogtums in Kreise betreffend vom 11. Juni 1874. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 28 vom 12. Juni 1874, S. 247–250.

Nachdem zum 1. Oktober 1901 die Gemeinde Fauerbach bei Friedberg in die Stadt Friedberg eingemeindet worden warGroßherzogl. Hess. Regierungsbl. 1901, No. 40, S. 376 Digitalisat, umfasste der Kreis 71 Gemeinden.

Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden im Landkreis Friedberg zwischen 1968 und 1972 zahlreiche Gemeinden fusioniert. Auch die Außengrenzen des Landkreises wurden mehrfach geändert: Am 1. Januar 1970 schied Heldenbergen aus dem Landkreis aus und wurde nach Nidderau im Landkreis Hanau eingemeindet. Am 31. Dezember 1970 schied Büdesheim aus dem Landkreis aus und wurde nach Schöneck im Landkreis Hanau eingemeindet. Am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Gronau aus dem Landkreis Hanau nach Bad Vilbel im Landkreis Friedberg eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 schied Ober-Eschbach aus dem Landkreis aus und wurde nach Bad Homburg vor der Höhe im Obertaunuskreis eingemeindet. Am gleichen Tag wurden die Gemeinde Ober-Hörgern aus dem Landkreis Gießen nach Münzenberg sowie die Gemeinde Berstadt aus dem Landkreis Büdingen nach Wölfersheim im Landkreis Friedberg eingemeindet. Am 1. Februar 1972 wurden die Gemeinden Blofeld und Heuchelheim aus dem Landkreis Büdingen nach Reichelsheim im Landkreis Friedberg eingemeindet. Am gleichen Tag wurde die Gemeinde Leidhecken aus dem Landkreis Büdingen nach Florstadt im Landkreis Friedberg eingemeindet.

Insgesamt verringerte sich die Zahl der Gemeinden des Landkreises bis zum Juli 1972 auf 31. Am 1. August 1972 wurde der Landkreis Friedberg durch das Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg vom 11. Juli 1972 aufgelöst: Der größte Teil des Landkreises bildete zusammen mit dem Landkreis Büdingen den neuen Wetteraukreis. Gleichzeitig wurden weitere Gemeinden zusammengeschlossen. Die Gemeinde Burgholzhausen vor der Höhe wurde in die Stadt Friedrichsdorf und die Gemeinde Ober-Erlenbach in die Stadt Bad Homburg vor der Höhe im neuen Hochtaunuskreis eingegliedert. Die Gemeinden Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach wurden in die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1852 39.210 1900 69.673 1910 79.034 1925 90.099 1933 93.481 1939 95.071 1950 138.855 1960 150.300 1970 177.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972. 1971 181.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973.

Politik Sitz der Kreisverwaltung mini|Gebäude In der Burg 23 (Bünauischer Hof), erster Sitz der Kreisverwaltung in der Friedberger Burg, aus Südost Der Sitz des neu geschaffenen Kreises (wie früher auch des Landratsbezirkes) war 1832 bis Frühjahr 1888 in der Burg (Burgstraße 196, heute In der Burg 23). Von Frühjahr 1888 bis September 1920 war der Sitz der Kreisverwaltung das Haus Bismarckstraße 2, das später (bis zum Umzug in die Mainzer-Tor-Anlage 6) als Rathaus genutzt wurde. 1920 bis 1955 wurde das Großherzogliche Schloss in der Burg genutzt, bevor 1955 das neue Kreishaus bezogen wurde.

Leitende Beamte mini|Friedrich Müller, Kreisrat 1852–1859

Kreisräte 1824–1830 Christoph Trapp 1832–1848 Friedrich Küchler Von 1848 bis 1852 bestanden keine Kreise im Großherzogtum Hessen. Deren Aufgaben nahmen größere Regierungsbezirke wahr, für den Bereich des Kreises Friedberg der Regierungsbezirk Friedberg. 1852–1859 Friedrich Müller 1859–1876 Adolph Trapp 1877–1901 Julius Braden 1901–1910 Friedrich Wilhelm Fey 1910–1913 Karl Schliephake 1913–1917 (1921) Hermann Freiherr Schenck zu Schweinsberg

Kreisdirektoren (1913) 1917–1921 Hermann Freiherr Schenck zu Schweinsberg 1921–1924 Heinrich Leonhard Graef 1924–1928 Heinrich Gebhardt 1928–1933 Bernhard Rechthien 1934–1937 Otto Straub 1937–1938 (1940) Hermann Braun

Landräte (1937) 1939–1940 Hermann Braun 1940–1944 Otto Straub 1945–1949 Hermann Josef BachHermann Josef Bach (1897–1966) wurde von den US-Militärbehörden 1945 eingesetzt. Jens Krauss (1949–1952) Erich Milius (1952–1973)

Wappen Im Oktober 1953 erhielt der Landkreis das Recht zum Führen eines Wappens.

Gemeinden Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Friedberg angehörten, und die Daten aller Eingemeindungen. Gemeinde eingemeindetnach DatumEingemeindung heutigerLandkreis Assenheim (Stadt) Niddatal 1. Dezember 1970 Wetteraukreis Bad Nauheim (Stadt) Wetteraukreis Bad Vilbel (Stadt) Wetteraukreis Bauernheim Friedberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Beienheim Reichelsheim 1. Februar 1972 Wetteraukreis Bodenrod Butzbach 1. Februar 1972 Wetteraukreis Bönstadt Niddatal 1. Dezember 1970 Wetteraukreis Bruchenbrücken Friedberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Büdesheim Schöneck 31. Dezember 1970 Main-Kinzig-Kreis Burg-Gräfenrode Karben 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Burgholzhausen vor der Höhe Friedrichsdorf 1. August 1972 Hochtaunuskreis Butzbach (Stadt) Wetteraukreis Dorheim Friedberg 1. August 1972 Wetteraukreis Dorn-Assenheim Reichelsheim 1. Februar 1972 Wetteraukreis Dortelweil Bad Vilbel 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Fauerbach bei Friedberg Friedberg 1. Oktober 1901 Wetteraukreis Fauerbach vor der Höhe PhilippseckButzbach 31. Dezember 19701. Februar 1972 Wetteraukreis Florstadt Wetteraukreis Friedberg (Stadt) Wetteraukreis Gambach Münzenberg 1. Oktober 1971 Wetteraukreis Griedel Butzbach 1. August 1972 Wetteraukreis Groß-Karben Karben 1. Juli 1970 Wetteraukreis Harheim Frankfurt am Main 1. August 1972 Frankfurt am Main Hausen Hausen-OesButzbach 1. Januar 19681. August 1972 Wetteraukreis Hausen-Oes Butzbach 1. August 1972 Wetteraukreis Heldenbergen Nidderau 1. Januar 1970 Main-Kinzig-Kreis Hoch-Weisel Butzbach 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Ilbenstadt Niddatal 1. Dezember 1970 Wetteraukreis Kaichen Niddatal 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Karben (Stadt) Wetteraukreis Kirch-Göns Butzbach 1. August 1972 Wetteraukreis Klein-Karben Karben 1. Juli 1970 Wetteraukreis Kloppenheim Karben 1. Juli 1970 Wetteraukreis Langenhain Ober-Mörlen 1. Februar 1971 Wetteraukreis Maibach Butzbach 1. August 1972 Wetteraukreis Massenheim Bad Vilbel 1. Juni 1972 Wetteraukreis Melbach Wölfersheim 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Münster PhilippseckButzbach 31. Dezember 19701. Februar 1972 Wetteraukreis Münzenberg (Stadt) Wetteraukreis Niddatal (Stadt) Wetteraukreis Nieder-Erlenbach Frankfurt am Main 1. August 1972 Frankfurt am Main Nieder-Eschbach Frankfurt am Main 1. August 1972 Frankfurt am Main Nieder-Florstadt Florstadt 1. Juli 1970 Wetteraukreis Nieder-Mörlen Bad Nauheim 1. August 1972 Wetteraukreis Nieder-Rosbach RosbachRosbach vor der Höhe 1. Dezember 19701. August 1972 Wetteraukreis Nieder-Weisel Butzbach 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Nieder-Wöllstadt Wöllstadt 1. August 1972 Wetteraukreis Ober-Erlenbach Bad Homburg vor der Höhe 1. August 1972 Hochtaunuskreis Ober-Eschbach Bad Homburg vor der Höhe 31. Dezember 1971 Hochtaunuskreis Ober-Florstadt Florstadt 1. Juli 1970 Wetteraukreis Ober-Mörlen Wetteraukreis Ober-Rosbach (Stadt) RosbachRosbach vor der Höhe 1. Dezember 19701. August 1972 Wetteraukreis Ober-Wöllstadt Wöllstadt 1. August 1972 Wetteraukreis Ockstadt Friedberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Oes Hausen-OesButzbach 1. Januar 19681. August 1972 Wetteraukreis Okarben Karben 1. Juli 1970 Wetteraukreis Oppershofen Rockenberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Ossenheim Friedberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Ostheim Butzbach 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Petterweil Karben 1. August 1972 Wetteraukreis Philippseck Butzbach 1. Februar 1972 Wetteraukreis Pohl-Göns Butzbach 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Reichelsheim (Stadt) Wetteraukreis Rendel Karben 1. Juli 1970 Wetteraukreis Rockenberg Wetteraukreis Rödgen WettertalBad Nauheim 1. Februar 197131. Dezember 1971 Wetteraukreis Rodheim vor der Höhe Rosbach vor der Höhe 1. August 1972 Wetteraukreis Rosbach (Stadt) Rosbach vor der Höhe 1. August 1972 Wetteraukreis Schwalheim Bad Nauheim 1. Februar 1972 Wetteraukreis Södel Wölfersheim 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Staden Florstadt 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Stammheim Florstadt 1. August 1972 Wetteraukreis Steinfurth Bad Nauheim 1. August 1972 Wetteraukreis Trais-Münzenberg Münzenberg 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Weckesheim Reichelsheim 1. August 1972 Wetteraukreis Wettertal Bad Nauheim 31. Dezember 1971 Wetteraukreis Wisselsheim WettertalBad Nauheim 1. Februar 197131. Dezember 1971 Wetteraukreis Wohnbach Wölfersheim 31. Dezember 1970 Wetteraukreis Wölfersheim Wetteraukreis

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen FB zugewiesen. Es wird im Wetteraukreis durchgängig bis heute ausgegeben.

Literatur Erich Milius (Hrsg.): Der Hessische Landkreis Friedberg. Buchreihe Heimat und Arbeit. Heimat und Wirtschaft, Aalen 1966.

Anmerkungen

Einzelnachweise

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