mini | rechts | alternativtext=In der Mitte des Bildes ist der Gerichtshof in Leeuwarden zu sehen. Es ist ein älteres Gebäude mit einem Eingangsbereich gestützt von Säulen. | Gerichtshof in LeeuwardenDer Kneppelfreed (; ) fand am 16. November 1951 in der friesischen Provinzhauptstadt Leeuwarden statt. Vor dem örtlichen Gerichtsgebäude wurde eine Menschenmenge, die sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt hatte, um dem Prozess gegen den Journalisten Fedde Schurer beizuwohnen, von der Polizei mit Gummiknüppeln und einem Wasserwerfer auseinandergetrieben.
Anlass Im Oktober 1951 stand der damals 34-jährige Tierarzt und Vorsitzende der Föderation der friesischen Studentenverbindungen, Sjirk van der Burg, wegen einer Verkehrswidrigkeit vor dem Amtsgericht in Leeuwarden. Während der Verhandlung sprach Van der Burg westfriesisch. Der Richter S. R. Wolthers erklärte ihm danach, dass gesetzlich nur die niederländische Sprache in die offizielle Aufzeichnung des Prozesses aufgenommen werden könne. Van der Burg war aber der Meinung, dass er in Friesland westfriesisch sprechen durfte. Sowohl Angeklagte als auch Richter waren zweisprachig, aber Van der Burg weigerte sich, niederländisch zu sprechen und Wolthers gab vor, die westfriesische Sprache nicht zu verstehen. Der Prozess wurde beendet, als Van der Burg seine Geldbuße von 7 Gulden (etwa 27 EuroInternational Institute of Social History; Waarde van de gulden versus de Euro.) doch noch bezahlte.
Schurer hatte dem Prozess beigewohnt und sich in der Tageszeitung Heerenveense Koerier kritisch über Wolthers und sein Verhältnis zur westfriesischen Sprache ausgelassen, was ihm eine Anklage wegen Beleidigung des Richters einbrachte.
Als der Prozess geführt wurde und es im Gerichtssaal nicht genügend Plätze für alle Zuschauer gab, sammelten sich die Anhänger des Journalisten vor dem Gerichtsgebäude. Obwohl der Amtsanwalt nur eine Strafe von 150 Gulden forderte, wurde Schurer wegen Beleidigung und Lästerung zu zwei Wochen Haft verurteilt. Das Urteil wurde von den Anhängern Schurers mit Protesten beantwortet. Als die Gruppe sich am Abend noch immer nicht bewegt hatte, wurden die Demonstranten von der Polizei mit Gewalt verjagt.
Folgen Der Prozess und die Krawalle polarisierten die Bevölkerung Frieslands und wurden ausführlich diskutiert. In den nächsten Jahren nach dem Prozess beschloss die niederländische Regierung, das Friesische zur zweiten Reichssprache der Niederlande zu erklären. Seit der Anerkennung wird Friesischsprachigen im Justizsystem die Möglichkeit geboten, sich beim Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden auch auf Friesisch zu äußern und die friesische Sprache wurde innerhalb Frieslands auch im Unterricht und in der Kommunalpolitik mit dem Standardniederländisch gleichgesetzt.Hans Knippenberg & Ben de Pater: De eenwording van Nederland: schaalvergroting en integratie sinds 1800. SUN Uitgeverij, 2011, S. 170.
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