Die Christlichdemokratische Volkspartei der Schweiz (CVP) () war eine politische Partei in der Schweiz. Sie schloss sich auf nationaler Ebene zum 1. Januar 2021 mit der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) zur Partei «Die Mitte» zusammen. Der Name CVP blieb in gewissen Kantonalverbänden bis 2024 in Gebrauch.

Die nationale CVP war eine der vier Schweizer Regierungsparteien und seit 1891 im Bundesrat vertreten. In den Anfängen des Schweizer Bundesstaates war sie mit ihren Vorgängerbewegungen das Sammelbecken der katholisch-konservativen Kräfte und die hauptsächliche Opposition zu dem den Staat dominierenden Freisinn. Später stand sie jedoch in der Mitte des politischen Spektrums und vertrat christdemokratische Positionen.

Inhaltliches Profil 250px|mini|links|Die Position der CVP im politischen Spektrum der Schweiz (2007) Die CVP bezeichnete sich in ihrem Parteiprogramm als liberal-sozial, wobei sie im Sinne der sogenannten sozialen Marktwirtschaft liberale Grundsätze mit der Gewährleistung von sozialen Grundrechten verbinden wollte. Die CVP sah sich als Vertreterin der Familien sowie der kleinen und mittleren Unternehmen. Ausserdem wollte sie den Mittelstand stärken.

Die Expansion der Partei in die reformierten Kantone, in denen die CVP eine aus ihrer Sicht soziale und liberale Politik betrieb, stand der traditionellen Rolle der CVP als staatstragender Partei in den katholischen Stammlanden (Zentralschweiz, Wallis, Tessin) gegenüber; dort bestand die Wählerbasis noch immer aus eher konservativen Personen. Ein weiterer Grund für die liberal-soziale Programmatik war die Dominanz der Partei in den Stammlanden, die sie zu einem Konsenskurs zwang – im Kanton Luzern etwa stellte sie bis ins Jahr 2005 drei von fünf Mitgliedern der Regierung, ebenso im Wallis bis 2017.

Politische Schwerpunktthemen Als staatstragende Partei verstand sich die CVP als zentrale Brückenbauerin in dem auf Kompromiss und Konkordanz ausgerichteten föderalen System der Schweiz. Die Politik sollte lösungsorientiert und zukunftsgerichtet sein. Die Politik der CVP deckte alle staatspolitisch relevanten Themen (Bildung und Forschung, Familie, Landwirtschaft, Service public & Verkehr, Sicherheit und Staatspolitik und Recht) ab, fokussierte sich im Wahljahr 2019 aber auf folgende Schwerpunkte:

Gesundheit: Den hohen und weiter steigenden Kosten des Gesundheitswesens wollte die CVP mit einer Kostenbremse-Initiative entgegenwirken. Die Partei gab an, dass 20 % oder 6 Milliarden Franken der Kosten in der obligatorischen Grundversicherung ohne Qualitätsverlust eingespart werden können. Mit der Initiative sollten alle Prämienzahlenden, insbesondere der Mittelstand und Familien, entlastet werden. Umgesetzt werden sollte dies unter anderem durch tiefere Medikamentenpreise, mehr ambulante statt stationäre Behandlungen sowie die Voranbringung des elektronischen Patientendossiers.

Klima und Umwelt: 1971 wurde auf Anstoss der CVP der Umweltartikel in die Bundesverfassung aufgenommen. 2019 forderte die Partei die Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energiequellen, den Ausbau von Cleantech sowie ein griffiges CO₂-Gesetz zur konsequenten Umsetzung der Energiewende.

Aussenpolitik: Die CVP forderte eine Schweiz, die neutral und souverän ist, sich aber nicht isoliert. Dazu verlangte sie enge wirtschaftliche und auch sozial tragfähige Beziehungen zu Partnern, und vor allem der EU gegenüber ein selbstbewusstes Auftreten, insbesondere bei den verlangten Nachverhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen.

Sozialwerke: Um auch in Zukunft sichere Renten zu garantieren, forderte die CVP Reformen bei der AHV und der zweiten Säule sowie ein flexibles Rentenalter, wobei das Referenzalter der Frauen dem der Männer angeglichen werden soll. Diese Forderung wurde von den CVP-Frauen unterstützt mit der Verknüpfung der Lohngleichheit und dass die Kosten nicht zu Lasten der Frauen gehen dürfen. Um die Sozialwerke weiter zu entlasten, verlangte die CVP zudem die bessere finanzielle Abgeltung von pflegenden Angehörigen. Zur Umsetzung dieser Forderung schlug die CVP ein neues Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung vor. Weitere Massnahmen zu den Sozialwerken betrafen die Verhinderung von Missbrauch sowie Reformen bei der Finanzierung der zweiten Säule.

Nachhaltige Wirtschaft: Die CVP vertrat die Perspektive, dass nur eine Wirtschaftspolitik, die wachstumsfreundlich und solidarisch ist, Wohlstand schafft. Sie setzte sich mit der Forderung nach kostengünstiger Kinderbetreuung, zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, Lohngleichheit sowie flexiblen Arbeitsmodellen für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. In der sogenannten Familieninitiative kämpfte die CVP dafür, dass Kinder- und Ausbildungszulagen von den Steuern befreit werden. Ausserdem sollen steuerliche Benachteiligungen von verheirateten und eingetragenen Paaren aufgehoben werden. Dafür hat sich die Partei mit einer Volksinitiative eingesetzt. Die CVP verstand sich als die Partei, die den Mittelstand und die KMU stärkt. Letztere sollen von optimalen Rahmenbedingungen profitieren, um weiterhin zu wachsen und qualitativ hochwertige Berufsbildung anbieten zu können. Des Weiteren sprach sich die CVP für die Stärkung des Finanzplatzes Schweiz sowie die Nutzung der Chancen der digitalen Zukunft aus.

Migration: Den Fokus legte die Partei hier auf die schnelle und nachhaltige gesellschaftliche Integration der in der Schweiz aufgenommenen Migranten. Dabei wollte die CVP die Schweizer Werte des Zusammenlebens wahren und die Diskussion über diese Werte auch mit Personen aus anderen Kulturkreisen führen. Zugleich sollte durch gezielte Entwicklungshilfe in den Herkunftsländern die Zahl an Hilfesuchenden reduziert werden. Ziel der Massnahmen war eine Asylpolitik, die keinen Missbrauch zulässt.

Parteiorgane Delegiertenversammlung: Höchstes Organ auf Bundesebene war die Delegiertenversammlung (Parteitag), in welcher die Kantonalparteien vertreten waren. Sie definierten die Parteipolitik und wählten die Funktionsträger auf Bundesebene. Parteivorstand: Das leitende sowie vollziehende Organ der Partei war der Vorstand. Dieser setzte sich zusammen aus den Mitgliedern des Parteipräsidiums, fünf Mitgliedern der Fraktion, zwei Personen pro anerkannte Vereinigung sowie je einer Frau und einem Mann pro Kantonalpartei. Präsidium: Das Präsidium der CVP Schweiz bestand Ende 2020 aus folgenden Personen:

ParteipräsidentGerhard PfisterVizepräsident/inIda Glanzmann-Hunkeler, Charles JuillardPräsidentin der Mitte-Fraktion. CVP-EVP-BDPAndrea Gmür-SchönenbergerWeitere Mitglieder des PräsidiumsMarianne Binder-Keller, Pirmin Bischof, Martin Candinas, Filippo Lombardi, Stefan Müller-Altermatt, Tino Schneider, Elisabeth Schneider-Schneiter, Anne Seydoux-Christe

Generalsekretariat: Die Generalsekretärin war Ende 2020 Gianna Luzio.

Vertretung in der Regierung und den Parlamenten

Bundesrat: Die CVP war von 1891 bis 2020 immer im Bundesrat vertreten. 2020 war CVP-Bundesrätin Viola Amherd als Chefin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die erste Verteidigungsministerin der Schweiz. Bundeskanzler: Walter Thurnherr Bundeshausfraktion: In dieser waren alle amtierenden Nationalräte und Ständeräte der CVP (40), EVP (2) und CSP (1) vertreten. Mit 43 Sitzen war sie die viertgrösste Fraktion der eidgenössischen Räte. Davon fielen 29 Sitze auf den Nationalrat und 14 auf den Ständerat. Im Ständerat war die CVP damit die stärkste Partei. Geführt wurde die Fraktion von Fraktionspräsident Filippo Lombardi und Vize-Fraktionspräsident Leo Müller. Die Nachfolgefraktion ist die Mitte-Fraktion, die seit 2020 von Andrea Gmür-Schönenberger geführt wurde. Kantonsregierungen: Die CVP stellte 2020 in insgesamt 22 Kantonen 38 Regierungsräte. Dies entsprach 24,7 % aller Sitze. Kantonsparlamente: In allen kantonalen Parlamenten war die CVP 2020 mit insgesamt 414 Mandaten vertreten. Dies entsprach 15,9 % aller Sitze.

Vereinigungen der CVP Die CVP hatte folgende Vereinigungen: CVP Frauen Junge CVP Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Arbeit (AWG) Forum de l’entreprise Forum politique Christlichsoziale Vereinigung Schweiz (CSV), Nachfolgeorganisation der Christlichsozialen Partei (CSP) CVP International

Kantonalsektionen (Stand 2020) Kantonalsektion Präsident Resultate Nationalratswahlen 2019 Mandate im Nationalrat Mandate im Ständerat Mitglieder inKantonsregierungen25px|Kanton Zürich CVP Kanton Zürich Nicole Barandun-Gross 4,4 % Philipp Kutter - Silvia Steiner25px|Kanton Bern CVP Kanton Bern Béatrice Wertli 1,9 % - - -25px|Kanton Luzern CVP Kanton Luzern Christian Ineichen 25,5 % Priska Wismer-FelderIda Glanzmann-HunkelerLeo Müller Andrea Gmür Guido GrafReto Wyss25px|Kanton Uri CVP Kanton Uri Flavio Gisler 39,2 % Simon Stadler Heidi Z’graggen Urban CamenzindDaniel FurrerBeat Jörg25px|Kanton Schwyz CVP Kanton Schwyz Bruno Beeler 18,4 % Alois Gmür Othmar Reichmuth Sandro PatiernoMichael Stähli25px|Kanton Obwalden CVP Kanton Obwalden Bruno von Rotz 36,7 % - Erich Ettlin Christoph Amstad25px|Kanton Nidwalden CVP Kanton Nidwalden Therese Rotzer 35,8 % - - Othmar FilligerKarin Kayser-FrutschiJosef Niederberger-Streule25px|Kanton Glarus CVP Kanton Glarus Peter Landolt-Fischli - - - Rolf Widmer25px|Kanton Zug CVP Kanton Zug Laura Dittli 23,8 % Gerhard Pfister Peter Hegglin Martin PfisterSilvia Thalmann-GutBeat Villiger25px|Kanton Freiburg CVP Kanton Freiburg Damiano Lepori 17,8 % Marie-France Roth PasquierChristine Bulliard-Marbach - Oliver CurtyGeorges GodelJean-Pierre Siggen25px|Kanton Solothurn CVP Kanton Solothurn Sandra Kolly-Altermatt 14,2 % Stefan Müller-Altermatt Pirmin Bischof Roland FürstRoland Heim25px|Kanton Basel-Stadt CVP Kanton Basel-Stadt Balz Herter 4,6 % - - Lukas Engelberger25px|Kanton Basel-Landschaft CVP Kanton Basel-Landschaft Silvio Armando Fareri 8,5 % Elisabeth Schneider-Schneiter - Anton Lauber25px|Kanton Schaffhausen CVP Kanton Schaffhausen Nathalie Zumstein 2,1 % - - -25px|Kanton Appenzell Ausserrhoden CVP Kanton Appenzell Ausserrhoden Claudia Frischknecht - - - -25px|Kanton Appenzell Innerrhoden CVP Kanton Appenzell Innerrhoden Stefan Ledergerber 35,7 % Thomas Rechsteiner Daniel Fässler Monika Rüegg BlessStefan MüllerRuedi Ulmann25px|Kanton St. Gallen CVP Kanton St. Gallen Patrick Dürr 18,8 % Nicolò PaganiniMarkus Ritter Benedikt Würth Bruno DamannSusanne Hartmann25px|Kanton Graubünden CVP Kanton Graubünden Stefan Engler 16,3 % Martin Candinas Stefan Engler Marcus CaduffMario Cavigelli25px|Kanton Aargau CVP Kanton Aargau Marianne Binder-Keller 9,9 % Ruth Humbel NäfMarianne Binder-Keller - Markus Dieth25px|Kanton Thurgau CVP Kanton Thurgau Paul Rutishauser 12,7 % Christian Lohr Brigitte Häberli-Koller Carmen Haag25px|Kanton Tessin CVP Kanton Tessin Fiorenzo Dadò 18,2 % Fabio RegazziMarco Romano - Raffaele De Rosa25px|Kanton Waadt CVP Kanton Waadt Gérald CretegnyIsabelle Tasset Vacheyrout 2,4 % - - -25px|Kanton Wallis CVP Kanton WallisDie Kantonalpartei gliedert sich in vier Untersektionen: CVP Oberwallis, CVP Mittelwallis, CVP Unterwallis sowie CSP Oberwallis Franziska Biner (CVP Oberwallis)Konstantin Bumann (CSP Oberwallis)Joachim Rausis (Unterwallis) 34,8 % Sidney KamerzinBenjamin RoduitPhilipp Matthias Bregy Beat RiederMarianne Maret Christophe DarbellayJacques MellyRoberto Schmidt25px|Kanton Neuenburg CVP Kanton Neuenburg Vincent PahudNathalie Schallenberger 4,2 % - - -25px|Kanton Genf CVP Kanton Genf Délphine Bachmann 7,7 % Vincent Maitre - Serge Dal Busco25px|Kanton Jura CVP Kanton Jura Pascal Eschmann 22,5 % Jean-Paul Gschwind Charles Juillard Martial Courtet

Anmerkungen

Geschichte Katholiken im Kulturkampf mini|100px|Josef Leu mini|100px|Josef Zemp