Die St'at'imc oder Stl'atl'imx,Weitere Schreibweisen: St'át'imc, Stl'atl'imc, Sƛ’aƛ’imxǝc, St'át'imc, Stlatliumh, Slatlemuk (sprich: ‘Stat-liem’ oder ‘stat-lee-um’), früher bekannt unter dem Namen Lillooet oder Lilwat, sind eine Gruppe mehrerer kanadischer First Nations. Ihre Sprache, das Lillooet (auch Lilloet oder St'at'imcets) aus der Salish-Sprachgruppe, unterteilt sich in zwei Dialektgruppen: St'at'imcets, dem Dialekt der Upper St'at'imc und Ucwalmícwts (oo-kwal-MEWK), dem Dialekt der Lower St'at'imc. mini|Seton-See Kulturell und sprachlich gehören sie zusammen mit den Secwepemc, Nlaka'pamux (früher ‘Thompson’ genannt) und Okanagan zur Gruppe der Binnen-Salish, die sich, anders als die Küsten-Salish, den häufig trockeneren und gebirgigen Landschaften anpassen mussten.
Die St'at'imc werden im Allgemeinen zum nordwestlichen Plateau-Kulturareal gerechnet, jedoch hatten die Lower St'at'imc viele kulturelle Merkmale der benachbarten First Nations der Nordwestküste übernommen. Dazu zählten der Potlatch, die Erlangung von Prestige durch Reichtum und Großzügigkeit gegenüber der Gemeinschaft, bestimmte Clan-Namen, Teile der Mythologie und sogar Totempfähle in einigen Gemeinden. Dies gilt besonders für die Lil'wat First Nation (Lil’wat7ul), deren Stammesgebiete und Handelsrouten sich im Whistler- und Green-River-Tal mit den zu den Küsten-Salish zählenden Squamish überlappten.Lillooet
Als sie erstmals mit Weißen in Berührung kamen, lebten sie im Tal des Lillooet River in der heutigen Provinz British Columbia. Ihre nordwestlichen Nachbarn waren die athapaskisch-sprachigen Tsilhqot'in, im Norden lebten die Secwepemc, im Osten die Nlaka'pamux, im Südwesten und Süden die Küsten-Salish.
Heute leben ungefähr 6000 St'at'imc in Kanada.
Geschichte Die Deklaration des St'at'imc-Stammes (Lillooet Tribe) geht auf den 10. Mai 1911 zurück und fand in Spences Bridge statt. Darin beanspruchten sie das Land einschließlich des von weißen Siedlern besetzten Gebiets um Seton Portage. Zudem beanspruchten sie erstmals den Status einer Nation. Auf sie geht, trotz der Spaltungen, der St'at'imc Chiefs Council, der Lillooet Tribal Council und die In-SHUCK-ch Nation zurück.Ich folge hier im Wesentlichen Karen Wonders, bzw. den auf www.firstnations.de vorfindlichen Informationen, s. Weblinks.
Verhältnis zu benachbarten First Nations Die St'at'imc hatten viele indigene Völker als Nachbarn, zu denen ihr Verhältnis oft von Spannungen und gegenseitigen Raub- und Vergeltungszügen geprägt war – im Nordwesten lebten die Tsilhqot'in (früher ‘Chilcotin’, in ‘St'at'imcets’ als psxíxnem) und Kwakwaka'wakw (früher ‘Kwakiutl’), im Nordosten die Secwepemc (früher ‘Shuswap’, in ‘St'at'imcets’ als Scwápmec), im Osten und Südosten die Nlaka'pamux (früher ‘Thompson’) sowie im Westen und Südwesten verschiedene Gruppen der Küsten-Salish. Meist wurden diese Konflikte durch strittige Grenzen der Fisch- und Jagdgründe ausgelöst, als auch durch die sich hierauf anschließenden Rachezüge, um den Tod eines Stammesmitglieds zu rächen. Bei diesen Auseinandersetzungen wurden gewöhnlich die unterlegenen Feinde als Sklaven heimgeführt, doch konnten diese – im Gegensatz zu den Stämmen der Nordwestküste – durch Heirat innerhalb einer Secwepemc-Familie vollwertige Mitglieder der Hausgruppen werden. Am meisten hatten unter den regelrechten Sklavenjagden der bis Mitte des 19. Jahrhunderts nach Süden vordringenden Lekwiltok, Haida sowie Tlingit, die zudem erheblich früher über Musketen und Gewehre verfügten, hierbei die St'at'imc sowie die Küsten-Salish zu leiden. Zudem zählten zu ihren Feinden die Secwepemc, Nlaka'pamux sowie Okanagan.
Die jeweils benachbarten Gruppen der St'at'imc schlossen sich oft gegen ihre Gegner zusammen, um sich den Erfolg im Krieg zu sichern – hierbei konnten sie auf existierende verwandtschaftliche Bande durch Heiraten zwischen den einzelnen Familien benachbarter Dörfer (aber verschiedener Gruppen) zurückgreifen, um Hilfe bei der Verteidigung gegen Feinde oder um Unterstützung in einem Vergeltungszug zu bekommen.
Heiraten zwischen benachbarten St'at'imc-Gruppen oder auch First Nations stellten eine bedeutende Überlebensstrategie der verschiedenen Binnen-Salish-Gruppen dar, da das Ausbleiben des jährlichen Lachs zu Hunger oder erzwungener Abwanderung führen konnte, und man, vertrauend auf die etablierten familiären Bande, Jagd- und Fischgründe teilen konnte.
Kolonialherrschaft, Goldrausch, Pocken mini|St'at'imc (Lillooet) Nation, Charles Gentile 1865 Xaxl'ip-Häuptling Tsil.husalst († 1883) verhandelte 1865 in Lillooet mit Vertretern der britischen Kolonialregierung. Dabei wurden mündliche Vereinbarungen getroffen, die in die Tradition als „one third“ agreement eingegangen sind. Diese „Ein-Drittel-Vereinbarung“, an die Xaxl'ip-Häuptling Ernest Jacob († 1985) erinnerte, war eine Folge des Sieges im so genannten Fraser-Canyon-Krieg von 1858. Darin sollte jeder der beteiligten Parteien das Recht zustehen, ein Drittel der Ressourcen des Gebietes zu beanspruchen.
Der Fraser-Canyon-Goldrausch hatte ab 1858 katastrophale Folgen für die Indianer der Region. Die Douglas Road führte mitten durch ihr Gebiet, und auf ihr zogen Tausende von Goldsuchern in den Norden. 1862 schleppten kalifornische Goldsucher die Pocken über Victoria in die Region ein, und ganze Dörfer starben daran.
Kanada, Zerstörung der natürlichen Ressourcen 1884 folgte der Cayoosh Gold Rush, der seinen Namen von der Fundstätte in der Nähe von Lillooet erhielt. Diese Gebiete wurden bald von größeren Explorationsunternehmen ausgebeutet, wie der Cayoosh Creek Cyanide Mill und der Bralorne Pioneer Gold Mine, der reichsten Goldmine Kanadas (1887 bis 1971 betrieben). Der Rohstoff, den erstere gewann, wurde zum Betrieb der Goldmine gebraucht. Die Abfallprodukte vergifteten die Bäche in weitem Umkreis. mini|Blick vom Gott Peak Darüber hinaus untersagte der British Columbia Game Act, ein Jagdgesetz von 1898, den Stämmen die Jagd, die sie traditionell betrieben, und Jagdwächter hinderten sie an dieser lebensnotwendigen Tätigkeit, verhängten Bußgelder und Gefängnisstrafen. Francis (Frank) Gott (ca. 1850–1932), einer der besten Kenner des Gebiets, flüchtete sich in ein abgelegenes Bachtal rund 25 km von Lillooet entfernt. Er weigerte sich, die Jagd aufzugeben, erschoss einen der Beamten und wurde selbst im Alter von über 80 Jahren erschossen. Der heutige Gott Creek wurde nach ihm benannt.
Caspar Phair († 1933) war einer der ersten Regierungsagenten und zugleich Gold Commissioner. An den Gewinnen aus den Rohstoffen wurden die Indianer genauso wenig beteiligt, wie an denen aus der Energiegewinnung. 1927 begann das Bridge River Power Project, das heute von BC Hydro betrieben wird. Es ist eines der größten kanadischen Stromgewinnungsprojekte und besteht aus drei Stauseen. 1960 wurde der Bridge River aufgestaut und sein Wasser in den Seton Lake (Tsal'álh) umgeleitet. Damit brach die für die St'at'imc lebensnotwendige Lachspopulation zusammen. Diese Entwicklung hatte bereits 1903 am Seton Lake eingesetzt.
1913 wurde die Pacific Great Eastern Railway mitten durch das St'át'imc-Gebiet gebaut. Dort, wo heute die Shalalth und Seton Portage leben, wurde der beste Boden konfisziert, und diente der Versorgung der Bahn und der neu entstehenden Orte.
Klagen, Streit um Fischereirechte und Erhalt der Wälder Als die McKenna-McBride-Kommission die Indianerreservate aufsuchte, beschwerten sich die Häuptlinge über den Raubbau an Wäldern, Seen und Wildbestand. 1915 schrieb der Xaxl'ip-Häuptling Thomas Adolph an das Department of Indian Affairs, dass der Eisenbahnbau ihr Land zerstöre, und er forderte Kompensationen und Schutz. 1916 reiste eine Delegation der gerade gegründeten Indian Rights Association nach Ottawa, um Klage gegen die Landentfremdungen zu erheben. Drei Häuptlinge der Lillooet nahmen daran teil: Xaxl'ip-Chief Thomas Adolf, der bereits die Deklaration von 1911 unterzeichnet hatte, T'it'q'et-Häuptling James Raitasket und Lil'wat-Häuptling William Pascal, der 1927 erneut nach Ottawa reiste.
1917 forderte der Sekw'el'was-Häuptling Jean Baptiste erneut Kompensationen, und versuchte diese mit Hilfe von Rechtsanwälten vor Gericht durchzusetzen. Doch 1927 untersagte die kanadische Regierung allen Ureinwohnern, Geld für entsprechende Rechtsvertretungen auszugeben.
Noch 1975 zerstörten Beamte des Canadian Department of Fisheries and Oceans (DFO) zahlreiche Fischnetze, und 53 Lil'wat wurden verhaftet. Drei Jahre später protestierte Nxwisten-Häuptling Saul Terry gegen die Restriktionen der DFO am Bridge River. Er war der erste Vorsitzende der Union of BC Indian Chiefs. 1979 kam es erneut zu einer Verhaftung, doch führte diese dazu, dass die Fischereirechte der Indianer von einem Gericht anerkannt wurden. Im selben Jahr konnten die Indianer einen Kahlschlag am Mount Currie durch die Canadian Forest Products Company verhindern.
In Fortsetzung ihrer Forderung nach Eigenständigkeit und Selbstregierung gründete der St'át'imc Chiefs Council am 26. Juli 1988 am Bridge River die Lillooet Tribal Peacekeepers Commission und die Lillooet Tribal Peacekeepers Force. Im selben Jahr reiste Häuptling Leonard Andrew nach Neuseeland, um die dort ansässige Fletcher Challenge Company von Abholzungen im Stein Valley abzubringen. 1990 wurden bei Straßenblockaden gegen die Enteignung von Land zugunsten des Ausbaus von Highway 99 wiederum 63 Personen verhaftet, und vor Gericht gezogen. Aus Solidarität mit den Mohawk (Oka-Krise) blockierten hundert St'át'imc hundert Tage lang die Eisenbahn bei Seton Portage. Hierbei wurden rund 100 Indianer verhaftet. Bereits im Februar 1991 blockierten sie erneut eine Straße, diesmal gegen Holzeinschläge der International Forest Products Ltd. Hierbei ging es, wie so oft im Zusammenhang mit Waldgebieten, auch um Heilige Stätten und Felszeichnungen. Gegen das Vorgehen der Regierung protestierte der Stamm beim Internationalen Gerichtshof.
Unterschutzstellung des Stein Valley, Besetzungen, Winterspiele 2010 mini|Verkauf von „native crafts“ in Lillooet 1993 verzeichneten die Lil'wat und Nlaka'pamux einen ersten Erfolg, denn der spätere Stein Valley Nlaka'pamux Heritage Park wurde unter Schutz gestellt. Doch bereits 1998 mussten sie erneut zum Mittel der Blockade greifen, um Holzeinschläge am Seton Lake durch die Ainsworth Lumber Company zu verhindern, ähnlich am Highway 99. Trotz der Delgamuukw Decision, die grundsätzlich die Mitspracherechte anerkannte, wollte die Regierung von British Columbia ihren Ausbauplan durchsetzen. Damit entschied der Oberste Gerichtshof, dass vor 1867 (für British Columbia vor 1871) die Rechte der Ureinwohner niemals ausgelöscht worden seien, und sie daher seit der Gründung Kanadas fortbestehen. Außerdem hielten mehrere Gerichtsurteile fest, dass den Indianern das Recht zusteht, ihre besondere Kultur ihren Kindern nahezubringen, wobei das Territorium integraler Bestandteil sei. Daher müsse bei jeder Entscheidung, die dieses Land betrifft, eine Konsultation mit dem betroffenen Stamm erfolgen. 1997 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die Rechte sich auf Rechte an Land, Ressourcen und das Recht auf kulturelle Traditionen sowie auf politische Autonomie beziehen.
Die Stämme der Region rückten zunehmend zusammen und koordinierten ihren Widerstand gegen die Ausbeutung ihrer Heimat. So blockierten sie gemeinsam die Ausbaupläne am Melvin Creek durch das Cayoosh-Ski-Resort-Projekt. Diese Ausbaupläne hingen bereits mit den Olympischen Winterspielen 2010 zusammen, und die Betreiber standen schon zuvor in erbitterten Auseinandersetzungen mit den Secwepemc über einen 70-Millionen-Dollar-Ausbau des Sun Peaks Ski Resort bei Kamloops. 2002 beschwerten sich die Indianer offiziell beim Internationalen Olympischen Komitee.Die Beschwerde findet sich hier (PDF, 1,1 MB): Official Complaint by the Elders, Land Users and Native Yoth of Sutikalh and Skwelkwek'welt to the International Olympic Committee (PDF; 1,2 MB)