Das Amt Warburg-Land (bis 1932 Amt Warburg) war ein bis 1974 bestehendes Amt im ostwestfälischen Kreis Warburg in Nordrhein-Westfalen. Seine historischen Vorgänger waren die Go- und Freigrafschaft Warburg sowie der Kanton Warburg.

Vorgeschichte Die Frei- und Gografschaft Warburg Die bereits im frühen Mittelalter entstandene Frei- und Gografschaft Warburg war bis zu den Napoleonischen Kriegen eine Verwaltungseinheit im Hochstift Paderborn. Zu ihr gehörten die Städte Warburg und Calenberg sowie die Orte Bonenburg, Dalheim, Germete, Herlinghausen, Menne, Nörde, Ossendorf, Rimbeck, Scherfede, Welda, Westheim und Wormeln.

Der Kanton Warburg Nachdem das Gebiet des Hochstifts 1807 an das Königreich Westphalen gefallen war, wurden neue Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild geschaffen; meistens ohne Berücksichtigung historischer Gebietsgrenzen. Zum Kanton Warburg gehörten die Stadt Warburg sowie die Gemeinden Bonenburg, Dössel, Hohenwepel, Menne, Nörde, Ossendorf, Rimbeck und Scherfede. Der Kanton gehörte zum Distrikt Höxter im Departement der Fulda. Mehrere andere Orte der alten Grafschaft wurden den Kantonen Niedermeiser und Volkmarsen im Distrikt Kassel des Königreichs zugeteilt. Im Jahre 1810 hatte der Kanton Warburg 5994 Einwohner.

1816 wurde der Kanton Warburg, zu dem nun auch wieder die 1807 in den Distrikt Kassel umgegliederten Gemeinden gehörten, dem neuen Kreis Warburg zugeschlagen und bestand in diesem als Verwaltungsbezirk fort.Amtsblatt der Regierung Minden 1816, S. 178 Die Stadt Warburg erhielt 1836 die preußische revidierte Städteordnung und wurde dadurch verwaltungstechnisch von den umliegenden Gemeinden abgetrennt.Amtsblatt der Regierung Minden 1837, S. 59

Das Amt Warburg bzw. Warburg-Land

Im Rahmen der Einführung der westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurden aus den unterhalb der Kreisebene bestehenden Verwaltungsbezirken, sofern es sich nicht um Städte gemäß der revidierten Städteordnung handelte, Ämter gebildet. Im Kreis Warburg wurde dadurch aus dem Verwaltungsbezirk Warburg das Amt Warburg. Das Amt gliederte sich in die 14 Gemeinden Bonenburg, Calenberg, Dalheim, Dössel, Germete, Herlinghausen, Hohenwepel, Menne, Nörde, Ossendorf, Rimbeck, Scherfede, Welda und Wormeln, von denen keine das Stadtrecht besaß. Verwaltungssitz war die Stadt Warburg, die selbst dem Amt nicht angehörte.Amtsblatt der Regierung Minden 1843, S. 283 Im Jahre 1911 wurde das Amtshaus an der Kasseler Straße in Warburg bezogen. Dieses Gebäude wurde bis zum 1. Januar 1975 als Amtsverwaltung verwendet.

Das Amt Warburg wurde am 30. Januar 1932 in Amt Warburg-Land umbenannt. Sein Umfang blieb dabei unverändert.Amtsblatt der Regierung Minden 1932, S. 28

Die Gemeinden des Amtes hatten bei der letzten Volkszählung vor der Amtsauflösung Mitte 1970 eine Wohnbevölkerung von 12.228 Einwohnern. Bei einer Fläche von 113,77 km² ergibt sich eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 107 Einwohnern pro Quadratkilometer, die über dem Kreisdurchschnitt von 88 Einwohnern pro Quadratkilometer lag. Damit war das Amt das zweitkleinste des Kreises und gleichzeitig das mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Die folgende Übersicht zeigt die 14 Gemeinden mit Bevölkerungs- und Gebietsstand vom 27. Mai 1970:

Name Einwohner Fläche in km² Bonenburg 1.040 12,38 Calenberg 414 3,87 Dalheim 127 3,38 Dössel 612 4,90 Germete 733 4,52 Herlinghausen 388 2,71 Hohenwepel 658 7,20 Menne 723 4,57 Nörde 715 6,44 Ossendorf 1.110 6,49 Rimbeck 1.351 11,00 Scherfede 3.021 30,61 Welda 796 9,18 Wormeln 540 6,56 Amt Warburg-Land 12.228 113,81

Aufgrund § 31 des Sauerland/Paderborn-Gesetzes vom 5. November 1974 schlossen sich die Gemeinden des Amtes mit der Gemeinde Daseburg des Amtes Borgentreich und der Stadt Warburg zum 1. Januar 1975 zur neuen Stadt Warburg zusammen. Das Amt Warburg-Land wurde aufgelöst. Rechtsnachfolgerin ist die Stadt Warburg.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle 1843 7.863 Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966 1871 8.177 1910 9.047 1939 9.572 Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1966 1950 13.577 Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen) 1961 11.561 1970 12.228

Geographie Das Amt Warburg-Land lag im Südwesten des Kreises Warburg. Das Amt umschloss die Stadt Warburg zu großen Teilen, daneben grenzten an das Amt im Uhrzeigersinn beginnend im Norden die Ämter Peckelsheim und Borgentreich (Kreis Warburg), die hessischen Landkreise Hofgeismar und Waldeck sowie der Kreis Büren.

Amtmänner Von der Gründung bis 1945 stand ein Amtmann dem Amt vor.

1843-18?? Ramus (vorher Cantonatsbeamte in Rösebeck) 1888-04/1906 Grohstück 04/1906- 09/1906 Rose Calenberg, 1. Beigeordneter (interims) 10/1906–1933 Wortmann 1933 Wiegard (interims) 1933–1945 Mues Zu der Funktion des Amtmannes zählte auch die Einführung der neuen Ortsvorsteher.

Amtsdirektoren und Amtsbürgermeister Die Amtsverwaltung wurde seit 1945 geleitet von einem Amtsbürgermeister (ehrenamtlich) und einem Amtsdirektor (hauptamtlich).

Amtsdirektoren 1945–1956: Josef Hillebrand, Welda 1956–1967: Josef Wiemers, Dössel 1969–1975: Ludwig Blömeke, Bad Driburg (ab 1975 Stadtdirektor von Warburg)

Amtsbürgermeister 1945-195? Fust, Germete 195?-1956 Eduard Paal, Hardehausen 1956–1969: Gerd Ritgen, Wormeln 1969-Ende 1974: Josef Albers, Ossendorf

Siehe auch Nikolaus Hesse (1794–1868), ehemaliger Verwaltungsbeamter und Rentmeister im Amt Warburg

Weblinks Verwaltungsgeschichte des Amtes Warburg Land auf territorial.de

Einzelnachweise

Warburg-Land Kategorie:Geschichte (Warburg) Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Kreis Höxter) WarburgLand Kategorie:Aufgelöst 1974